Outing: Tarantino ist ein Märchenerzähler

Seit Dienstag weiß ich, was ich hätte eigentlich schon immer wissen müssen, nämlich dass Tarantino ein Märchenerzähler ist. Bisher hat er mir das nicht verraten. Und ehrlich gesagt wäre ich auch nie darauf gekommen, hätte er seinen neuesten Film nicht „Once upon a time in Hollywood“ genannt. Wenn jemand, der sich bis jetzt nicht geoutet hat, nun mit einem neuen Film zu verstehen gibt, in welchem Metier er zu Hause ist, muss dieser etwas ganz Besonderes sein, was natürlich die Befürchtung aufkommen lässt, dass sich dieses Werk von seinen bisherigen wesentlich unterscheiden könnte. Und in der Tat, Tarantino erzählt eine recht sanfte Geschichte. (Um im Genre zu bleiben – bevor der Wolf Rotkäppchen gefressen hat, verbrachter er als Großmutter verkleidet mehrere Stunden mit ihr, was dafür spricht, dass sich Tarantino auf wundersame Weise in einen Hitchcock verwandelt hat. Ich kann die Fans aber beruhigen. Niemand wird wachgeküsst. Das ist für dessen Fangemeinde wohl die wichtigste Botschaft). Und schrecklich real ist alles, was eigentlich nicht stimmt, denn Ende der 60er konnte man derart über die Stränge schlagen, dass das Leben, das Brad und Leonardo führen, mir beinahe wie ein Märchen vorkommt. Beide fühlen sich sichtlich wohl in dieser Welt, was ich sehr gut verstehen kann – la dolce vita, für beide in erster Linie Alkohol und Zigaretten, beschränkte sich nicht nur auf Italien, sondern es wurde auch in Hollywood praktiziert. Wie toll muss das Gefühl für Leonardo gewesen sein, zu erfahren, dass man sich damals nicht um die Umwelt zu kümmern brauchte. Jeder flog mit der Pan Am. Heute muss man ein Privatjet haben, um bei einer Veranstaltung, in der es um die Rettung der Welt geht, teilnehmen zu können. Als Zuschauer fand ich es schön, zu erleben, dass es eine Zeit gab, in der alles viel einfacher und unkomplizierter war. Das Leben ist so schön, dass ich Tarantinos Gewaltexzesse überhaupt nicht vermisst haben (ab und an schimmert etwas von dessen Leidenschaft aber doch durch). Nur der Humor kommt zu kurz, was jammerschade ist, sind beide doch zur Hochform aufgelaufen. Sonderbarerweise hat Tarantino aber beschlossen, beide quasi zu humorfreien Personen zu erklären. Den überlässt er anderen – ein Regisseur und ein Mädchen, die mit Leonardo in einem Western mitspielt, sorgen für die Lacher. Subversives und politisch Inkorrektes wie vor einem Kung Fu Fight (ich denke mal, dass es einer sein sollte) mit der Bemerkung, Brad habe seine Frau umgebracht, Bewunderung bei seinem Gegner sowie den Anwesenden auszulösen, sind ebenfalls höchst selten anzutreffen. Schade eigentlich. Hat Tarantino die 60er etwas doch ein wenig zu ernst genommen?

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Die Bayern – wenn Geld keine Tore mehr schießt,

wie eben bei den Bayern, die so viel Heu haben, dass sich deren berühmtes Festgeldkonto, von dem weite Teile der Bevölkerung erst von Hoeneß erfahren haben, dass es so etwas überhaupt gibt, auf wundersame Weise vervielfacht hat. Aber was nutzt das viele Geld auf den vielen Konten, wenn man es nicht ausgeben kann. Denn das Modell Bayern funktioniert nicht mehr, jedenfalls nicht in diesem Jahr. Dabei standen, glaubt man den Medien, die Münchener vor dem teuersten Transfers dieses Sommer. Mit der Verletzung Sanés hat sich dieser aber zerschlagen. Die Summe wäre für Münchner Verhältnisse zwar exorbitant hoch gewesen, deren Beuteschema jedoch hätte sich nicht geändert – die Bayern bevorzugen hiesige Stars. Ob Deutscher oder Ausländer spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass sie die Verhältnisse hier kennen (und natürlich gut Fußball spielen). Seit Jahren folgen sie dem Muster, ihren Ligakonkurrenten Talente oder Stars abspenstig zu machen. Und das recht preisgünstig. Zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte hätten einen Spieler mit einem hohen Aufschlag geholt, (was nicht für die Stärke der Liga spricht). Aus prinzipientreue? Oder mangelt es ihnen an Flexibilität? Es ist schon erstaunlich, dass Hoeneß und Co. bereit waren, ihre guten Vorsätze über den Haufen zu werfen, um Sané zu verpflichten. Vor einem Jahr noch wollten sie den Unsinn nicht mitmachen. Da aber die Quellen im eigenen Land zu versiegen scheinen, müssen sie nun wohl oder übel mitspielen. Aber es ist noch ein Unterschied, ob man mitmacht oder sich zum Krösus aufschwingt. Sanés Verpflichtung hätte sie zu Kings gemacht, jedenfalls für eine Saison. Schaffen sie es noch, Ersatz zu holen? Ich glaube nicht. Dafür ist der Bayern-Tross viel zu lange auf der deutschen Schiene unterwegs zu gewesen. Ein Gleiswechsel ist da völlig ausgeschlossen. Wen will man jetzt noch anbaggern? Die guten Leute sind eh in England (selbst Arsenal hat investiert). Und dann ist noch die Frage, ob noch jemand zu den Bayern will.

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Hongmeng ist eine Überlegung wert,

und das nicht, weil Hongmeng so toll ist, sondern weil ich hoffe, dass sich niemand in China für meine Daten interessiert, denn schließlich hat dessen Regierung genug damit zu tun, Informationen über die eigene Bevölkerung zu sammeln. (Es wäre aber schon höchst amüsant, wenn ein deutscher Besitzer eines Hongmeng-Geräts die Mitteilung bekommen würde, ihm sei die chinesische Staatsbürgerschaft entzogen, weil den Behörden gemeldet wurde, er habe die Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn um 30 km/h überboten.) Vermutlich ist es zu früh, schon jetzt darüber zu orakeln, ob das neue OS eine ähnliche Datenschleuder wie Windows 10 wird. Wenn es kommt, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass die Tester das Handys gründlich auf Datenabflüsse und Sicherheitslöcher, die den Behörden erlauben, ihre Trojaner einzuschleusen, prüfen werden. Aber vielleicht überraschen die Chinesen uns alle, indem sie Hongmeng einbruchssicher machen, so dass sich die Geheimdienste mit der Begründung, man könne keine hiesigen Staatstrojaner in den Geräten platzieren, gezwungen sehen, darauf zu drängen, das neue System nicht zuzulassen. Alles ist möglich, auch dass Firmen wichtigen Mitarbeitern den Kauf aus Angst, dass wichtige Daten in Peking laden könnten, untersagen. Es fällt auch nicht schwer, sich vorzustellen, dass mit Hongmeng der Einstieg Chinas ins Direktgeschäft beginnt – weg von der Werkbank der Welt, die den Verkauf der hergestellten Waren anderen überlässt, zu einem Hersteller, der versucht, die eigenen Marken selbst an den Mann zu bringen. Den Chinesen fehlen nur noch drei oder vier richtige Kracher. Vielleicht wird Hongmeng ja schon einer. Während China uns neue Software beschert, sind die Russen dabei, der Welt einen neuen Treibstoff, den sie nicht verwenden wird, zu liefern – wegen erhöhter Radioktivitäts-Messungen (das dreifache des erlaubten Wertes) sollen sich die Einwohner in der Region um Archangelsk mit Jod-Tabletten eingedeckt haben, berichtete der Guardian gestern. Nun haben die Russen bekanntgegeben, fünf Wissenschaftler Rosatoms seien bei einer Explosion ums Leben gekommen. Sie müssen an einem konventionellen Antrieb, der auf einen Treibstoff, den man wohl Uran beigefügt haben muss, basiert, gearbeitet haben (anders lassen sich die erhöhten Werte nicht erklären). Ist das ein Cocktail, den die Welt nicht braucht? Vermutlich ja. Jedenfalls ist nicht davon auszugehen, dass er der Welt weiterhilft. Oder ist das das Zeug, das uns zum Mars bringt?

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Tönnies – Kraftwerke, Bäume, Kinder, Afrika,

und wer glaubt, der Blog würde nun untersuchen, wie Tönnies es schaffen konnte, Milliardär zu werden, dem sei gesagt, dass es ihm egal ist – der Mann mag in seinem Schlachter-Metier ein Genie sein, bewegt er sich jedoch aus diesem heraus, bringt er das Kunststück fertig, in einem Satz ein Weltbild zu vermitteln, das jenem Ekel Alfreds recht nahe kommt. Nur hat Tönnies das Pech, dass niemand über diesen Satz lachen kann, ja er sogar fürchten muss, aus seinem Verein Schalke, wo der Aufsichtsratsvorsitzender ist, rausgeschmissen zu werden. Dabei ist seine Äußerung gar nicht rassistisch. Viele denken so wie Tönnies, jedoch schaffen sie es, sich gewählter als er auszudrücken. Überbevölkerung ist das Stichwort. Von der ist immer die Rede, wenn es um die großen Probleme der Menschheit geht. Da Deutschland schrumpft, kann es eine Überbevölkerung nur woanders geben, was sie noch gefährlicher und bedrohlicher macht. So werden die Millionen junge Afrikaner zu einer großen Gefahr. Da spielt es keine Rolle, dass ein europäisches Baby (genauer ein britisches) während seines Lebens 150 mal mehr CO2 als ein äthiopisches produzieren wird. Beim Thema Überbevölkerung werden die Menschen aller Nationen zu Brüdern. Wenn es nach Linnemann geht, hört die Gleichheit der Kinder, die hier leben, spätestens mit deren Einschulung auf – wer kein Deutsch kann, soll eine Schule erst gar nicht betreten dürfen. Dabei soll er überhaupt froh sein, dass angesichts des Klimawandels überhaupt noch jemand kommt. Nach einer Studie schwedisches Wissenschaftler könnte jedes Elternteil nämlich 58,6 Tonnen CO2-Austoss pro Jahr einsparen, wenn es ein Kind weniger hätte. (Vermutlich haben sich die Chinesen zu früh von ihrer Ein-Kind-Politik verabschiedet.) Diese Zahl erweckt den Eindruck, dass Kinderlosigkeit der beste Schutz vor der globalen Erwärmung sein müsse. Es sie denn, man lebt in Afrika. Und auch mit dem Fällen der Bäume liegt Tönnies nicht ganz richtig. Ob 20 Kraftwerke pro Jahr die Jagd nach Holz beenden würden, darf bezweifelt werden – ausgerechnet in Russland, wo es Kraftwerke en masse gibt, wird wild darauf los gerodet. „Colonel Cassad“ weiß zu berichten, dass die jüngsten Waldbrände in Sibirien Menschen verursacht haben soll. Sie hatten die Absicht, damit ihre illegalen Abholzungen zu vertuschen. Nun laufen Ermittlungen an. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Justiz des Tigerfreunds Putin allen Machenschaften aufdecken kann.

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Wie war das noch mal mit der Geschichte?

Geschichte wiederholt sich, wenn auch anders – nicht das Ereignis gibt in gewissen Abständen ein Comeback, sondern der Grund, der zu dem neuen führt, ist oft derselbe, was besonders bedauerlich für jene ist, die das Pech haben, in Ländern leben zu müssen, in denen immer wieder die gleichen Fehler gemacht werden. Russland, in dem es Tradition ist, so lange Bedrohungen zu leugnen, bis deren Führer gar nicht mehr umher können, diese als solche zu wahrzunehmen, ist solch ein Land. Stalin ist wohl der berühmteste Vertreter russischer Führer, die die Wahrheit erst akzeptieren, wenn es unmöglich ist, diese weiter zu verdrängen – erst nach ein paar Kriegstagen hat er eingesehen, dass Hitler wirklich die Absicht hat, Krieg gegen sein Land zu führen. (Ein deutscher Überläufer, der Stunden vor Kriegsausbruch desertierten, um die Rote Armee zu warnen, wurde erschossen.) Immerhin schaffte sein Land noch die Wende, angesichts des großen Leids, das er seinen Landsleuten mit seiner Ignoranz und alles wird gut Haltung eingebrockt hat, werden die Chronisten der Geschichte ihm aber nie zugestehen, seinen Fehler mit seinem triumphalen Sieg über Deutschland wieder gutgemacht zu haben. In Putins fossilem Energiereich bahnt sich die nächste Katastrophe an, über die die Geschichte in 10 Jahre urteilen könnte, man habe die Gefahren völlig unterschätzt – Sibirien brennt in diesem Sommer, und RT schafft es, in keinem seiner Berichte darauf hinzuweisen, dass die Feuer auf die globale Erwärmung zurückzuführen seien. Stattdessen berichtet der Sender über Schamane, die gestern ihre Kräfte vereinigten, um ihre Zeremonien abzuhalten, nach deren Ende es zu regnen beginnen werde. Heile Welt eben in Sibirien, die nur dadurch getrübt wird, dass auch die „spirituellen Spezialisten der Ethnien Sibiriens“ (das ist aus Wiki) Handys haben müssen (diese Erkenntnis wird dem florierendem Schamanen-Tourismus keinen Abbruch tun). Kollektive Ignoranz scheint in Russland angesagt zu sein – offen darüber zu sprechen, dass der Klimawandel schuld an den Desastern sei, hieße, sich einzugestehen, dass man man die Erschließung neuer fossiler Rohstofflager, in die man viel Geld investiert (ein zweites Gleis für die BAM, neue Kohlehäfen, Öl- u.Gasförderung in der Arktis etc.), stoppen müsse. Russlands Fossil-Oligarchen wünschen das nicht – sie zwingen das Land, immer neue Vorkommen zu erschließen. Dabei muss Sibirien nicht so ausgeplündert zu werden, dass es dem Amazonas bzw. dem, was von ihm übriggeblieben ist, ähnelt – Getreide von Omsk über den Irtysch via Polarmeerhafen nach Japan zu schiffen ist bspw. die weitaus bessere Alternative. Wenigstens kümmern sich die Russen um ihre Wälder. Ganz im Gegensatz zu Brasilien, wo der Chef der nationalen Weltraumagentur gefeuert wurde, weil er es gewagt hatte, Satellitenfotos, die belegen, dass seit dem Antritt Bolsonaras im Amazonas ein Kahlschlag ohnegleichen eingesetzt hat.

Dank Trump endlich Rindfleisch, in dem keine Antibiotika steckt – Fleisch von einem Tier, dessen Vorfahren an der Seite von John Wayne oder Richard Widmark in einem Western mitgewirkt haben könnten. Mehr Bio geht wirklich nicht. Nur mit dem Transport hapert es noch.

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Greta Garbo war die „Göttliche“, was man

über Greta Thunberg sagen wird, vermag niemand so recht zu sagen, jedoch glaubt dieser Blog, zu wissen, dass sie auch die Absicht hat, ins „Überirdische“ wechselt, aber im Gegensatz zu ihrer Namensvetterin strebt sie keinen göttlichen Status an, sondern sie möchte als Messiasin in die Geschichte eingehen. Frauen als Messiasinnen, geht das überhaupt? Da erst ein Mann es zum Messias gebracht hat, kann man wirklich nicht davon sprechen, dass dies eine Männerdomäne, die Frauen nie und nimmer durchbrechen können, sei. Darüber, warum nur einer es bis dahin geschafft hat, lässt sich trefflich streiten. Dieser Blog glaubt, die Welt hat seit dessen Erscheinen keinen mehr gebraucht. Ob sie wieder einen braucht bzw. will, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Aber selbst wenn Greta scheitern sollte, kann man ihr nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Wie für einen Messias gilt auch für einen Messiasin, spektakulär aufzutreten. Während Jesus über das Wasser lief, fliegt Greta in einem hochmodernen Katamaran über den Atlantik, was nicht minder aufregend ist. (Heyerdahl hätte ihr ein hochseetüchtiges Bambusboot, die Ra III, gebaut. Und er hätte für sie eine Meeresströmung, die beide nach Amerika treibt, entdeckt.) In New York wird sie an der UN Klima Aktions Gipfel teilnehmen. Vermutlich hat sie sich selbst eingeladen, woran niemand Anstoß nehmen wird – man gilt schon als Klimaschützer, wenn man sich mir ihr ablichten lässt. (Das ist auch eine Eigenschaft eines Messias‘ – jeder, der sich mit ihm zeigt, ist auf einmal ein guter Mensch.) Nach der Konferenz beginnt die eigentlich Messias-Werdung – wie auch ihr größer Vorgänger begibt sich Greta auf Wanderschaft. Nach Chile soll es gehen. (Dagegen sind Jesus‘ Wanderungen Sonntagssparziergänge). Zum Leidwesen aller Schulleiter, deren Schulen Greta auf ihrem Weg in den Süden heimsuchen könnte – ein Tag Unterrichtsausfall ist vorprogrammiert. Bestechung völlig ausgeschlossen, auch wenn nach Sammelaktionen das Geld für drei Privatjets reichen würde. (In Santiago, das sie im Dezember erreichen möchte, findet, wie könnte es auch anders sein, auch eine Konferenz statt.) Greta im Kohleland Trumps auf heiliger Mission – der Erfolg scheint ihr sicher zu sein. Bleibt nur noch die Frage, wie sie von Südamerika nach Europa kommen will.

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Die Bahn, sie kommt – nur mit welchem Tempo

Wissen Sie, worin die Bahn richtig gut ist? Derart gut, dass weder eine Signalstörung, eine Änderung des betrieblichen Prozesses, ein fehlender Wagon, ein vorausfahrender Güterzug, ein Zug, der die Strecke blockiert, eine Bombenentschärfung oder Personen, die sich unbefugt auf den Gleisen aufhalten, ihr etwas anhaben können (Die Bahn ist so kreativ im Beschreiben der Probleme, dass es schier unmöglich ist, sich alle Erklärungen zu merken. Vielleicht gibt es einen Bahnreisenden, der die Aussagen der Bahnbediensteten akribisch protokolliert.) Selbst das Wetter, vor dem sie uns schützen soll, zwingt sie nicht in die Knie. Es geht um die (klimaneutrale?) Klimaanlage, die die hiesige S-Bahn zu einem Eispalast macht, den niemand verlassen würde, wenn er nicht müsste. Aufgrund der polaren Kälte, die dort stets herrscht, hätte ich keine Bedenken, der Bahn zu bescheinigen, dass die Kühlung ihrer Wagen zu 130 Prozent klappt. Leider muss sie sich aber mit 100 Prozent zufrieden geben. (Angesichts tiefster Temperaturen in den Wagons ist es mir ein Rätsel, wie die Bahn während der heißen Tage ihren Fahrgästen anbieten kann, ihre Fahrt auf später verschieben zu dürfen.) Bei der Bahn wäre man vermutlich schon zufrieden, wenn andere Geräte ähnlich sicher funktionieren würden (bspw. die Tür, die sich schon mal weigern kann, einen rauszulassen.) Bzgl. der Pünktlichkeit ist man sicherlich noch ein Stück weiter von den 100 Prozent entfernt (die Türen sind da bestimmt noch ein Tick besser). Aber immerhin fahren die S-Bahnen weitaus zuverlässiger als die IC, von denen gerade mal 70 Prozent pünktlich ankommen sollen (dabei muss die S-Bahn immer dem Fernverkehr weichen). Doch bald soll alles besser werden. In ein paar Jahren will die Bahn in jedem Jahr 100 € pro Kopf in die Infrastruktur stecken. Das ist weniger als ein Viertel dessen, das der Schweizer bereit ist, für den Schienenverkehr zu zahlen. Daraus zu schlussfolgern, der Schweizer müsse das vierfache zahlen, weil das Land im Schnitt um das vierfache höher liegt, wäre ein wenig zu früh. Vermutlich liegt es eher an der „Geiz-ist-geil“-Mentalität, denn schließlich hat man 20 Jahre auf Teufel komm heraus gespart. Diese Einstellung lässt sich nicht so schnell abändern. Dank des exzessiven Sparens wird es vermutlich nun richtig teuer – während die Schweizer in Zeiten, in denen die Unternehmen für jeden Auftrag dankbar waren, investiert haben, legt die Bahn los, wenn alle anfangen, zu bauen (Sanierung Straßen, Brücken, Wohnungsbau, womöglich investiert die Industrie jetzt auch noch verstärkt). Schon jetzt hat die DB Probleme mit dem Bautempo. Während die Chinesen für einen neuen Bahnhof einen Monat brauchen, benötigt die Bahn mehrere Jahre für einen Umbau. Mit Sicherheit wird das nicht besser werden. Für den Fall, dass alles schief laufen sollte, bleibt der Bahn noch, ihre klimatisierten Züge in Büros, die man über Bahnsteige, die nicht mehr genutzt werden, erreichen kann, umzuwandeln. Ich bin mir sicher, dass viele das Angebot nutzen werden.

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Ein gesondertes Wahlrecht für Rentner?

Die Rentner sind daran schuld, auch wenn das Durchschnittsalter der Tories, von denen zwei Drittel Boris unbedingt als Premier sehen wollen, nur bei 57 Jahren liegt, was aber für die Konservativen bei denen die Meinung gilt, wer in diesem Alter noch arbeitet, der muss in seinem Leben irgendetwas falsch gemacht haben, nicht viel heißt. Das mag zwar hart und unsozial für alle, die kein Tory werden wollen, klingen. Jene aber, die unbedingt dazu gehören wollen, jedoch voll in die erste Hürde gerannt sind (A man who, beyond the age of 26, finds himself on a bus can count himself as a failure.), haben immerhin noch 31 Jahre Zeit, sich Anerkennung zu verschaffen. Egal ob als Frischling oder als Methusalem – der Rentner wählt grundsätzlich immer den Politiker, der dem Land und dem Klima am meisten schadet. Nach Trump nun Boris. Und AKK, die Kanzleikandidatin der Union, hat auch schon herausgefunden, wie sie ticken – als neue Verteidigungsministerin fordert sie viel mehr Geld für den Bund. Bei den westdeutschen Rentner, die glauben, bei einem Einmarsch der Russen würden die Deutschen erst vor Kassel Widerstand leisten, kommt das bestimmt gut an. Je mehr Geld für die Soldaten, desto geringer die Chance, im Falle eines Überfalls womöglich im neuen Volkssturm den Feind abwehren zu müssen. Das amerikanische Fernsehen ist da weiter – weil er die USA wie eine Zitrone ausquetscht, steht der militärisch-industriellen Komplex hart in der Kritik (jedenfalls bei CNN). Das war fast schon wie zu von Schnitzlers Zeiten. Nur das Wort „Profit“, das bei „Sudel Ede“ in jeder Sendung mindestens dreimal fiel, hat gefehlt. Warum wählen Rentner Politiker, die sich mit Problemen beschäftigen, die gar nicht existieren (wie eben die Bedrohung)? Oder Leute bevorzugen, die Antworten liefern, die vor 30 Jahren noch zeitgemäß waren, heute aber völlig kontraproduktiv sind? Die nächsten Wahlen kommen bestimmt. Und sollte der Trend, immer auf das falsche Pferd zu setzen, anhalten, müsste für Rentner ein gesondertes Wahlrecht ausgearbeitet werden. Bspw. könnten deren Stimmen halbiert werden, so dass am Ende der Wahl Union und SPD gleichstark wären.

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Macht die EU mit Boris eine Ausnahme?

Ausgerechnet Boris, dessen Versprechungen sich spätestens dann, wenn sie eingelöst werden sollen bzw. irgendjemand auf die Idee kommt, deren Wahrhaftigkeit zu prüfen, in Luft auflösen (legendär seine haltlose Behauptung, nach dem Brexit Gelder, die noch an die EU gingen, ins Gesundheitswesen stecken zu können), und ausgerechnet die EU, die bisher immer den Eindruck vermittelt hat, Ende Oktober würden die Briten draußen sein, sollte es zu keiner Einigung kommen – irgendwie soll es nun auch ohne Abkommen erst einmal wie gehabt weitergehen, was natürlich ein großer Erfolg für Boris wäre. Wie kann die EU den schlechtesten Narren, den das Königreich je erlebt hat, so stark machen? Hartnäckigkeit zahlt sich eben aus, könnte man meinen. Leider ist es nicht so einfach. Es ist in Europa gute Tradition, Leuten, die Ansichten und Ziele vertreten, die dem Gemeinwohl schaden, entgegenzukommen. Natürlich gibt es Ausnahmen – als Russe, der national-traditionalistisch oder kommunistisch gesinnt ist, hat man keine Chance, mit der EU einen Kompromiss erzielen zu können. Für die übrigen Europäer gilt, dass die EU nur bei strammen Rechtskonservativen, die sich darauf verstehen, den Unsinn, den zu reden, als Wahrheit zu verkaufen, Zugeständnisse macht. Wie eben bei Boris, der das Glück hat, eine Opposition zu haben, die nicht nur weit links steht, sondern es auch nicht für nötig hält, Mitglieder, die krude Ansichten über die Juden und deren Geschichte vertreten, in die Schranken zu verweisen. (Das Dilemma Labours ist es, einen Vorsitzenden zu haben, der Spitzfindigkeiten über alles mag. Als solche fast er Livingstones Ansicht über Hitlers Kollaboration mit den Juden, ohne die es Israel nicht gegeben hätte, auf.) Ihm kommt auch die Politik des Irans, der nun auch ein Schiff konfisziert hat (Tanker-Games), entgegen. Schon einmal hat ein Krieg die Karriere eines britischen Premierministers gerettet – ohne den Falkland-Krieg hätte die Eiserne Lady keine zweite Amtszeit geschafft. (Vermutlich haben die Briten den Tanker vor Gibraltar nur festgesetzt, um Boris einen guten Start als PM zu ermöglichen.) Es wäre schon kurios, wenn die NATO-Staaten, die in der EU sind, ausgerechnet einem Mann, dessen Karriere darauf fußt, Brüssel zu kritisieren, im Konflikt mit dem Iran helfen müssten.

Leider ist Boris keine Einzelfall in der jüngsten Geschichte Europas. Mit Bolsonaro, der behauptet hat, im Amazonas tun und lassen zu können, was er wolle, hat die EU ein Handelsabkommen unterzeichnet. Seinen Vorgängern wurde diese Hilfe nicht zuteil (die waren natürlich links). Auch hat man deren Bemühungen um die Begrenzung der Abholzung kaum gewürdigt. Nun sieht sich die Menschheit einem Hardliner ausgesetzt, der Trump sogar noch übertrifft.

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Europa ist tot, es lebe das „Escape Genius“,

das auch ein Europäer ist, sich jedoch, wie sein Spitzname „Escape Genius“ andeutet, wesentlich von den Abgeordneten, die heute von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt haben, unterscheidet – während er jedes Hindernis, das sich ihm in den Weg stellt, locker überwindet (selbst 7000V-Zäune sind kein Problem für ihn), schaffen unsere Volksvertreter es nicht, eine Kandidatin durchfallen zu lassen, die kein Europäer gewählt hatte. Wenn Regierungschefs, von denen viele größtenteils ein halbes Jahr gebraucht haben, um eine Koalition, die sie an die Macht bringt, zu zimmern, von EU-Parlamentariern verlangen, sich in wenigen Tagen auf einen Kandidaten zu einigen, ist das nicht nur befremdlich, sondern höchst unverschämt. Und dann gibt es natürlich noch die Überflieger. Macron ist so einer, der mit einer Mehrheit, die ihm erlaubt, sich wie der Sonnenkönig aufzuspielen (das Imitat kann in dieser Rolle natürlich nicht überzeugen), ins Amt gelangt ist. Es ist schon recht merkwürdig, wenn Politiker dem Vorschlag eines Mannes zu folgen, der des eigenen Vorteils wegen die Parteilandschaft Frankreichs umgekrempelt hat, was ihm nur dank einer starken Tabu-Kandidatin gelingen konnte. Da bleibt nur zu hoffen, dass er selbst bald in die Situation kommt, in der er wochenlang verhandeln muss, um eine Regierung auf die Beine zu stellen. (Das wäre sozusagen seine Metamorphose vom Laien-König zum „Escape Genius“, was allemal besser ist, als ein richtiger Alleinherrscher zu sein. Die landen meist unter der Guillotine, wenn sie beim Volk in Ungnade gefallen sind.) Wie gut dessen Wahl ist, wird sich noch zeigen. Geht es nach Prantl, muss von der Leyen selbst zum „Escape Genius“ werden, um am Ende des Jahres noch im Amt zu sein. Die Parlamentarier stimmen nämlich auch über die Kommissare ab. Damit könnten sie sich Zeit lassen – aus Rache, weil man sie zu Statisten gemacht hat. Fürchterlich überrollt hat man sie. Nun haben die Gelegenheit, Revanche zu nehmen.
PS: Will AKK keine Bundeskanzlerin werden? Angeblich soll sie von der Leyen als Verteidigungsministerin folgen. Wer diesen Posten übernimmt, ist nicht mehr tauglich für den Job im Kanzleramt. Das ist ungefähr so, als wenn ein Bankräuber nach seiner Haft sich für eine Stellung als Kassierer in der überfallenen Bank bewerben würde. Das geht überhaupt nicht. Sich vorzustellen, das Ministerium könnte bis zur nächsten Wahl keinen neuen Skandal produzieren, ist völlig unmöglich.

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