Nostradamus hätte es wissen müssen

Wie konnte Nostradamus, der Hitler vorausgesagt hatte, sich so irren? 2019 ist zwar noch jung, aber selbst die Existenz eines Nebenpapstes, pensioniert, aber immer noch recht rüstig, macht dessen Prophezeiung, in diesem Jahr würde der Papst ermordet werden, nicht wahrscheinlicher. Und obwohl kaum einer Trump leiden kann, wünscht niemand, dass dessen Voraussage über ein Erdbeben in den USA Wirklichkeit wird. Hätten wir Nostradamus geglaubt, wenn er behauptet hätte, Notre Dame würde abbrennen? Natürlich nicht, wobei eine Wahrsagerin, ohne es zu wissen, schon eingeräumt hat, ihren Nostradamus nicht am Anfang des Jahres gelesen zu haben – sie behauptet nun, er habe den Brand vorhergesagt. (Das sollte eigentlich Pflichtlektüre sein. Die Kommunisten kennen ihren Marx da viel besser.) Als Seher muss man eben nicht nur in die Zukunft gucken, sondern auch stattgefundene Ereignisse richtig zu interpretieren wissen. Wenn schon die Hellseher versagen und sich damit zufriedengeben, im Nachhinein das architektonisch-kulturelle Inferno vorherzusagen, weiß Charlie Hebdo wenigstens, wer an diesem Desaster Schuld ist – der Teufel, dessen Reformen mit dem Dachstuhl beginnen. Frei interpretiert heißt das wohl, dass an allen Ecken und Enden gespart werden musste. Wiki schreibt, der Erzbischof habe alle möglichen Quellen anzapfen müssen, um den Erhalt seiner Kirche zu gewährleisten. (Es wird immer gesagt, man solle erst einmal die Untersuchungsergebnisse abwarten, bevor man ein Urteil fällt. Man kann sich ziemlich sicher sein, dass die Kommission herausfinden wird, dass der Brand hätte verhindert werden können. Und da für die Arbeiten Spezialisten eingesetzt wurden, ist es höchst unwahrscheinlich, dass diese fahrlässig gegen Vorschriften verstoßen haben.) Dafür fliest das Geld nach dem Brand umso reichlicher. War vor Katastrophe die Kirche, die am wenigstens von der Kathedrale profitierte, alleine verantwortlich, hat Macron den Wiederaufbau zu einem Staatsakt gemacht. Scheitert die Rekonstruktion, scheitert auch Frankreich. Die hiesiger Berichterstattung vermittelt den Eindruck, dass wenig Lust bestehe, die Sache aufzuklären. Die Franzosen sind nur traurig. Die Schuldfrage scheint im Augenblick niemanden zu interessieren. Außer Charlie Hebdo natürlich.

Notre Dame – Charlie Hebdo

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Wer kann Merz noch verhindern?

Es kommt mal wieder so, wie dieser Blog, der nach AKKs Abstimmungssieg über Merz der Meinung war, dass dieser viel zu knapp ausgefallen sei, um ihn für immer in die Etagen der Hochfinanz zu verbannen, vorausgesagt hat – er ist zurück, aber diesmal nicht als Konkurrent der Merkel-Vertrauten, sondern als deren Vertrauter bzw. loyal Untergebener, worüber sich besonders Altkanzler Schröder freuen dürfte, der meinte, mit Merz würde die Union wieder erz-konservativ, was seine Partei in die Lage versetzen würde, nach links zur rücken. So beachtlich es auch ist, mit 75 Jahren zu lernen, wie man einen Golfball trifft – wer Golf spielt, den bestraft das Leben, denn mit jedem geglückten Schlag scheint auch ein Stück politischen Instinkts mitsamt des Balls davon zu fliegen, um irgendwo im hohen Gras zu landen. (Um Anfängern nicht den Mut zu nehmen, wird dieses Areal in der Golfsprache „Rough“ genannt). Aber vielleicht ist es gar nicht sein sprichwörtlich berühmter Instinkt, der ihm da abhanden gekommen. Vielmehr scheint er noch zu glauben, dass seit seiner Wahl vor 20 Jahren Deutschland sich nicht verändert habe, demografisch jedenfalls. Damals waren der SPD die Jungwähler so gut wie sicher. Und dann schaffte er es, die über 35-Jährigen für sich zu gewinnen. Heute entscheiden aber Rentner Wahlen. Die haben keine keine Lust auf Experimente. Die meisten wollen, dass es so ist, wie es ist. Vermutlich ist das auch der Grund, warum seit geraumer Zeit linke Politiker sich hier so schwer tun, während sie bspw. in Amerika, das meines Wissens in seiner jüngsten Vergangenheit immer eine Geburtenüberschuss ausweisen konnte, atemberaubende Karrieren, die hierzulande völlig unmöglich sind, hinlegen. Selbst ein kühner „Green New Deal“, wie AOC in den Staaten umzusetzen gedenkt, würde Kühnert bzw. der SPD kaum mehr Stimmen bringen. Die Demografie spricht gegen linke Politik in den nächsten Jahren. Merz kann sich also darauf freuen, bald Finanzminister zu werden. Und das eine Weile lang bleiben. Erst wenn die Wähler der Grünen Rentner sind, muss er ans Aufhören denken. Und das kann noch dauern, wie das Beispiel der ewig in den Medien präsenten Claudia Roth zeigt.

PS: Halle ergeht es wie Schalke – namhafte Spieler, die nicht zu einander passen. Im Gegensatz zum Traditionsklub aus dem Westen ist die Stadt wissentlich in die Misere gerutscht. Statt jemanden zu holen, der sich nur mit Finanzen auskennt, verpflichtete Halle einen Kultur-Manager, der den Ruf hat, sich nicht aufs Finanzielle bei der Leitung von Opern- und Theaterhäusern zu beschränken. Das Chaos, was nun herrscht, beschreibt der MDR am besten (von Nacktbildern bis zu falschen Wiki-Einträgen ist alles dabei). Nach dem Intendanten der Oper könnte nun der des NTs gehen, der Gespräche über die Verlängerung seines Vertrags ausgesetzt hat. Für Theatergänger wäre das ein Verlust. Während er auf der Bühne immer den richtigen Ton zu treffen scheint, schießt er in seinen Briefen regelmäßig über das Ziel hinaus. Die Reaktion ist entsprechend. Von Wohlwollen kann keine Rede sein.

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Moskau und der Abfall, den niemand will

Wie gut, dass man in Moskau noch nichts von Müllverbrennungsanlagen gehört hat, denn gäbe es sie dort, würden alle denken, in Russland ginge überhaupt niemand mehr auf die Straße, um gegen Missstände zu protestieren. Müllentsorgung auf althergebrachte Art und Weise, ausgerechnet in Moskau, das keine Kosten und Mühen scheut, seinen Bewohnern den Wechsel vom Auto zu den öffentlichen Verkehrsmitteln so angenehmen wie möglich zu machen – wäre der Bevölkerung zu Sowjetzeiten der Umstieg noch befohlen worden, investiert man heute erst einmal in die Infrastruktur. Stimmen die Vorhersagen, wird Moskau in ein paar Jahren die einzige nicht-asiatische Stadt sein, die es in die Top Ten der U-Bahnstädte schafft. Daneben investiert die Stadt in ein S-Bahnnetz sowie in E-Busse, die entgegen aller Prognosen auch im Winter anspringen. (Bei E-Motoren muss man wohl eher sagen, dass sie „ansurren“, was suggeriert, dass ein Fahrer eines E-Autos einen eiskalten Morgen nicht zu fürchten braucht – während er beim Verbrenner darauf hofft, dass seine Handgriffe sowie seine Fußarbeit den Motor veranlassen könnten, anzuspringen, surrt er einen E-Motor selbst an. Das heißt natürlich auch, dass der Fahrer die Schuld bei sich suchen muss, wenn das Auto mal nicht „Ansurren“ sollte. Die Ausrede, man sei zu spät gekommen, weil das Auto nicht anspringen wollte, zählt dann nicht mehr.) Niemand ist perfekt, auch die Moskauer nicht. An den Müll haben sie nicht gedacht. Dessen umweltneutrale Verwertung ist vermutlich der schwerste Teil auf dem Weg zu einer umweltfreundlichen Stadt. Da nun selbst Russland, immerhin das größte Land der Welt, Probleme hat, einen stillen Ort zu finden, wo man ungestört den Abfalle deponieren kann, ist ermutigend. Selbst im hohen Norden in der tiefsten Provinz will man nichts davon wissen. Moskaus Oberbürgermeister Sobjanin, der die Stadt so radikal umgekrempelt hat, muss es etwas einfallen lassen. Wie gut wäre es, könnte man die Zeit 10 oder 12 Jahre zurückdrehen. Damals war Mutti noch keine Mutti, sondern eine Klimakanzlerin, der es sicherlich nicht schwergefallen wäre, Putin davon zu überzeugen, wie wichtig die Abfallentsorgung sei. Das wäre sozusagen der erste Schritt ihrer Mutti-Laufbahn gewesen. Wegen des neuen Kalten Kriegs müssen die Russen ohne deren Ratschläge auskommen. Ich bin mir sicher, dass sie es trotzdem schaffen werden.

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Seidenstraße 3.0 – das ist die wahre!

Muss der Durchschnittseuropäer auf Seidenstraße 2.0 lange fahren, um ihn Gefilde zu kommen, die ihm unbekannt sind (nach der Taiga an der Grenze zur Mongolei hat man bereits zwei Drittel des Wegs hinter sich), wird er sich auf der 3.0 schon nach rund 1000 km in der Fremde fühlen, den die neue Route, von der diese Kolumne glaubt, dass die Chinesen sie bald in Angriff nehmen, folgt ungefähr der alten – wer diese Seidenstraße benutzt, kann von sich behaupten, Marco Polo gefolgt zu sein. Ausgerechnet Trump, der die Chinesen bekanntermaßen überhaupt nicht mag, hat die Strecke möglich gemacht – das Kalifat und Isis (letztgenannte hat Donald im Alleingang besiegt) existieren nicht mehr. Der Weg zum Mittelmeer ist nun frei. Damit steht dem Bau des geplanten Eisenbahnkorridors Nr. 6 von China in die Levante mehr im Wege. Dieser Blog würde sich nicht wundern, wenn Latakia Endpunkt der neuen alten Seidenstraße sein würde. Die Iraner haben nämlich gerade den Hafen von den Syriern übernommen bzw. geleast. Das vermutlich nicht, um dort eine große Kriegsflotte zu stationieren, die Israels Häfen blockiert. Da Syrien auch zu den Ländern zählt, in die man nicht alles liefern darf, eignet sich der Ort nur bedingt dafür, Trumps Embargo zu entgehen. Hier geht es um vielmehr, nämlich den Bau einer neuen Seidenstraßen-Eisenbahn, die die Chinesen fast nur für sich hätten, denn anders als bei den bisherigen Routen stände die neue Strecke ihnen ohne Einschränkung zur Verfügung. Ein Container-Express, gefüllt mit Computern und Tabletts, müsste sich die Verbindung nicht mehr mit einem überlangen russischen Zug, der mit sibirischer Lärche beladen ist, teilen. Und wir Europäer könnten trotz des Klimawandels immer noch in en masse in die Ferne reisen – wer Glück hat, braucht nur in Bagdad umzusteigen. Direkter kann man auf dem Landweg nach China gar nicht anreisen. Vom „Orient-Express“ in den „Seidenstraßen-Express“. Umgekehrt geht es zurück. Ich weiß wirklich nicht, warum sich alle so vor den Chinesen fürchten. Wenn sich Donald gut mit den Chinesen stellen würde, finanzierten sie ihm sogar eine Verbindung von Peking in sein geliebtes N.Y. über die Beringstraße. Vorausgesetzt, die Russen machen mit, was nicht einfach wird, da eine UN-Kommission, deren Aufgabe es ist, festzustellen, wie weit ein Kontinentalsockel reicht, herausgefunden hat, dass weite Teile des Meeresbodens im Norden zur russischen Landmasse gehören. Nun hoffen die Russen, mehr als 350 nautische Meilen vor der Küste für sich in Anspruch nehmen zu können. Sollten sie Recht bekommen, könnten sie die dort liegenden Bodenschätze alleine nutzen. Es sieht ganz danach aus, als ob Donald auf seine „Seidenstraßen-Verbindung“ noch lange warten müsste.

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Corbyn – freut er sich wiklich auf May?

Armer Corbyn, aber wer nicht führen will, der muss sich eben vorführen lassen – statt entschlossen von den Abgeordneten zu fordern, für die Entwürfe, die einen weicheren Brexit oder gar ein Referendum vorsehen, zu stimmen, hat der Labour Chef den Abgeordneten ziemlich freie Hand gelassen, wofür ihn May mit ihrer Einladung, gemeinsam mit ihm nach Wegen zu suchen, wie man aus dem Dilemma herauskommt, postwendend bestraft hat. Eine geschlagene Premierministerin trifft einen geschlagenen Oppositionsführer. Der einzige Unterschied zwischen den beiden besteht nur in der Anzahl der verlorenen Abstimmungen – May verlor 3, Corbyn nur zwei. Nun soll er mit ihr einen Kompromiss finden, der selbst wenn dieser einem der Vorschläge, über die gestern abgestimmt wurde, entsprechen würde, bei weitem für Labour nicht den Prestigeschub, den ein eigener Erfolg nach sich gezogen hätte, brächte. Da angesichts der störrischen Haltung Mays wirklich Zugeständnisse ihrerseits so gut wie ausgeschlossen sind, läuft alles darauf hinaus, dass Corbyn zu etwas genötigt wird, was seiner Partei lange Zeit schaden könnte. Mitgegangen, mitgefangen. Gestern nach den Niederlagen hat Corbyn noch gesagt, wenn May drei Abstimmungen haben durfte, können seine Partei es auch noch einmal versuchen, Vermutlich hätte man es auch geschafft, den Antrag so zu formulieren, dass Bercow diesen wie einen neuen hätte einstufen müssen. Vermutlich hätte Labour diesen dann sogar gewonnen. Nun muss Corbyn verhandeln. Und es sieht ganz danach aus, als ob er Hoffnung hat, etwas Vernünftiges erreichen zu können. Das versteht wohl niemand.

Wie lange bleibt Europa noch im Auge des Hurrikans? Während ringsherum es aus den unterschiedlichsten Gründen heftigst stürmt, bleibt es hierzulande friedlich. Die erschreckendste Meldung kommt diesmal von Colonel Cassad – wer hätte es in den 90ern für möglich gehalten, dass gleich zu Beginn des neuen Jahrhunderts ein neuer Superlative aufgestellt wird. Nie hat es mehr Opfer von Selbstmordattentätern als jetzt gegeben. Fast in jedem Jahr wurde der alte Rekord aus dem Jahr 1944, als die Japaner den Kamikaze-Krieg ausriefen, überboten. Wenn ich es nicht anders wüsste, würde ich glaube, ISIS muss sich in den letzten Jahren vollständig in die Luft gesprengt haben. Dem ist natürlich nicht so. Die Meldungen von der Klimafront werden anderswo auch immer bedrohlicher (Kanada wärmt sich zweimal so schnell wie der Durchschnitt auf). Auf Hiobsbotschaften aus hiesigen Gefilden müssen wir uns wohl noch bis zum Sommer, wenn die Dürre wiederkommt, gedulden. Es gibt aber auch gute Nachrichten – ein Komiker könnte es schaffen, Präsident der Ukraine zu werden. Da früher am Hofe der Narr als der schlauesten unter den Gefolgsleuten galt, muss es nicht unbedingt schlecht sein, wenn ein Comedian, der für einen Oligarchen, der nicht ganz unumstritten ist, arbeitet, die Macht übernimmt. Der Narr weiß, dass man mit Schmeichelei viel erreichen kann. Manchmal klappt es trotz größter Anstrengungen nicht, das Erwünschte zu erreichen, was Trumps Elogen auf Kim zeigen. Vermutlich lag es daran, dass alle glaubten, er würde es Ernst meinen. Ein guter Narr lässt aber seinen König spüren, dass er sich über ihn lustig macht. Wenn auch nur ein wenig.

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Rammstein rettet ein Klischee, Greta die Welt,

und das macht Greta so herrlich unaufgeregt, ja richtig majestätisch (wenn Greta nicht bekannte Eltern hätte, würde ich glauben, dass Labor, das sie geschaffen hat, muss sich der DNA Queen Victorias bedient haben), dass niemand fürchten muss, sie selbst könne bei einem Fehlschlag ihrer Mission Schaden nehmen. Könige und Königinnen scheitern natürlich auch, aber im Gegensatz zu uns Normalbürgern tun sie das in Würde. Wer geglaubt hat, „ihre Royal Highness“ würde die deutschen Schüler in den Schatten stellen, sah sich gestern eines Besseren belehrt – wie Greta geben sie Interviews in englischer Sprachen, das selbst der Tagesschau, was die Macher der Sendung stolz gemacht haben muss, denn sonst hätten sie das Gespräch nicht ausgestrahlt. (Ich wage nicht, mir auszumalen, wenn bei der nächsten Demonstration die Schüler darauf bestehen sollten, die Fragen in Mandarin zu beantworten. Dann muss die ARD wohl ihren Korrespondenten aus Peking per Skype zuschalten, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.) Womit ich bei Rammstein wäre, für die alleine der Hinweis, sich anmelden zum müssen (Youtube), um deren neues Video zu sehen, ein Erfolg ist – eine bessere Reklame kann die Gruppe nicht haben. Dank Colonel Cassad habe ich es dennoch zu deren Clip geschafft. Das Beste an diesem Kurzfilm ist der Abspann – wohltuend temperiert, was nach 5 Minuten visuellem als auch musikalischem Getöse, überteutonisch, wie es sich für die Band gehört, Balsam für die Seele ist. Wer durchhält, muss am Ende an Hölderlin denken. Für die meisten Fans dürfte aber spätestens nach besagten 5 Minuten, in denen der deutschen Mann nach allen Regeln der Kunst verherrlicht wird, Schluss sein. Ironie, geschweige den Selbstironie, ist nicht die Sache Rammsteins (wie es geht, zeigen die Krupps). Nichtsdestotrotz ist die Geschichte gut erzählt. Und zum Ausgleich gibt es ja Greta. Es wäre ja nicht das erste Mal, wenn Schwedinnen die Deutschen dabei unterstützen würden, ihre Selbstverliebtheit in den teutonisches Teil ihres Wesens in den Griff zu bekommen. (Heilen wird man sie davon nie. Aber man kann wenigstens versuchen, das Leiden zu mildern.) Mir fallen da ihre Namensveterin Greta Garbo ein. Oder Ingrid Bergmann, die ja auch für die Ufa gearbeitet hat. Und natürlich Zarah Leander. Fast hätte ich Lala Anderson auch noch hinzugezählt. Die stammt aber aus Bremerhaven.

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Oligarchen ohne Unschuldvermutung,

denn werden Oligarchen verhaftet, halten nur einige unserer hiesigen Politiker es mit Kafka, der seinen Roman „Der Prozess“ mit den Worten beginnt, jemand müsse Franz K. verleumdet haben, denn ohne etwas Böses getan zu haben, sei er verhaftet worden – ein informierter Normalbürger würde nie auf die Idee kommen, dass deren Verhaftung unbegründet sein könnte. Dafür haben Russlands Neureiche einfach zu unverschämt zugegriffen. Nun hat es einen ehemaligen Minister, dem vorgeworfen wird, während seiner Amtszeit insgesamt 62 Millionen $ ins Ausland abgezweigt zu haben, erwischt. Zur Gruppe der Oligarchen kann man sich bei dieser Summe sicherlich nicht zählen. Eine stolze Zahl ist es dennoch, im Vergleich zu Putins Cousin, der 2016 angeblich bei einem offiziellen Monatsgehalt von 700 $ 100.000 am Tag verdient haben soll, sind das eher Peanuts. Da Medien den Eindruck vermitteln, jeder, der eine führende Position in Russland einnehme, sei korrupt, darf nun wieder spekuliert werden, gegen welchen Oligarchen-Kreis sich diese Aktion richtet. Ist Abyzov zu westlich orientiert? Will Putin Medwedev, unter dessen Amtszeit als Präsident er Minister war, eine Lehre erteilen? Sollen die liberalen Wirtschaftsführer in die Schranken verwiesen werden. Es darf munter spekuliert werden. Viel bringen wird es aber nicht. Der Kreml ist so undurchsichtig wie in Sowjetzeiten. Das war beim „Oligarchen“ Trump noch ganz anders – bei ihm wurde nicht über das Zustandekommen des Vermögens gemutmaßt, sondern einzig und allein darüber, in welchem Maße die Russen ihm geholfen haben, Präsident zu werden. Bis zum Sonntag waren den Vorstellungen keine Grenze gesetzt – alles schien möglich zu sein. Die Freunde des Impeachments hofften darauf, dass Putin am Telefon Trump Ratschläge, wie er am besten aus dessen Geheiminformationen über Clinton Kapital schlagen könne, gegeben hat. Bspw. wie er die Information in seiner Kampagne verwenden könne, dass Bill es satt habe, mit Hillary, die vom Ehrgeiz zerfressen sei, sie darum auch alles tun würde, um Präsident zu werden, wegen des Wahlkampf weiter zusammenleben zu müssen. Die Ernüchterung kam Sonntagabend – Putin hat Donald nichts nur nichts geraten, nein, es gibt überhaupt keine Anhaltspunkte, dass Trump die Hilfe irgendeines Russen in Anspruch genommen haben könnte. Der Schock sitzt nun tief bei den Clinton-Demokraten. Aber es kommt noch schlimmer, aber leider nicht für sie – die Propagandamaschine der Republikaner macht sie nicht für das Desaster verantwortlich, sondern jene linken Demokraten, die mit einem eigenen Programm gegen Trumps Politik Sturm laufen. Wer einen „New Green Deal“ anzubieten hat, der braucht nicht auf Mullers Sicht der Dinge zu warten. Es heißt nun nämlich, dass „linke Demokraten“ den Präsidenten auf diese Weise loswerden wollen, sie ihn verleumden würden. Das Establishment ist plötzlich aus dem Schneider. Gibt es in einem Jahr einen Wahlkampf der Rentner ums Amt? Es wäre wirklich schade, wenn dies eine Folge der Muller Untersuchung sein sollte.

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„Us“ – ein Puzzle, Zahl der Teile unbestimmt

„Once upon a time….“ – in „Us“ dauert es eine Weile, bis die Worte, mit denen gewöhnlich ein Märchen beginnt, fallen, aber immerhin kommen sie noch rechtzeitig genug, um sich von den Protagonisten und dem Geschehen nicht vereinnahmen zu lassen, zumal wenn dieses „Es-war-einmal..“ nicht nur als das Gruseligste, sondern auch als das Komischtes (nur Kinsky hätte es geschafft, mich noch mehr zu erheitern) in die Geschichte des Märchens, die seit der Entdeckung des Films fast ausschließlich Hollywood fortgeschrieben hat, eingehen. In „Us“ ist dies zugleich der der Abschluss und Höhepunkt der Ouvertüre zum Gemetzel, über das Sigmund Freud in breitem Wienerisch sagen würde „Was habt ihr nur, so ist das Leben“. Und in der Tat, er hätte vermutlich recht damit, denn Adelaide Erlebnis als Kind – eine Formulierung, die ich gewählt habe, um keine Spoilerwarnung anführen zu müssen – ist so immens, dass sie als Erwachsene mit allen Dämonen der Welt kämpfen müsste, um sich erinnern zu können, was ihr „widerfahren“ ist. Jedenfalls sieht es Regisseur Peele so. Ich bin kein Psychologe, um beurteilen zu können, ob Peele die Suche nach dem ausgeblendeten Ich zur richtigen Zeit beginnen lässt – ausgerechnet als es sie geschafft hat (Adelaide hat einen reichen Teddybären zum Mann sowie zwei aufgeweckte Kinder), holt sie die Vergangenheit, über die sie gar nichts mehr wusste, ein. Es ist, als ob ein Mechanismus, der einen Erinnerungsprozess auslöst, sich in Bewegung setzt, sobald das Unterbewusstsein diese „Erfahrung“ nicht mehr als Gefahr einstuft. Für mich klingt das plausibel. Warum erzähle ich das? Weil „Us“ kein Horrorfilm des Genres wegen ist, die Gewalt also durchaus Sinn macht bzw. es Gründe dafür gibt. Mir scheint, dass Peele versucht, mit „Us“ die Zuschauer, als uns, in die Adelaide Rolle zu drängen – gebannt schauen wir dem Film zu, ohne darüber wirklich nachzudenken, warum die Charaktere so sind, wie sie sind. Dem Zuschauer bleibt also nichts anderes übrig, als sich nach dem Ende des Films die Dinge zusammenzureimen. „Us“ ist ein Puzzle, bei dem alle Steine ineinander zu passen scheinen, wobei ich mir nicht anmaße, alle gefunden zu haben. Wer weiß, vielleicht geht es mir wie Adelaide, und mein Bewusstsein fördert noch den einen oder anderen Stein, den ich übersehen habe, zutage.

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Bercow – ein neuer Robin Hood?

Wie werden Historiker in 30 Jahren über Bercow alias „Oorder“ urteilen? Natürlich werden sie ihn loben, denn anders als unsere Journalisten, deren Artikel über ihn einen Unterton aufweisen, der erkennen lässt, dass man ihm nicht sonderlich wohlgesonnen ist, haben sie die nötige Distanz, dessen Vorgehen vorurteilsfrei beurteilen zu können – wenn alle darüber stöhnen, wie schwer es ist, ständig das Hamsterrad zu bewegen, heißt das noch lange nicht, dass jemand, der es zum Stehen bringt, bejubelt wird. Genau das hat Bercow getan – die Maschinerie, zu der May das Parlament gemacht hat, ist vorerst gestoppt. Sie kann es nicht per Knopfdruck mehr für ihre Dienste anschalten. Ihr Versuch, aus Parlamentariern Fließbandarbeiter ist grandios gescheitert, und das nicht weil ihnen es zu langweilig ist, immer das Gleiche zu machen, sondern es einfach keinen Sinn macht, solange über ein Gesetz solange abzustimmen, bis die Abgeordneten klein bei geben und es entnervt durchwinken. Bercow hat die Ehre der Abgeordneten wiederhergestellt. Angesichts der Bedeutung des Brexits ist ihm ein Eintrag in die Geschichte schon sicher. (Colonel Cassad hat heute über einen tschechischen Hauptmann, dessen Truppenteil als einziger den Deutschen bei ihrem Einmarsch Widerstand leistete, berichtet. Weder über das „tschechische Brest“ als auch über Pavlik habe ich etwas im Netz gefunden.) Ob es mehr wird, kann heute niemand sagen. Im Augenblick haben es alle sehr eilig (zu sehr, wie ich meine) – das Abkommen muss unbedingt durch, koste es, was es wolle. Dabei verstehen die hiesigen Politiker es geschickt, den Eindruck zu vermitteln, sie wären nur noch mit dem Brexit beschäftigt. Das stimmt natürlich nicht – Europa verlässt sich auf völlig auf Barnier. Was er aushandelt, wird abgenickt. Für die Zustimmung des Abkommens mit May haben die Regierungschefs nur wenige Minuten gebraucht. Europa hat praktisch die Verhandlungen outgesourct. Bequemer geht es wirklich nicht. Wenn da eben nicht Bercow wäre, der mit seiner Entscheidung, eine dritte Abstimmung über das (gleiche) Abkommen im Unterhaus nicht mehr zuzulassen, alles durcheinandergebracht hat. Und es sieht so aus, als ob Europa dank Barnier seine Verhandlungstaktik, die darin besteht, ihn machen zu lassen, nicht zu ändern braucht. Dass ausgerechnet Bercow (ein Tory, der sein Mandat niedergelegt hat) seine Parteifreundin zu mehreren Canossa-Fahrten in zwei verschiedene Ort zwingt, hätte sich bis gestern auch niemand vorstellen können. Brüssel und London sind die Orte, wo May Buße tun muss. Dann heißt es im Unterhaus wieder „Oorder“, gefolgt von der Bitte an Labour, Mrs. May nicht nieder zurufen – auch sie habe das Recht, gehört zu werden.

PS: Fast hätte ich die obligatorischen Buchmesselinks vergessen.
https://www.das-blaue-sofa.de/veranstaltungen/leipziger-buchmesse-2019/do/
https://www.mdr.de/kultur/buchmesse/events/index.html
http://www.lvz.de/Thema/Specials/Leipziger-Buchmesse/LVZ-Autorenarena

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Über O’Tacos und Sauerkraut-Tacos

Würden Sauerkraut-Tacos das Ende des Burger Imperialismus einläuten? Dazu müssten sie erst einmal erfunden werden, was an der Aufgabe, den Burger Kolonialismus zurückzudrängen (eine pathetische Unabhängigkeitserklärung, die besagt, das er das Land verlassen habe, wird es wegen vielen McDonalds-Jünger, die sich von ihn haben korrumpieren lassen, nie geben), noch die leichteste Übung ist – Curry, Curcuma und Muskat machen das Kraut zu einem kosmopolitischen Gericht, das auf allen Kontinenten gegessen wird. Einzig und allein das Klima – rohes Sauerkraut am Äquator zu verkaufen wäre eine der schlechtesten Geschäftsideen, die man haben kann – könnte den globalen Erfolg des Kraut-Tacos verhindern, wenn da nicht unsere Essgewohnheiten wären – diese Art der Tacos machen nicht satt, sondern hungrig, was selbst eingefleischte Vegetarier, die glauben, sie würden mit ihrem Vegetarismus der Welt einige Zehntel Grad ersparen, zugeben müssten. Während die Afrikaner und Vegis sich mit einem Sauerkraut-Kochbananen-Taco zufrieden geben würden (ich vermutlich wegen der Gewürze auch), ist der normale Europäer wesentlich anspruchsvoller, jedoch nicht lernresistent, wie der Erfolg O‘Tacos in Frankreich zeigt. Die verkaufen keine großen Brötchen mit viel Fleisch, sondern mit einer „dose de viande“, was den Anschein erweckt, dass die Tacos nicht nur satt machen, sondern es sich auch um eine Medizin, die vermutlich alle Krankheiten bekämpft, handeln muss. Das Fotos des Guardians, das uns einen Einblick in das Innenleben eines französischen Tacos ermöglicht, lässt erahnen, dass man dieses Produkt wahrlich nicht als Medizin bezeichnen kann. Dafür macht es satt, satter als es je ein Burger vermag. Deshalb ist es auch so beliebt in Frankreich. O‘Tacos hat sogar für jedes seiner Produkte einen (siehe Einstiegsseite). Ganz ohne Amerika geht es aber dann doch nicht – auch Coca-Cola wird besungen. Ich bin gespannt, wann es die Franzosen nach Deutschland verschlagen wird. In Brooklyn ist man ja schon. Dass ausgerechnet in Frankreich, über das gesagt wird, die Leute dort hätten keine Lust, sich als Unternehmer auszuprobieren, sich eine Kette, die McDonalds den Rang abzulaufen scheint, bilden kann, ist schon erstaunlich. 2007 ging es los. Laut Wiki arbeiten in den Franchise-Ablegern rund 1000 Leute. Nun ist es an der Zeit für deutsche S-Tacos. Alle Zutaten natürlich als Dosis. Ziel ist es, ein Produkt an den Markt zu bringen, das sowohl gesundheits- als auch klimaneutral ist. Und was natürlich schmeckt. Und satt macht.

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