Bye, Bye, Mammut – das war es wohl für Dich

Und wenn entgegen aller Widrigkeiten und Rückschlagen Wissenschaftler doch noch in der Lage sein sollten, ein Mammut aus gefrorener DNA zu erschaffen, dann kommt es viel zu spät – genau jetzt hätten wir das Tier brauchen können, besser noch ein paar Dutzend, die samt ihres Nachwuchs in diesem Sommer in Sibirien grasen. Leider interessiert sich die Wissenschaft erst in jüngster Zeit für sie. Ein Fehler, denn nichts hätte die Menschen – und ganz besonders Kinder – glaubhafter klarmachen können, dass der Klimawandel eine ernsthafte Angelegenheit ist, als ein Mammut, das vor den Feuern, die in Tundra herrschen, wegrennt. Was bei den Dinosauriern noch ein Trick ist (um die in Bewegung zu setzen, lassen die Filmmacher einen Supervulkan ausbrechen oder einen Meteoriten auf die Erde treffen), wäre hier die Realität – ein Herde stampfender Mammuts, die im rasenden Tempo der Gefahr, die von der Brandwalze ausgeht, flieht. In einer Zeit, in der Dokus, anders als noch vor 60 Jahren, als Grzimek („Steinlaus“) mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ auf ein breites Echo stieß, nichts mehr zu bewirken scheinen, müssen dramatische Szenen, die die Leute aufrütteln, her. Wenigstens würden die Kinder dieser Welt ermutigt werden. Was braucht es mehr, etwas gegen den Klimawandel zu tun, als Mammuts, die um ihr Leben kämpfen (da wäre selbst Greta chancenlos)? Wie bspw. sich nicht mehr von Mutti im Chelsea Tractor zur Schule kutschieren zu lassen. Oder sich überhaupt zu weigern, in solch ein Ungetüm einzusteigen. Während die Eltern mit dem Tractor an die Ostsee fahren, reisen deren Kinder mit dem Zug an. (Schön wäre es, sein Gepäck bei sich zu haben. Aber das wäre wohl ein bisschen zu viel verlangt. Nicht alle sind wie Greta, unsere moderne Vorzeige-Heilige.) Da die Brände in Sibirien mangels wachrüttelnder Bilder nichts bewirken werden, bleibt uns nicht anderes übrig, als auf die Weisheit und die Durchsetzungsstärke unserer Politiker zu vertrauen. Wer im Fernsehen verfolgt hat, wie sich Merkel und von der Leyen diese Woche in Brüssel begrüßt haben, wird nicht umhin kommen, festzustellen, dass wir uns da keine Hoffnungen machen dürfen – es war, als ob sich zwei Frauen nach dem Lockdown erstmals wieder zum wöchentlichen Klatsch in der angesagtesten Konditorei der Stadt getroffen hätten. Da war wenig Schwung und Elan zu spüren, vom Willen, die Menschen mitzureißen, ganz zu schweigen. Oder wenigstens zu überzeugen. Die werden ja heutzutage auch mitgenommen. Aber wer würde schon bei Merkel und von der Leyen einsteigen wollen?

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Kino – es geht auch ohne Blockbuster

Wer je am Mut des Blogs gezweifelt hat, wird jetzt nicht umhin können, zu bestätigen, dass er es mit jedem Filmheld aufnehmen kann – der Blog war im Kino, was in normalen Zeiten stinknormal wäre, jedoch heute an eine Heldentat grenzt, denn bei einer Befragung von Virologen, was sie bereits wieder zu tun pflegen, landete das Kino knapp vor dem Theater und Konzert auf dem vorletzten Platz – gerade einmal 3 von 17 bejahten, diese wieder zu besuchen. Die geringere Anzahl jener, die einen Besuch von einem Impfstoff abhängig machen, hat den Ausschlag für die bessere Platzierung gegeben. Aber wenigstens haben einige die Absicht, in den nächsten Monaten zu gehen. Es wird auch Zeit, denn auf dem Weg zum Saal war niemand zu sehen, so dass ich fast fürchtete, alleine den Film schauen zu müssen. Leser des Blogs wissen, dass ich dann immer Gewissensbisse bekomme, weil der Führer und Stalin die Filme ganz für sich alleine hatten. Richtig ernst wird es wohl erst, wenn sich das zur Phobie entwickeln würde, bspw. in der Art, während der Vorstellung informiert zu werden, dass die Russen durch die Front gebrochen sein. Da will ich natürlich bessere Antworten liefern als der Führer, für den es nur eine Erwiderung gab – die Stellungen müssen bis zum letzten Mann gehalten werden. (Noch schlimmer wäre es, sich davor zu fürchten, auf Russisch angesprochen zu werden. Da würde sich mich sofort in den Gulag schicken.) Zum Glück waren aber doch ein paar Leute im Saal. Und dann war ja noch der Film, der den beiden keine Chance gab, sich in mein Bewusstsein hineinzuschleichen. Höchstens jemand, der das Geräusch, das Hupfdohlen (Stepdancer) zu erzeugen pflegen, mit jenem im Verbindung bringt, das eine im Stechschritt marschierenden Kompanie macht, läuft Gefahr, während der Vorstellung durchzudrehen. Ja, ich war in einem Musical. Aber nicht in irgendeinem, sondern in „Singin‘ in the Rain“. Mein erstes Musical (abgesehen von einem in einer Nachmittagsvorstellung am Broadway, das mir nur in Erinnerung geblieben ist, weil es dort extrem voll war und ich zwischen lauter Frauen, die meine Vorstellung, dass Doris Day die typisch amerikanische Hausfrau sein müsse, arg ins Wanken brachten, saß), das ich von der ersten bis zur letzten Minute verfolgt habe. Und ich habe es nicht bereut, ja mich sogar recht gut unterhalten. Klassiker am Sonntag nennt sich die neue Reihe, die mein Kino nun anbietet. Ich kenne es aus England. Da die Betreiber von dort kommen, ist zu vermuten, dass sie es importiert haben. Diese Woche läuft „Dr. Schiwago“. Da bleibt mir nur, auf die übernächste Woche zu hoffen. Vielleicht kommt da Doris Day. Mit Niven als ihren Mann. Eines ihrer Kinder muss in einem vergitterten Bett schlafen. Das war noch Kino.

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An der See – fast so wie in einem DDR-Sommer

Damals, also in DDR-Zeiten, fuhren wir in den Sommern noch regelmäßig an die See, was mir 30 Jahre lang entfallen war, aber dank einer Dame aus Gütersloh, die diese Woche Schlagzeilen machte, weil man sie aus dem vermeintlichen Paradies zurück in ihr verseuchtes Schlachthofrevier geschickt hat, ist mir es wieder bewusst geworden – damals hat kaum jemand seinen Urlaub an der Ostsee verbracht. Die meisten von uns waren an der See. Ein Psychologe würde urteilen, ich sei darauf gekommen, weil die Frau, die von Ostsee sprach, gar nicht den Menschen, mit denen ich an der See war bzw. denen ich da begegnet bin, entspricht. Daran mag etwas dran sein. Je kürzer der Name, desto näher fühlt man sich zu dieser Person oder diesem Ort hingezogen (die unzähligen „Mausis“ und „Hasis“ belegen diese Theorie eindrucksvoll). Während ich ehrlich gesagt überhaupt keine Lust auf die Ostsee habe, muss ich die See noch mögen, was sehr beruhigend ist, zumal die Rentnerin aus Gütersloh in einem Interview in der hiesigen Regionalzeitung den Eindruck vermittelt, es habe sich nicht viel verändert. Das ist vermutlich falsch. Vielmehr sieht es so aus, als sei wegen Corona die DDR für diesen Sommer an die See zurückgekommen – sie sprach davon, dass man sie in eine heruntergekommene Wohnung, die sie übers Telefon buchte, einquartiert habe. Das ist sehr DDR-verdächtig. Damals hätte sie sich die Wohnung nur mit ein oder zwei Familien teilen müssen (sofern es überhaupt Ferienwohnungen gab). Der FDGB, über den die Reisen liefen, mietete alles an, was ein Dach hatte. Wenn mich der Eindruck nicht trügt, was das das einzige Kriterium, das ein Vermieter erfüllen musste, um Gäste beherbergen zu können. Schön war es trotzdem, auch weil es nicht viel kostete, ja eigentlich der Urlaub geschenkt war. Und da man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, ist über den schlechten Service großzügig hingesehen worden. Dieses Glück hat die Frau aus Gütersloh nicht. 600 € hat sie in den Sand Usedoms gesetzt. Wäre sie mal lieber 30 Jahre früher an die Ostsee bzw. See gekommen. Damals hätte sie sich über eine frühzeitige Abreise nicht zu ärgern brauchen. Vermutlich wäre die auch spannender verlaufen – Szenarien gibt es reichlich.
Am Rande – wie wäre es um die Deutschen bestellt, wenn ihre Vorfahren an einem Meer oder gar an einem Ozean gelebt hätten?

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Das hat sich Tönnies ganz anders vorgestellt

Statt in seiner Loge auf Schalke in der Pause damit anzugeben, was er sich hat alles einfallen lassen müssen, um Neymar zu holen – goldene Steaks aus dem Haus Tönnies für die ganze Familie (mindestens 100 Leute), kostenloses Grillfleisch für die Bewohner des Stadtteils Praia Grandes, in dem er aufwuchs – muss er nun sein Geld – es wird gemunkelt, Tönnies sei bereit gewesen, 400 Mill. € für S04 locker zu machen – in Dinge wie Corona-Tests, bessere Unterkünfte für seine Schlachter und höhere Löhne stecken. Als Fan bin ich nicht sonderlich traurig darüber, ihn nie auf Schalke spielen zu sehen – für mich ist er zu launisch, zu zickig und überhaupt nicht mannschaftsdienlich, Aber wer weiß, vielleicht würde er in Gelsenkirchen das Malochen lernen. Der Umweltschützer in mir fände es natürlich toll, wenn mein Verein mit der Verpflichtung, deutsches Grillfleisch nach Brasilien zu schicken, zur Rettung des Regenwaldes des Amazonas beitragen könnte. Es kann also immer noch schlimmer kommen, als man glaubt, sprich die Verhältnisse, die bisher bei Tönnies geherrscht haben, können unterschritten werden. Der Import brasilianischen Grillfleischs wäre ein neuer Tiefpunkt. Im Augenblick holzt Brasilien gewaltig ab, um Platz für Soja zu schaffen. Das wird ans Vieh verfüttert, das dann bei uns landet. Vermutlich bekommen das die Brasilianer viel billiger als Tönnies hin. Während die Regierungen zusehen, wie im Amazonas in jedem Monat ein neuer Rekorde in puncto Rodung aufgestellt wird (im Mai ging eine Fläche, die 14 mal so groß wie Manhattan ist, verloren), haben Investoren, meistens Pensionsfunds, einen Brieg, in dem sie fordern, den Holzeinschlag zu stoppen, an die brasilianische Regierung geschrieben. Vermutlich kommt ihre Forderung zu spät. Sie hätten schon vor 10 Jahren damit drohen sollen, nur im Land zu investieren, wenn die Rodungen aufhören. Das Problem ist nur, dass die Industrieländer keine Vorbilder sind. Sie zerstören die Umwelt nur auf subtilere Art. Eine Ende ist nicht in Sicht, denn nur ein Bruchteil der riesigen Summen, die die Staaten für die Sicherung ihrer Wirtschaft ausgeben, wird für umweltfreundliche Projekte und Technologien verwendet. Getreu dem Spruch, dass Totgeglaubter länger leben, muss der Corona-Skandal nicht das Ende für Tönnies bedeuten. Vielleicht gibt es sogar ein Happyend wie in Hollywood, das in der Schlagzeile mündet, dank Mehrwertsteuersenkung kann Tönnies sich nun doch Schalke und Neymar leisten. Ein Albtraum zum Jahreswechsel.

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Amthor kann noch Bundeskanzler werden

Wenn Amthor sich mit dem Ziel hat hofieren lassen, endlich nicht mehr zu denen zu gehören, über die jeder denkt, er könne eine Figur in einer der Lausbubengeschichten Ludwigs Thomas sein – als obligatorischer Sommergast aus dem geliebten Preußen, auf den sich die Dorfjugend Wochen vor dem Beginn der Ferien freut, weil man ihn so herrlich veralbern kann –, dann hat er es erreicht – während er in Meckpomm ein Outlaw ist, kann er sich nun beruhigt nach Bayern zurückziehen, wo er seit einer Woche als Spezi gilt, was natürlich etwas übertrieben ist, denn Amthor ist erst einmal ein Spezi-Kandidat mit viel Potential nach oben. Und herrlich gesagt schaut er jetzt auch ein wenig anders aus als noch vor 3 Wochen, als man nicht umhin konnte, an Diederich Heßling zu denken, wenn man ihn im Fernsehen sah. Irgendwie scheint ihm durch den Skandal sein notorisch besserwisserischer Gesichtsausdruck abhanden gekommen sein. Es ist, als habe er seinem Gesicht ein Lifting bzw. eine Feinjustierung gegönnt. In Bayern wird man kein Spezi wegen seines Gesichtes, sonders seines Charakters. Und da hat Amthor bewiesen, dass er einen hat. Der Mann ist nicht vor die Presse getreten, um weinerlich einen Text abzulesen, auf dem steht, er bereue inständig, dass er sich durch eine Firma, deren Geschäftsführer die großen Begabung zu haben scheinen, reichen Leute das Geld aus der Tasche zu ziehen, habe verleiten lassen, dem dolce Vita zu frönen. Dann verspricht er uns hoch und heilig, dass dies nicht mehr vorkommen werde. Solche Reden scheinen nicht die Sache Amthors zu sein. Da ist er in guter Tradition. Helmut Kohl bis zu seinem Tod sich beharrlich geweigert, zu sagen, wer Bimbis für seine Partei spendete. Er habe ihnen versprochen, nichts zu sagen. Daran hat er sich gehalten. Das mögen die Leute. Das weiß auch Amthor. Und da er ähnlich wie Kohl zu ticken scheint, sollte es ihm nicht schwerfallen, die nun anstehende Durststrecke zu überstehen. Der Weg nach oben ist fürs Erste versperrt, was nicht unbedingt schlecht sein muss, bietet sich doch nun die Möglichkeit für ihn, sich von Merkel zu emanzipieren. Durch seinen Verzicht auf den Landesvorsitz braucht er sich nicht nachsagen zu lassen, er verdanke seinen Aufstieg ihr. Aussitzen ist nun angesagt. Wie beim Herrn mit dem Bimbis.

Ein Auftragsmord der Nachfolger des KGBs? Das wird schwierig, zu beweisen, denn anders als noch vor fast 80 Jahren, als der NKWD sich keine Mühe gab, zu verbergen, dass er Trotzki ermorden lies, bleiben nun die Männer in den langen Mänteln außen vor. Warum bei einer Vermutung der Bundesstaatsanwaltschaft, der Staatsapparat könne den Mord angeordnet haben, mit Strafmaßnahmen droht, bleibt sein Geheimnis. Im Augenblick ist Russland ein leichtes Opfer. Wenn man das Land auf eine Stufe mit der Mafia und den Clans stellt, dann muss man ihm zugestehen, nur Morde in Auftrag zu geben, bei denen man sich sicher ist, dass sie keine Racheakte hervorrufen werden. Die hier lebenden Tschetschenen scheint der Mord nicht sonderlich mitgenommen zu haben. Dass die Dinge in eine völlige andere Richtung verlaufen können, zeigen die Unruhen in Dijon – hier soll eine tschetschenischer Junge attackiert worden sein, was seine Landsleute veranlasste, selbst für Gerechtigkeit zu sorgen.

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Oldtimer – von einem Tag zum anderen,

aber da ich seit mindestens 10 Jahren weiß, dass ich ein Oldtimer bin – meine Handy wird oder ist, so genau weiß ich es nicht mehr, in diesem Jahr 15 –, macht es mir nichts aus, das nun offiziell bestätigt bekommen zu haben. So ein altes Gerät hat den Vorteil, dass man gar nicht erst in Versuchung kommt, die Corona-Warn-App zu laden. Anders ist das jedoch bei Leuten, die wirklich geglaubt hatten, die App könnte ihnen weiterhelfen, dann aber heute feststellen mussten, dass ihr Smartphone mit dem Warngerät, um das ein Hype entfacht wurde, dass man annehmen konnte, es würde immun machen, nichts anzufangen weiß. Lt. Spiegel soll die Zahl jener, deren Smartphone zu alt ist – im Schnitt wohl nicht älter als 5 –, in die Millionen gehen. Da bleibt nur, der Bundesregierung zum Zeitpunkt der Mehrwertsteuersenkung zu gratulieren, dann im Gegensatz zum Oldtimer, der sich nur widerwillig von seinem Gefährt trennt, tun sich die Besitzer von Handys, die noch ein paar Jahr Dienst schrubben müssen, um eine ebenbürtige Aura zu erlangen, leichter, diese loszuwerden. Und wenn man dann noch das Glück hat, vielen Trabants, Wartburgs, Moskwitschs, Wolgas, Saporoshezes‘ (der BMW des Ostens, weil er den Motor hinten hatte) etc. zu begegnen (dieses Schicksal ist mir vergönnt), dann braucht man nicht mal fürchten, aus dem Supermarkt oder der Kneipe verbannt zu werden. Die Verbannung könnte lt. SZ allen drohen, die keine App haben. Als Smartphone-Verächter muss ich mir, so hoffe ich, da keine Sorgen machen. Wo ich wohne, hilft die Warn-App nicht weiter. Sie würde auch nicht helfen, wenn jeder eine hätte. Welcher Rentner schafft es schon, sich im Abstand von weniger als 2 Minuten 15 Minuten lang zu unterhalten? Das schaffen nur junge Oldtimer wie ich. Rentner unterhalten sich nicht so lange. Höchstens wenn sie jemanden treffen, denn sie vor Jahren zum letzten Mal gesehen haben, könnten die 15 Minuten, die darüber entscheiden, ob beide Handys miteinander Kontakt aufnehmen, überschritten werden. Das wirft natürlich die Frage auf, warum das Virus so lange braucht, um jemanden anzustecken. Vielleicht muss es erst herausfinden, ob ihm die Person sympathisch ist. Das dauert natürlich. Damit unterscheidet es sich von uns Menschen – wir entscheiden in Sekundenbruchteilen, wen wir mögen und wen nicht. Daher werde ich ab heute versuchen, mich nur noch mit Leuten zu unterhalten, die ich nicht leiden kann – in der Hoffnung, dass es auf Gegenseitigkeit beruht und so mich der Virus verschmäht.

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Umweltzar wider Willen, und das bis ins hohe Alter?

Zar zu sein und ab und an dem Volk zu zeigen, dass er auch einen bodenständigen Beruf ausüben könnte – früher war ein guter Zar ein Zimmermann, heute ist er ein ausgezeichneter LKW-Fahrer, dem man sich bedenkenlos anvertrauen kann – , reichen nicht mehr, um als Erneuerer in die Geschichte des Landes einzugehen. Wegen der Folgen des Klimawandels sollte jeder, der die Chance, einer zu werden, sich vornehmen, Umweltzar zu werden. Nur die können noch Geschichte schreiben, die man in 100 Jahren wohlwollend beurteilen wird. Aber hat Putin noch das Zeug zum Umweltzar? Ihm wird gar nichts anderes übrig bleiben, als einer zu werden, denn im Augenblick reißen ausgerechnet die Hiobsbotschaften aus dem Norden, dazu auserkoren, Russlands Gas- und Ölexporte in den nächsten Jahrzehnten sicherzustellen, nicht ab. Während die Wehrmacht es trotz größter Anstrengungen nie schaffte, den Betrieb auf der Murmanbahn, über die der Nachschub der Alliierten lief, zu unterbrechen (im Nachhinein war wohl einer der größten Fehler des Barbarossa-Plans, Murmansk nicht gleich am 22.06. angegriffen zu haben), hat die Schneeschmelze, die es in diesem Jahr besonders eilig hat, eine Brücke zerstört. Ende Juni soll eine Ausweichroute fertig sein.
Da Murmansk abgeschnitten ist, wurde der Notstand ausgerufen. Einige Wasserkraftwerke einer Kaskade stehen unter Wasser. Und dann gibt es noch einen Ölteppich, über den selbst die Tagesschau berichtete – wegen des tauenden Permafrostbodens lecke ein Tank. Material- und Imageschaden schätzt der Kreml so hoch ein, dass der Chef des Nationalen Sicherheitskomitees verkündet hat, nun die Sache in die Hand nehmen zu wollen. Ob Umweltzar aus Überzeugung oder weil er nicht will, dass Russland im Ausland nicht mit Brasilien, dem Primus unter den Klimasündern, verglichen wird – Hauptsache, es tut sich was. Der beste Weg, Umweltzar zu werden, wäre, zu verhindern, dass weiter Unsummen in der Arktis und im Frostboden, der im Sommer zu Pudding wird, versenkt werden. Anders als die meisten Ölländer, die auf die Einnahmen des schwarzen Goldes, das seinen magischen Mythos längst verloren hat und unter den Ökos als Pech, das die Erde abfackelt, gilt (überlege gerade, ob der der Glöckner von Notre Dame die Diebe auch damit beschüttete), sind die Russen nicht unbedingt auf das Öl angewiesen. Wer es schafft, als zweites Land ein Medikament gegen Corona zu entwickeln, dem sollte es gelingen, sich davon loszusagen. Avifavir heißt das Mittel, das Covid besiegen soll. Es ist jetzt zugelassen worden. Dessen Wirkung soll recht gut sein. Da die Infektionsraten hierzulande im Augenblick ziemlich niedrig sind und der Blog damit liebäugelt, sich in Gefahr zu begeben, wäre es natürlich interessant, zu wissen, ob der Stoff auf prophylaktisch wirkt, nach dem Motto an apple a day keeps the doctor away. Ganz billig würde eine Vorsorge wohl nicht werden. Aber erst einmal brauchen die Russen das Medikament. Im Mai sind in Moskau 60 % mehr als vor einem Jahr verstorben.

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Die neuen Bilderstürmer – Statuen statt Bilder

Sie sind wieder da, die Bilderstürmer, und das fast so spektakulär wie die alten – das kurze Video über den Fall Colstons gibt eine Vorstellung, was sich abgespielt haben muss, als die Reformatorischen (kurz Evangelisten) das oftmals einzig Schöne, zudem sie Zugang hatten, zerstörten. Gott sei Dank hat Bristol, wo dessen Statue stand, mehr zu bieten (Der Blog war dort. Leider ist diese Statue ihm nicht im Gedächtnis geblieben. Wenn doch, hätte er mit dieser Person nichts anzufangen gewusst. Dass Bristol seinen Reichtum dem Sklavenhandel verdankte, war ihm höchstens unterschwellig bewusst.) Aber sind das auch die Nachfolger der Bilderstürmer, die vor knapp 500 Jahren die Kirchen leergeräumt haben? Oder ähneln sie bspw. eher jenen, die kurz vor dem Einmarsch der Alliierten schnell die Hitler-Porträts von den Wänden genommen haben? Gerade noch rechtzeitig, um sich beim Eintreffen der Befreier an den Führer nicht mehr erinnern zu können. Aus den Augen, aus dem Sinn, das binnen Minuten. Während bei den Deutschen, wie die Nachkriegsgeschichte zeigt, wenig dafür spricht, die vielen Führer-Bilder wegen großer Gewissensbisse entsorgt zu haben, kann man den Statue-Entsorgern durchaus bescheinigen, es unerträglich empfunden zu haben, dass ihre Stadt mit einem Denkmal einen Sklavenhändler huldigt. Das Denkmal sollte schon lange weg. Die Proteste wegen des Todes Geoge Floyds ließen das Fass nur überlaufen. Aber wäre es nicht besser, mit einem schlechten Gewissen zu leben, wenn man an ihm vorbeigeht, als nun Genugtuung über dessen Demontage zu spüren? Erstaunlicherweise sind auf dem Video fast nur Weiße zu sehen. Dabei stände es doch den Schwarzen zu, ihn vom Sockel zu stürzen. Wie fühlt eigentlich ein Schwarzer? Macht es ihn stolz, es trotz Colstons geschafft zu haben? Oder gerade wegen ihm, als Ansporn, mehr zu sein als jemand, der Arbeiten ausführt, die kaum Anerkennung finden. Es bleibt der fade Beigeschmack, dass mal wieder ohne sie Geschichte gemacht wurde. Die Verlockung, ihn loszuwerden, war zu groß. Einmal Bilderstürmer sein. Und dafür nicht bestraft zu werden. Der Blog hätte sicherlich mitgemacht. Vielleicht lässt die Stadt die Statue bergen. Colston kommt wieder an seinen alten Platz, diesmal aber liegend.

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Die schwäbische Hausfrau – jahrelang bedrohte sie

jeden, der forderte, der Staat müsse mehr Geld ausgeben. Die schwäbische Hausfrau wurde so oft bemüht, dass die meisten, die die Austeritätspolitik der Merkel-Regierungen in Frage stellten, sich wünschten, vom Damoklesschwert erschlagen zu werden (ein Schwert im Dauereinsatz), als ständig sich anhören zu müssen, wie sparsam und tüchtig sie doch sei. Nur weil kaum jemand wusste, dass eine schwäbische Hausfrau diese Woche mit der Kanzlerin über das Konjunktur- bzw. Ausgabenpaket verhandeln würde, ist uns eine Panik erspart geblieben. Die wäre, nach allem was wir wissen, auch völlig unangebracht gewesen. Ist die schwäbische Hausfrau womöglich besser als ihr Ruf? Der Blog keine seine Leser beruhigen – trotz der immensen Ausgaben, die sie abgesegnet hat, braucht sich niemand gänzlich vom liebgewonnenen Klischee zu verabschieden. Guten Gewissens kann er sie noch für kleinlich halten. Die Senkung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel ist ein kleinkariertes Vorhaben, da ausgerechnet die Firmen, die unter dem Lockdown kaum zu leiden hatten, gefördert werden. Außerdem hieß bisher, Lebensmittel seien viel zu billig, es würde zu viel weggeworfen, die Bauern verdienten nichts etc.. Aber da die große Steuer runtergehen muss, darf die kleine nicht fehlen. Den wirklich notleidenden Branchen hilft das nicht weiter – Kinos, Buchläden, Restaurants müssten von der Steuer befreit werden. Sicherlich gibt es noch viel mehr. Wo war die gefürchtete Pedanterie der schwäbischen Hausfrau während der Verhandlungen? Statt jeden Posten durchzugehen, wie sie es mit jedem gewöhnlichen Einkaufsbon, selbst wenn er nur einen Posten hat, zu tun pflegt, hat sie Kürzungen, die für alle gelten, durchgewunken. Wenn das mal nicht ein schwerer Fehler war. Der Blog kann ihr, auch um den Eindruck zu vermeiden, sie würde sich nur für das Essen und Trinken interessieren, nur raten, noch einmal bei unserer Bundeskanzlerin vorzusprechen. Schlöndorff, der Merkel gut kennen will, wird ihr schon sagen, wie prekär dort die Lage ist. Und dann gibt es noch das Klimapakt, das komischerweise der Bekämpfung der Folgen des Virus‘ zugerechnet wird, was natürlich nicht stimmt, da es bereits 10 oder gar 15 Jahre überfällig ist. Hätte es das früher gegeben, wären vermutlich die Autohäuser dank der Abwrackprämie gut damit beschäftigt, Anfragen bzgl. E- und H2-Autos zu beantworten. Apropos Wasserstoff – der Plan, groß in diese Technologie einzusteigen, ist die eigentliche Überraschung im Konjunkturpaket. Vermutlich hat deren großzügige Förderung die Autoländer davon abgehalten, an der Kaufprämie für alle Fahrzeuge festzuhalten. Für die Autohersteller könnte es nun Sinn machen, H2-Autos zu entwickeln. Vielleicht sind die irgendwann mal billiger als ein Tesla.

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Der Law und Order Mann muss noch üben

Law und Order à la Trump – wer vorige Woche, nach dessen markigen Worten, die Vorstellung gehabt hat, einen Präsidenten anzutreffen, der wie Gary Cooper Punkt 12:00 Uhr (bei ihm nachts, weil mittags eh sich keiner ins Weiße Haus trauen würde) ins Freie gehen würde, um Leute, die sein geliebtes Zuhause (für ihn mittlerweile ein kleines Versailles, aus dem er freiwillig nicht mehr raus will) stürmen wollen, persönlich dingfest zu machen, ist nun eines Besseres belehrt worden – der Präsident hat sich, als es draußen lauter wurde, in seinen Bunker verzogen. (Der Kanzler der Einheit war da ganz anderes Kaliber – der hätte die Ruhestörer schon längst in die Flucht geschlagen.)„Bunker Bitch“ nennen seitdem ihn seine Gegner. Aber lieber schlechte Schlagzeilen als überhaupt keine. So unberechenbar der Law und Order Mann Trump auch ist, eines bestätigt er jeden Tag auf das Neueste – er schafft es immer wieder, sich richtig unbeliebt zu machen. Heute hat er es sich mit der katholischen Kirche verscherzt, da er, trotz deren Proteste, ein Fotoshooting mit Wojtyla arrangierte. Was nützt es ihm, wenn am nächsten Sonntag nach langer Zeit die Kirchen in Polen wieder voll sind? Statt seine Landsleuten zu beruhigen, sorgt er dafür, dass die Polen ihren Papst, der in den letzten Jahren seiner Amtszeit wegen ihrer zunehmenden Verwestlichung hart mit ihnen ins Gericht ging, wieder liebgewinnen. Wenigstens haben Schlagzeilen wie jener mit dem Fototermin den Vorteil, dass über wichtigere Dinge nicht berichtet wird, wie bspw. über die Ausbildung der Polizisten. Amnesty beklagt, dass ein Großteil der Polizisten von den Israelis ausgebildet worden sind bzw. werden. Deren Sicherheitskräfte sind ja nicht bekannt dafür, die Palästinenser mit Samthandschuhen anzufassen. Vermutlich würde über die Härte, mit der die Cops vorgehen, gar nicht so intensiv diskutiert werden, wenn sich deren Brutalität nur gegen Schwarze richten würde – das könnte man man damit erklären, dass es zur DNA der Polizei gehöre, sie zu unterdrücken. Da jedoch vor dieser Polizei selbst Journalisten, egal welcher Hautfarbe, nicht sicher sind, stellt sich schon die Frage, welchen Einfluss Ausbilder haben, in deren Heimat Palästinenser, praktisch ihre Hauptclient, Bürger zweiter Klasse sind und dementsprechend kaum Rechte haben. Dass in der NY steht, die Polizei in Baltimore, über die Amnesty besonders klagt, am besten abgeschnitten hat, macht das Problem nicht kleiner. Dass Law und Order auch lustige Facetten haben kann, zeigt Colonel Cassad, der meint, amerikanischen Polizisten würden sich auch den Plünderungen beteiligen. Ob sie die Waren sicherstellen oder für sich nehmen, wissen wir nicht. Der Blog findet, man solle die Russen glauben lassen, dass die Cops in Amerika korrupt und gierig sind. Das haben sie sich nach den vielen Entbehrungen (Stichwort Boykott wegen der Krim) redlich verdient.

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