Linke – lernen sie denn wirklich nie dazu?

Typische Linke – während die Rechten das Chaos, das sie angerichtet haben, vereint, nehmen sie das Tohuwabohu zum Anlass, sich gründlich untereinander zu zerstreiten, wie der Ausstieg von 7 Labour- Abgeordneten ausgerechnet in einer Zeit, in der die Partei jeden Mann braucht, zeigt, Es scheint so, als ob Linke Geschichte nicht nur wiederholen, sondern sie gar immer wieder in eine Schleife, aus der man nur mit einem Reset herauskommt, geraten. Das wäre wohl die einfachste Theorie, deren Missgriffe zu erklären. Linke lernen eben nie – wenn es darauf ankommt, versagen sie meistens. Bei den 7 liegt der Fall aber anders – im Gegensatz zu ihren Beteuerungen, auszutreten, weil die Corbyn nicht genug gegen den Brexit tun würde (Stichwort People‘s Vote), zielt wohl deren Weggang eher darauf ab, in der Nach-EU-Ära mit einer neuen Partei jene zu umwerben, die mit den beiden etablierten Parteien wegen deren Unfähigkeit, die befriedigende Ausstiegslösung zu präsentieren, höchst unzufrieden sind. Sprich das ist eine Partei, die vom Scheitern ihrer Parlamentskollegen lebt. Sie würden dann zu den wenigen unbelasteten Abgeordneten gehören, was sie automatisch für frustrierte Wähler, deren Anzahl rapide nach oben schnellen würde, sollte nicht doch noch ein Wunder bis zum 29.03. geschehen, interessant macht, so deren Kalkül. Je größer das Desaster, desto größer deren Chancen, bei den nächsten Wählen zur drittstärksten Partei zu werden. Aber sind das überhaupt noch Linke? Da Corbyn im Augenblick alles richtig macht, kommen schon Zweifel auf, ob sie sich nicht die falsche Partei ausgesucht haben. Er hat sich an die Gepflogenheiten gehalten, indem er immer über Abstimmungen im Parlament versucht hat, Labours Vorstellungen durchzusetzen. Zu Eigentümlichkeiten des Brexits gehört es, dass weder er noch May Abstimmungen gewinnen können. (Um Situationen wie jene im Königreich zu vermeiden wäre es vielleicht ganz ratsam, nach einer bestimmten Anzahl von Remis in Westminster einen Tie-Break, also eine Schnellabstimmung, zu vereinbaren.) Eine Volksabstimmung wäre auch ein gutes Mittel, den Gleichstand aufzuheben. Sollte es dazu kommen, dürfen sich die 7 diesen nicht auf ihre Fahnen schreiben. Das wäre dann ein Erfolg der Linken.

Haben Sie geglaubt, dass Karl Lagerfeld könnte mal sterben? Ich jedenfalls nicht. Den Mann, der sich immer kleidete, als sei er Mitte 30, hat es nun doch erwischt. Er hat immer so getan, als hätte er die ewige Jugend. Über Leute, die Jogginghosen tragen, hat er gesagt, sie hätten die Kontrolle über ihr Leben verloren. Grundlegend anders hat er sich jedoch auch nicht gekleidet – immer Stiefel, immer enganliegende Hosen, immer in Schwarz. Sonderlich einfallsreich war das nicht. Über ihn kann man sagen, dass Auftreten einfach alles ist. Während sein Outfit recht langweilig war, hat es immer Spaß gemacht, ihm zuzuhören. Höchst unterhaltend, der Mann. Eben ein Original.

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Der Aufstand der Jugendlichen

Ist das der Beginn des Aufstands der Jugendlichen? Nach Maßstäben, die ein bayerischer Kabarettist gesetzt hat, der einem Nachbarsjungen androhte, ihn zu verdreschen, wenn er sich nicht endlich an seinem Fahrrad vergreife, wie bspw. die Luft herunterzulassen oder es auf einen Baum zu hängen (alles Späße, die in seiner Jugend üblich waren), ist Skepsis angebracht – freitags immer ein oder zwei Unterrichtsstunden sausen zu lassen, um auf dem Marktplatz für das Klima zu kämpfen, zeigt, wie erwachsen die heutigen Jugendlichen schon sind. Wo bleibt deren Spontanität? Und wenn ich noch lese, dass sie hauptsächlich gegen die Braunkohleverstromung sind (jedenfalls in Halle), werde ich den Verdacht nicht los, ihre ums Klima besorgten Mütter könnten sie in ihren riesigen Chelsea-Traktoren zur Demo gefahren haben. Als ich heute versucht habe, herauszufinden, wie die gestrige Aktion gelaufen ist, wurde mir klar, dass sich in den Ferien die jüngsten Umweltaktivisten auch vom vielen Demonstrieren erholt haben. Bevor sie nächste Woche wieder ans Werk gehen, sollten sie sich überlegen, ob sie schon alle Mittel ausgeschöpft haben, ihre Eltern zu besseren Menschen zu machen. Da sie schon aus dem Alter, in dem Aktionen wie die oben aufgeführten toleriert bzw. milde bestraft werden, heraus sind, stehen sie vor einer Herkulesaufgabe – ihnen bleibt nur, ihre Eltern mit Argumenten und rhetorischen Kniffen auf den Pfad der Erleuchtung zu führen. Vielleicht strafen sie mich Lügen – vielleicht sind die Jugendlichen, die die Dinge nüchtern sehen und dementsprechend ihren Protest ausrichten, die neuen 68ger, die für einen radikalen Wechsel in der Umweltpolitik sorgen. Aber zurück zu unseren bayerischen Kabarettisten, dessen Auftritt einige Zeit her ist. Vermutlich würde er von seinem Nachbarsjungen heute ganz andere Dinge fordern. Sachen, die dem Klima helfen. Aber wie sieht kindgerechter Widerstand gegen die globale Erwärmung aus? Ein Bayer würde auf eine Ludwig-Thoma-Geschichte verweisen. Viele der darin vorkommenden Streiche sind heute zwar nur noch schwer möglich, jedoch geben dessen Bücher und deren Verfilmungen den Kindern eine Vorstellung, in welchem Rahmen ihr Schabernack sich halten sollte. Die Amerikaner, denen es immer wieder gelingt, neue Facetten des Kinderprotests zu erfinden, sind auch eine gute Hilfe, zu lernen, wie man protestiert. (Auf einen Kevin, der in seiner Nachbarschaft Umweltsünder drangsaliert, müssen wir wohl noch einige Zeit warten.)

PS: Wer bewahrt die Kinder im Kusbass davor, im schwarzen Schnee spielen zu müssen? Die Bilder sind besorgniserregend. Das schreit nach Ablösung des dort zuständigen Oligarchen. Spaß beiseite – es sieht ganz danach aus, als ob Russland neben der Armut (19 Millionen) (weiterhin) auch Umweltprobleme hätte.

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Ohne Internet – Yandex macht es möglich

Das Internet wird national, und bei allen Ängsten, Putin könnte den Chinesen folgen, die mit ihrer „Great Firewall“ Medien, die sich kritisch über die Politik der herrschenden Kommunisten äußern, bequem vom Land fernhalten, muss man den Russen zugute halten, dass sie als einzige sich solch ein Experiment – die Russen planen, für kurze Zeit ein nationales Netz, das vom Internet getrennt ist, zu simulieren – überhaupt leisten können. Davon kann der Rest der Welt mit Ausnahme der Amerikaner und Chinesen nur träumen. Der Grund? Während wir hierzulande uns auf die Links, die im Browser unter den Lesezeichen geführt werden, verlassen müssten, sollte Merkel etwas Ähnliches planen, können die Russen weiterhin auf ihre Suchmaschine, die diesen Blog schon seit Jahren ignoriert, zurückgreifen – Yandex ist der Schlüssel, der die Trennung vom Internet erst möglich macht. Ohne eigene Suchmaschine funktioniert die Abkopplung nicht. Man braucht es gar nicht erst zu probieren. Und da Yandex in Russland beliebter als Google ist, sollte es den Russen nicht allzu schwerfallen, die Stunden, in denen sie unter sich sind, einigermaßen glimpflich über die Runden zu bringen. Dass bei Google, über das zu lesen war, sie würde mehr Strafe als Steuern zahlen, nicht die Alarmglocken läuten, liegt nur daran, dass der Rest der Welt, allen voran Europa, es versäumt hat, ein eigenes System aufzubauen. Wir sind abhängig von den Amerikanern. Und werden es wohl auch bis in alle Ewigkeit bleiben. Aber was bezweckt Putin? Hat er den (angeblichen) Krieg gegen Clinton und für Trump nur geführt, um Gegenattacken zu provozieren, die seinen Landsleuten klarmachen, wie notwendig es ist, sich abzuschotten? Genaues weiß man nicht. Fest steht nur, dass die Russen über einen langen Zeitraum planen. Yandex wurde vor 20 Jahren gegründet. 2010 hatte man schon 64 Prozent aller russischen Sucher im Internet für sich gewonnen (die englische Wiki-Ausgabe schreibt, die Anteil betrüge im Augenblick 52 Prozent). Ein Misserfolg im Frühjahr wird die Russen nicht davon abhalten, es noch einmal zu versuchen.

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Die ewige Frage – konnte der Führer malen?

Schadet es dem Ruf des Führers, Inbegriff des Bösen zu sein, wenn man ihm zugesteht, dass er malen konnte? Wenn sich diese Frage stellt, muss wieder ein Bild, das er gemalt haben soll, aufgetaucht sein, und ausgerechnet in Nürnberg, wo er die Deutschen verdonnerte, ihm zu huldigen (was alle auch in voller Inbrunst taten), soll es heute versteigert werden. 45.000 € erhofft sich der Auktionator – im Vergleich zum Schaden, den der Führer angerichtet hat, ein Wassertropfen, der noch vor seiner Ladung auf dem heißen Stein verdunstet ist. Einen Hitler in der Sammlung zu haben ist eben nicht jedermanns Sache, wobei natürlich auch eine Rolle spielt, dass dessen Bilder kaum jemand kennt. Während die Gäste eines Sammlers, der vor dem Abendessen seine Erwerbungen präsentiert, vor einem von Gogh sofort sagen, „Oh, das ist ein van Gogh!“, muss dessen stolzer Besitzer vor einem Führer bzw. Hitler die Leute immer auffordern, zu raten, von wem denn dieses Gemälde sein könnte, was zwar zehnmal interessanter ist, als sich eine deutsche „Fernsehraterunde“ anzuschauen, aber auf die Dauer auch langweilig wird. Dass diese Kolumne nun einen Link zu einer Webseite, auf der die Werke des Führers zu finden sind, setzt, geschieht keineswegs in der Absicht, den Sammlern das Fragen zu ersparen, sondern um herauszufinden, wie es um die Fähigkeiten des Führers bestellt war. Da trifft sich es gut, dass einer seiner großen Widersacher auch Maler war. Churchill und Hitler – wer war der Bessere von den beiden? Diese Kolumne glaubt zu wissen, dass Churchill mehr Phantasie als der Führer hatte, also Hitler mehr den Geschmack des Menschen, der meint, ein Gemälde müsse die Realität abbilden, traf, während der Brite es mit dieser nicht so genau nahm, sondern diese interpretierte. Da Churchills Werke sich fast ausschließlich Szenen von der Côte d’Azur zeigen, stellt sich die Frage, ob aus dem Hitler ein Führer geworden wäre, wenn die Kunstschule, die ihn in Wien ablehnte, ihm geraten hätte, er solle es nach einem Jahr im Süden Frankreichs noch einmal versuchen. (Um nicht den Eindruck zu erwecken, der Führer sei Opfer der Umstände geworden, muss gesagt werden, dass es auch berühmte Maler gibt, die nicht am Mittelmeer waren.) Aber was wäre das Gemälde wert, wenn niemand wüsste, wer es gemalt hat? Vermutlich müsste sich der Auktionator mit einem Preis, den ein Straßenmaler in Paris nimmt, zufrieden geben. Oder gar weniger. Da der Führer es beim Malen sehr genau nahm, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass es schon damals, also nach der Jahrhundertwende, lange Trockenperioden gegeben haben muss – der spärliche Graswuchs am Ufer des Sees lässt das jedenfalls vermuten. Holmes – übernehmen Sie!

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Nicht ewig ein Gewohnheitstier

Der Menschen ist ein Gewohnheitstier, und wenn selbst Putin, dessen Russland angeblich auf wirtschaftlichem Gebiet nur mittelmäßig performt, es sich leisten kann, eines zu sein bzw. zu bleiben, dann sieht die Zukunft dieses Planeten nicht besonders rosig aus – auf Amerikas Kündigung des INF-Vertrags reagiert er mit Mach 5 Raketen, so dass Politiker, die nach Merkel ins Bundeskanzleramt einziehen, nicht mal mehr die Chance haben, im Falle eines Enthauptungsschlages es noch zum Klo zu schaffen. Gerade mal 6 Minuten würde die Rakete von Kaliningrad nach Berlin brauchen. Selbst AKK, die in ihren öffentlichen Auftritten den Eindruck vermittelt, ihr zweites Ich würde in der Ferne versuchen, das nächstes Problem zu lösen, hätte keine Möglichkeit, dem Inferno zu entkommen. Das atlantische Gewohnheitstier kann das nicht auf sich sitzen lassen – mit zwei oder drei Mach mehr wird es antworten. Auf die Idee zu kommen, die Dinge auf sich beruhen zu lassen, kommt das Gewohnheitstier natürlich nicht. Als originell würde ein Gewohnheitstier gelten, wenn er als Antwort vorschlüge, die Hauptstadt wieder nach Bonn zu verlegen. Oder auf die Idee kommen würde, eine zweite Hauptstadt irgendwo in Nordafrika, wo die Russen nicht mit ihren Raketen hinkommen, zu errichten. Wenigstens in einem Krisenfall sollten Politiker und Beamte dann vor Ort sein. Die beste Antwort wäre natürlich keine Antwort, was einem Sparprogramm, das Stoible nie imstande war, umzusetzen, gleichkommt. Aber danach sieht es partout nicht aus. Geldverschwendung ist angesagt – denn nun bedarf es nicht nur eines Manns, der dafür sorgt, dass die Reichen ihre Steuern zahlen, sondern es wird auch jemand gesucht, der den Staaten die Rüstungsetats kürzt. (Als Historiker könnte Bregman dieses Amt in Personalunion ausüben.) Die Macht der Gewohnheit lässt sich, wenn sie zu Resultaten führt, die den Menschen schaden, nur brechen, indem jene, die von ihr nicht lassen können, dessen Folgen spüren, womit ich beim Klimawandel wäre – jene, die glauben, auf der Autobahn weiter so schnell wie irgendwie möglich fahren zu müssen, sollten die Konsequenzen ihres Tuns erleben, so wie 2000 Einwohner eines Ortes, das weit hinter dem Polarkreis liegt. Im Hochsommer müssten sie einen Tag unter ein Glocke, die den Bewegungen des Rasers folgt, leben. Nicht schlimm? Im besagten Ort ist die Temperatur um 4 Grad gestiegen. In 80 Jahren soll es dort 10 Grad wärmer als sonst, also vor rund 40 Jahren, sein. Ich glaube, es nicht vermessen, zu behaupten, dass das Gewohnheitstier Raser nicht mehr lange einer sein würde, könnte ihm das widerfahren.

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Maduro – selbst Kuba kann nicht helfen

Was unterscheidet Maduro von seinen Landsmännern? Während die meisten Venezolaner schon auf Erden in der Hölle leben, wird Maduro spätestens dann, wenn er Hugo begegnet – im Augenblick vermute ich ihn im Himmel, wo er in sich in Kampfmontur darauf vorbereitet, seinen Nachfolger vor dessen Eintritt ins Fegefeuer abzufangen, um ihn für dessen Versagen in Fallschirmjägermanier fertig zu machen –, wissen, was dies bedeutet. Sein Pech ist, dass es kein Argument, das Hugo milde stimmen könnte, gibt. Die Zeiten, in denen man sich damit herausreden konnte, aufgrund des Blocksystems, das keine Experimente in beiden Lagern erlaubte, nicht die Möglichkeit bestanden habe, einen Mittelweg zu gehen, sind längst vorbei. Maduro hätte nur nach Brasilien schauen müssen, wo Lula gezeigt hat, dass es möglich ist, die alten Eliten einzubinden. Dass die bei der erstbesten Gelegenheit von der Stange gehen, ja sogar Leute unterstützen, die nicht davor zurückschrecken, aus dem Amazonas eine Kulturlandschaft zu machen, hätte er in Kauf nehmen müssen. Da hilft nur, darauf zu hoffen, dass sie samt ihrer Führer als ignorante Tölpel in die Geschichte eingehen. Angesichts der riesige Ölreserven sowie einer Bildungsreform, deren Fehler zu korrigieren gewesen wären, hatte Maduro beste Voraussetzungen, dass Land umzukrempeln. Aber er hat es nicht einmal geschafft, die staatliche Ölfirma halbwegs in Ordnung zu halten. Wegen mangelnder Investitionen ist das Land nicht in der Lage, das Öl in eigenen Raffinerien zu Benzin zu verarbeiten, so dass es eingeführt werden muss. Hätte er mal lieber Putin gefragt. Der weiß, wie es geht. Und wer sich die Aufzeichnung des Gesprächs, das eigentlich ein Monolog ist, den der Zuhörer nach einigen Sätzen immer wieder mit wenigen Worten der Höflichkeit wegen unterbricht, zwischen Jelzin und Bush durchliest, der fragt sich, wie es der Westen nur schaffen konnte, Russland zu verlieren. Ein Schleimer vor dem Herrn – dass Russland, Weißrussland und die Ukraine getrennte Weg erfährt zuerst der Präsident der Vereinigten Staaten. Gorbatschow hat keine Ahnung, was hinter seinem Rücken abgeht. Jetzt ist auch klar, warum Putin mit Chodorkowski ein Exempel statuiert hat. Freiwillig hätten die Krisengewinnler einem Orligarchismus, der fest an die Leine genommen wird, nicht zugestimmt. Maduro hat es aber versäumt, die Fehler seines Vorgängers auszuräumen und die „Revolution“ den Gegebenheiten anzupassen. Das wird ihm nun zum Verhängnis. Niemand glaub daran, dass er den Machtkampf überlebt. Auf die Russen und Chinesen, die dafür gesorgt haben, dass deren Firmen auch bei einem Machtwechsel weiter ihren Geschäften nachgehen dürfen, kann er sich nicht verlassen. Ihm bleibt wohl nur Kuba.

PS: Wer geglaubt hat, mit dem Rückzug der Amerikaner aus Syrien würde Trump eine neue Epoche einläuten, der hat sich geirrt – die Navy bekommt gleich zwei neue Flugzeugträger, die angesichts der Stärke der Russen und Chinesen nur dazu dienen, schwächeren Ländern das Fürchten zu lehren. Wenigstens dürfen sich die Syrier freuen – alle einberufene Männer über 42 werden aus dem Dienst entlassen. Neue sollen nicht länger als 2 Jahre, die Pflicht sind, dienen.

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Der Brexit-Dienstag bleibt (es war aber knapp)

Lange sah es danach aus, als ob ich mich vom Bexit-Dienstag, dem unterhaltsamstem Tag der Woche, verabschieden müsste – die Tories lehnten alles, was danach roch, die Mitgliedschaft in der EU zu verlängern, gnadenlos ab, bis am Schluss zwei Anträge durchkamen, die das Parlaments-Spektakel nicht nur am Leben erhalten, sondern die Tories als total unfähig, mit Brüssel einen Kompromiss zu erzielen, entlarven, denn ausgerechnet den Wegfall des Backstops, den die Europäer als unantastbar ansehen, haben sie zur Bedingung für die Zustimmung des Ausstiegsvertrags gemacht. Dümmer geht es nun wirklich nicht. Um diesen und den Beschluss, unter keinen Umständen ohne Vertrag aus der EU auszuscheiden, umzusetzen, muss May nun das tun, was ihre verrückte Partei ablehnte, als sie Coopers Antrag, Artikel 50, der besagt, länger in der EU zu bleiben, kurz vorher niederstimmte – ihr bleibt nichts anderes übrig, als zu verlängern. Der Brexit-Dienstag bleibt, so scheint es, mir also erhalten. Und mit ihm der Herr, der ständig „Ooorder“ ruft und nicht müde wird, an seine Kollegen zu appellieren, Redner und Fragesteller doch aussprechen zu lassen. Ein Schelm, wer denkt, dass er, wie jeder Lehrer auch, längst in der Psychiatrie sein müsste, wenn er sich über deren Disziplin- und Respektlosigkeit maßlos ärgern würde. Das gehört einfach zur Schau, ist Teil des Zirkus, der es versteht, gut zu unterhalten, was auch an den vielen Ritualen, auf deren Einhaltung die Briten großen Wert zu legen scheinen, liegt. Dem Gehabe nach zu urteilen haben sie vieles von Nelsons stolzer Navy abgekupfert. Das Vorlesen der Ergebnisse, die Weitergabe dieser an den Speaker (Herr „Ooorder“), da Yeah-Rufe – das ist alles aus dem Seemännischen übernommen worden. Vermutlich hat sich damals niemand vorstellen können, dass je Leute im Parlament sitzen könnten, die seeuntüchtig sind – Hafenkapitäne, die im sicheren Hafen Unterhaus bestens zurechtkommen, jedoch in der Themse-Mündung schon in Seenot geraten. Schon deswegen bleibt mir mein Brexit-Dienstag erhalten. Und ehrlich gesagt macht es mir Spaß, nun zu verfolgen, wie sich Mays Tories weiter verrennen.

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Kolumne erstmals mit Reisetipp

Können Sie sich in erinnern, dass diese Kolumne ihren Lesern schon einmal einen wertvollen Reisetipp gegeben hat? Da ich es nicht kann, ist heute ein ganz spezieller Tag, und wer nun glaubt, die Kolumne wird seinen Lesern raten, wie man im Freien in Sibirien bei 30 Grad minus locker auf seine 8 Stunden Schlaf kommt oder den Samowar in der Transsib bedient, der wird sicherlich enttäuscht sein – der erste Ratschlag geht genau an jene, von denen ich glaube, dass sie meinen Blog meiden, nämlich an die Pauschaltouristen, die aber keine normalen sind, sondern mit Fug und Recht von sich behaupten könne, Könige unter den „Pauschalern“ zu sein. Lange Rede, kurzer Sinn – Kreuzfahrer aufgemerkt, denn nun verrate ich Euch, welche Kabine Ihr buchen müsst, um die Wahrscheinlichkeit, irgendwann mal einen Pneumologen aufsuchen zu müssen, so gering wie möglich zu halten. Je näher am Bug, desto besser für Eure Lungen. Darum kann die Kolumne nur raten, vor der Kommandobrücke in einem Zelt schlafen, denn wer sich in der Nähe des Hecks aufhält oder gar dort nächtigt, der kann seinen Urlaub gleich in Peking oder Santiago verbringen, wo die Schadstoffbelastung genauso hoch wie auf diesem Teil des Schiffs ist. Da dies für den Stillen Ozean und der Karibik gilt, ist anzunehmen, dass Messungen auf Schiffen im Mittelmeer und der Ostsee zu gleichen Resultaten führen würden. Wenigstens weiß der Kreuzfahrer wegen der peniblen Untersuchung nun, ober er im „Staubsaugertüten-“ und „Seeluft-Trakt“ schläft. Dank der großzügigen Regelung der EU, die jenen, die verpflichtet sind, die Schadstoffbelastungen an den Straßen zu müssen, erlaubt, fast frei wählen zu dürfen, wo sie die Messtation hinstellen, wird ein „Pauschaltourist-König“ womöglich nie genau erfahren, wie schädlich der Schadstoff ist, den er einatmet, wenn er mal nicht auf See ist. Das macht auch Sinn – was nutzt eine Regel, von der man weiß, dass sie nicht eingehalten werden kann? Die hilft niemanden, darum dürfen die Stationen auch dort stehen, wo die Belastung am geringsten ist. (Obwohl die Messstation sich auf dem Dach eines mehrstöckigen Hauses befände, würde lt. ARD die Belastung in Thessaloniki regelmäßig überschritten werden.) Dem Kreuzfahrtboom wird die Untersuchung nicht schaden – die Leute werden weiterhin die Boote in Massen entern. Deshalb hat Carnival wohl auch die Wissenschaftler an Bord gelassen. Die Kolumne kann aber nicht verstehen, warum die EU „Potemkinsche Dörfer“ errichtet. Damit macht man sich nur unglaubwürdig. So wie es es die Kohlekommission tut, die erst 2038 die Kraftwerke abschalten lassen will. Der Kohlefan Trump ist da viel weiter – in seiner bisherigen Amtszeit wurden mehr Megawatt vom Netz genommen als unter Obamas gesamter erster Amtszeit.

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Die Russen zögerten völlig zu Recht

Seit heute wissen wir, warum sich die Russen so merkwürdig in Syrien verhalten – einerseits kämpfen sie mit Assad und den Iranern, andererseits halten sie sich vornehm zurück, wenn die Israelis ihre Verbündeten angreifen. Nach dem Verlust eines Aufklärers durch ein erzwungenes „friendly fire“ gaben die Russen, indem sie Syrien moderneres Equipment lieferten, ihre Zurückhaltung ein wenig auf. Bis zum letzten Wochenende sah auch alles danach aus, als ob wenigstens an einer Front Ruhe einkehren würde. Dann lieferten sich die drei ein Raketengefecht, an dessen Ende sowohl Israelis als auch Syrier zufrieden sein konnten – mit ihrem neuen Abwehrsystem kann Israel praktisch eine Käseglocke, an der alle Raketen grandios zerschellen, über sein Territorium stülpen. Assad ist froh, dass beim Angriff von 40 Raketen gerade einmal 10 ihr Ziel erreicht haben. Das ist zwar nicht der absolute Schutz, den die israelischen Bürger genießen, jedoch allemal besser als vor der Aufrüstung durch die Russen, als nämlich die israelische Luftwaffe schalten und walten konnte, wie sie wollte. Nun ist es erheblich teurer und gefährlicher, die Assads Luftabwehr auszuschalten. Und selbst die Iraner, deren Raketen abgefangen wurden, können sich freuen – dank des Erfolgs ihres Systems wird es für die israelische Propaganda noch schwerer, Angriffe auf Stellungen der Iraner bzw. ihnen nahestehenden Verbände zu rechtfertigen. Sie sind praktisch Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Von Iran geht jedenfalls keine Bedrohung für die Existenz des Landes aus. Die großen Verlierer sind die Russen, denen nichts weiter übrig bleibt, als die Verluste, die Assad aufzuweisen hat, wieder auszugleichen. Es sieht so aus, dass der moderne Luftkrieg zu einer Materialschaft, die nur der gewinnt, der am längsten Feuern kann, gewinnt. Fällt ein System aus bzw. geht diesem die Munition aus, wird es zur Zielscheibe des Gegners. Das ist so wie in „Krieg der Sterne“ – bei einem Schwarm-Angriff gibt es kein Entrinnen. Goldene Zeiten für Raketenproduzenten – sie können ihren Kunden neben der Rakete, die gegen Landziele eingesetzt wird, gleich noch eine liefern, die erstere vernichtet, so dass für beide Arten immer Nachschub erforderlich ist.

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„Sibirian snowbomb“ – es gibt sogar Schlimmeres

Wird die „Sibirian snowbomb“ uns nun jedes Jahr um diese Zeit beehren? Während für die Briten der Luftangriff aus Sibirien nach ein oder zwei Tagen überstanden ist, ist hierzulande die „Sibirian snowbomb“ in eine Kältewelle gleicher Herkunft, von der über die neueste gesagt wird, sie würde Mitte nächster Woche beginnen und ungefähr vier Wochen dauern, eingebunden. Wahrscheinlich hätte ich die „Sibirian snowbomb“ samt deren Folgen als singuläre Erscheinung wahrgenommen, wenn in einigen Artikeln über sie nicht stünde, der letzte März sei kälter als seine Vorgänger gewesen. Diese Kältewelle hat das Zeug, in meinem Langzeitgedächtnis haften zu bleiben. Platz dafür ist dort genug, nur weiß ich nicht, wie viel meine Firewalls durchlassen. Die Freunde des Winters werden ihre Firewalls ab nächster Woche Off schalten – da sie diesen dank des Klimawandels, der der Jetstream über den Nordpol erlahmen lässt, was der sibirischen Kälte erlaubt, sich für Wochen hier festzusetzen, in dessen ganzer Breite genießen können, werden sie jeden besonderen Moment in Erinnerung behalten. Ich hoffe, dass es nicht so schlimm kommt, wie vorhergesagt – niemanden ist geholfen, wenn es kurz vor Weihnachten wieder heißt, dieses Jahr sei das wärmster seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Das nehmen die Menschen den Meteorologen einfach nicht ab. Breiter Klimaschutz braucht warme Winter, keine „Sibirian snowbomb“. Wenn in Amerika für weite Teile ähnliche Bedingungen wie hier herrschen, dürften Leute wie Trump sich in ihrer Meinung, es würde überhaupt keinen Klimawandel geben, bestätigt sehen. Im Gegensatz zur AfD, die aus Angst, sie könnte sich lächerlich machen, still und leise die globale Erwärmung in Zweifel zieht, posaunt Donald wenigstens laut heraus, was er denkt. (Ich stelle mir gerade vor, wie die Demokraten frohlocken würden, wenn es Verdachtsmomente, die darauf schließen, dass Putin russischer Wissenschaftler beauftragt habe, im Wahlkampf für ein Wetter, das Trump zum Sieg verhilft, zu sorgen.) Da bleibt nur, Trost im Schlimmeren als der „Sibirian snowbomb“ zu suchen, bspw. im nuklearen Winter, der gar nicht so aus der Welt, wie man annehmen könnte, gegriffen ist, wie eine Buchrezession zeigt – gelingt es den beiden Supermächten, die jeweilige Führung auszuschalten, haben „Warlords“, die kurz vor der „Enthauptung“ der Spitze beauftragt wurden, selbst zu handeln, das Sagen. Das entspricht gar nicht unserer in Filmen genährten Vorstellung, dass nur der Präsident darüber entscheidet, ob und wann die Raketen fliegen. Angesichts eines neuen Wettrüstens, das unvermeidlich zu sein scheint, sollte sich die USA und Russland darauf einigen, auf einen atomaren Enthauptungsschlag verzichten zu wollen. Ohne „Enthauptung“ keine „Delegierung“ . Das schon würde die Welt ein Stück sicherer machen.

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