Benoit Blanc – Politiker können nur lernen

Ein Pandemie-Ende, das es nur im Kino gibt (leider aber nur bis morgen) – von New York geht es nach Griechenland, wo der berühmte Detektiv Benoit Blanc seine Maske dank einer Pistole, mit der etwas auf seine Zunge geschossen wird (nicht ganz schmerzfrei, jedoch versteht es sich von selbst, dass der ehemalige Bond das natürlich locker wegsteckt), abnehmen darf. Der gemütliche Teil darf beginnen, und einzig Craigs „bondhaftes“ Aussehen verhindert, sich vorzustellen, wie Peter Ustinov die Rolle spielen würde. Mit ihm an seiner Stelle hätten wir wohl eine Stunde länger auf die Aufklärung des Falls warten müssen. So sind es nur 240 Minuten, die im Fluge vorbei sind. (Der Superkoch in „The Menu“ hat sogar nur 108 Minuten für sein letztes Diner gebraucht, was absolut rekordverdächtig ist). Immerhin ist Benoit Blanc in der Lage, einen gestellten Mord aufzuklären, bevor dieser überhaupt ausgeübt wurde. Sehr zum Unwillen seiner Begleiter, die sich darauf gefreut hatten, am Wochenende auf Mörderjagd gehen zu können. Vermutlich ist das auch der Grund, warum Politiker ein Problem nicht lösen, wenn es noch keines ist bzw. davon noch niemand weiß – wenn man es gut mit ihnen meint, könnte man ihnen zugute halten, sie wollen uns einfach bei der Lösung teilhaben lassen. Böse Zungen würde sagen, dass es für sie keinen Sinn macht, etwas auf die Reihe zu bekommen, von dem wir nichts wissen. Denn dann würden wir uns fragen, was sie überhaupt in ihren Ämtern machen. Darum ist es nicht verwunderlich, dass ein Problem erst einmal riesengroß, ja fast unlösbar werden muss, bevor sich jemand daranmacht, es anzupacken. Das 49 € Ticket ist ein gutes Beispiel – die Politik gibt den Verkehrsbetrieben gerade einmal so viel Geld, dass sie erst im Mai das Ticket einführen können. Immerhin reicht es wegen der späteren Einführung bis zum Jahresende. Wenn der Blog richtig liegt, müsste es 2024 wieder mit den alten Tarifen weitergehen. Wegen der Inflation (wer glaubt schon daran, dass die Russen ihre Pipelines bis dahin repariert haben werden) dürften wir erst im Juni in den Genuss billiger Monatskarten kommen, was Herr Scholz in einem Jahr publikumswirksam zu verhindern weiß. Benoit Blanc würde die Sache natürlich jetzt schon lösen. Das hat natürlich den Nachteil, dass sich im nächsten Jahr um diese Zeit niemand mehr daran erinnert.

PS: „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ – der Blog hat nie daran geglaubt, nun ist es passiert, sein Lieblingslied der Hagen hat gewechselt „16 Tons“ ist gerade herauskommen. Dreimal am Tag hört er es mindestens.

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„Neptune“ – da hilft nur, Fußball zu gucken

Warum sollte jemand Interesse haben, ein Schiff zu versenken, wenn es ihn belustigt, diesem bei der Arbeit zusehen? Der Kreml hat das geringste Interesse, mit der Sabotage der „Neptune“, die gestern von einem großen Polizeiboot in den Hafen Mukran eskortiert wurde, RT eine Story, die sich bestens ausschlachten lässt, wegzunehmen – das ausgerechnet dort, wo nach neuesten Erkenntnissen Deutschlands Unglück begann, nämlich in Lubmin, dem Endpunkt der beiden Erdgastrassen. Im dortigen Industriehafen soll die „Neptune“, deren Aufgabe es ist, Gas wieder gasförmig zu machen, anlegen. Leider wird neben ihr kein LNG-Tankschiff liegen – kleine Tanker sollen das flüssige Gas von einem Speicherschiff, in dass die großen Schiffe ihre Ladung pumpen, heranbringen. Das teuerste Erdgas der Welt. Und da eine private Firma, die durchgerechnet hat, dass sich der Aufwand lohnt, die Entladestelle betreibt, bleibt nur, Katar zu gucken – wer jetzt die WM noch boykottiert, der hat den Ernst der Lage nicht begriffen. Der informierte Bürger braucht nun Ablenkung. Um ihn bei guter Laune zu halten, muss er gut unterhalten werden. Jemand, der ganz oben lebt, dennoch aber um die Nöte der Leute weiß, muss dies geahnt haben – völlig überraschend liefern die Brasilianer wieder tollen Fußball ab, und das ohne auf Neymar, dem vermeintlich ewigen Enfant terrible dieses Sports, angewiesen zu sein. Zwei Weltmeisterschaften, also 8 Jahre, hing das Wohl und Wehe der Mannschaft und des ganzen Landes von ihm ab. Spielte er schlecht, war auch das Team schlecht. Hat er gefehlt, versanken seine Kollegen im Rasen schneller als die Titanic im Atlantik. Auf einmal stehen andere im Mittelpunkt, wenn er spielt. Wegen der Weisheit, dass alles seine Zeit braucht, wäre es natürlich verführerisch, Parallelen zu einem anderen Enfant terrible, der uns bis Anfang des Jahres erwärmt hat (angesichts der Verachtung, die ihm entgegenschlägt, wäre es wohl besser, zu schreiben, „erwärmen durfte“) – wird die „Neptune“ auch 8 Jahre in Lubmin liegen? Der Blog hält es da mit Charles Laughton, der in „Zeugin der Anklage“ gesagt hat, solch düsteren Gedanken dürfe man sich nicht hingeben. Darum zurück zum Fußball und da zu Holland – das Land, das früher regelmäßig tolle Spiele abgeliefert hat, rumpelt nun vor sich her, dass es eine Qual ist, sich das anzugucken. Eigenversorger eben. Die haben keinen Grund, mies drauf zu sein. Das ist bei den Deutschen natürlich ganz anders – sie stehen in der Pflicht, morgen Abend ein Spiel abzuliefern, über das man noch lange sprechen wird. Als gut informierter Bürger wird der Blog gucken.

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The Menu – Rache ist Blutwurst

Keine Angst, liebe Gourmets – mit Blutwurst gibt sich Küchenchef Slowik nicht ab. Herzhaftes bereitet er nur zu, wenn es ausdrücklich gewünscht wird. Diesen Wunsch erfüllt er in „The Menu“ jedoch nur in Ausnahmefällen. Da hat es der Kinogänger viel besser – sobald der letzte Biss auf der Leinwand getan ist, darf er sich, sofern ihm der Appetit nicht vergangen ist, dran machen, die Pfunde, die er beim Sehen verloren hat, wieder hereinzuholen. Die extravaganten Gerichte, die Slowik auftischen lässt, machen Heißhunger auf Deftiges. Es sind 5 Gänge, wenn der Blog richtig gezählt hat. Nach jedem ist man noch hungriger als vorher. Und mit jedem steigt die Spannung weiter an, selbst wenn man schon nach dem 1 Gericht weiß, wie es ausgehen wird. „The Menu“ ähnelt ein wenig den Filmen mit „Colombo“, in denen es nur darum geht, zu erfahren, wie er die Mörder überführen wird. Zweifel sind so gut wie ausgeschlossen. Anders als der Mann aus Los Angeles, der ein Meister der Improvisation ist, hat unser Küchenchef aber alles bis ins Kleinste geplant. Nichts überlässt er dem Zufall. Nichts kann ihn ablenken. Und wenn etwas Ungeplantes passiert, dann geht er sofort daran, den Schaden so gering wie möglich zu halten. Alles sehr deutsch, ohne deutsch zu sein, denn mir kommt kein deutscher Fernsehkoch in den Sinn, der mit dem Meister mithalten könnte. Dabei ist ja die Welt immer noch der Meinung, die Deutschen könnten alles perfekt planen und organisieren. Daran wird die Niederlage der deutschen Nationalmannschaft nichts ändern. (Der Blog hat nur die Tore gesehen. Die schienen ihm haltbar zu sein, was auch am Spruch, dass jeder Einschlag – das war heute wirklich einer – in der kurzen Ecke zu Lasten des Torwarts geht, liegt.) Wenn der Blog bedenkt, wie minutiös man sich für das Turnier in Brasilien vorbereitet hat, dann fragt er sich, ob man nicht zu siegessicher nach Katar angereist ist. Vor dem Match konnte man schon den Eindruck haben, dass es nicht gegen Japan, sondern gegen die Fifa geht. Die Elf des Tennos, der auch ein Schalker angehört, der heute durchgespielt hat, wurde wohl nicht ernst genommen. Im Augenblick sieht es so aus, als ob es für die Deutschen nur zum gefühlten Weltmeister der Schwulen und Lesben reicht. Die Engländer haben weit bessere Chancen auf den Titel. Die schwarzen Amerikaner zeigten 1968 in Mexiko, wie man protestiert. Oder einfach „The Menu“ gucken. Von Slowik kann man lernen, Gegner einzuschüchtern.

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Katar – Back to the Roots,

was natürlich nicht heißt, dass der Blog sich Sklaven, die Beckenbauer 2013, als er Katar besuchte, nicht gesehen haben will, zurückwünscht – da Papst Paul III. 1537 in der Bulle „Sublimis Deus“ die Versklavung verboten hat, darf er als papstreuer Katholik solche Gedanken gar nicht hegen. Dem Blog geht es natürlich ums Bier, dessen Ausschank, trotz gegenteiliger Versprechungen, in den Stadien heute verboten wurde, was dem Fußball nur guttun kann, haben doch die Zuschauer nun endlich wieder die Chance, in der Halbzeitpause über das Geschehen auf dem Platz zu diskutieren, statt in einer Schlange auf das Getränk, ohne dass im Fußball wohl gar nichts mehr zu gehen scheint, warten zu müssen. Vor 40 Jahren (im Osten jedenfalls) hat man sich in der Pause noch richtig geärgert, wenn die eigene Mannschaft hinten lag. Das war leider recht häufig der Fall, so dass der Gang in die Kabine für die Spieler oft einem Spießrutenlauf gleichkam. Wenn Mielke damals geahnt hätte, welche beruhigende Wirkung dieses Wasser hat, dann wäre wohl in der Hoffnung, die „Bodo Eierkopp“ Gesänge mögen aufhören (wenn Sie die Silben lang ziehen, kommen Sie schnell in den Rhythmus rein, nach ein paar „Bodos“ ist der Blog viel entspannter), Bier ausgeschenkt worden. Höchstpersönlich von ihm angeordnet, versteht sich. Dem Fußball wäre es zu wünschen, wenn die WM in Katar die Zuschauer kritischer werden ließe. Mit dem Alkoholverbot ist ein Anfang gemacht worden. Wer für die Spiele dort eine Karte hat, der kann mit dem Bewusstsein in Stadion gehen, dass man ihn nicht nur als reinen Konsumenten, der möglichst so viel Geld wir nur möglich im Stadion lässt, sieht. Aber vermutlich wissen viele Fans gar nicht, was sie in der gewonnenen Zeit tun sollen. Der Blog weiß da natürlich weiter. Dank des Bierverbots hat der Fan die Chance, zur Halbzeit zu pfeifen, wenn es nicht so läuft, wie er denkt. Man darf auch buhen. Wenn man den Eindruck hat, die Spieler haben überhaupt keine Lust, kann man versuchen, sie dazu zu bringen, den „Stinkefinger“ zu zeigen. Auch in Katar.

PS: Fakes können auch schön sein, wie die Charlie Hebdo Karikatur, die von den Russen stammt, zeigt. Die Russen haben Charlie sogar übertroffen, denn so intelligent und witzig kommen die Franzosen nur selten daher – wegen der ukrainischen Emblems auf der S-300 blieb den beiden Soldaten nichts anderes übrig, als zu sagen, das sei „Massaker Volyn 2.00“. Angeblich soll die Bilder, dank derer im Netz schnell klar wurde, dass es sich um keine Cruise Missile handeln könne, ein polnischer Bauer gemacht haben. Dessen Bauernschläue hat uns ein langes Hin und Her erspart.

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Lawrov – jetzt ist er wohl wirklich krank?

Das hat Lawrov sich bestimmt nicht träumen lassen – nachdem AP ihn vorgestern fast für tot erklärt hat, so dass Moskau sich gezwungen sah, einen Videoclip mit ihm zu drehen (Edel-T-Shirt hin oder her – in so einem Ding würde der Blog nicht mal den Müll wegbringen), schreibt der Guardian heute so wohlwollend über ihn, dass man den Eindruck haben kann, Russen und Ukrainer müssen das Kriegsbeil begraben haben. Danach sieht es aber nun gar nicht aus, ja es ist weit schlimmer, denn wenn die Rhetorik der ersten Kriegstage, als russische Cruise Missiles ein Ausbildungscamp, das nicht weit von der Grenze zu Polen liegt, trafen, noch zutrifft, dann ist heute der Bündnisfall eingetreten – Raketen dieses Typs sollen auf polnisches Territorium gefallen sein. Nach dem erfolgreichen Rückzug aus Kherson, der den Russen etwas Sympathie zurückgebracht hat, ist es nicht besonders klug, sich mit dieser halsbrecherischen Aktion alles wieder kaputt zu machen. Wenn Lawrov bis jetzt keine gesundheitliche Probleme hatte, dann wird er sie wohl jetzt haben. (Es gibt auch Informationen, die besagen, es soll sich um Reste einer ukrainischen S-300 Rakete handeln. Bzw. um Reste einer getroffenen russischen Cruise.) Wie dem auch sei – auch wenn die Angriffe der Russen auf die Infrastruktur der Ukraine bei weitem nicht das Ausmaß einnimmt, das die USA in ihren Kriegen dieser einzuräumen pflegt, sind diese höchst kontraproduktiv, da sie mitnichten die Moral der Bevölkerung mindern, wie die Bombenangriffe der Alliierten auf Deutschland während des 2. Weltkriegs gezeigt haben. Vermutlich haben sie eher dazu beigetragen, den Widerstand der Menschen erst recht zu entfachen, und das selbst dann, als allen klar war, dass es keinen Sinn macht, sich weiter zu verteidigen. Das Kalkül der Russen ist wohl, möglichst viele Frauen zu bewegen, das Land zu verlassen. Im Februar ist aus der Ukraine dann ein reiner Männerstaat geworden, so die Hoffnung im Kreml. Wer aufmerksam das Abschiedsinterview unseres ehemaligen Außenministers, der formal als ukrainische Botschafter tätig war, gelesen hat, wird wissen, wohin der Blog hinauswill – über seine Frau hat er gesagt, dass sie viel entschlossener als er die Interessen ihres Landes vertreten hätte. Beim Lesen hat sich der Blog sofort an einen tollen Artikel in der FAZ, in dem stand, dass die ukrainischen Männer wegen ihrer Frauen länger als üblich im Büro bleiben würden, erinnert. Dass Lawrov heute vorzeitig den Gipfel verlassen hat, zeigt, dass russische Frauen anders als ukrainische ticken.

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Das haben die Gemälde (Maler) nicht verdient

Das letzte Mal, als der Blog über jemanden, der mit Gemälden, die er in seiner Wohnung wie jemand hortete, der Sneaker sammelt, zu tun hatte, schrieb, berichtete auch die halbe Welt darüber, heute muss er Webseiten von Zeitungen, die als recht konservativ gelten, aufsuchen, um an Informationen zu kommen, was zur Vermutung Anlass gibt, deren Leserschaft tut sich schwer, in revolutionäre Stimmung zu kommen, so dass man ausführlichst darüber berichten kann, wie viel die teuersten Gemälde, die Sotheby’s diese Woche aus Allens Nachlass versteigert hat, samt Gebühr gebracht haben. Obszön die Summen, die geboten worden sind. Angesichts der Probleme, die russischen Oligarchen mit ihrem Immobilien und Jachten haben, hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein Gemälde krisensicherer ist. Im Notfall lässt sich das immer zu Geld machen. Statt der 100 Millionen gibt es nur 20 oder 30. Aber man bekommt etwas zurück. Aber welcher Staat wird es schon wagen, ein Gemälde, das man bei einer Auktion ordnungsgemäß erworben hat, zu konfiszieren? Ein chinesischer Milliardär muss nicht fürchten, im Falle eines Angriffs Taiwans einen van Gogh zu verlieren. Es sieht so aus, als ob die Russen auf die falschen Pferde gesetzt haben. Man könnte die Auktion auch als eine Art Steuerhinterziehung betrachten – obwohl das Geld dessen Stiftung zugute kommen soll, fehlt es, um Probleme wie den Klimawandel anzugehen. 30 oder 40 Prozent des erzielten Preises sollten in einen Klimafond gehen – die dort geboten haben gehören zu denen, für die Linienflüge ein Fremdwort ist. Der Blog würde sich nicht wundern, wenn die Bilder in Privatjets zu ihren Besitzern gebracht würden. Die teuersten Gemälde hinterlassen zugleich den größten Carbon Footprint. Der Person, die den von Gogh gekauft hat, bleibt da nur, darauf zu hoffen, dass der Meister nicht als Zombie Rache nimmt.

Wenn der Rückzug die schwerste Disziplin in der Kriegsführung ist, dann haben sich die Russen heute als wahre Meister entpuppt – ohne große Probleme haben sie Kherson verlassen. Wegen mangelnder Erfolge der eigenen Leute blieb den Ukrainern nur übrig, zu behaupten, vielen hätten sich in der Stadt versteckt, um Unruhe zu stiften. Die Brücke in Kherson haben die Russen gesprengt, auch wenn der Spiegel Zweifel hegt. Die Heftigkeit der Detonation zeigt, dass die ukrainische Artillerie zu schwach dafür war, auch weil die meisten Raketen abgefangen wurden.

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Kherson – Russen sagen Schlacht ab

Es kommt immer anders, als man denkt – wegen der Hochrechnungen hatte sich der Blog heute darauf eingerichtet, zu titeln, „Opi ist nun eine lame Duck“. Jetzt sieht es so aus, als würden wir zwei haben, die, wenn Amerika Pech hat, in zwei Jahren wieder zur Wahl stehen. Zwei Verlierer sind aber allemal besser als ein strahlender Gewinner, denn mit dem gäbe es kaum Hoffnung auf einen spannenden Präsidentenwahlkampf. Es darf bezweifelt werden, ob Trump und Biden einsehen, dass sie ihrem Land nur im Wege stehen. Beide sollten sich ein Beispiel an den Russen nehmen, deren Generalstab beschlossen hat, die Schlacht um Kherson einfach abzusagen. „Russia kaputt“ titelt daraufhin der Guardian. Die russische Armeeführung scheint das anders zu sehen – Kherson ist nicht Stalingrad, das damals unter allen Umständen gehalten werden musste. Das wirft natürlich die Frage auf, wo die Befehlshaber das Stoppschild aufstellen werden. Angesichts der Nähe zur Krim ist es durchaus möglich, dass Putin ihnen die Entscheidung abnehmen wird bzw. sie bereits wissen, ab welcher Stelle es kein zurück mehr gibt. Trotz der hohen Verluste (die interessieren kaum jemanden, daher nur der Information halber – in Kherson sollen sie 8 bis 9 mal so hoch wie die russischen sein, alleine im Oktober hätten sie 12.000 Mann verloren) werden die Ukrainer, koste es, was es wolle, austesten, ob Russland bereit ist, weitere russische Gebiete (das Ergebnis des Referendums hat der Kreml ja anerkannt) aufzugeben. Es heißt, mit den 9.700 Soldaten, die in Kherson freigesetzt würden, könne man an andere Stelle eine Offensive durchführen. Da bei den Ukrainern auch Kräfte freiwerden, dürfte es auf der linken Seite des Dnjeprs recht eng werden. Nach der Logik des bisherigen Kriegsgeschehens müssten die Russen eine neue Front aufmachen, um in Donezk voranzukommen. Belorussland wird sich hüten, noch einmal als Aufmarschgebiet für einen russischen Angriff zu dienen. Da weitere Optionen nicht existieren, müsste man etwas richtig Verwegenes, wie bspw. eine Landung im Süden Odessas, wagen, um Kräfte zu binden, so dass man wenigstens die beiden abtrünnigen Republiken vollständig „befreien“ kann (die Getreideschiffe können dabei durchaus hilfreich sein). In den schwer befestigten Gebieten des Donezk wird es nun noch schwerer, voranzukommen, denn die Ukrainer können dort nun alles hineinstellen, was sie zur Verfügung haben. Vielleicht haben die Russen noch ein Ass im Ärmel.

Es hat durchaus Tradition bei russischen Militär, dem Gegner eine Schlacht zu versagen. Kutusow hat lange gezögert, bevor er Napoleon in Borodino entgegentrat.

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„Letzte Generation“ – die neuen Bilderstürmer?

Wer sich daran erinnert, wie empört und unwirsch sich einige Politiker, allen voran Trump, gebärdeten, als Greta bei der UN-Versammlung 2019 den höchsten Vertretern dieser Zunft den Vorwurf machte, sie hätten ihre Träume gestohlen, der kann sich ausmalen, wie wenig Verständnis erste jenen Klimaaktivisten, die unter dem Label „Letzte Generation“ Gemälde unkenntlich machen, zuteil wird (Monbiot ist da wohl die große Ausnahme). Der Blog hat sich nach diesen Aktionen stets gefragt, warum eigentlich immer nur Bilder van Goghs oder Monets eingesaut werden. Mehr Natur in der Malerei geht doch wirklich nicht. Warum nicht mal ein Gemälde, vor dem man stundenlang stehen kann, ohne so recht zu wissen, was man sieht – etwas Zeitgenössisches eben? Das könnte unlogischer gar nicht sein – da nach den Aussagen der Protagonisten die Menschen sich mehr über die Zerstörung von Bildern, auf denen alles prächtig gedeiht, als der Natur ängstigten, würde es überhaupt keinen Sinn machen, bspw. das Werk eines Pop Art Künstlers zu demolieren. Nach etlichen solcher Aktionen kann man diese Aussage als gesichert betrachten. Sollten die Kuratoren sich entschließen, neben den Bilder Tafeln, auf denen erklärt wird, was und warum passierte, anzubringen, könnte auf diesen der Satz „was zu beweisen war“ stehen. Weiterer Bilderstürmereien bedarf es nun wirklich nicht mehr (Gern hätte der Blog Luther verantwortlich gemacht. Der hatte, wie eine kurze Recherche im Netz ergab, jedoch nichts gegen das Ausschmücken der Kirchen.) Irgendwann interessiert sich auch niemand mehr dafür, zumal die Menschen nun wissen, dass die Werke gut geschützt sind. Natürlich hat die „Letzte Generation“ sich Gemälde ausgesucht, denen Erbsensuppe und Kartoffelbrei nichts anhaben können. Rein schon aus finanziellen Gründen, aber vielleicht auch, der Bildungsstand lässt das vermuten, um im Alter, in dem im Sommer mehr als 40 Grad Celsius völlig normal sind, in einem klimatisierten Zimmer an eine Zeit, die ihren Enkeln unbekannt ist, erinnert zu werden. Ihre Aktionen, zumal wenn in den Ausstellungen darauf hingewiesen wird, werden dann vermutlich ganz anders beurteilt werden. (Vielleicht gibt es einen Museumsleiter, der den Mut hat, die Nachwelt über die Bilderstürmerei zu informieren. Der Widerstand wird enorm sein.) Was bleibt? Eine Expertin hat gesagt, die Proteste könnten helfen, den Ruf jener, die unter „Fridays for Future“ fordern, mehr gegen die Klimaerwärmung zu tun, zu verbessern. Daran mag der Blog nicht so recht glauben. Die „Letzte Generation“ muss sich nun etwas Neues einfallen lassen. Der Blog ist gespannt, wie es weitergeht.

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Eine iranische Rakete bei den Russen, das ….

Gewinnt „Geiz ist geil“ den Krieg? Vor wenigen Wochen galt das noch als so gut wie ausgeschlossen. Die iranischen Drohnen, die anfangs von der hiesigen Presse wegen ihrer einfachen Bauweise nicht sonderlich ernst genommen wurden, haben jedoch gezeigt, wie wirksam Billigware sein kann, selbst wenn die abgeschossen wird, da dies meist mit Waffen, die wesentlich teurer als die Mopeds sind, geschieht. Die Russen scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein – eines ihrer Prunkstücke, die „Islander-Rakete“, soll Konkurrenz aus dem Iran bekommen. Einfacher zu handhaben, schwerer abzufangen (wie bei einer Interkontinentalrakete wird der Sprengkopf, der größer als jener der „Islander“ sein soll, abgetrennt, was den Abschuss nicht leichter macht), billiger zu beschaffen – nur in der Reichweite sowie der Auswahl der Munition ist die Rakete iranischer Produktion der russischen unterlegen. Der Kauf der Drohnen war schon eine Überraschung. Die Beschaffung der „Zolfaghar“ Missile ist es erst recht, gilt doch das eigene Produkt als eines der besten auf der Welt. Ob die Lernfähigkeit und Einsicht, die das russische Militär zeigt, auch von der NATO erwartet werden kann, wagt der Blog zu bezweifeln. Die Brass Hats in Brüssel haben einen Faible fürs Ausgefallene und Komplizierte, die beim Bund, wo das Motto lautet, je teurer, desto besser, auch. Selenskyj und Co. bleibt nur, darauf zu hoffen, dass die Mullahs im Iran gestürzt werden und dann die neue Regierung die Waffen in die Ukraine statt nach Russland schickt. Mit den Waffen der NATO gewinnt man keinen Krieg. Sie sind einfach zu teuer, um sie in großen Stückzahlen produzieren und liefern zu können. Vermutlich ist das auch ein Grund, warum man in der Ukraine angefangen hat, eigene Waffen zu bauen. Eines muss man den Ukrainern lassen – optisch kann niemand es mit ihnen aufnehmen, wie die Fahrt der Überwasserdrohne, bei deren Entwicklung das deutsche Einmanntorpedo „Marder“ Pate gestanden haben muss, zeigt (von den Mardern können sie einfach nicht lassen). Jedoch liegt das Flaggschiff, das getroffen wurde, unbeschädigt mit dem Heck in Richtung Pier im Hafen. So spektakulär es auch aussieht – dem Blog ist das einfach zu viel Scapa Flow, wo die Royal Navy früher zu ankern pflegte, sehr zur Freude Priens, der während des 2. Weltkriegs dort ein Schlachtschiff versenkte. Der Guardian meint, die Ukraine hätte Geschichte geschrieben. Das mag sein. Dem Blog aber scheint, dass das Boot den Jack-the-Ripper- Nebel Londons braucht, um erfolgreich sein zu können. Da ist die Rakete aus dem Iran schon viel weiter.

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Gewinnt nun Trump die Wahlen?

Sorry an alle, die sehnsüchtig auf die Kolumne Mitte der Woche gewartet haben – da sich der Blog den Luxus leistet, nur ein internetfähiges Gerät zu haben, hat er sich wegen dessen außerplanmäßigen Mucken, die ihm dank fremder Hilfe ausgetrieben wurden, außerstande gesehen, einen Text ins Netz zu stellen. Viel ist ja auch nicht passiert, außer dass die Tories wider Erwarten zügig Sunak zum König auf Zeit, sprich bis zu den nächsten Wahlen in 2024, gemacht haben, bei der UNO sich die Erkenntnis, die viele schon längst zu Kenntnis genommen, nur wenige jedoch eingepreist haben (die Börsianer haben im Einpreisen schlechter Nachrichten weitaus mehr Übung), durchgesetzt hat, dass die 1,5 Grad plus zur Jahrhundertwende kaum noch zu erreichen sind (eine Klimafrau ist schon froh, dass wegen der bisherigen Maßnahmen aus 2,7 Grad vor noch ein paar Jahren nun 2,5 geworden sind), Steinmeyer bravourös einen Luftalarm in der Ukraine überstanden hat (bei einem Mann mit einem solch großen Ego hätte es niemanden verwundert, wenn er aus Angst, die Russen könnten ihn entführen und dann auf dem Roten Platz ausstellen, aus der Stadt nahe der Grenze geflohen wäre), und unser Bundeskanzler in Griechenland war, wo er feststellen musste, dass selbst vor diesem idyllischen Land deutsches Kriegsgerät nicht halt macht – wo Scholz auch hinfährt, Leoparden und Marder sind schon vor ihm eingetroffen, was nicht weiter schlimm wäre, wenn die keinen Ärger machen würden (in dieser Region stößt sich Erdogan an denen). Wer will da noch irgendwo ankommen (außer Frau Strack-Zimmermann natürlich)? Wenn das Volk den Eindruck hat, für Scholz ist der Weg das Ziel, dann braucht er bei den nächsten Wahlen erst gar nicht anzutreten – eine Fahrt im Schlafwagen nach Athen würde man ihm Übel nehmen. Es gibt aber auch gute Nachrichten – Musk hat Twitter erworben. Nun muss Trump nur noch die Wahlen gewinnen, um in der Tagesschau mit seinen Tweets Gehör zu finden. Die große Frage ist, ob Musk ihm erlaubt, am Montag mit seinem alten Account loslegen zu dürfen. Wäre ich an seiner Stelle, würde ich ihn von vorne anfangen lassen. Das wird wohl der spannendste Reformationstag nach Jahren, ja vielleicht seit Luthers Thesenanschlag überhaupt.

PS: Im Osten nichts Neues, außer dass auf den Karten nun die Gebiete eingezeichnet sind, die die Russen noch nicht erobert haben. Das verspricht nichts Gutes – es wird noch härter werden. 8 zu 1 soll die Verlustrate sein. Angeblich lassen die Ukrainer viele ihrer Verwundeten im Feld zurück. Sollten die Zahlen stimmen, ist es zu früh, über Kherson zu sagen, es sei Putins Stalingrad, wie der Spiegel meint.

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