Umweltzar wider Willen, und das bis ins hohe Alter?

Zar zu sein und ab und an dem Volk zu zeigen, dass er auch einen bodenständigen Beruf ausüben könnte – früher war ein guter Zar ein Zimmermann, heute ist er ein ausgezeichneter LKW-Fahrer, dem man sich bedenkenlos anvertrauen kann – , reichen nicht mehr, um als Erneuerer in die Geschichte des Landes einzugehen. Wegen der Folgen des Klimawandels sollte jeder, der die Chance, einer zu werden, sich vornehmen, Umweltzar zu werden. Nur die können noch Geschichte schreiben, die man in 100 Jahren wohlwollend beurteilen wird. Aber hat Putin noch das Zeug zum Umweltzar? Ihm wird gar nichts anderes übrig bleiben, als einer zu werden, denn im Augenblick reißen ausgerechnet die Hiobsbotschaften aus dem Norden, dazu auserkoren, Russlands Gas- und Ölexporte in den nächsten Jahrzehnten sicherzustellen, nicht ab. Während die Wehrmacht es trotz größter Anstrengungen nie schaffte, den Betrieb auf der Murmanbahn, über die der Nachschub der Alliierten lief, zu unterbrechen (im Nachhinein war wohl einer der größten Fehler des Barbarossa-Plans, Murmansk nicht gleich am 22.06. angegriffen zu haben), hat die Schneeschmelze, die es in diesem Jahr besonders eilig hat, eine Brücke zerstört. Ende Juni soll eine Ausweichroute fertig sein.
Da Murmansk abgeschnitten ist, wurde der Notstand ausgerufen. Einige Wasserkraftwerke einer Kaskade stehen unter Wasser. Und dann gibt es noch einen Ölteppich, über den selbst die Tagesschau berichtete – wegen des tauenden Permafrostbodens lecke ein Tank. Material- und Imageschaden schätzt der Kreml so hoch ein, dass der Chef des Nationalen Sicherheitskomitees verkündet hat, nun die Sache in die Hand nehmen zu wollen. Ob Umweltzar aus Überzeugung oder weil er nicht will, dass Russland im Ausland nicht mit Brasilien, dem Primus unter den Klimasündern, verglichen wird – Hauptsache, es tut sich was. Der beste Weg, Umweltzar zu werden, wäre, zu verhindern, dass weiter Unsummen in der Arktis und im Frostboden, der im Sommer zu Pudding wird, versenkt werden. Anders als die meisten Ölländer, die auf die Einnahmen des schwarzen Goldes, das seinen magischen Mythos längst verloren hat und unter den Ökos als Pech, das die Erde abfackelt, gilt (überlege gerade, ob der der Glöckner von Notre Dame die Diebe auch damit beschüttete), sind die Russen nicht unbedingt auf das Öl angewiesen. Wer es schafft, als zweites Land ein Medikament gegen Corona zu entwickeln, dem sollte es gelingen, sich davon loszusagen. Avifavir heißt das Mittel, das Covid besiegen soll. Es ist jetzt zugelassen worden. Dessen Wirkung soll recht gut sein. Da die Infektionsraten hierzulande im Augenblick ziemlich niedrig sind und der Blog damit liebäugelt, sich in Gefahr zu begeben, wäre es natürlich interessant, zu wissen, ob der Stoff auf prophylaktisch wirkt, nach dem Motto an apple a day keeps the doctor away. Ganz billig würde eine Vorsorge wohl nicht werden. Aber erst einmal brauchen die Russen das Medikament. Im Mai sind in Moskau 60 % mehr als vor einem Jahr verstorben.

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1 Antwort zu Umweltzar wider Willen, und das bis ins hohe Alter?

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