May – wer kann sie noch stoppen?

Die May in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf – wovon Honecker nur träumen konnte, wird Theresa May hinbekommen, denn der von ihr ausgehandelte Vertrag, in dem sich die EU und sie darauf geeinigt zu haben scheinen, wie die Iren ihre offene Grenzen beibehalten können, ist sozusagen das Lebenselixier, das sie in die Lage versetzt, den nächsten Marathon anzugehen, noch bevor sie das Zielband des jetzigen, von dem niemand weiß, der wievielte es ist, durchtrennt hat. Hätten Ochs und Esel in Brüssel am Verhandlungstisch gesessen, wäre May vermutlich schon längst zusammengebrochen. Leider sitzen dort aber hochgebildete Leute, die aus Gründen, die ich nicht verstehe, ihr erlauben, dem Parlament ein Papier, das einen Volksentscheid unwahrscheinlicher werden lässt, vorzulegen – die Chance, dass sie damit durchkommt, mag jetzt noch sehr gering sein. Die Situation könnte sich aber gründlich ändern, wenn May nun auf Zeit spielt, sprich die Abstimmung so lange wie möglich hinausschiebt, so dass bei einer Ablehnung keine Zeit mehr bliebe, mittels eines Volksentscheids darüber zu bestimmen, ob das Land in der EU bleibt oder nicht. Da immerhin 21 von 100 Leuten, die an der Abstimmung teilgenommen haben, meinen, sie würde heute anders wählen, stehen die Chancen nicht schlecht, den Ausstieg doch noch zu verhindern. (Übrigens sind das Leute, die nie Kontakt mit den Abgeordneten hatten. Nur selten haben Teilnehmer, die vor der Abstimmung ihre Vertreter konsultierten, ihre Meinung geändert. Das spricht dafür, dass es ganz gut ist, Distanz zu unseren Volksvertretern zu halten. Keep them at arm‘s length!) Aber selbst wenn 52 von 100 anderer Meinung (also alle Brexiter) wären, würde Therese May weiter rennen – als sie als designierte Premierministerin vor die Presse trat, um im Brustton der Überzeugung, der dem Wahnsinn recht nahe kam, zu verkünden, „Brexit means Brexi“, war klar, dass sie sich an dieser Aufgabe festbeißen würde, ähnlich wie Colonel Nicholson im berühmten Film über den Bau einer Brücke über den Kwai. Sie wird nun das Stück Papier so wie Chamberlain, der geglaubt hatte, er hätte die Briten vor einen Krieg mit den Deutschen bewahrt (München), stolz in die Höhe reichen. Während man Chamberlain aufgrund der Schrecken des 1. Weltkriegs sein Einlenken noch nachsehen kann, hält sich das Verständnis für May, die sich stur nur von diesem Satz hat leiten lassen, in Grenzen. Wird es Labour gelingen, May zu stoppen? Im Jubelgeschrei über den Vertrag ist untergegangen, dass es der Partei gelungen ist, May zu zwingen, zu veröffentlichen, was ihr ihre Beamten empfohlen haben. Daraus lässt sich dann ablesen, inwieweit die Tories den Ratschlägen gefolgt sind. Die große Frage aber bleibt, wie Labour es schaffen will, die Konservativen zu einer Volksentscheidung zu bewegen. Es hilft nicht, wenn Corbyn und Co. zusammen mit den May-Rebellen deren Vertrag ablehnen, wenn dieselben Leute sich weigern, für Neuwahlen oder einen Entscheid zu stimmen. Wer sagt, dass May zurücktreten muss, wenn sie die Abstimmung verlieren sollte? Es sieht ganz nach einem großen Aussitzen aus (dagegen sind Kohls Aussitz-Manöver amateurhaft). Phoney War im Unterhaus. Die Deutschen haben dafür einen besseren Ausdruck – sie sprechen von einem Sitzkrieg. Nur ein Amerikaner konnte darauf kommen, das als „Fake-Krieg“ zu bezeichnen.

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Eine Familie fliegt zum Mond,

jedoch darf nur einer ins Raumschiff, das ihn dahin bringt, so dass die anderen, obwohl sie in die Vorbereitungen zum Flug voll involviert sind, in den Mond gucken, worunter sie, wie unschwer zu erraten ist, zu leiden haben. (Damals wurde der Mond noch regelmäßig angeflogen, gefühlt ungefähr im Rhythmus, in dem man neuerdings nach Sankt Helena gelangen kann.) Ob es heute, wo die Reise „nur“ zur ISS geht, noch genauso ist, weiß ich nicht, denn im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen damals wie heute immer jene, die ins All aufbrechen. Wer „La La Land“ gesehen, der weiß, dass dessen Regisseur Chazelle Amstrong nicht zum Mond ohne dessen Familie fliegen lassen kann. (Dass ein Mann, der einen Musical gemacht hat, sich der Geschichte der Raumfahrt der USA widmet, ist angesichts des Zwangs, die Ereignisse exakt erzählen zu müssen, dann doch erstaunlich. Vielleicht liegt es am Vater, der Professor für Mathematik und Informatik in Princeton ist.) Für einen Cineasten, der gewohnt ist, dass eine Actionszene nahtlos der nächsten folgt, ist die Geschichte wohl eher nichts, denn statt sich im Film auf den Flug, auf dem die Crew mit allen Problemen zu kämpfen hat, die halbwegs plausibel erscheinen, zu beschränken, gewährt er uns einen Blick in den Alltag des bekanntesten NASA-Austronauten, was recht mutig ist, da Amstrong nicht gerade zu denen gehört, die das Publikum unterhalten – ihn einfach als introvertiert zu bezeichnen wäre eine Untertreibung. Der Mann ist praktisch die Inkarnation der Introvertiertheit. Obwohl dessen Frau ähnlich gestrickt bzw. zu denen gehört, die sich im Griff haben, ist es keineswegs langweilig, zu verfolgen, wie die Amstrongs sich durchs Leben schlagen.
(Eine Frau, die ein Μ mehr aus sich herausgegangen wäre, hätte ihn womöglich veranlasst, am Mond vorbei Richtung Mars zu fliegen.) Als Offiziersfrau ist sie dazu berufen, ihren Mann überall dahin, wo man ihn hinschickt, zu folgen. Für einen Beruf ist da kein Platz. Sie kann froh sein, wenn sie sich mit den Frauen der anderen Offiziere – meistens sind dies die einzigen, mit denen sie Kontakt hat – einigermaßen gut versteht. (Gott sei dank gibt es Situationen, in denen ein Temperamentsausbruch sich nicht verhindern lässt. Der ist ihrem Mann völlig fremd.) Während die Ehefrauen den Tag praktisch im Schritttempo verbringen, jagen die Männer im Höllentempo durch die Lüfte. Die Stärke des Films liegt wohl in seiner Universalität – nach mehr als 2 Stunden glaubt man zu wissen, bestens über die Geschichte des Mond-Programms informiert worden zu sein. Wie es für einen guten Arzt gehört verschreibt Chazelle seinen Patienten nur das Nötigste. Und dann weiß er auch, wann die Informationspillen zu nehmen sind. Archivaufnahmen (u. a. mit Vonnegut) sind zu sehen. „Überholen ohne einzuholen“ – was Ulbricht nicht geschafft hat, hat die NASA mit dem Flug zum Mond hinbekommen.

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„Kopftuchmädchen“ schafft es ins Parlament

Das sind Wahlen, wie sie mir gefallen – während hierzulande die Weidel im Bundestag gegen „Kopftuchmädchen“ zu Felde zieht, wird in Amerika ein „Kopftuchmädchen“ ins Parlament, genauer in das Repräsentantenhaus, gewählt. Wie das möglich ist? Da es dem Blog leider nicht möglich war, den Wahlkampf in Minnesota, wo das „Kopftuchmädchen“ in ihrem Wahlkreis stolze 78,2 % erreicht hat, zu verfolgen, bleibt ihm nur übrig, zu mutmaßen, dass den Amerikanern eine „Kopftuchdebatte“, die hier seit mehr als 8 Jahre mal mehr, mal minder intensiv geführt wird (der Einfachheit halber habe ich die Suche auf das erste Ergebnis, das Google bei den Suchwörtern „Alice Schwarzer“ und „Kopftuch“ ausgespuckt hat, beschränkt), erspart geblieben ist. Wer nun glaubt, bei dem „Kopftuchmädchen“ müsse es sich um eine Republikanerin, die wegen Aussagen wie Frauen sollten zu Hause, um die Kinder großzuziehen, sowie die Wohnung nur in Begleitung ihrer Männer verlassen dürfen (ich gebe zu, dass das etwas zu übertrieben klingt), der irrt sich – Ilhan Omar, so heißt das „Kopftuchmädchen“, um das es geht, fordert u. a. einen Mindestlohn von 15 Dollar sowie freien Zugang zu den Unis für jene Studenten, deren Eltern weniger als 125.000 Dollar im Jahr verdienen (natürlich ist sie Demokratin). Sollten entgegen des Klischees, das besagt, „Kopftuchmädchen“ seien konservativer als katholische Hausfrauen, hier Kopftuchfrauen leben, die einen höheren Mindestlohn fordern und gegen Studiengebühren sind, sollten sich diese schleunigst bei den Linken, Grünen und der alten Tante SPD zu melden. (Ganz mutige Frauen können versuchen, in die AfD zu kommen, um so die Partei von innen völlig unauffällig zu zersetzen. Am besten im Wahlkreis Weidels.) Wider den Assimilationsdruck. So gut gemeint auch die Kampagne der Feministinnen, das Kopftuch als Symbol der Unterdrückung darzustellen, ist – sie hat nur dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen glauben, Deutschland sei durch Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet. Lt. einer Untersuchung der Uni Leipzig sind 45 Prozent der Ost- und 33 Prozent der Westdeutschen dieser Meinung. Zählt man die Zahl derer, die teils-teils meinen, hinzu, ist man bei stolzen 73 bzw. 61 Prozent. Es wäre natürlich falsch, diese Werte, so reizvoll es auch ist, Alice Schwarzer und Co. in die Schuhe zu schieben. Aber irgendwie hat die unselige Debatte dazu beigetragen, dass das Land immer mehr nach rechts rutscht.

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Trump stellt alles auf den Kopf

Midterms für Trump, und wenn es nach den Clintons geht („It‘s the economy, stupid“), bräuchten deren Demokraten angesichts der Daten, die Trump vorweisen kann – im Oktober wurden 250.000 neue Stellen geschaffen, zudem haben die Amerikaner im September 3,1 Prozent mehr als vor einem Jahr verdient – gar nicht erst anzutreten. Aber dank der Regel, dass der Erfolg viele Väter hat, während der Misserfolg nur einen kennt, besteht noch die Hoffnung, dass Trump für das Chaos, das er er vor allem im Ausland anrichtet, abgestraft wird. Und in der Tat liegen die Republikaner ziemlich weit hinten, was angesichts etlicher Fehlprognosen – es sieht so aus, als ob es den Befragten großes Vergnügen bereitet, die Befrager hinters Licht zu führen – jedoch nicht unbedingt auch für den Wahltag gelten muss. Was aber ist, wenn Trump in zwei Jahren, wenn er sich den Wählern stellen muss, mit ähnlichen Zahlen aufwarten kann? Nicht alle könnten sich darüber gleichermaßen freuen. Volkswirte müssten sich nicht nur um ihre Jobs fürchten, sondern sie sollten auch einplanen, das Metier zu wechseln, da dann vermutlich viele fordern würden, diesen Teil der Wirtschaftswissenschaften abzuschaffen, da diese nicht in der Lage sei, Modelle, die die Realität abbilden, zu entwickeln bzw. überhaupt verlässliche Vorhersagen zu erstellen. Sollten sich Handelskriege und -schranken für den, der sich ihrer bedient, wirklich auszahlen, wäre dies ein Triumph des Bauchgefühls über Praxis und Theorie. Und dann gibt es ja noch die Migranten, deren Zunahme lt. Žižek nur eine Politik, die auf dem Universalismus fußt („Eine Welt“), stoppen kann. Trump macht natürlich das Gegenteil, und das gleich in zweierlei Hinsicht – zum einem lässt will er sie nicht mehr ins Land lassen, zum anderen kürzt er die Entwicklungshilfe und steigt aus Organisationen, die weltumfassend arbeiten, aus. Ob Trumps Plan, die perfekte „Haube“ – eine, die nicht nur für die Mehrheit der „Haubenbewohner“ ein gutes Klima schafft, sondern möglichst auch niemanden hineinschlüpfen lässt – zu errichten, funktioniert, wird sich zeigen. Im Augenblick kann er behaupten, dass weniger Migranten höhere Löhne (und womöglich auch eine rascherer Robotisierung) bedeuten. Und dann ist ja noch der Wall, den er unbedingt errichten will, um seine „Haubenbewohner“ zu schützen. Den wäre wohl besser geholfen, wenn er das Geld jenen, die kommen wollen, geben würde, auf welcher Art und Weiser auch immer.

Wollte die Frau die Katastrophe verhindern oder war sie verantwortlich für sie? In China ist ein Bus von einer Brücke in die Tiefe gestürzt. Dank der „Verkamerung“ der Welt können wir sehen, was sich abgespielt hat. RT meint, die Frau sei daran schuld. Foristen glauben, der Mann ist in den absichtlich Abgrund gefahren. Der war so frustriert und wütend über sie, dass ihm das als angemessene Reaktion erschien. Es wäre interessant, zu erfahren, was Psychologen dazu meinen. Sind das Stress-Folgen?

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„Mutti“ – bald fast allein zu Hause

Was wird „Mutti“ nun ohne mich machen? Nicht dass ich mir Sorgen mache, „Mutti“ könnte aus Kummer, mich nicht mehr verhätscheln zu können, depressiv werden oder sich gar etwas antun. Nein, diese Befürchtung muss ich zum Glück nicht haben. Vielmehr treibt mich nach ihrem Rücktritt herum, wie sie die vielen Stunden – wenn ich den Schlaf, ohne den selbst „Mutti“ nicht auskommt, hinzuzähle, ist sie 24 Stunden am Tag für mich da –, die sie für mich opfert, anderweitig auszufüllen gedenkt. Meine Neugier, zu wissen, was sie danach machen wird, ist so groß, dass ich den Tag, an dem sie von ihrer Kanzlerschaft lässt, herbeisehne. Dabei hatte es mich bis Sonntag nicht gestört, wenn sie so lange wie Queen Victoria regiert hätte. Nun ist aber alles anders. Nun möchte ich unbedingt wissen, wie „Mutti“, die privat eine Wagnerianerin, die gerne Kartoffelsuppe kocht, ist, die freien Stunden nutzen wird. Wird sie den ganzen Tag Wagner hören, um dann wie Ludwig II. in einem See (ich habe mir sagen lassen, dass es in der Uckermark auch romantische Gewässer geben soll) den Tod zu suchen? Wohl eher nicht. Oder folgt sie dem Beispiel Thatchers, bis heute die einzig weltweit bekannte Regierungschefin, an der sich Politiker vom Schlage „Muttis“ orientieren können? Da sie außer Politik nichts weiter konnte, sprich sie auch nach ihrer Pensionierung nicht davon lassen konnte, den Tories vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen hätten, wäre die Eiserne Lady wahrlich kein gutes Vorbild. „Mutti“ wird es wie die Männer machen, von denen fast alle den Gang ins Abseits gut überstanden haben. Jeder auf seine Weise. Manche können von der Öffentlichkeit lassen (Bush der einzige ehemalige US-Präsident, der nicht das Bad in der Menge sucht). Andere verdienen sich noch etwas hinzu (wenigstens kann man Schröder nicht nachsagen, er würde auf der Haut liegen, während andere seiner Altersgruppe gezwungen sind, noch einen Job anzunehmen). Dann gibt es noch Chefs, die erfolgreich Zeitungen machen. Verblüffender Weise hat kaum jemand den Schritt in die Kunst gewagt. Bush ist da die große Ausnahme. Ich glaube, das wagen nur Leute, die sich während ihrer Regierungsjahre den Ruf erarbeitet haben, gegen Kritik resistent zu sein. So malt Bush trotz der Einschätzung der Experten, kein Talent für die bildende Kunst zu haben, munter weiter. (Weiß Gott, was Trump machen wird, wenn er nicht mehr im Amt ist.) „Mutti“ und Kunst? Ich bin skeptisch, was die Sache natürlich noch aufregender macht, da „Mutti“ eben alles und nichts kann.

Mein Tipp: Sollte ein Regisseur planen, einen Film mit „Miss Marple“ zu drehen, wäre es ratsam, zu warten, bis „Mutti“ frei wird. So gut wie die Rutherford ist sie sicherlich nicht. Trotzdem könnten es reichen.

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Der lange Marsch in die Apokalypse,

und ab Montag – da wird, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, ein Mann, der vollmundig der Welt verkündet hat, die Apokalypse mitgestalten zu wollen, daran gehen, diese Wirklichkeit werden zu lassen – werden wir erfahren, ob er einen großen Sprung anstrebt (Maos „Großer Sprung nach vorn“ hat sich einer ins Leere erwiesen) oder seine Politik erst einmal nur unwesentlich zum Weltuntergang beitragen wird. In Brasilien wird gewählt, und ausgerechnet ein Politiker, der angekündigt hat, auf alles, was den Amazonas erhalten soll, wie Reservate und Naturschutzgebiete, zu pfeifen, so dass einem Raubau, die eine Landschaft hinterlässt, in der jene, die dazu auserkoren werden, andere Planeten zu besiedeln, sich auf ihre Missionen vorbereiten können, nichts mehr im Wege stünde. Bolsonaro heißt der Mann, der aus dem Regenwald eine Mondlandschaft machen und uns die Apokalypse bescheren könnte. Abgesehen von den Ureinwohnern kann er sich auf tatkräftige Unterstützung der Menschen, die dort leben, verlassen. Die Leute scheinen nur darauf zu warten, weiter in den Amazonas vorzudringen, um sich dessen Reichtümer zu bedienen. Angesichts dieses Zerstörungspotentials stellt sich natürlich die Frage, wie heute diese Region aussehen würde, wenn Dirk Niebel nicht Entwicklungshilfeminister geworden wäre. Der Mann, der Fallschirmjäger war, wegen seines forschen Auftretens und der Schäden, die er anrichtete, aber den Eindruck vermittelte, er müsse als Panzerfahrer dem Bund ein Vermögen gekostet haben, hat die Welt um ein Pilotprojekt, das wegen der Wirkung sowie der Lerneffekte hätte dazu beitragen können, die Apokalypse glimpflicher ausfallen zu lassen (sozusagen die Light-Variante), gebracht.
Es geht um das Yasuni-Projekt. Dies sah vor, dass Ecuador darauf verzichtete, Öl im besagten Nationalpark zu fördern, wenn es dafür eine Gegenleistung, die mindestens die Hälfte der entgangenen Einnahmen umfassen sollte, erhalten würde. Niebel nahm die Zusage der Regierung, Geld beizusteuern, wieder zurück. (Wer FDP wählt, der wählt die Apokalypse – ein bisschen gebessert haben sie sich aber schon.) Nun wird im Naturschutzgebiet Öl gefördert. Die Chance, auszuprobieren, ob solch ein Projekt hilft, die Regenwälder zu retten, ist damit vertan worden. Da selbst der Papst es nicht wagt, Brasilianer – angesichts der rasanten Evangelisierung des Landes bin ich mir nicht sicher, ob es dort überhaupt noch Katholiken gibt – aufzufordern, den Gegenkandidaten zu wählen, heißt es, darauf zu hoffen, improvisieren zu können, sollte die Empörung, die dessen Rollkommandos auslösen, wenn sie über den Urwald herfallen, Bolsonaro dazu bringen, sich den Erhalt des Waldes vom Westen bezahlen zu lassen. (Es beeindruckt die Kirche eben immer noch, wenn jemand verkündet, alle, die nicht straight und konservativ sein würden, zu verachten.) Auf mehr sollte man nicht hoffen. Alles hätte ganz anders aussehen können, wenn die Politiker vor 9 Jahren die Zeichen der Zeit erkannt hätten. (Warum hat Merkel eigentlich nicht von ihrer Richtungskompetenz Gebrauch gemacht?) Wenn Roger Winters der einzige Star ist, der gegen den ultrarechten Hardliner ankämpft, sieht es um die Demokratie nicht sonderlich gut aus. Für Brasilien ist die Apokalypse womöglich schon da.

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Neue Raketen braucht die Welt

Tut Trump ausnahmsweise einmal etwas Richtige? Ausgerechnet einen Vertrag zu kündigen, der beiden Supermächten verbietet, Raketen zu unterhalten, deren Gebrauch nicht unbedingt einen atomaren Krieg auslösen muss, so dass es höchst verführerisch ist, das System, die Rede ist von Mittelstreckenraketen, auch einzusetzen? Überraschenderweise hat Trumps Sicherheitsberater Bolton vermeldet, nicht wegen der Russen aus dem INF, der eben besagt, keiner dürfe diese Raketen haben, auszusteigen, sondern wegen der Chinesen, die zwischen einem Drittel und der Hälfte ihre Missiles verschrotten müssten, würde für sie auch der Vertrag gelten. Trump gönnt den Chinesen auch gar nichts. Aber in einem gewissen Sinne hat er recht – sollten die Chinesen ein Ziel eines Trump-Verbündeten mit dieser Sorte angreifen, bliebe den Amerikanern, wenn sie ihre eigenen Soldaten und ihr eigenes Material heraushalten wollen, nichts weiter übrig, als ihre Langstreckenraketen einzusetzen (da können wir nur hoffen, dass sie welche erwischen, deren Atomsprengköpfe gegen konventionelle ausgetauscht wurden). Oder sie müssten eben ihre seegestützte Flugkörper abfeuern. Ganz nebenbei versetzen die Raketen Trump noch in die Lage, den Iran zu beschießen (bspw. von Afrika aus). Mit diesem Typ würde zudem noch der eine oder andere Flugzeugträger (das hängt von der Region) obsolet werden. Donald könnte dann seinen Fans stolz verkünden, dass er Milliarden Dollar eingespart habe. Obwohl Trump mit Putin am Armistice Day – da Lenin mit den Deutschen rund 7 Monate früher Frieden machte, weiß ich so recht nicht, was er dort will – noch einmal über den Vertrag sprechen wollen, wird sich am Ausstieg nichts ändern. Da fast jedes größere Land über diese Waffen verfügt, wird es zunehmend schwerer für die USA, ihre Rolle als Weltgendarm auszufüllen, ohne Gefahr zu laufen, bei einem Einschreiten hohe Verluste zu erleiden. Wozu hat man in der Welt überhaupt Stützpunkte? Auf dem einen oder anderen könnte Mittelstreckenraketen durchaus Sinn machen. Da man auf Schiffe und U-Boote verzichten könnte, ließen sich mit ein paar Abschussrampen in Japan viele Kosten sparen. Trotz des Aufschreis, den Boltons Ankündigung im Abendland ausgelöst hat, muss Europa sich wohl keine Sorgen machen.

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Der Mond, Kohl und die Sauds

Wie gut, dass Kohl, der wegen der vielen Andeutungen wie jener Hildebrands, er würde dem Gebilde, das wir nachts sehen können, sehr nahe kommen, nicht gut auf den Mond zu sprechen war (der einzige echte Mond, den die Erde hat, war bereits einer zu viel ihn), nicht mehr erleben muss, wenn es bald deren zwei sein werden, denn die Chinesen planen nämlich, in 500 km Höhe einen Satelliten, der der Millionenstadt Chengdu die Stromkosten für die Straßenbeleuchtung ersparen soll, zu platzieren. Von dort aus soll dieser 50 km² metergenau beleuchten können. Klappt alles, sollen drei weitere, mit denen, so vermute ich, ganz China ausgeleuchtet werden kann, folgen. Aus Angst, er könnte glauben, man wolle sich über ihn lustig machen, hätte sich bestimmt niemand getraut, Kohl darüber zu informieren, was die Chinesen da planen würden. Darum wäre auch dessen Antwort auf die Frage der Reporter, was er von den Monden halte, bestimmt noch bizarrer als jene über die Datenautobahnen ausgefallen. Im Gegensatz zu Merkel, die erkannt hat, dass ein gutes Regieren verlangt, dafür zu sorgen, sich mit wichtigeren Problemen als den Mond herumschlagen zu müssen, so dass niemand sie mit Fragen, die eine diplomatische Krise auslösen können, belästigt, wäre Kohl wohl nicht darum herumgekommen, zu erklären, was er von der Aktion der Saudis, die heute endlich den Tod Khashoggis zugegeben haben, hielte. Dass Trump den Kohl, den die Saudis uns auftischen, nämlich dass er gestorben sei, als er sich mit den Saudis prügelte, als glaubhaft bezeichnet, verwundert nicht (wer bei Bewusstsein zerstückelt wird, tut alles, das zu verhindern). Sollen sie ruhig denken, wir würden auf dem Mond leben, denn von dort lässt sich nun genüsslich verfolgen, wie sich das Königshaus selbst demontiert – statt den obskuren Prinzen, der Khashoggis‘ Schächten angeordnet hat, zur Verantwortung zu ziehen, müssen jene, die an der Aktion beteiligt waren, ihren Kopf hinhalten. 15 Mann sollen festgenommen worden sein. Ob die sich bereits wünschen, ihnen wäre das Gleiche wie ihrem Komplizen, der auf mysteriöse Weise bei einem Verkehrsunfall in Riad ums Leben kam, widerfahren, ist schwer einzuschätzen. Aber selbst wenn sie ihre Bestrafung im Ritz, in dem besagter Prinz superreiche Saudis dazu zwang, Teile ihres Vermögens an ihn abzutreten, absitzen sollten hilft das den Sauds nicht weiter – das Vertrauen jener, die nicht mit der Sippe verwandt sind (eine kleine Stadt kommt da schon zusammen), ist nun dahin. Das sind die Aktionen, die hohe Untergebener dazu treiben, gegen das Regime zu putschen. Der Gaddafi Saudi-Arabiens wird sich bald finden (Chile lässt grüßen, aber diesmal wird es die richtigen Leute treffen). Dann ist es mit dem Mond, den die Sauds sich geschaffen haben, vorbei.

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Schisma – wo man nur hinschaut

Was ist schon das Schisma, das Luther mit dem Anschlag seiner Thesen vor knapp 501 Jahren ausgelöst hat, gegen das, was wir in kürze Kürze erleben dürfen – da der „Außenminister“ des Moskauer Patriarchats seine Ankündigung, alle Beziehungen mit Konstantinopel abzubrechen, sollte das Oberhaupt der Orthodoxen die Anerkennung einer unabhängigen ukrainischen Kirche aufrechterhalten, wahrgemacht hat (der Blog berichtete), haben nun die Ukrainer freie Hand, die Kirchen und Gemeinden unter ihre Obhut zu stellen. Mit dem Schisma hat Moskau nun keine Möglichkeit mehr, sich gegen deren Einverleibung zu wehren. Zwar soll Putin den Sicherheitsrat einberufen haben, um dort mögliche Folgen zu diskutieren. Eingreifen werden die Russen aber nicht, denn wegen des Verhaltens des Westens, der die Ukrainer nach der „Maidan-Revolution“ hängen gelassen hat, kommen nun gut ausgebildete Fachkräfte nach Russland. So soll der Niedergang des ukrainischen Schiffbaus den Russen ermöglicht haben, zwei Atom-U-Boote, die ohne die Hilfe der Spezialisten aus der ehemaligen Unionsrepublik nicht hätten gebauten werden können, in Dienst zu stellen. Die Abwanderung scheint den Russen auch zu helfen, die Sanktionen des Westens durch eigene Produkte kompensieren zu können, jedoch hat das „Schisma“, mit dem die Nationalukrainer jene, die sich Russland nahe fühlen, kujonieren (bspw. ist Russisch ab der 5. Klasse nur noch Fremdsprache), sie nicht davon abgehalten, im Land zu investieren – Russland ist bei Weitem immer noch der größte Investor im Land. Aufgrund der Erfahrungen, die die Ukrainer mit ihrem „Schisma“ gemacht haben, ist zu vermuten, dass das britische „Schisma“ genauso verheerend ausfallen wird. Vom Einwanderungs- und Auswanderungsland – gut möglich, wenn das Königreich die EU ohne Vertrag verlässt. Aber soweit ist es ja noch nicht. Am Sonnabend gibt es erst einmal eine Demonstration, von der ich hoffe, dass sie in Nichts jener, die Blair wegen seiner Teilnahme am Krieg gegen den Irak ausgelöst hat, nachsteht – mehr als 500.000 sollten es schon sein, die gegen den Brexit protestieren. „Teflon-Tony“ hat sich davon nicht beeindrucken lassen. „Bloody Theresa“ wird die Aktion auch ignorieren. Aber im Gegensatz zu ihm muss sie fürchten, aus dem Amt zu fliegen, sobald sie über den Brexit abstimmen bzw. in Brüssel ihre Vertreter etwas unterschreiben lässt. Während viele glauben, unter einem harten Brexit würden auch die Kontintaleuropäer leiden, bin ich wesentlich optimistischer – die Chancen stehen nicht schlecht, dass dann an den Schulen die Unterrichtsausfälle rapide sinken, und das nicht nur in Englisch. Der Brite ist der geborene Pädagoge. Ihm steckt das Unterrichten praktisch im Blut. So widersprüchlich es auch klingen mag – die typisch britischen Charaktereigenschaften lassen sich am besten in der EU bewahren. Ohne Empire, wie es auch geartet sei, können die Briten gar nicht existieren. Höchste Zeit, das Streben nach dem perfekten „Schisma“ aufzugeben.

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Absturz ist nicht gleich Absturz

Fast an jedem Tag ein Absturz – am Mittwoch die Wall Street, einen Tag später die Sojus, gestern die Saudis, heute die Linken (was hoffentlich niemand mitbekommt) und morgen, wenn die Wahlprognosen nicht täuschen, wird es die CSU erwischen. Verrückterweise fiel das Raumschiff, das immerhin schon 70 km zurückgelegt hatte, bevor es umkehren musste, nicht nur am weichsten, wegen seiner Bilderbuchlandung dürfte es auch alle, die in der Raumfahrtindustrie arbeiten, in eine gewisse Euphorie darüber, in Notlagen das Leben der Besatzung retten zu können, versetzt haben, denn schließlich liegen zwischen dem letzten erfolgreichen Abbruch vor 35 Jahren zwei Space Shuttle Unfälle, die katastrophal endeten. Die Nasa-Vertreter waren jedenfalls während der Pressekonferenz, die RT live übertrug, voll des Lobes über die Russen, die aus ihrer Sicht die Situation ausgezeichnet meisterten. Vermutlich dauert es aber noch eine Weile, bis die Raumfahrt so sicher wie ein Grand Prix der Formel 1 ist. Söder wäre bestimmt froh, könnte er morgen auch so einen schönen Absturz hinlegen – 38+, immerhin mehr als fünf Prozent weniger als bei der letzten Wahl, wären für ihn ein voller Erfolg. Zum Schaden für ihn und zur Schadenfreude aller, die der CSU nichts abgewinnen können, liegt seine Partei heute bei 32 Prozent, womit, sollte das Ergebnis wirklich eintreten, die im Juni geäußerte Prophezeiung des großen Vorsitzenden, der mich mich bat, diese auf meinem Blog auszurichten, sich fast schon erfüllt hätte – die CSU hat wirklich Harakiri begangen. Ob, wie vorhergesagt, Ilse Aigner ab Weihnachten auf dem Thron sitzt, ist angesichts der Macho-Kultur, die zunehmend auch gebürtige Bayern abschreckt, äußerst fraglich (dabei haben gute Katholiken doch die Angewohnheit, sich für ihre Fehler zu kasteien). Der nächste Absturz wäre vorprogrammiert, sollte Söder – wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, sein erster Posten in seinem Dasein als Chef war die des Schulhofbosses in der großen Pause – nach einer verheerenden Niederlage weitermachen dürfen. Das prognostizierte Abschneiden der CSU ist jedoch nichts gegen den Absturz, den die Saudis, die einen kritischen Journalisten in ihrem Konsulat in Istanbul ermordet und anschließend die Leiche zersägt haben, um sie besser abtransportieren zu können, hingelegt haben. Tiefer kann man nicht fallen. Sie müssen sich ziemlich sicher gewesen sein, dass Erdogan ihre Aktion dulden wird. Hat er aber nicht, und das nicht nur, weil er die Tat verabscheut, sondern er und seine Berater zum Schluss gekommen sind, dass eine schonungslose Aufklärung ihrem Land weitaus mehr als ein Schweigegeld in Petrodollars bringen würde. Womöglich fällt den Türken es nun leichter, saudischen Dschihadisten, die partout keinen Waffenstillstand mit Assad wollen, aus dem Verkehr zu ziehen. Von zwei Übeln als das wesentlich Geringere angesehen zu werden ist auch schon ein Wert für sich. Erdogan hat Trump, der das saudische Königshaus verehrt, und den obskuren neuen Chef der Saudis, der von der halben Welt, selbst Time, voreilig als großer Erneuerer gefeiert wurde, in eine schwierige Situation manövriert – seit gestern stehen sie für das absolut Böse. Vermutlich kommt es ihm ganz gelegen, wenn er sich mit den Saudis, die sich natürlich auf irgendeine Art rächen werden, verfeinden könnte. Das lenkt von den innenpolitischen Problemen ab. Putin ist das beste Beispiel, dass das Motto viel Feind, viel Ehr durchaus Sinn machen kann. Und dann gibt es ja noch den Absturz der Linken, deren Vertreter einfach nicht von der Tradition, nicht miteinander zu können, lassen wollen. Seit Weimar geht das nun schon so. Immerhin ist es schon ein Fortschritt, wenn Vertreter „Aufstehens“ „inkognito“ an der Demonstration, die von „unteilbar“ organisiert wird, teilnehmen.

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