Wahl oder Impeachment – was ist besser?

und eine Wahl, wie nicht anders zu erwarten, der haushohe Gewinner ist, was jeder, der gestern die Debatte zwischen Johnson und Corbyn verfolgt hat, bestätigen wird, müssen sich die Demokraten fragen lassen, warum sie den großen Langweiler „Impeachment-Saga“ ins Fernsehen geholt haben. Zu allem Überfluss beschränkt sich eine Folge nicht auf anderthalb Stunden, sondern sie erstreckt sich über den ganzen Nachmittag und Abend. So löst man Trump nicht ab, zumal wenn der Normalbürger die Verfehlungen, die Trump begangen hat, als nicht schwerwiegend betrachtet, was sie im Vergleich zur „Watergate-Affäre“, die wesentlich spannender war (Einbrüche, Abhöraktionen Mitarbeit der Geheimdienste etc.), auch sind. Die Demokraten stützen sich auf ein Telefongespräch, bei dem der ukrainische Präsident den Fehler gemacht hat, Trumps Drohungen, die Militärhilfe einzustellen, wenn nicht gegen den Sohn seines potentiellen Herausforderers Biden ermittelt werden würden, zurückzuweisen – es ist höchst zweifelhaft, ob das die Menschen eines Landes, deren Politiker und Medien jeden Tag stolz verkünden, man könne sagen und tun, was man wolle, als Einschüchterung oder gar als Erpressung betrachten. Die Demokraten hätten besser daran getan, wenn sie sich auf die nächste Wahl konzentriert hätten. Spätestens beim direkten Vergleich der Kandidaten ist Schluss mit lustig für Donald. Für seinen Freund Boris ist der Spaß schon seit gestern Abend vorbei – während er für die Normalbürger im Fernsehduell mit Corbyn einen Sieg, der knapper nicht ausfallen kann, errungen hat, haben ihn die Twitterer zum haushohen Verlierer erklärt, was ihn besonders schmerzen sollte, da dieses Urteil die politisch Gebildeteren, die zudem oft an Stellen sitzen, wo Meinung gemacht wird, gefällt haben. Es wird eng für Boris, und ich würde mich nicht wundern, wenn auf den letzten Metern nicht nur einge-, sondern auch überholt werden würden – mit letzter Kraft auf allen Vieren kriechend, eine Hand schon über der Ziellinie wissend, überspringt ihn Corbyn locker und leicht. Wer gestern das Duell sah, fragt sich, wie es möglich sein kann, dass so viele Leute Boris‘ Litanei, dem Königreich würde schon längst besser gehen, wenn der Brexit vollzogen wäre, abnehmen. Sein Tenor ist, alles, was schief läuft, auf den noch nicht vollzogenen Brexit, den Labour zu verantworten hat, zu schieben. Das nervt. Und es ist noch eine Frage der Zeit, bis die Leute dieser Argumentation überdrüssig werden. Gestern wurde klar, dass Corbyns Entscheidung, einer vorgezogenen Wahl zuzustimmen, richtig war. Er hat die besseren Argumente. Er argumentiert nuancierter. Labour hat nun gute Chancen, Boris zu verhindern.

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Das Auto ist tot, hoch lebe das Auto

Das Auto, das hochleben soll, ist keinesfalls jenes, das Tesla beabsichtigt, in Grünheide – ein Name, der nur jemanden, der nicht weiß, dass die Mark eine Sandwüste ist, glauben machen kann, ein grünes Paradies vorzufinden – zu bauen (mit anderen Worten: der Ort passt zu Musk, der die Angewohnheit hat, stark zu übertreiben) – es geht um den Ford Mustang, dessen Kultstatus ich mir bis gestern nicht erklären konnte, so dass ich immer geneigt war, ihn mit dem Manta, einer dessen Klons, in Verbindung zu bringen. Dank „Le Mans 66“ weiß ich, dass das Auto Charakter und Geist hat, das es Carroll Shelby und Ken Miles – zwei Autofreaks, die verrückter nicht sein können – zu verdanken hat. Matt Damon spielt Carroll, der Südstaatler sein muss, da er fast immer mit einem Cowboy-Hut unterwegs ist. Christian Bale ist Ken, den man, wenn er nicht Englisch sprechen würde, nach Schwaben verorten könnte, was sie aber nicht verdient hätten, da er sogar nicht dem Klischee, das über die Süddeutschen kursiert, ähnelt. Als penibler Tüftler, der zudem noch begnadet Autofahren kann, ist er Nerd und kalkulierender Abenteurer in einer Person – hat es das schon einmal im Kino gegeben? Ich glaube nicht. Die beiden bilden ein Team, das sich daranmacht, ein Auto zu entwerfen, das den Ferraris nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen ist. Der Film gewährt uns einen Einblick in eine Zeit, in der niemand auf die Idee gekommen wäre, nach einem Unfall ein Rennen zu unterbrechen, um die Fahrbahn zu räumen. Es wurde munter weiter darauf losgefahren. Der Tod gehörte praktisch zum Spektakel. So wie in den Arenen im alten Rom. Wer den Film sieht, sollte sich im klaren sein, Gefahr zu laufen, keine Lust mehr auf Jagdszenen, die unsere heutigen Boliden liefern, zu haben. Armer James Bond. Hoffentlich fährt Bond im nächsten Film ein Auto ohne Elektronik mit einem riesigen Ganghebel, mit dem er ständig hantieren muss. Für Greta kommt „Le Mans“ leider zu spät – statt auf einem Motor- geht es wieder mit dem Segelschiff zurück nach Europa. Erst dachte ich, sie habe etwas gegen die multikulturelle Arbeiterklasse auf modernen Schiffen. Nun drängt sich der Eindruck auf, dass sie mit Motoren überhaupt nichts am Hut hat. Auf einer Frachtschiffreise hätten ihr die Besatzung zeigen können, dass Verbrennungsmotoren grundsätzlich nicht schlecht sind. Die Chance hat sie vertan. Beliebter wird sie dadurch nicht, denn unbedingt sauber sind die Youtuber, mit denen sie über den Atlantik segelt, nicht – das Streaming produziert mehr CO2 als das Fliegen. Geht es nach Labour, soll sogar noch mehr gestreamt werden, und das völlig kostenfrei für den Kunden. Breitband für alle. Boris hat dies als verrückten kommunistischen Plan abgetan. Aber kann etwas, das ermöglichen soll, Netflix zu sehen, wirklich kommunistisch sein?

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Frau Muhamed Ali – wie die Zeiten sich ändern

So ändern sich die Zeiten – wäre Frau Muhamed Ali vor mehr als 40 Jahren zu einer Fraktionsvorsitzenden, egal welcher Partei, gewählt worden, hätten alle gedacht, wie verrückt und verzweifelt müssen die Politiker sein, dass sie nun einen Boxer in ein so wichtiges Amt hieven. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass es sich um eine Frau handeln könnte. Umso größer dann das Erstaunen, wenn Frau Muhamed Ali dann in der Tagesschau gleich am Anfang präsentiert worden wäre. Dass heute ihre Wahl kaum aufsehen erregt, liegt nicht daran, dass kaum noch jemand Muhammad Ali kennt, sondern weil wiir uns an fremdländische Namen schon gewohnt haben. (Nichtsdestotrotz muss ich zugegeben, dass ohne die Artikel über sie ich im Internet hätte nachschlagen müssen, ob Muhamed ein weiblicher oder männlicher Vorname ist.) Nicht Muhammad Ali zu sein sollte sie nicht daran hindern, in der Politik genauso leichtfüßig und locker wie ihr berühmter Namensvetter aufzutreten – der gab im Ring regelrechte Tanzeinlagen, an denen seine Gegner verzweifelten, ja er sie damit in den Wahnsinn trieb. Sollte Frau Muhamed Ali in der Lage sein, im Hohen Haus so geschmeidig, flink und schlagkräftig wie Ali es zu tun pflegte auftreten können, wäre für beste Unterhaltung gesorgt. (Am liebsten wäre mir, wenn sie als ersten den Riexinger k.o. schicken könnte. Es macht sich immer gut, zuerst einen Mann aus der eigenen Partei auf die Bretter zu schicken.) Ihre wichtigste Aufgabe wird sein, dafür zu sorgen, die Menschen wissen, für welches Kernthema der Partei sie steht, wenn von ihr die Rede ist. Mit dem Verbraucherschutz, für das sie bisher bei den Linken verantwortlich war, wird sie nicht weit kommen. Zum Glück bleibt Sahra Wagenknecht der Partei erhalten, so dass es eigentlich nur besser für Partei werden kann. Hat Eva Morales geschafft, Janukowitsch den Titel als schnellster Exilant unter den Präsidenten/Regierungschefs streitig zu machen? Es sieht ganz danach aus. Von ihm hätten wohl die wenigsten erwartet, dass er das Land verlässt. Aber es war das Beste, war er tun konnte, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass seine Leute das Wahlergebnis zu seinen Gunsten manipulierten. Sobald die Bolivier die Ruhe, die nun einzukehren scheint, als normal betrachten, müssen seine Nachfolger beweisen, dass sie auch regieren können. Das wird für sie nicht so einfach, wie die Beispiele aus den Nachbarländern zeigen. Zu einer wirklichen Alternative gegen den Linken haben sich die Rechtsparteien nicht entwickeln können. Darum scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Morales auf dem Flughafen in La Paz begeistert von seinen Anhängern gefeiert wird. Und während die hiesigen Medien die Meinung vertreten, die Ablösung Evas sei rechtens gewissen, weiß „Colonel Cassad“ über einen faschistoiden Millionär, der die Umtriebe unterstützt haben soll, zu berichten. Mich würde nicht wundern, wenn der Colonel Recht hätte.

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Die Geschichte war nicht zu Ende, sondern es

hat nur keiner mehr Geschichte gemacht, so dass heute, wo mehr denn je die Fähigkeit gefragt ist, Geschichte zu schreiben, wir nicht in der Lage sind, das zu tun – hat Fukuyama wirklich geglaubt, die freie Marktwirtschaft könne die Probleme, die sie selbst schafft, lösen? Nach 1992, als Fukuyama sein Buch „Das Ende der Geschichte“ veröffentlicht hat, haben zig Entrepreneurs es in die Geschichtsbücher geschafft. Jedoch ist nur einer darunter, der ein Produkt auf dem Markt gebracht hat, das den Klimawandel stoppt (Musk mit Tesla und diversen anderen Unternehmen). Vermutlich tue ich den einen oder anderen Unternehmer unrecht, was sicherlich daran liegt, dass sie Rampenlicht gemieden haben. Bei Politikern fällt mein Urteil noch verheerender aus – es gibt einfach keinen Klimapolitiker, der es verdient, als solcher genannt zu werden. In der Opposition gibt es sicherlich etliche. An der Macht ist von denen aber keiner gewesen. (Am ehesten würde diese Beschreibung auf Lula zutreffen, der, zum Segen des Klimas, so hoffe ich, vorzeitig aus der Haft entlassen wurde.) Ein Grund dafür kann sein, dass zu viele Leute, die von Fukuyamas Thesen überzeugt sind, Karriere in der Politik gemacht haben. Wie eben unser Ministerpräsident Haselhof, der mal wieder die Prioritäten falsch gesetzt hat – Haselhoff, der 2015 noch gefordert hat, die Braunkohle bis 2050 als Energieträger zu nutzen, muss nun ansehen, wie die zweite Branche, die alternative Energieerzeugungsgeräte herstellt, in Sachsen-Anhalt zusammenschrumpft. Nach der Solarenergie trifft es nun die Windenergie. Von 3000 Beschäftigten soll noch die Hälfte in Magdeburg übrig bleiben. Während Haselhoff sich weiterhin vehement für die Braunkohle einsetzt bzw. hohe Ausgleichszahlungen bei einem vorzeitigen Ausstieg fordert, hat er zur Krise, in der sich die Hersteller von Windrädern befinden, weitestgehend geschwiegen. Er hat gerade mal dafür plädiert, den Leitungsbau zu forcieren. Ob das reichen wird, nicht in die Geschichte als Ministerpräsident, der mit seiner Laissez-faire Haltung dem Land geschadet hat, einzugehen, wage ich zu bezweifeln. Haselhoff hat keine Geschichte gemacht, sondern sich von ihr hat treiben lassen. So wie fast alle Politiker. Profitieren davon wird die AfD. Das sind zwar nicht die Faschisten, die lt. Fukyama von den Liberalen besiegt worden sind. (Dass die Hauptlast des Kriegs gegen den Faschismus der Kommunismus zu schultern hatte, übersieht er.) Aber sie sind eben auch nicht liberal.

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Kurdistan – wie May es beschrieben hat

Das haben sich Putin und Erdogan in Kurdistan ganz anders vorgestellt – statt mit Maschinengewehrfeuer wurden die Patrouille fahrenden Russen und Türken mit Steinen begrüßt, was für die Soldaten, die auserkoren worden sind, das „wilde“ Kurdistan zu zähmen, von den schlechten Empfängen der beste war, die beiden Politiker jedoch fürchten müssen, eine Art Widerstand niederringen zu müssen, gegen den sie nur schlecht aussehen können. Ziviler Ungehorsam ist die Form des Protests, den die Kurden gewählt haben. Wer versucht, ihn mit Panzern und schwerbewaffneten Soldaten niederzuringen, der landet fast immer auf der falsche Seite der Geschichte. Will Erdogan als Schlächter der Kurden in die Annalen eingehen? Wohl kaum. Ein Völkermord sollte den Türken reichen. Erdogan sitzt aber zu tief in der Falle, um einen einen „Blutsonntag“ ausschließen zu können. Die Bilder schaden seinem Image gewaltig. Und je länger sie zu sehen sind, desto lauter werden die Forderungen, sich das nicht bieten zu lassen. Wie Erdogan da wieder herauskommen will, bleibt sein Geheimnis. Es sieht ganz danach aus, als ob er sich den Tisch hat ziehen lassen. Die Patrouillen im Niemandsland bringen ihm jedenfalls nichts. Ihm helfen nur Gebiete, die die Kurden bereits verlassen haben, so dass er die syrischen Flüchtlinge dort ansiedeln kann. Ein lebendes Bollwerk, das Türken und Kurden voneinander trennt. Die Russen werden alles tun, dass dies nicht passiert. Und da seit den gemeinsamen Ausflügen durch Kurdistan nicht mehr über Angriffe der Russen auf Idlib berichtet wird, liegt die Vermutung nahe, dass Putin auf die Eroberung der letzten Dschihadisten-Hochburg verzichtet hat, was ein ausgesprochener kluger Schachzug des Kremls wäre – die Kurden hätten wegen der Schwäche Assads quasi ihre Autonomie und die Flüchtlinge könnten in Idlib bleiben. Und da Einsatz gegen al-Bagdhadi hat gezeigt, wie leicht sich Terroristen ausschalten lassen, ist es besser, sie alle auf einen Haufen als weit verstreut zu wissen. Die Russen sind sich ihrer Sache so sicher, dass sie nun eine zweite Luftwaffenbasis in Syrien eröffnen wollen. Angeblich könne man von dort Raketenangriffe auf Russland besser unterbinden. Dass die Russen beabsichtigen, sich für lange Zeit in Syrien festzusetzen, zeigt auch das erste Manöver der See- und Luftreitkräfte Russlands im Mittelmeer. Für die Kurden sieht es so schlecht gar nicht aus.

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Auf dem Frachtschiff nach Madrid?

Jeder normale Mensch würde nach Madrid fliegen, aber da Greta kein Normalo ist, sondern ein Ökopopstar, deren Ruhm und Ansehen darauf gründet, das personifizierte schlechte Gewissen der Mainstreampolitiker zu sein, kann ich ihr nur raten, zu versuchen, auf einem Frachter – es gibt zwei Routen, die regelmäßig gebucht werden können – nach Europa zu gelangen (sieh hat um Hilfe gebeten). Damit bliebe, sehr zum Leidwesen der Politiker, ihr Ruf als Ökoschreck gewahrt. Und sollte Trump ihr anbieten, mit ihm in der Air Force One nach Madrid zu fliegen, kann es nur für sie heißen, dankend abzulehnen, auch wenn sie riskiert, beim Gipfel nicht dabei zu sein. Da unsere Politiker, was anzunehmen ist, in Spanien keine Fortschritte hinsichtlich des Klimaschutzes machen werden, muss Greta mit einer bärenstarken Attacke, die möglichst noch krasser als ihre jüngste bei der UNO-Vollversammlung ausfallen sollte, dafür sorgen, dass den dort Anwesenden die Behaglichkeit vergeht. Richtig mulmig müsste ihnen zumute sein, wenn Greta das Podium verlässt. Es sieht nämlich nicht gut fürs Klima aus, auch wenn der hiesige Ausstieg aus der Kohle suggeriert, man sei auf dem richtigen Weg. Was nutzt es, wenn die hier die Tagebaue ihren Betrieb einstellen, wenn anderswo neue eröffnet. Wie bspw. in der Arktis, wo laut des „Barents Observers“ die Russen endlich jemand gefunden hätten, der ihnen die dortige hochwertige Kohle abnimmt – Indien braucht die für seine Stahlindustrie, was die deutsche Ökobilanz, sollte ein Teil der Produktion hierher exportiert werden, ein Stück besser aussehen ließe. Lt. einer jüngsten Untersuchung hat Großbritannien wegen der Importe seinen Kohlendioxid-Emission erheblich aufhübschen können, denn 2007 hat das Königreich 5,1 Tonnen CO2 pro Kopf importiert. (Wenn es für die Deutschen Sinn macht, stolz zu sein, als Exportweltmeister zu gelten, dann wohl den, dank des (hoffentlich) günstigeren Energiemixes weniger CO2 pro Produkt in die Welt als bspw. die Chinesen zu senden.) Vermutlich wäre Madrid schon ein Erfolg, wenn die G-7 Länder und die BRICS-Staaten sich einigen könnten, wem der Kohlendioxid-Ausstoß, der bei Waren, die für das Ausland bestimmt sind, produziert wird, anzurechnen ist. RT, das sicherlich die Interessen des Kremls vertritt, lässt jedenfalls erst gar keinen Zweifel an Russlands Politik, verstärkt in die Gewinnung fossiler Brennstoffe zu investieren, aufkommen. Und es sieht nicht so aus, als ob der Westen in der Lage wäre, Putin von diesem Kurs abzubringen. In Zeiten des Kalten Krieges haben Sanktionen und Strafmaßnahmen Sinn gemacht. Heute hat der Westen seine wirtschaftliche und technologische Hegemonie verloren. Und da Russland bald in der Lage ist, zu bestimmen, was im Netz gelesen werden darf, würde ich mich nicht wundern, wenn Blätter, die sich kritisch über die Umweltpolitik des Kremls äußern, zu denen gehörten, die ausgesperrt werden. Wie eben der „Barents Observer“.

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Bodo – folgt nun die Heiligsprechung?

Hat dieser Blog vor 5 Jahren verkündet, Bodo habe Bodo rehabilitiert (vielleicht singt der eine oder andere Leser in einer Minute, in der er sich unbeobachtet fühlt, leise oder laut „Bodo Eierkopf, Bodo Eierkopf“), bleibt ihm nun nichts anderes übrig, als vom Papst zu fordern, Bodo heiligzusprechen – ausgerechnet in dem Bundesland, wo die AfD am rechtesten ist, hat besagter Bodo es geschafft, das beste Ergebnis, das die PDS bzw. deren Nachfolgepartei Die Linke je erzielt hat, einzufahren. Damit ist auch erst einmal dafür gesorgt, dass ein von der Justiz anerkannter Faschist nicht in die Verlegenheit kommt, Ministerpräsident Thüringens zu werden. Der CDU bleibt nun nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass sich die AfD im Landtag jede Menge Fauxpas leistet. Das ist ein Geduldsspiel. Kann Mohring das? Zu allem Überfluss muss er Ramelow im Amt halten. Da Bodo der Mann ist, dem nachgesagt wird, pragmatisch und klug zu regieren, wären CDU und FDP gut beraten, nicht jeden Gesetzesentwurfs durchfallen zu lassen. Das bringt ihnen nur den Ruf ein, Blockierer, die keine eigenen Ideen haben, zu sein. Alles wäre bestens in Thüringen bzw. für Die Linke, wenn es die AfD und vor allem Höcke nicht geben würde. Das Herbert-Roth-Land ist nun nicht mehr nur volkstümlich (was zu Zeiten der DDR für viel Spott sorgte), sondern auch noch völkisch. Ein knappes Viertel hat ihn gewählt. Das einzig gute daran ist, dass die AfD vermutlich noch mehr Stimmen erhalten hätten, wenn sie mit einem Kandidaten vom Format Ramelows ins Rennen gegangen wären. Jedoch ist Höckes Ergebnis leider gut genug für die Partei. Niemand wird seine Ablösung fordern. Für die Macht wird es aber wohl nie reichen. Höcke, der ewige Le Pen. Das scheint so gut wie sicher zu sein. Eher erklärt der Papst Bodo zu einem Heiligen, als dass Höcke Ministerpräsident des Landes wird.

PS: Der Hund, der den gefürchtetsten Terroristen der Welt zur Strecke gebracht hat, darf seine Verletzungen auskurieren. In der Pressekonferenz Trumps zum Todes al-Bagdadis wurde der öfter erwähnt. Mein absoluter Highlight – auf die Frage, ob er die Führerin der Oppositions Pelosi informiert habe, antwortete Trump, dass er dies nicht getan habe, um die Terroristen nicht zu warnen.

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Oberbürgermeister für Halle gesucht,

und es ganz danach aus, als ob er alte Oberbürgermeister auch der neue sein wird, was einem kleinen Wunder gleichkommt, hat er doch, wie der Blog berichtete, so viel Unheil angerichtet, dass er normalerweise mehrmals abgewählt werden müsste. Dies ist nicht möglich, aber dafür haben die Hallenser die Chance, ihn am Sonntag aus dem Amt zu wählen. Gründe gibt es genug. Sein Ausflug in den Deichbau, der in puncto Geheimhaltung der Planung Ulbrichts Mauerbau weit in den Schatten stellt, endete nach ungefähr zwei Wochen. Seitdem ruht die Arbeit. Lebten wir in anderen Zeiten, würden Wanderprediger in den Straßen der Stadt darum wetteifern, wer mit seiner Botschaft, dass mit der Dürre, unter der die Menschen seit Jahren leiden, Gott unseren Oberbürgermeister für dessen höchst undemokratische Entscheidung bestrafen wolle, am besten bei den Bewohnern ankommt (für Mysoginisten unter den Verkündern – mein Lieblingsprediger ist einer – wäre Halle der perfekte Ort, eine Therapie zu starten). Im Nachhinein klingt dessen Begründung, mit dem Bau Gefahr für Leib und Seele abwenden zu wollen, wie jene, die die Brexiters verwenden, um den Austritt Großbritanniens aus der EU zu rechtfertigen. Damit nicht genug. Er hat es auch geschafft, die in der DDR geschaffene Kulturlandschaft, in dem der Deich gebaut wird, dem Erdboden gleichzumachen. Widerstand dagegen gab es nicht. Die Petition gegen den Abriss der Eissporthalle, die der Blog unterschrieb, hatte keinen Erfolg. Ostalgie im Osten – in Halle, anders als in Potsdam oder Leipzig, wo die Bürger für Gebäude, die sie erhaltenswert finden, kämpfen, gibt es sie nicht. Hier regieren die Abrissbirnen. Hier darf rigoros verändert werden. Meistens zum Schlechten. Der alte Charme ist jedenfalls dahin. Vermutlich hat unser Oberbürgermeister Glück – die Geschichte wird ihm nicht den schlechten Geschmack jener, die die Gebäude und Plätze in seiner Ägide haben errichten bzw. umgestalten lassen, anlasten. Vermutlich wird es die Papenburgs, die Medicis Halles, treffen. Deren gleichnamige Firma hat vermutlich in der Amtszeit unseres Oberbürgermeisters mehr Gebäude in Halle errichtet, als die Medicis es in Florenz vermocht haben. Und von denen gab es bekanntlich einige Generationen. Alle Vertreter der Familie galten als geschmackssicher. Die erste Generation der Papenburgs, die in Halle baut, neigt leider dazu, Bauklötze in die grazile Stadtlandschaft Halles zu stellen. Da weitere dieser Ungetüme geplant sind und unser jetzige Oberbürgermeister bisher keine Anstalten gemacht hat, diese zu verhindern, kann nur ein neuer Mann uns vor diesen bewahren. Alleine das reicht aus, um sich morgen für einen neuen Oberbürgermeister zu entscheiden (und es gibt natürlich noch viel mehr Gründe, für einen Wechsel zu stimmen).

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Zuckerbrot und Peitsche à la Boris

„Sein Zuckerbrot verachten wir, seine Peitsche zerbrechen wir‘ – Churchills hat zwar Blut und Schweiß versprochen hat, jedoch hat er sich nie hinreißen lassen, den Briten seine Gunst vorzuenthalten, so wie es Boris, der glaubt, seine Reinkarnation zu sein, gerade getan hat, als er verkündete, wegen der Entscheidung der Abgeordneten, seinen Zeitplan abzulehnen, der vorsah, innerhalb von 3 Tagen seinen Deal durch das Unterhaus zu prügeln, die Debatten über den Brexit erst einmal auszusetzen zu wollen. So eilig ist der Brexit dann doch nicht, wenn die Möglichkeit besteht, am Deal herumdoktern zu können. Darum hat Boris gleich die Peitsche geschwungen, um den Abgeordneten klarzumachen, dass es einen geordneten Brexit nur zu seinen Konditionen gibt. Zuvor hatte Corbyn in einem Schachzug die Niederlage, die ihm 19 seiner Abgeordneten, die für Johnsons Brexit stimmten, bereiteten, mit seinem Angebot, einen Kompromiss mit den Tories suchen zu wollen, in einen kleinen Sieg umgewandelt. Talleyrand hätte es nicht besser hinbekommen. Labour ist die Partei, die sich den Gegebenheiten anpasst und nach Lösungen, mit denen alle Leben können, sucht. Das war seine Botschaft. Die Frage ist nur, ob die Leute das verstehen. Die Medien, allen voran die Zeitungen, von denen die Hälfte nicht verdient, dass man sie so nennt, da sie ausschließlich Propaganda verbreiten (Fakenews sind dagegen harmlos), haben dafür gesorgt, dass Kompromisse höchst unerwünscht sind – entweder alles oder nichts. Dementsprechend hat Boris keine Lust gehabt, die Parlamentarier mit einem Zuckerbrot zu ködern. Lt. Clerke hätten es drei oder vier Tage mehr getan. Zuckerbrot und Peitsche, das war mal. Nun setzt es ausschließlich die Peitsche, sprich auf einen Zermürbungskrieg mit den Abgeordneten. Sein größtes Drohmittel sind Neuwahlen, die ein Albtraum für alle jenen sind, die fürchten müssen, für ihre Haltung zum Brexit vom Wähler abgestraft zu werden. Zuckerbrote verteilt Boris nun keine mehr. Es besteht auch kein Grund. Glaubt wirklich jemand daran, dass ein EU-Politiker Boris auffordern wird, den Abgeordneten genug Zeit zum Diskutieren zu geben? Wohl kaum. Europas Politiker haben den Fehler gemacht, überschwänglich jeden Deal, der erreicht wurde, zu feiern. Die Parlamentarier haben da nur gestört. Das waren und sind Troublemaker, die eine jahrelange Arbeit zunichte machen können. Die Regierungschef täten gut daran, Boris für sein Verhalten zu kritisieren. Aber sind unsere Politiker wirklich so intelligent? Ich glaube nicht, dass sie das verstehen.

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Extinction Rebellion und Pendler – klappt das doch?

Da müssen einige Pendler etwas falsch verstanden haben – Extinction Rebellion ist kein Zusammenschluss todesmutiger Leute, die zu feige sind, Selbstmord zu begehen, so dass sie sich entschlossen haben, ihre Mitbürger mit dem Ziel zu nerven, von ihnen getötet, besser noch gelyncht zu werden. Wenn das ihre Absicht gewesen wäre, hätten sie sich Rebellion Extinction nennen müssen. Zum Glück hat der Mann, dessen Aktion, einen Londoner Vorortzug mit einem Allerweltsstunt auf dessen Dach aufzuhalten, zu einer James-Bond-Nummer mutierte, an deren Ende nur der Abgang eines Meisterspions unwürdig ist, keinen Schaden genommen. Die Zug-Pendler unter den Lesern des Blogs dürften nun aufschreien, und das völlig zu recht, denn nichts ist schlimmer für sie, als früh aufgehalten zu werden. Das ist die Zeit, in der nichts passieren darf und alles glatt zu laufen hat. Die Anfahrt entscheidet über ihre Tagesform – läuft alles reibungslos, mutiert der Pendler vor lauter Freude darüber zu einer Höchstleistungsmaschine, die sich durch nichts aufhalten lässt. Damit dies so bleibt, produziert die Bahn (vermutlich in Absprache mit den Arbeitgebern) von Zeit zu Zeit Pannen, so dass sich am nächsten Tag, wenn der Verkehr wieder pünktlich rollt, wieder das höchste Motivationslevel einstellt, ohne dass der Pendler dafür etwas kann. Daher würde ich mich nicht wundern, wenn dank der Aktion von Extinction Rebellion die betroffenen Pendler am Donnerstag und Freitag besonders produktiv waren, was so gar nicht im Interesse der radikalen Umweltschützer sein kann, bedeutet dies doch, dass sie mehr CO2 als sonst freigesetzt hätten. Pech für Britanniens berühmtesten Umweltschützer Monbiot, der für den Guardian von zu Hause aus schreibt (wenn ich mich recht entsinne, lebt er in einer Community in Wales), dass er genau diesen Tag gewählt hat, ums sich bei einem Protest Extinction Rebellions festnehmen zu lassen. Dessen Festnahme ist angesichts der Bilder zur Rushhour völlig untergegangen. Für Exinction Rebellion wird es nun schwer, den Normalbürger davon überzeugen, dass keine Eliten, die nur für ihre eigenen Interessen kämpfen, am Werk sind. Mein Rat – sich unter die Pendler zu begeben, um sich als Schwarzfahrer outen zu lassen. Das könnte klappen. Kostenlose Bahntickets für alle. Das würde dem Klima helfen.

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