Erdogan – ein permanenter Frontwechsler?

Solange Erdogan noch weiß, für wen er gerade kämpft, so dass in der Lage ist, bei der nächstbesten Gelegenheit schnell entscheiden zu können, welche Richtung er einschlagen muss, mag seine Politik des ständigen Wechsels seiner Freunde und Feinde Sinn machen. Schlimm wird es nur, wenn der Mann mit der Fistelstimme sich total verheddern sollte und sich völlig im unklaren ist, auf welcher Seite er im Augenblick steht. Falls Erdogan bereits den Überblick verloren haben sollte, kann ihm für dieses Wochenende noch dieser Blog helfen, wieder die Orientierung zu finden. Da aber dieser Blog nicht die Absicht hat, sich jede Woche über ihn und seine Türkei zu äußern, muss er spätestens ab der kommenden Woche selbst die Peilung übernehmen, was nichts Gutes verspricht, denn es sieht danach aus, als ob der Held vom Bosporus bereits zwischen den Fronten inmitten der Stacheldrahthindernisse festsitzen würde. Ins Niemandsland ist Erdogan geraten, weil die Russen ihm lästig sind geworden sind. Um deren Lufthoheit in Syrien brechen bzw. deren Jets bedrohen zu können, soll er schon im Januar Trump gebeten haben, seiner Armee Patriot-Raketen zur Verfügung zu stellen. Bis jetzt weigern sich die Amerikaner, sie zu liefern. Vermutlich wären sie bereit, wenn Putin nicht im vorigen Jahr S-400 Raketen geliefert hätte, was damals großes Erstaunen ausgelöst hat, sich aber Nachhinein immer mehr als großer Coup entpuppt, denn es sieht ganz danach aus, als ob sich mit russischen Raketen keine russischen Flugzeuge vom Himmel holen lassen, aus welchen Gründen auch immer. Und da die Amerikaner wegen des Geschäfts mit den Russen Erdogan verwehren, deren neuesten Jets zu nutzen, haben die S-24 ein leichtes Spiel, die Angriffe der HIWIs, die in Wirklichkeit al-Quaida Kämpfer sind, zu stoppen. Im Augenblick müssen die Piloten wegen der MANPADs, die die Türken an die Hilfswilligen ausgegeben haben, nur darauf achten, nicht unter 5000 Meter zu fallen. Statt al-Quaida zu entwaffnen, nutzt Erdogan lieber die Not der Flüchtlinge aus. 200 Dollar im Monat soll es dafür geben, sich an der Front verheizen zu lassen. An Panzern und Kanonen herrscht kein Mangel. Die Türkei unterhält die zweitgrößte Armee in der NATO. Und da er versucht, so wenig wie möglich auf die eigenen Kräfte zu setzen, wird sich der Protest in der Türkei in Grenzen halten. Das davon auszugehen ist, dass die HWIS bzw. al-Quaida weiterhin reichlich mit Waffen versorgt werden, wird der Konflikt mit aller Härte weitergehen. Und jeder Zeit kann es zu einem Ereignis, das den Bündnisfall auslösen könnte, kommen.

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Kommt Röttgen 57 Jahre zu spät?

Hat Röttgen Sie überrascht? Nicht wirklich, denn er hat immer den Eindruck vermittelt, dass er sich von seiner Partei, der CDU, für die Abende, an denen die Politiktalkshows laufen, zum Bereitschaftsdienst hat einteilen lassen – wenn es in seiner Partei kriselte, war Röttgen zur Stelle, um den Zuschauern zu erklären, dass es nicht so schlimm sei. Bei internationalen Krisen ist er eh gebucht. Auf seine außenpolitische Expertise möchte kein Showmaster verzichten. Das macht ihn zu einem legitimen Nachfolger des Alten, der einige Jahre das Außenministerium als Zweitjob geleitet hat, was angesichts des Freund-Feind-Denkens in den 50ern nicht allzu schwer war. Für Röttgen steht die Bündnistreue auch über allem. Und da er in den 60en wegen seines Aussehens und Auftretens als deutscher Kennedy – smart, eloquent und elegant – umjubelt worden wäre, stellt sich schon die Frage, ob seine Kandidatur nicht 57 Jahre zu spät kommt. Damals hätte er locker dessen Nachfolgeschaft antreten können. Heute ist dieser Typ mega-out, wie das Beispiel Macron zeigt. Typen wie Boris und Farage, die es schaffen, vielen Wählern glauben zu lassen, sie würden sich von Normalbürgern nicht sonderlich unterscheiden, sind gefragt. Bei Röttgen fällt es schwer, sich das vorzustellen zu können. Er hat etwas Snobistisches an sich. Früher kam das gut an. Heute tun sich viele schwer damit. Gut möglich, dass sich der Blog irrt. Vielleicht schafft er es wirklich bis ganz nach oben. Merkel wird dessen Kandidatur freuen. Denn nun spricht vieles dafür, dass es doch wesentlich länger dauern wird, einen Nachfolger AKKs zu finden. Und sollte er wirklich ins Bundeskanzleramt einziehen – angesichts des CO2 Abdrucks, den ein Außenminister hinterlässt, hätte niemand etwas dagegen, wenn Röttgen dieses Amt auch ausüben würde (wenigstens auf den Flugreisen) –, dann erwartet ihn womöglich eine Welt, die er sich jetzt noch gar nicht vorstellen kann, denn lt. Magnier schwindet der Einfluss des Westens nach dem Tod Soleimanis schneller als unter ihm selbst. Die „Achse des Widerstands“ marschiert. Und es ist nicht auszuschließen, dass die Türkei und Saudi-Arabien in einer schweren Krise stecken, wenn Merkel geht. Das sind aber Röttgens geringsten Probleme. Er muss erst einmal darauf hoffen, dass niemand weiß, dass er mal Umweltminister gewesen ist. Wenn er es schafft, dass sich niemand erinnert, hat er die Kandidatur als Kanzlerkandidat so gut wie sicher.

PS: Mach‘s noch einmal, Bodo – wir brauchen wieder eine Abstimmung. Diesmal sollte es ein Misstrauensvotum gegen Kemmerich sein. Alle wollen sehen, wie CDU, FDP und AfD diesen gemeinsam abwehren.

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Merz und ManCity – geopfert, um bleiben zu können?

Weiß Merz nicht, dass er nicht in der Position ist, um beim Pokerspiel um die Nachfolge AKKs mitmachen zu können? Es sind ganz danach, denn sonst hätte er schon längst den Pokertisch verlassen und sich in voller Kampfgarnitur auf den langen Marsch in die CDU-Zentrale und ins Kanzleramt gemacht. So wie es Mao tat. Aber Merz ist nicht Mao. Er zögert und zaudert. Und verpasst dadurch den richtigen Zeitpunkt, seine Absichten kundzutun. Merkel wäre das nicht passiert. Sie hat immer gewusst, wann es an der Zeit war, klare Kante zu zeigen. So erst vor einer Woche, als sie die Amateur-Rebellen um Mohring praktisch im Alleingang in die Flucht schlug. Für Merz der perfekte Zeitpunkt, zu verkünden, sich auf den langen Marsch begeben zu wollen. Was macht er? Er hält still und verwendet im Zusammenhang mit der AfD das Wort „Gesindel“. Dabei hätte es gereicht, sich als Clint Eastwood, den übrigens sogar Linke mögen, zu stilisieren – wenig reden sowie so zu tun, als würde er aufräumen. Das kommt bei den rechten Wählern an. Dass Merz vermutlich trotzdem Kanzlerkandidat wird liegt an seinen Parteikollegen – sie wollen aus ihm nicht einen ewigen Kandidaten, der immer genannt wird, wenn sich die Partei in einer Krise befindet, machen. Warum soll man jemanden verhindern, der höchstwahrscheinlich Opfer seines eigenen Erfolgs wird? Die Union bleibt zwar am stärksten (was unter AKK keineswegs selbstverständlich sein würde), jedoch kann oder will keiner mit ihr (bspw. weil Rot-Rot-Grün möglich ist) koalieren. Sein Erfolg wäre schnell vergessen. Und die Union hätte keine Skrupel, ihn zu opfern, um im Kanzleramt zu bleiben. In einer solchen Situation macht es sich gut, darauf verweisen zu können, dass man nicht als Kompromisskandidat ins Rennen gegangen ist.
Zum Opfer des eigenen Erfolgs, sehr zur Freude der Mitkonkurrenten, die ihr Glück kaum fassen können, ist auch ManCity geworden. Es sieht ganz danach so aus, als ob man sie geopfert hat, damit die anderen Topklubs unbeschwert noch reicher werden können. ManCity ist selbst daran schuld – die im Sponsorenvertrag mit Etihad vereinbarte Summe wurde nur zu einem geringen Teil von Fluggesellschaft gezahlt. Stattdessen hat eine Gesellschaft des Eigentümers den Betrag gelöhnt, was nach den Regeln der UEFA eine Subvention, die nicht erlaubt ist, darstellt. Der Verein muss nun zwei Spielzeiten in der CL pausieren. Da fast alle Spieler eine Klausel haben dürften, in der steht, den Klub verlassen zu können, wenn die CL nicht erreicht wird, ist es so gut wie sicher, dass im Sommer die meisten ManCity verlassen werden. Ein Albtraum, wenn die Bayern Sané ohne Ablöse bekommen würden. Höchste Zeit, dem Beispiel dieses Blogs zu folgen, der Fußball nur noch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern schaut. Im nächsten Jahr wird es noch schlimmer. Dann droht die Klub-WM, bei der das Antrittsgeld bei 50 Millionen Dollar liegen soll.

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Ein Krieg, von dem die Bahn nichts weiß

Während es früher noch hieß, „stell Dir vor, es ist Krieg, und Keiner geht ihn“, brauchen wir uns heute keinen Krieg vorzustellen, da wir bereits in einem sind, den wir leider aber nicht wahrhaben wollen. Jedoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns eingestehen müssen, im Kriegszustand zu sein. Die Bahn hat mit ihrer Reaktion, wegen „Sabine“ den gesamten Schienenverkehr des Landes zu stoppen, gezeigt, dass sie noch ein ganzes Stück davon entfernt ist, den Klimawandel als Krieg zu betrachten, denn lt. Einschätzung eines Experten hätte es „Sabine“ ohne die globale Erwärmung nicht gegeben. Den Krieg führen wir gegen uns selbst. Und die Bahn gehört zu den wenigen Transportmitteln, die den „Konflikt“ aufgrund ihres grünen Stroms nicht weiter verschärft. Umso unverständlicher ist es da, dass sie den Betrieb gänzlich eingestellt hat und Reisende, die sie nicht in Hotels unterbringen konnte, den „“Kriegstreibern“, also den Taxifahrern, überließ. Im ZDF schilderte ein Frau, dass es unmöglich sei, einen Taxi zu finden, das sie in ein Hotel in Braunschweig bringe, da alle darauf erpicht seien, gestrandete Bahnfahrer nach Berlin zu bugsieren. Dabei liegt es auf der Hand, anzunehmen, dass es wesentlich sicherer sein muss, den Sturm in einem fahrenden Zug zu überstehen als in einem Taxi, das eine Windböe samt Insassen ohne viel Mühe von der Autobahn schubsen kann. Die vielen Taxis, die die Bahn am Sonntag gebucht hat, lassen vermuten, dass den Managern das Image der DB mindestens ebenso wichtig wie die Sicherheit der Passagiere war. Die hatten gefürchtet, Züge können aufgrund abgeknickter Bäume oder technischer Störungen liegenbleiben. Das ist genau der falsche Ansatz. Vielmehr sollte es Ziel der Bahn sein, auf Strecken, die nicht durch Bäume blockiert werden können (das dürften alle Schnellstrecken sein), den Verkehr aufrechtzuerhalten. Mir scheint, es ist viel leichter, den Betrieb, wenn auch vermindert, weiterzuführen, als ihn abrupt abzubrechen. Der letzter D-Zug der Reichsbahn im 2. Weltkrieg ist am 23.01.1945 gefahren, die Verbindungen von Berlin nach Kopenhagen und Prag konnten bis April aufrechterhalten werden. Solche Leistungen sollten auch im heutigen Krieg möglich sein.

Wann kommt der Bahnhofsansager wieder zurück? Im Chaos am Montag habe ich ihn schmerzlich vermisst. Die Stimme, die Orientierung gibt. Sie wurde schmerzlich vermisst.

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Wie aus der FDP die FDPOV wurde.

Das schafft nur die FDPOV – erst für Chaos sorgen, um dann anschließend zu verkünden, die Situation sei so verfahren, dass nur sie, also die FDPOV, die Lage wieder in den Griff bekommen könne. Nichts anderes verbirgt sich hinter Ankündigung Kemmerichs, bis Mai Ministerpräsident des Freistaats Thüringen bleiben zu wollen. Vor mehr als 100 Jahren gab es die Räterepubliken, von denen die Münchener die bekannteste war. Nun haben wir die erste Ein-Mann-Republik, die sich nur bilden kann, wenn die Mehrheit der Abgeordneten der Meinung ist, die Menschen brauchen einen Landesvater, der mit niemanden kann. Unter bestimmten Umständen ist es durchaus sinnvoll, einen Rabenvater, der in Wirklichkeit eine Lame Duck ist, ins höchste Amt zu wählen. Bspw. um Typen wie Donald zu verhindern oder Björn Höcke abzuwehren. Höchst unklug ist es jedoch, sich von letzterem an die Spitze hieven zu lassen. Und dann noch zu tun, als sei man gezwungen, aus Staatsräson, vorerst weitermachen zu müssen. Dreister, arroganter und frecher geht es wirklich nicht, wobei ich nicht ausschließen kann, dass Kemmerich mit samt seiner FDPOV noch einen darauf packt. Eine Farce ohnegleichen – ein Mann stellt sich zur Wahl, der sich nicht im geringsten auf sein Amt vorbereitet hat. Er hat, so Kubicki, halt ein Zeichen setzen wollen. So wie die meisten Hunde laut ihren Besitzern nur spielen wollen, wenn sie einem zu nahe kommen. Und das alles nur, um Bodo zu verhindern, der in seiner Amtszeit ziemlich gut gewesen sein muss. Wer mit 1 Stimme Mehrheit vier Jahre lange regiert, der schafft es auch, über einen längeren Zeitraum eine Minderheitsregierung zu führen. Der FDPOV samt Mohrings CDU war deshalb jedes Mittel legitim, Bodo zu verhindern. Wie werden die Thüringer nun Kemmerich wieder los? Da es sich nicht ziemt, in eine gewählte Regierung, auch wenn sie nur eine Person umfasst, aus dem Amt zu putschen, bleibt den Thüringern nichts anderes übrig, als den Freistaat in ein Königreich mit Kemmerich I. an der Spitze umzuwandeln. Sobald dieser die Krone auf dem Kopf hat, darf man ihn in einer Revolution absetzen. Als König für wenige Minuten wird er in die Geschichte eingehen. Natürlich muss er ins Exil. Sachsen-Anhalt bittet sich da für ihn an. Natürlich lebt er in einem Schloss, bezahlt von den Thüringern. Das mag zwar teuer sein, jedoch ist das allemal schneller als auf dessen Abwahl durch das Parlament zu warten.

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War es das schon für die Demokraten?

Arme Demokraten – ihr Ausfall gegen einen Gegner, der vor ihren Mauern pompös jemanden, der es in einem Monty Python Film höchsten zu einem Wachsoldaten gebracht hätte, huldigt, statt vor deren Festung sie nach allen Regeln der Kunst zu belagern, endete mit einen Fiasko, da beim Abkippen der Zugbrücke deren Seile gerissen sind, so dass diese geborsten ist. Statt in glänzender Ritterrüstung auf dem Schlachtfeld zu erscheinen, klettern Bernie, Elizabeth und Joe mühsam in voller Montur über die Reste der Brücke ins Freie. Ja nicht ins Wasser fallen heißt nun deren Devise. Das hatten sich die Demokraten ganz anders vorgestellt. Gestern sollte der Tag sein, an dem das Ende Donalds eingeläutet werden würde. Das war so gut wie sicher. Eine neue App, mit der die Ergebnisse übermittelt werden sollten, hat dies jedoch verhindert. Schlechter kann man eine Schlacht nicht eröffnen, zumal das Impeachment-Verfahren morgen auch scheitern wird. Und eigentlich haben die Kandidaten, mit Ausnahme Sanders und Warrens, wegen eines fehlenden Narratives gar keine Chance, Donald zu schlagen. Dass nun ausgerechnet ein Kapitalist mit einer Erfolgsstory, die so gar nicht dem Gusto Trumps, der das Gegenteil predigt, entspricht, den Demokraten helfen könnte, aus ihrer Lethargie zu erwachen, kann man wohl als Ironie der Geschichte bezeichnen. Mit grüner Technologie lassen sich, was die Aktien angeht, Summen verdienen, von denen die Hersteller konventioneller Auto nur träumen können. Musks Tesla Aktien sind fast so schnell wie eine Rakete nach oben geschossen; Der Kurs kann zwar wieder einbrechen. Jedoch wissen die Amerikaner jetzt, dass sich damit Geld verdienen lässt. Sehr zum Leidwesen Trumps. Die Demokraten sollten sich aber nicht zu früh freuen – da ein Kapitalist ein Kapitalist bleibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich der Kohlefan zu einem Ökofreak, der von seinen alten Sünden nichts mehr wissen will, mausert. Höchste Zeit, sich zum New Grean Deal zu bekennen. Ehe Trump es tut, so tut.

Noch mehr gute Nachrichten – die Russen verzichten darauf, Kohle in der Arktis zu fördern. 20 Millionen Tonen sollten jährlich gefördert werden. Das ist erst einmal vom Tisch. Und ein Mittel gegen das Coronavirus haben sie auch schon parat – was gegen die Vogelgrippe hilft, könnte auch das Coronavirus in Schach halten. Vermutlich wären sie schon viel weiter, wenn die Chinesen Proben herausgerückt hätten.

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Werde Brexiteer, dann kommen alle zu dir –

ein Albtraum für den Brexiteer, der Wirklichkeit werden könnte, wenn Boris es schafften sollte, die Verhandlungen mit der EU an die Wand zu fahren. Wenn zum 30.12. also nichts geregelt ist, dann kann es für einen wahren Europäer nur ein Ziel geben – sich am nächsten Tag so schnell wie möglich auf die Insel in der Hoffnung zu begeben, zig hunderttausende mögen ihm folgen und er zusammen mit ihnen dort bleiben müsse, da aufgrund nicht mehr gültiger Reisevereinbarungen niemand mehr zurück könne. Der wahre erste Brexittag muss in die Geschichte des Landes als der Tag, an dem das Land am europäischsten war, eingehen. Leider ist das so illusorisch wie Wolfgang Neuss‘ Forderung, auf deutschem Boden dürfe nie wieder ein Joint ausgehen. Der Brexiteer kann aufatmen. Um das Wirklichkeit werden zu lassen, müssten die Remainers die Europäer einladen, Silvester mit ihnen zu feiern. Die würden dann bei Gastfamilien übernachten oder in Schulen schlafen (sofern Boris das zulässt). Allein schon die Aussicht, einem Brexiteer wenigstens eine der vielen Partys, die er seit der Abstimmung feiern durfte, zu verderben, sollte den Remainers Ansporn sein, den nächsten Jahreswechsel zu einem europäischen zu machen. Dann bliebe es wenigstens nicht nur bei Abschiedsbriefen. Gestern war für die Leavers der Höhepunkt der Feiersaison, die nun schon dreieinhalb Jahre dauert. Des schlechten Omens, das sich hätte ohne Mühe auszumachen lassen, wegen ist es sehr schade, dass Hindenburg den Führer schon einen Tag zuvor zum Reichskanzler ernannt hat. Wäre dessen Ernennung am 31. erfolgt, hätte man den Briten einreden können, dass ihr Ausstieg unter keinem guten Stern stehen kann. So kann sich das Land erst einmal darüber freuen, dass alles so ist, wie es ist, ohne in der EU zu sein. Niemand kann sagen, ob das auch noch im nächsten Jahr der Fall sein wird, jedoch stehen die Chancen für Boris, möglichst viel herauszuholen, ohne Kompromisse machen zu müssen, nicht schlecht. Die Sprachkenntnisse von der Leyens in allen Ehren – für die kommenden Verhandlungen hätte ich mir das Gespann Junckers/Tusk an der Spitze der EU gewünscht. Die neue Spitze ist unerfahren. Als Bundesverteidigungsministerin hat sich von der Leyen des Öfteren über den Tisch ziehen lassen (siehe Berateraffäre). Noch schlimmer ist, dass sie hat andere machen lassen. Nun steht sie ausgekochten Verhandeln gegenüber. Junckers war aufgrund seiner Erfahrung diesen gewachsen. Bei ihr habe ich meine Zweifel. Zudem ist der Brexit nicht ihr Themengebiet – sie will in die Geschichte als EU-Chefin, die Europa klimaneutral gemacht hat, eingehen. Die Verhandlungen mit den Briten stören da nur.

PS: Noch eine schöne Karikatur.

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Der Ess-Zoo ist tot, hoch lebe der richtige!

Was ist der Unterschied zwischen einem europäischen und einem chinesischen Zoo-Besucher? Der Europäer erfreut sich an den Tieren, während der Chinese auf der Suche nach einem Tier ist, dessen Fleisch und Organe er noch nicht kennt. Mit einem Zoo, den eine Mega-Metropole wie Wuhan zwangsläufig hat, kann dessen Markt, auf dem es neuartigen Corona-Viren gelangt, vom Tier auf den Menschen zu springen, nicht mithalten. Jedoch bietet er guten Einstieg, Fleisch anzuprobieren, von dem man nicht einmal zu träumen gewagt hatte, es essen zu können. Vieles von dem, was es dort zu kaufen gibt, findet man nicht einmal in einem Zoo einer hiesigen Kleinstadt – Rind, Schwein, Esel, Fuchs, Krokodil, Riesensalamander, Schlange, Dachs, Ratte, Kamel. (Gerade noch so konnte ich der Versuchung „und Mensch, aber nur unter der Hand“ widerstehen.) Wer von allem gekostet hat, kann sich anderen Arten widmen, sofern man sich diese leisten kann bzw. diese nicht gänzlich Opfer des Essrausches der Chinesen geworden sind. Haie haben geradeso die Kurve gekriegt, dank der Fangverbote bzw. -quoten, mit denen verhindert werden soll, dass noch mehr von ihnen nur wegen ihrer Finnen, die in China heißbegehrt sind, abgeschlachtet werden. Während Haie in einem Zoo die absolute Ausnahme sind, zählen Tiger zum Stamm einer jeden guten Tierbesichtigungsanlage. Tigerknochen mögen auch die Chinesen, jedoch ist es legal nicht mehr möglich, welche zu kaufen, geschweige denn wäre es ratsam, einen sibirischen Tiger zu erlegen. Sollte Superjäger Putin den Wilderer nicht selbst zur Strecke, droht dem Land, aus dem er kommt, der Krieg. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen (Rhinos, Elefanten). Natürlich macht der Chinese eine Ausnahme – er isst keine Pandas. Wahrscheinlich schmeckt das Fleisch nicht, was bei dessen Ernährung und Bewegungsarmut auch nicht weiter verwundern würde. Es gibt aber Hoffnung. So hat eine chinesische Reisebloggerin sich wegen eines Videos, in dem sie Fledermäuse zu einer Delikatesse erklärt, entschuldigen müssen. Weitere Einschränkungen werden folgen. Aber jetzt kommt es wohl erst einmal darauf an, zu verhindern, dass sich das Virus weiterverbreitet. Die Chinesen tun viel, jedoch ist es nicht gerade beruhigend, ansehen zu müssen, dass während einer Durchhalteansprache des chinesischen Premiers in einem Supermarkt in Wuhan eine Frau ihre Waren in einen Einkaufswagen, der als Virenüberträger schlechthin gilt, verpackt. Sollte Monk noch einmal auf Sendung gehen, dann bitte in China. Den Ärzten kann man nur wünschen, alles möge bald ein Ende nehmen.

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Dank LOT bleibt der Geiz geil

Coronaviren, Heuschrecken, Buschfeuer, Trump, LOT – schade, dass ich kein deutscher Hardcore-Nationallist bin, denn würden meine Chancen, depressiv zu werden, nahezu gegen Null tendieren. Ein Macho-Nationola verfügt nämlich über die beneidenswerte Gabe, sich an Dingen zu stören, über die sich ein normaler Mensch nicht aufregt. Und wenn er einmal in Fahrt ist, dann macht er seinem Ärger möglichst publikumswirksam Luft. Je mehr ihn hören, desto besser fühlt er sich. Dass sich dennoch bisher noch niemand gefunden hat, der den Kauf der Condor durch LOT als nationale Schande bezeichnet, kann nur jemand verstehen, der mit der Airline mal geflogen ist. Wer wie ich es als Sünde empfindet, das Flugzeug zu nehmen, dem wird gleich in dem Moment, in dem er im Stuhl Platz genommen hat, die Absolution erteilt. (Leider war der Flug nicht ausgebucht, so dass ich mit einem Stück schlechten Gewissens die Maschine verließ.) Andere orientieren sich mehr am Preis. Bei dem ist Condor unschlagbar, was das Unternehmen zur einer Ikone, die unbedingt, egal von wem, gerettet werden muss, macht. „Geiz ist geil“ ist anstelle des plumpen Nationalismus getreten. Und da LOT verkündet hat, Condor sei die perfekte Ergänzung, liegt die Vermutung da, die Polen werden am Geschäftsmodell festhalten, so dass es eher kontraproduktiv sein würde, zu versuchen, die nationale Tränendüse in Gang zu bringen. Lt. Experten ist Condor für LOT kein Schnäppchen. 600 Mill. € seien viel zu viel. Und dann ist dann noch der Name, der Missbehagen auslöst, wobei ich es als ganz lustig empfunden hätte, wenn mir während des Flugs der Gedanken gekommen wäre, meine schwarze Ledertasche könnte gerade in dem Moment, wo Schleich eine neue Episode über Schorschi und Beppi im Garten des Vatikans dreht, neben dem Altpapst landen. An die Legion Condor erinnert sich heute niemand. Schon in den 50ern, als die Linie gegründet wurde, muss den Leuten nicht klar gewesen sein, was die deutsche Luftwaffe in Spanien angerichtet hat. (In der DDR hätte sie „Schwalbe“, so wie das legendäre Moped, geheißen. Die hätte noch mehr als eine gewöhnliche Gesellschaft versprochen, denn schließlich ist eine Schwalbe wesentlich wagemutiger als ein Kondor unterwegs.) Während früher das Vergessen das Problem, geht es heute darum, wie die Geschichte zu interpretieren ist. Dass die Frage, wer ist schuld bzw. was getan und nicht getan hat, mal zu einem Minenfeld werden könnte, hätte sich vor 20 Jahren niemand vorstellen können.

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Die Welt braucht dringend einen neuen Nikita,

was nicht denn unbedingt heißt, dass der neue Nikita unbedingt im Kreml sitzen muss, so wie es dem alten beschieden war, der als einziger Führer der Sowjetion den Mut hatte, Amerika direkt herauszufordern. Dank des Sputniks und Gagarin nahmen die Amerikaner dessen Hausforderung sogar ernst. Heute würde es die Sache zwar ungemein erleichtern, wieder jemanden in Moskau an der Macht zu wissen, der glaubt, Russland sei den USA ebenbürtig, und das mit einer Politik, das mit jenem System, auf das Donald schwört, nicht viel am Hut hat. Idealerweise müsste unser Nikita von heute ein Umweltzar sein, dessen Bewohner trotz der Einhaltung der 3,5 Tonnen CO2 Grenze, die jeder ausstoßen darf, einen Lebensstandard, der ungefähr jenem in den Staaten entspricht, haben. Da dieses Idealland nicht existiert, müssen wir Abstriche machen. Abstriche, die angesichts des Fehlens eine Umweltleaders so krass sind, dass der fortschrittlichen Welt nichts anderes übrig bleibt, als darauf zu hoffen, dass Greta Trumps Selbstherrlichkeit und Ignoranz ein Ende setzt. Das ist natürlich nicht zu schaffen. So hatte Trump in Davos heute ein leichtes Spiel – weit und breit war niemand bereit, ihm zu widersprechen. Gäbe es diesen Nikita, hätte der sich selbst nach Davos eingeladen, um gleich nach Donalds Auftritt dessen Thesen ad absurdum zu führen. Womit der Blog schon beim Dilemma des Treffens wäre – die Weltelite scheut sich davor, konträre Diskussionen zu führen. Statt über dessen Meinung zu diskutieren bzw. Leute zu holen, die ihm direkt widersprechen, gibt sich die Elite damit zufrieden, sich über dessen Ansichten zu amüsieren, was Trump ziemlich egal ist – angesichts des Verzichts, Leute reden zu lassen, die eine andere Meinung als er vertreten, darf seine Klientel anhand der Fernsehbild annehmen, ihr Held habe mal wieder alles richtig gemacht. Für Trumps war es ein Triumph, fürs Klima einer von vielen Supergaus in letzter Zeit. Leider ist von den Rednern, die bis Freitag noch kommen, nichts fundamentales Neues oder Originelles zu erwarten. Interessant ist nur Bartholomäus I., der wohl nur eingeladen wurde, weil er es geschafft hat, mit der Loslösung der russisch-orthodoxen Kirche aus seinem Verband für ein Schisma zu sorgen. Dank ihm gibt es eine eigenständige ukrainische Orthodoxe. Wie üblich gibt Davos nur einer Seite die Chance, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Die Russen bleiben außen vor.

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