Labour fehlt das Image eines Machers

Wenn der Blog sich schon nicht erklären kann, warum angesichts des Chaos, das Boris anrichtet, Labour vorgestern bei den Lokalwahlen abgestraft wurde, dann weiß er wenigstens, wie man die Wähler wieder zurückgewinnt – indem man nämlich jeden ausländischen Touristen, der länger als drei Tage bleibt, gratis impft. Was Moskau kann und Big Apple plant (ausgerechnet J&J, das hierzulande angeblich nur an über 60-jährige gehen darf, in NY aber dank Impfautos, die vor der MET und dem Empire State Building stehen, jeder, der möchte, nehmen darf), sollte für London kein Problem sein. Dank der Impftouristen wären dann wieder Zimmer belegt, in denen Corona nie freiwillig nächtigen würde. Fast so wie in den guten alten Zeiten. Da Sadig Khan, der als haushoher Favorit in die Wahl zum Bürgermeister gegangen ist, ebenso wie seine Partei schwächelt, steht noch nicht ganz fest, ob er diese Initiative starten könnte. Sollte er es schaffen, muss er dafür sorgen, dass die Leute in Labour wieder eine Macher-Partei sehen. Ob das dem „Kleinstadt Kriminalisten“ Starmer gelingt, ist höchst zweifelhaft – es reicht nicht, die Verhörtechniken zu beherrschen, wie Boris leidvoll im Unterhaus erfahren musste. Der Wähler erwartet Ideen und Vorschläge, mit denen Starmer aber nicht dienen kann. Niemand weiß, was er anders machen wird, außer dass er als Premier niemanden bitten wird, ihn finanziell bei der Renovierung seiner Dienstwohnung zu unterstützen, so wie es Boris nachgesagt wird. (Da Boris Verlobte einen recht guten Geschmack hat, wird sich der Blog hüten, zu behaupten, die jungen Frauen von heute seien sehr anspruchsvoll und total verwöhnt. Vielmehr hat der Blog den Eindruck, dass Boris ziemlich geizig sein muss.) Leider reicht dieser Unterschied heutzutage nicht mehr aus, jemanden aus dem Amt zu drängen. So darf der Johnson weiter das Land spalten. Aber nicht mal das scheint ihm mehr zu gelingen, denn es sieht ganz danach aus, als ob die SNP aufgrund ihres Resultats, das nicht so überragend wie erhofft auszufallen scheint, sich erst einmal von der Unabhängigkeit verabschieden muss. Sobald Labour was auf die Beine stellt, ist es mit dem Spuk in der Downing Street vorbei. Es muss nicht unbedingt London sein, wo man sich impfen lässt. Liverpool, das an Labour geht, soll auch sehr schön sein.

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Keinen Plan für die Freiheit – undenkbar für Egon

Wer die Olsenbande kennt, der weiß, wie wichtig ist, einen Plan zu haben, wenn man wieder in die Freiheit entlassen wird. Egon, der gefühlt weitaus weniger Zeit im Knast als wir im Lockdown verbracht hat (wobei bei intelligenten und originellen Straftaten die Richter immer symbolische Urteile fällen), hatte immer einen, wenn ihn seine beiden Freunde abholten. Der Clou an der Olsenbande war, dass jeder im Kino wusste, dass beide die Sache wieder vermasseln würden. Natürlich wäre es ein bisschen zu viel verlangt, wenn jeder, der dank der Spritze wieder ein normales Leben führen kann, sich zu einem Kleinkriminellen entwickeln würde (an die großen Coups wie zum Beispiel einen Bitcoin Raub mag der Blog gar nicht denken). Das ist auch nicht der Plan, den jemand hat, wenn er das Impfhaus verlässt. Vermutlich hatten die meisten Geimpften bis jetzt auch keinen. Sie waren einfach nun froh, nun sich sicher sein zu können, nicht mehr wegen Corona ins Krankenhaus zu müssen. Aber das war zu einer Zeit, als Corona noch alles lahmzulegen drohte. Heute ist die Lage weitaus weniger bedrohlich als noch vor wenigen Wochen. Je geringer die Fallzahlen und je weniger Leute auf den Intensivstationen liegen, desto größer werden auch die Ansprüche, die man hat, wenn man geimpft ist – mit dem Schutz werden sich immer weniger Menschen zufrieden geben. Viele erhoffen sich nach der Impfung, sofort wieder das tun zu können, was man vor der Pandemie gemacht hat. Glaubt die Politik wirklich, einen frisch Geimpften mit der Erlaubnis, nachts spazieren gehen zu dürfen, rundum glücklich machen zu können? Das funktioniert nicht mehr. Die Menschen erwarten zurecht mehr. Theater-, Kino- und Restaurantbesuche sollten schon auf dem Plan stehen. Zumal wenn die Politik verkündet hat, es würde bald genügend Impfstoff zur Verfügung stehen. In diesem Quartal werden alleine 80 Millionen Dosen geliefert, womit fast die Hälfte der Deutschen versorgt wäre. Trotzdem wird das Oktoberfest abgesagt. Rechnet die Politik mit Lieferausläufen? Oder will man warten, bis sich jeder hat impfen lassen? Der Blog darf gar nicht daran denken, dass sein Lieblingsklub womöglich ohne Zuschauer in die neue Saison starten muss. Die 3. Liga wäre vorprogrammiert. Sollten sich unsere Politiker vertan haben, bleibt, sich damit zu trösten, dass es schlimmere Fehleinschätzungen gegeben hat. So hat der Führer am 30.09.1942 verkündet, er habe Stalingrad erobert, womit er völlig danebenlag.

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Laschet begeht den gleichen Fehler wie May

Aber wenigstens hat die ihren gemacht, als sie bereits im Amt war, während Laschet nach seinem Missgriff nur hoffen kann, es trotzdem noch irgendwie ins Kanzleramt zu schaffen, was ziemlich aussichtslos erscheint, wenn man sich mit Merz jemanden ins Team holt, der glaubt, dass das Sparen der beste Weg sei, die Problemen und Aufgaben – Stichwort Erderwärmung – zu lösen. Oder etwa nicht? Sparen oder Nichtsparen, das ist hier die Frage, die im September beantwortet wird. Und da die Deutschen den Ruf haben, ausgemachte Sparfüchse zu sein, stehen die Chancen für Laschet gar nicht mal so schlecht, nach Berlin zu kommen. Natürlich mit Merz im Gepäck, der dort darangehen wird, seine Politik durchsetzen, so dass niemand mehr weiß, wer eigentlich der Kanzler ist. Das setzt jedoch voraus, dass wir bis dahin wissen, was Laschet überhaupt will. Im Augenblick ist das nicht so recht klar. „Die Menschen draußen im Lande“ werden sich wohl bis zum ersten Kanzlerduell, an dem wohl auch Scholz teilnehmen darf, gedulden müssen. (Für jemanden, der mit den drei Kandidaten absolut nichts anzufangen weiß, wäre wohl ein Triell, in dem die Kontrahenten in einem gleichseitigen Dreieck zueinander stehen, die beste Wahl.) Dessen Problem ist, dass er nicht mal in der Lage zu sein scheint, für Kakophonie in seiner Partei zu sorgen. Wo bleibt die Gegenmeinung zu Merz’ Einschätzung über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts? Der glaubt, vermutlich zurecht, es sei jetzt zu spät, am Treibhausgesetz herumzuwerkeln. Leider hat er aber vergessen, zu betonen, dass seine Partei nach Wahl das Gesetz sofort überarbeiten werde. Dessen Aussagen (Eigentum etc.) lassen vermuten, dass es ihm erster Linie darum geht, seine konservative Klientel zu halten. Umweltbewusste Wähler, die die Grünen für zu unerfahren halten, um das Land zu führen, wird das nicht überzeugen, die Union zu wählen. Um die Merkelwähler halten zu können, braucht Laschet schon jemanden, der sich von Merz abgrenzt. Und das nicht nur in diesem spezifischen Fall. Mit Söder wäre die Union nicht in diesem Dilemma. Wäre er Kanzlerkandidat, wäre es völlig egal, was Merz von sich gibt. Das kuriose an der Situation ist, dass ausgerechnet der Kandidat, der sich als liberal gibt, im Begriff ist, einen Lagerwahlkampf zu führen. Mit den Gründen verbindet die Union im Augenblick jedenfalls nicht viel. Angesichts der vielen Konjunkturprogramme, die im Augenblick en vogue sind, würde der selbsternannte Europäer wegen seines Sparministers als Bremser in Brüssel gelten, über den die Welt nur den Kopf schüttelt. Wer in Neapel schon mal in einer S-Bahn gesessen hat, der weiß, dass ein kontrollierter Ausbruch des Vesuvs der Stadt helfen würde, die Kosten für die Sanierung zu senken. Draghi hat gezeigt, dass man sich vom Diktat Schäubles befreien kann. Schaffen das auch die Deutschen?

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Trainer bald so teuer wie Ronaldo?

Als Schalker traue ich mich nicht, mir vorzustellen, wo mein Verein jetzt stünde, wenn Tönnies und Co. für den Trainer, unter dem die rasante Misere begann, eine Ablöse von 5 Millionen € gezahlt hätten – vermutlich auf dem Platz, den sie jetzt einnehmen, jedoch immer noch mit dem Coach, der im vorletzten Sommer den Klub verhexte. Wer so klamm wie die Gelsenkirchener ist, der muss sich entscheiden, ob er, wenn es schlecht läuft, noch Hoffnung bei den Fans verbreiten möchte oder gleich in den Untergang marschieren will. Da keiner seiner Nachfolger es besser hinbekommen hat, haben wir jetzt wenigstens die Gewissheit, wer die Mannschaft eigentlich trainiert hat – die Zuschauer, die mit sicherer Hand die Mannschaft in der Liga gehalten hätten, wenn es ihnen gestattet worden wäre. Während Schalke zurück zu den Wurzeln muss, können sich die Bayern den Luxus erlauben, keinen Unterschied mehr zwischen einem Trainer und einem Spieler zu machen. Ihren neuen Übungsleiter Nagelsmann haben sie mit einer nicht unbeträchtlichen Ablösesumme, die zwar noch weit unter der, die für Weltstars gezahlt wird, liegt, im Gegensatz zu einem herkömmlichen Vertrag aber einen weitaus besseren Kündigungsschutz zur Folge hat, nach München gelotst. Nagelsmann ist praktisch erst einmal unkündbar. Ein Trainer als Beamter auf Zeit. So wie die Profis auch. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Ganz im Gegenteil. Er hat nun mehr Zeit, seine Pläne umzusetzen. Der große Nachteil an diesem Beamtendasein ist, dass bei mäßigen Leistungen seines Teams Medien und Fans dessen Ablöse ständig hinterfragen werden. Und da im Augenblick niemand so recht weiß, ob nach Corona ist vor Corona gilt, könnte es durchaus sein, dass die Oberen der Bayern ein Eigentor geschossen haben. Im Herbst werden wir sehen, ob der Ball tatsächlich im Tor gelandet ist. Die Ablehnung der Superleague zeigt, dass die Fans nicht alles mitmachen. Jetzt nicht zu denen zu gehören, die im Geld schwimmen, während viele sich abmühen, an die Zeit vor der Pandemie anzuknüpfen, könnte für Schalke ein Vorteil sein. Glück im Unglück nennt man das wohl. Aber vielleicht kommt es ganz anders und alles wird schlagartig so wie früher. Als hätten wir ein paar Monate in einer anderen Welt verbracht. Zu wünschen wäre es.

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Wird nun sogar das Lachen zensiert?

Was würde wohl Umberto Eco sagen, wenn er erfahren könnte, dass in Deutschland sich ein Schauspieler genötigt sieht, ein Video von Youtube zu nehmen, da viele der Meinung sind, man dürfe über ihn nicht lachen? Der Autor des Romans „Der Name der Rose“ würde annehmen, die Deutschen seien zu erzkatholischen Dogmatikern, für die das Lachen eine Todsünde ist, was sie dazu zwingt, den Papst verachten, geworden. Schön wäre es, denn dann wüsste ich, woran ich bin. Leider kommt die vehemente Kritik von Leuten, die bisher nicht unter Verdacht standen, das Lachen zensieren zu wollen. Wie eben von Ulrich Matthes, der Richy Müllers Video, in dem er aus einer Tüte einatmet, um in eine andere auszuatmen, zynisch und geschmacklos findet. Ich finde es skurril – Müller schafft es, absurder als die Pandemie zu sein. Das gelingt eigentlich nur, indem man sich selbst auf die Schippe nimmt. Wer über diesen Gag lachen muss, der lacht auch über sich selbst und würde das mit großer Freude nachmachen. Das ist die Lust, in diesen strengen Zeiten mal herzhaft loszulachen und richtig albern zu sein. Müller täte gut daran, sein Meisterwerk wieder auf Youtube zu stellen. Dass Allesdichtmachen nun gleich selbst dichtmacht hat wohl auch damit zu tun, dass man die Sache zu leicht genommen hat, sprich die Akteure sich nicht darauf vorbereitet haben, in den Medien ihre Standpunkte und Ansichten zu rechtfertigen. Liefers, der im Tatort als Prof. Boerne immer im Bilde ist, hätte in Kulturzeit den Aussagen, die er in seinem Video macht, bekräftigen können. Die schlimmste Schmach für die 50, die sich an der Aktion beteiligt haben, ist jedoch das Angebot Spahns, mit ihnen in einen Dialog treten zu wollen. Das zeigt das Dilemma an der Aktion – nicht diejenigen, die die Sache verbockt haben, werden kritisiert, sondern jene, die die Maßnahmen in Zweifel ziehen. Es ist wie bei allen schlimmen Ereignissen – je schwieriger die Lage ist, desto weniger stehen jene, die sie verursacht haben, in der Kritik. Am Ende werden sie noch verehrt (wie Stalin). Das ist Gott sei dank bei Merkel und Co. ausgeschlossen. Das hätten die Schauspieler wissen müssen, als sie ihre Aktion planten. Und ich muss mich mit dem Lachen noch gedulden. Bei der nächsten Schleichsendung ist es wieder so weit. Lacht eigentlich jemand über Böhmermann?

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Baerbock und Le Pen – krasser geht es nicht

Sollten im nächsten Jahr um diese Zeit die Spitzen beider Länder Baerbock und Le Pen heißen, dann dürfen wir uns, auch wenn viele Konservative und Misogyne das anders sehen, wenigstens damit trösten, die weitaus bessere Wahl getroffen zu haben. Dass dieses Szenario nicht utopisch ist, zeigen die jüngsten Umfragen, in denen die Grünen weit vor der Union landen. Der armen SPD bleibt danach nichts anderes übrig, als wieder den Juniorpartner zu geben. Aber wenigstens werden sie in dieser Koalition noch jemanden haben, der unter ihnen ist, nämlich die FDP. Ein Gefühl von Macht, auf dass die Partei lange verzichten musste. Und da Macron kein Zweifel daran lässt, dass die Leute ihn wegen seiner Politik gewählt haben, ist höchst zweifelhaft, ob sich noch genügend finden, die sich noch mal für jemanden, der nichts für sie getan hat, entscheiden – irgendwann zieht der Hype, unbedingt Le Pen verhindern zu müssen, nicht mehr. Für Frankreich wäre es besser, würde sich die letzte Stichwohl nicht wiederholen. Gegen Le Pen sollte es schon jemand sein, der unverbraucht und unbelastet ist. Noch ist es nicht so weit. Noch ist die Baerbock nicht im Amt. Und im Augenblick hat sie mehr zu verlieren als Laschet, dem ein Eintrag in die Geschichtsbücher schon mal sicher ist – er ist der unbeliebtester Kanzlerkandidat, den die Union je ins Rennen geschickt hat. Selbst Strauß war beliebter. Zudem hat er auch seine Gegner angezogen. Es ist kaum vorstellbar, dass hunderte Gegendemonstranten ihn auf seinen Wahlkundgebungen nieder pfeifen werden. (Das wäre Södern auch erspart geblieben.) Laschet ist jedoch einer, der nie aufgibt, der solange die Leute nervt, bis er sein Ziel erreicht hat. Der wird keine Ruhe geben und alles versuchen, die Leute mürbe zu machen. Vermutlich wird das ein Wahlkampf mit viel klein-klein – zänkisch und besserwisserisch. Tolle Reden oder spannende Diskussionen dürfen wir nicht erwarten. Richtigen Zopf vermutlich auch nicht. Mit Söder wäre das natürlich ganz anders – er tritt jetzt schon so auf, als wäre er ein Prinzregent. Und im Wahlkampf erst. Wenn die Baerbock es schafft, keinen Zickenalarm auszulösen, sollte sie durchgekommen. Nie ist es einfacher gewesen, Kanzler zu werden.

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Nur wegen der Sultane – Erdogans nächster Coup

Wenn der Kaukasus versperrt ist und die Eroberung Wiens ein Traum, der sich nie erfüllen wird, bleibt, dann hat der Nachfolger der Sultane keine andere Wahl, als zu versuchen, in Regionen im Osten, die das Osmanische Reich schon mal sein Eigen nennen konnte, Fuß zu fassen – wenn Erdogan seinen Namen schon nicht in die Liste der Sultane hinzufügen darf, dann kann er wenigstens versuchen, so zu tun, als sei er einer. In der Türkei klappt das sehr gut. Außerhalb seines Landes reicht es gerade mal für ein paar Pufferzonen, aus denen die einheimischen vertrieben werden, so dass Platz für Flüchtlinge und ehemalige IS-Kämpfer samt deren Familien ist. Dass Aserbaidschan sie nicht haben haben will, besagt angesichts fehlender Nachrichten über Menschen, die freudig in die Gebiete, aus denen sie die Armenier in den 90er Jahren rausgeschmissen haben, zurückkehren, gar nichts – spätestens wenn die Russen sich weigern sollten, Berg-Karabach zu verlassen, ist das Thema wieder auf dem Tisch. Nun hat Erdogan wieder ein Land, das sich bestens eignet, Flüchtlinge aufzunehmen, gefunden – nämlich die Ukraine, wo Selenskyi, ganz im Gegensatz zu Aliyev, der sich mehr als 20 Jahre auf den Krieg mit Armenien vorbereiten konnte, es aus innenpolitischen Gründen ganz eilig hat, wenigstens den Donbass zurückzuerobern, wobei ihm die Krim, wie dieses Interview zeigt, viel lieber wäre. Statt anzuerkennen, dass Sewastopol ein Bevölkerungswachstum, das in Europa seinesgleichen sucht, erlebt, schwafelt er darüber, dass Tschernobyl mehr Touristen als die Krim haben werde. Kein Wunder, dass der Kreml alles, was er hat, an die Grenze zu Ukraine karren lässt – der Mann will nicht die Leute, die auf der Krim leben, befreien, sondern die Leute, die sein Land noch nicht verlassen haben, für den Krieg motivieren. Aber es ist nicht so, wie es scheint – der Ukraine will keinen konventionellen Krieg, einen mit Panzern und Infanterie. Dank der Drohnen Erdogans glaubt man, gegen den Donbass einen hightech Krieg führen zu können. Und da er Soldaten, die sie steuern können, geschickt hat, muss es nun so schnell wie möglich losgehen (es ist zu lesen, dass IS-Leute und „normales“ türkisches Militärs sich auch schon im Land befinden sollen). Wenn Selenskyi meint, die Erfolgsstrategie der Aserbaidschaner kopieren zu können, wird das im Chaos enden. Noch mehr Einwohner als ohnehin schon werden das Land verlassen. Genug Platz für Flüchtlinge aus der Türkei. Ein Teil der Ukraine werden auch als Neurussland bezeichnet. In 20 Jahre könnte es die Neutürkei geben. Das wäre ganz im Sinne der Sultane.

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Die Grünen haben gleich zwei Albträume

Leiden die Grünen schon unter dem Albtraum oder ereilt er sie, nachdem sie diesen Blog gelesen haben? Da haben sie wochenlang davon geträumt, zum ersten Mal mit stolzgeschwellter Brust mit einem Kanzlerkandidaten in den Bundeswahlkampf zu gehen, um nun nachts schweißgebadet wegen des Ritterduells, das sich Laschet und Söder liefern, aufzuwachen – es hilft ihnen nicht mal, wenn sie sehen, wie mehrere Schildknappen große Schwierigkeiten haben, den gewichtigen Franken aufs Pferd zu heben. Dass dann der Modell-Ritter den Armin mit seiner Lanze ständig verfehlt, kann den Traum nicht stoppen. Weil Laschet jede Corona-Aerosolwolke unterlaufen kann, müssen sie bei ihm immer an den Hofnarr mit dem Becher denken – in diesem Traum ist der Armin einfach unschlagbar. Unsanft aus ihrem Schlaf reist sie aber erst die Szene, in der das Volk die beiden Rittern wegen ihres unterhaltsamen Kampfes stürmisch feiert. Ohne dem Duell, das im Augenblick die Nachrichten beherrscht, würden die Grünen jetzt von einem Minnegesangwettbewerb, den die Baerbock gewinnt, träumen (musikalisch begabten Lesern dieses Blogs möge dieser Traum erspart bleiben). Dass daraus nichts geworden ist, verdanken sie Söder, der jetzt seine große Chance sieht, Kanzlerkandidat der Union zu werden. Oder auch nicht, denn so genau weiß man bei ihm nicht, was er vorhat. Sollte er sich durchsetzen, geht er in den Wahlkampf mit dem Bonus, als durchsetzungsstark wahrgenommen zu werden. Jemand, der Schwierigkeiten nicht aus dem Weg geht. Sollte Laschet das Rennen machen, würde das aus grüner Sicht leider auch für ihn gelten, während die Grünen sich vorwerfen lassen müssen, deren Kandidat habe die Schlacht am Küchentisch gewonnen. Der Blog ist gespannt, was Braebock und Habeck als Begründung für ihre Wahl angeben (wenn das kein Grund ist, sich einen neuen Albtraum einzuhandeln, dann weiß der Blog auch nicht weiter). Es sieht ganz danach aus, als ob die Union Habeck und Co. ausgetrickst habe. Und sie wird versuchen, solange wie möglich den Kampf offenzuhalten. Bis Montag hat man Zeit, sich zu entscheiden. Der Blog würde sich nicht wundern, wenn wir am 19. zwei Bekanntgaben erleben würden.

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Philip – Hoffnung für alle Spätzünder,

was so natürlich nicht stimmt, denn natürlich war Philip bereits ein bekannter Mann, bevor die Welt seinen Humor, der ihn zur Legende werden ließ, schätzen lernte, wobei dem Blog natürlich bewusst ist, dass dessen Bemerkungen nicht unbedingt den Schluss zulassen, nur ein Feingeist sei in der Lage, auf sie zu kommen. Aber es immer eben immer noch ein Unterschied, ob ein Prinz oder ein Arbeitsloser eine Zote, die beleidigend und abwertend ist, reißt – kommt sie von einem Fast-Monarchen, lachen alle mit, vermutlich weil niemand sie erwartet hat. Sein Talent, Leute vor den Kopf zu stoßen, hat er recht spät entfaltet – erst ab 70 sorgte er für Schlagzeilen, wie z. B. mit der Anrede Kohls als „Reichskanzler“ (leider ist nicht bekannt, wie „Birne“ darauf reagiert hat). Natürlich kam ihm dabei auch der Zeitgeist zugute – seit 90ern ist es ziemlich uncool, sich unflätig über andere zu äußern. Philip war da die große Ausnahme von der Regel – wenn er einen anrüchigen Spruch äußerte, konnte er sich sicher sein, als megacool zu gelten bzw. damit diesen Status zu zementieren. Wenn heute eine Person des öffentlichen Lebens zu jemanden, der jahrelang in China gelebt hat, sagen würde, „Sie sehen ja noch aus wie ein Europäer – wenigstens hatten Sie keine Probleme mit dem Stuhlgang“, wäre die megaout. Er wäre wohl damit durchgekommen, vermutlich gar dafür gefeiert worden, und das nicht nur ausschließlich von Leuten, die Parteien wie der AfD nahestehen. Sicher ist das aber nicht. Die Zeiten sind heute anders als vor 20 Jahren. Typen wie Philip sind nicht mehr gefragt. Es ist die Zeit der Schwätzer, die viel sagen, ohne dabei anzuecken. Leute wie Boris, die den Leuten nach dem Mund reden, sind angesagt. Der schafft es, einen Großteil des Wahlvolks davon zu überzeugen, für eine unpopuläre Entscheidung, die er einen Tag zuvor getroffen hat, nicht die Verantwortung übernehmen zu müssen. Der Zeitgeist des politischen Korrekten mag dazu geführt haben, dass die Menschen sich artikulierter ausdrücken. Verantwortungsbewusster sind sie aber nicht geworden. Da in ein paar Tagen es schwer sein wird, sich auf ihn zu berufen, nutzt der Blog die Chance, sich richtig daneben benehmen zu dürfen – wer geplant hat, im Sommer ein Wochenende bei den „Knödelfressern“ zu verbringen, sollte sich das gut überlegen. Auf Malta gibt es bei 3 Übernachten eine umsonst. Und das in allen Preislagen.

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Brückenköpfe statt eines Brücken-Lockdowns

So gut gemeint Laschets Vorschlag, uns zu ermöglichen, die Kälte, die für die kommenden 14 Tage vorhergesagt wird, zu Hause aussitzen zu können, auch ist – er ist genau der falsche, denn statt eines behaglichen Brücken-Lockdowns brauchen wir möglichst viele Brückenköpfe, die jene bilden sollten, die bereits geimpft sind. Es gilt also nicht darum, etwas zu überwinden, sondern eine Bresche in die Verteidigung des Gegners zu schlagen, wobei die Brückenköpfe in der Pandemie natürlich einen anderen Zweck als im Krieg haben – während eines richtigen Konflikts wählt man immer den Ort, von dem man glaubt, dort mit einem Angriff den größten Erfolg haben zu können. Das muss nicht unbedingt eine Stelle sein, die der Gegner erwartet, wie die Deutschen im 2. Weltkrieg feststellen mussten, als nämlich zu deren großer Überraschung die Alliierten die Normandie Calais vorzogen. Der längere Anfahrtsweg hatte den Vorteil, dass er außerhalb der Reichweite der deutschen Luftwaffe und Artillerie lag. Bei einer Landung im Kanalgebiet wären die Verluste sicherlich viel höher gewesen. Die Brückenköpfe der Pandemie haben mit denen aus den Kriegen nicht viel zu tun (es gibt nur eine Gemeinsamkeit – beide kosten viel Geld). Sie sollen die Wirtschaft in Gang bringen. Und dazu bedarf es des Staates, der die Helikopter aufsteigen lassen kann, aber nicht, um einen kranken Heimbewohner ins nächste Krankenhaus zu transportieren, sondern um über den Seniorenheimen Geld abzuwerfen (sogenanntes Helikoptergeld). Die Leitung hat die Aufgabe, das Geld aufzulesen und es bis zu dem Zeitpunkt, den ihm der Staat vorgegeben hat, zu verbraten. (Vermutlich täte er auch gut daran, vorzuschreiben, wo es ausgegeben werden darf.) Erst einmal ist alles mit Ausnahme der Busfahrten, bei denen die Teilnehmer gezwungen werden, Lamafelle zu kaufen, erlaubt. (Weil das so lange her, fürchtet der Blog, dass viele Rentner sich gar nicht mehr daran erinnern, wie sie reingelegt worden sind, so dass einige es wieder mit dieser Masche versuchen werden.) Das wäre mal ein richtiges Konjunkturprogramm, das vor allem jenen, die noch nicht wissen, wann sie aufsperren können, weiterhelfen würde.

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