Christus kam über Amalfi hinaus

Wenn Christus nur bis Eboli gekommen sein soll, brauche ich mich sicherlich nicht zu schämen, wenn meine 8-tägige Weltreise, die ich vor 11 Tagen vollmundig verkündete, antreten zu wollen, bereits in Amalfi endete, denn im Gegensatz zu der ein paar Kilometer weiter südlich gelegenen Einöde, aus der die Menschen, die dort lebten, so schnell wie möglich raus wollten (jedenfalls war es noch in den 30er Jahren, als das Buch veröffentlicht wurde, so), verlässt man diesen Teil Italiens, wenn man einmal dort ist, eigentlich nur, wenn sich die Abreise nicht vermeiden lässt (wie eben diesen Blog weiterzuführen) – Christus hat an dieser Stelle alles dafür getan, dass sich die Menschen, in erster Linie die Touristen (wohl nicht ganz uneigennützig, denn als Wanderer war er ja auch einer), an den Steilhängen und Miniaturstränden pudelwohl fühlen. Uneigentlich gibt es natürlich einige Gründe, der Côte amalfitaine nach einer gewissen Zeit den Rücken zu kehren. Bspw. könnte das Bankkonto einen zwingen, sich von der tollen Landschaft zu verabschieden. Ein weitere Grund ist „Der Weg der Götter“, von dem man bei schönen Wetter eine herrliche Aussicht auf das Meer sowie die unter ihm liegenden Orte hat. Leider können diesen Blick bloß die Götter regelmäßig genießen, denn als Normalbürger muss man wieder in eines der Hotels an den Hängen zurück, was wegen des steilen Aufstiegs bzw. der Pfade, die zu ihm führen, ziemlich ungerecht ist. Und da Treppensteigen außer Mode gekommen ist, fällt der Weg nach oben und unten besonders schwer. Selbst die schönste Aussicht kann einen gewissen Unmut, der sich mit der Zeit einstellt, wenn man einige Treppenwege bezwungen hat, nicht verhindern. Training bzw. Gewohnheit ist eben alles. Wer auf den Blick nicht so viel Wert legt, der findet Pfade, die Freude machen, zu gehen. Der von Praiano über der Marina zu einer Grotte, von der man dann weiter zum Sentiero degli dei – ohne Treppen geht es bei ihm aber auch nicht – gelangt, wäre so einer. (Es gehört ein wenig Glück dazu, oben anzukommen. Da rote Punkte, die den Aufstieg kennzeichnen, fehlen, wäre es schon ganz hilfreich, auf dem Weg Einheimische zu treffen, der einem sagen, welchen Abzweig man nehmen soll.) Christus wäre wohl enttäuscht, wenn er wüsste, dass die Italiener so wenig für das Wandern übrig haben. Ganz verdenken kann ich es ihnen nicht, schließlich ist der Wanderer der einzige Tourist, der sich den kulinarischen, kulturellen und materiellen Genüssen, die das Land zu bieten hat, entzieht. Und das womöglich gleich für mehrere Stunden. Das macht sie misstrauisch. Am liebsten wäre ihnen, wenn sich alle Touristen in der Nähe der Restaurants und Boutiquen aufhalten würden. Nichtsdestotrotz ist es ein Paradies für Wanderer. Man muss sich bloß richtig vorbereiten.

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Das CO2-Zertifkat für den Bürger muss her

Wann kommt endlich das CO2-Zertifikat für den Bürger? Ob man davon leben könnte, wenn man nur zu Fuß unterwegs ist, unter Umständen sogar auf Schuhe verzichtet, deren Herstellung ja auch CO2 freisetzt, kann ich nicht beurteilen. Vermutlich nicht, und wer dies ausprobierte, müsste sein Leben in einer Erdhöhle als Eremit verbringen und darauf hoffen, dass die Amazon-Drohne, deren Batterien natürlich mit Windenergie gespeist sind, ihn nicht vergisst. Ob Bezos seine Firma dann noch von hieraus leiten wird oder schon vom Mond aus an den Strippen seines Imperiums zieht, weiß im Moment noch niemand so genau. Von da oben hat man natürlich einen ganz anderen Überblick, so dass ich durchaus verstehen kann, dass er uns verlassen will. Aber zurück zur CO2-Urkunde, deren Verkauf natürlich steuerfrei sein müsste, so dass auch Leute, die nicht auf die Erlöse angewiesen sind, sich daran beteiligen würden. Vielen würde es gar nicht ums Geld gehen – sie wären einfach stolz, sich mit ihrem minimalen CO2-Verbrauch brüsten zu können, so wie früher die Kleingärtner es taten, die mit vollen Körben von Garten zu Garten gezogen sind, um sich mit ihren frisch geernteten Produkten, von denen viele wegen übermäßiger Düngung hochgiftig waren, zu brüsten. Heute würde dies als Affront aufgefasst werden, und das nicht wegen der Chemikalien, sondern der heutigen Generation der Gartenbesitzer, die gar nichts ernten wollen, so dass sie strenggenommen stolze Besitzer eines Rasens sind. (Manche haben eine ganze Prärie in ihrem Garten.) Wenn für viele weniger mehr bedeutet, sollte das auch für jene gelten, die ihr CO2-Kontigent nicht ausschöpfen – für sie müsste ein Markt geschaffen werden, der ihren geringen Verbrauch belohnt, auch wenn dies am Ende mit der totalen Überwachung enden sollte. Aber das ist allemal besser, als sich von Facebook kontrollieren zu lassen. Vermutlich wären wir dem Computer, der ständig berechnet, wie viel wir noch kaufen dürfen, um unterhalb der 1,5 Grad zu bleiben, gar nicht mit Namen bekannt – für ihn wären wir nur Zahlen. Das wäre praktisch der erste idealen Markt in der Geschichte der Menschheit. (Die Wirtschaftswissenschaftler nennen das vollkommener Markt. Den hat es noch nie gegeben. Darum sollte man ihnen auch nachsehen, wenn Berechnungen, die auf der Grundlage dieser Theorie gemacht werden, manchmal nicht stimmen. Dieser käme ihm wohl am nächsten, ja vielleicht ist es gar einer.) Dieser Blog hätte womöglich seine 8-tägige Weltreise nur mit Verkäufen seiner CO2-Zertifkate finanzieren können. Bis übernächsten Dienstag um 22:00 Uhr hiesiger Zeit vor dem Bildschirm.

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Computer nehmen uns zu viel ab

Geht ohne Computer bald gar nichts mehr? Werden wir, wenn diese ausfallen, zu Zombies, die zwar weitaus appetitlicher als die echten auftreten, jedoch ähnlich verheerende Schäden wie jene in den Filmen anrichten? Vieles spricht dafür, dass der Computer den Menschen der Basics, deren Beherrschung ihm erlaubt, ein System auch ohne fremde Unterstützung zu handhaben, beraubt. Jüngstes Beispiel ist der spektakulärer Crash eines Superjets 100 in Moskau – lt. Colonel Cassad sei alles schiefgelaufen, was schiefzulaufen geht. Die Piloten hätten zu viele Fehler – die Maschine sei zu schnell bei der Landung gewesen, beim „Absprung“ wegen der zu harten Ladung hätte dann der Pilot die Nase des Flugzeug nach unten gezogen, statt den Superjet in Landepositur zu bringen. Der Ausfall der Automatik habe die Piloten überfordert, so die Schlussfolgerung. Sie wollten nach dem Crash der Computer so schnell wie möglich nach unten. Dabei hätten sie noch eine Weile kreisen können, um sich des Kerosins, das die Maschine in einen Feuerball verwandelt hat, zu entledigen. Für Aeroflot, eine Fluglinie, die stolz darauf ist, zu den besten der Welt zu gehören, wie diverse Auszeichnungen belegen, ist das ein schwerer Schlag. Nun kommen Zweifel an der Qualifikation der Mitarbeiter auf. Dabei hatten doch russische Piloten einen guten Ruf. Wenn was passierte, war dies meistens dem Leichtsinn geschuldet. (Eine Maschine diese Typs stieß während eines Werbeflugs in Indonesien gegen einen Berg, weil der Pilot sich mit jemanden unterhielt bzw. abgelenkt war). Dass nun ein Pilot Nerven zeigt, ist neu, jedoch haben ältere Flugkapitäne schon darauf hingewiesen, dass die nachfolgenden Generationen nicht deren Können aufweisen. Und da jeder neue Tesla über die Hardware, die notwendig ist, das Fahrzeug per Autopiloten steuern fahren zu lassen, verfügt, ist es nur eine Frage der Zeit, wann darüber diskutiert wird, ob Computer richtig eingesetzt werden – statt den gesamten Steuerprozess zu übernehmen, soll er sich nur dann einschalten, wenn eine Gefahr besteht (wie es heute ja schon ist). Ein Lehrer, der während der Fahrt vor dem Steuer Klassenarbeiten korrigiert, hat keine Chance, bei einem Ausfall der Automatik das Fahrzeug unter Kontrolle zu bringen. Selbst das beste Training hilft da nicht weiter. Bei Piloten ist das sicherlich ähnlich. Je älter das Flugzeug, desto besser sind deren Kapitäne.

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Der Kapitalismus und Kevin – inkompatibel?

Der Kapitalismus – die zarteste Versuchung seit es Waren gibt, und daran wird selbst Kevin, der am 1. Mai angeregt hat, BMW zu verstaatlichen, nichts ändern, denn alleine schon der Aufmacher einer Zeitung, die behauptet, „Kühnert würde Trabis vom Band laufen lassen“, dürfte auch viele unter denen, die sich kein fabrikneues Auto dieser Marke leisten können, verschreckt haben. Der Kapitalismus und die Ware – erstgenannter kann ohne sie nicht leben, ja er hat sie erfunden und es geschafft, neben dem Fetisch, den Marx der Ware an sich schon zugeschrieben hat, noch einen neuen zu verpassen. Die Überflieger unter den Unternehmen haben nämlich Produkte entwickelt, die Kultstatus, der teilweise religiöse Züge annimmt, genießen. Ob BMW zu diesen Firmen zählt, kann ich nicht beurteilen. Vor dem Dieselskandal waren die Münchener noch die angesagtesten im Land. Diesen Platz haben sie an Miele abgetreten. Insofern kann Kevin froh sei, sich nicht mit deutschen Hausfrauen auseinandersetzen zu müssen. Spätestens bei der schwäbischen Hausfrau, die seit der Energiewende alles liebt, was nichts verbraucht, wäre Schluss mit lustig – die würde ihn glatt lynchen. Zum Glück war er mit dem Ranking nicht auf der Höhe der Zeit, denn ein BMW-Fahrer ist wesentlich umgänglicher und toleranter als die schwäbische Jeanne d‘Arc, die aber nicht fürchten muss, auf dem Scheiterhaufen zu enden. Dank Kevin‘s Partei und der Grünen verhält sich die geborene Kostenminimiererin nicht nur marktkonform, sondern auch umweltbewusst. (Die kann man wirklich nicht verbrennen.) Wenn Miele als Beispiel gilt, dass der Kapitalismus auch funktioniert, wenn der Staat eingreift (vermutlich wird er sogar noch besser), sollte dies auch bei BWM bzw. der Automobilbranche möglich sein. Als Fahrerin eines BWWs fällt ihre Umweltbilanz nun nicht mehr positiv aus. Und da es so aussieht, als ob ein Normalbürger wegen seines Warenfetischs nicht in der Lage sein könne, rationale Entscheidungen zu treffen – angesichts der globalen Erwärmungen dürften eigentlich nur noch Autos mit der PS-Zahl eines „Trabbis“ (26) zugelassen werden – müsste der Staat ihn in die Lage versetzen, das tun zu können. Weniger ist oft besser als mehr.

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Jeremy mogelt sich an die Macht,

aber im Gegensatz zu einem Raubtier, das nach einer gelungenen Annäherung danach strebt, Beute zu machen, bleibt Jeremy inmitten der Herde, die er mit einer schnellen Bewegung in einer Dampfwalze, die vor Panik alles niederreißt, was ihr in den Weg kommt, verwandeln kann, stehen, so dass den Tieren neben gar nichts anders übrigbleibt, als zu glauben, er gehöre zu ihnen. Gestern war wieder so ein Tag, an dem sich Jeremy geweigert hat, auf Jagd zu gehen. Labours Exekutivkomitee hatte darüber zu bestimmen, ob die Partei sich für ein Referendum ohne Einschränkungen einsetzen oder ihren Standpunkt beibehalten soll, erst einer Abstimmung zuzustimmen, wenn absolut Nichts mehr geht. Da nun schon seit der ersten Abstimmung über Mays Plan nichts mehr läuft, wäre der nächstliegende Gedanke, dem Diskutieren und Verhandeln ein Ende zu setzen, um so noch vor dem offiziellen Austritt der Briten am Reformationstag eine Abstimmung durchführen zu können. Leider hat Jeremy sich wohl aus Furcht, Farage könnte ihm vorwerfen, nur zum Schein mit May zu verhandeln, dazu nicht entschließen können. Appeasement nennt man das wohl, was der Labour-Chef da treibt. Aus Angst, Stammwähler könnten wegen ihrer Verachtung für die EU die Brexit-Partei wählen, versucht er, alle Türen offenzuhalten – Labour soll die Partei sein, in der sich sowohl Remainer als auch Leaver wohlfühlen bzw. wenigstens miteinander können, was seit der Abstimmung vor fast 3 Jahren nicht so ganz einfach ist. Ewig kann Jeremy diese Strategie nicht fahren – alleine schon um den Wählern den Eindruck zu vermitteln, dass er in der Lage ist, zu gegebener Zeit eine weitreichende politische Entscheidung zu treffen, muss er sich positionieren. Und das recht bald, denn sonst könnten sie annehmen, er sei entscheidungsschwach und ein ewiger Lavierer, der sich vor der Verantwortung drücken will.

Halten die Russen Maduro nur im Amt, um der Welt zu zeigen, dass sie nicht vor Russland, sondern den Vereinigten Staaten Angst haben muss? (Jedenfalls jene Staaten, deren Regierungen der USA nicht wohlgesonnen sind.) Während im Kalten Krieg Coups lautlos eingefädelt wurden, räumt nun erstmals seit der Kubakrise ein amerikanischer Präsident mit viel Tamtam im Hinterhof der Staaten auf. Aus amerikanischer Sicht ist der Hinterhof leider nicht mehr der von früher – hat sich bis Mitte des letzten Jahrhunderts niemand dafür interessiert, was die USA dort taten, schaut nun die ganze Welt darauf. Leider hat das Trump noch kapiert – der tut, als könne er dort machen, was er wolle. (Ein Aufschrei, wenn die Russen so die Ukraine behandeln würden.) Maduro könnte, da die Russen ihn angeblich überzeugt haben sollen, nicht nach Kuba zu fliehen, nun wie Nero enden, der, nur von wenigen Getreuen umgehen, Selbstmord begangen hat. Aber das ist den Russen egal – wichtig ist ihnen nur, keine zweite Ukraine erleben zu müssen, denn seit Janukowitsch‘ Flucht ist es um ihren Einfluss im Land geschehen. Das will der Kreml nicht noch einmal erleben. Bloßstellen heißt deren Devise nun.

PS: Alleine schon aus der Einschätzung eines Händlers, der meint, der Ölpreis bleibt niedrig, solange Maduro an der Macht ist, lässt sich ablesen, dass dort ein Proxy-War stattfindet. Eigentlich müsste es umgekehrt sein, denn sein Land produziert nur ein Bruchteil dessen, was es eigentlich fördern könnte, wäre die Wirtschaft einigermaßen intakt.

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„Avengers: Endgame“ – ein besseres Finale

Was könnte „Avengers: Endgame“ mit einem Endspiel im Fußball gemeinsam haben? Die Fußballexperten wissen es – meistens sind diese langweilig, wobei die Regel gilt, dass je bedeutender das Match, desto öder und trostloser wird auf dem Rasen gekickt, was nichts Gutes für uns Kinogänger verspricht, locken die „Avengers“ doch Millionen in die Theater. Nach den Maßstäben des Fußballs gehört der Film jedoch zu den besseren Finalen, was ihn aber nicht gleich zu einem Topfilm macht – während der fast 3 Stunden, die ich im Kino saß (sollten die Filme noch länger werden, wird es für Leute meines Alters Pflicht, Kompressionsstrümpfe zu tragen), hatte ich immer das Gefühl, etwas Bedeutendem beizuwohnen, sprich die sprichwörtliche Nonchalance, mit der unsere Freude die Dinge anzugehen pflegten, musste sich oft dem Ernst geschlagen geben. Vielleicht wäre der Abschied lockerer verlaufen, hätte die Filmcrew den „Avengers“ eine leichtere Aufgabe – sie sollen die Hälfte der Erdbevölkerung, die ein großer Mann mit einem beneidenswerten Gebiss, um das ich ihn beneide, sowie einem Superschwert wahllos getötet hat, wieder zum Leben zu erwecken – übertragen. Weniger wäre ihr wohl besser gewesen. Wer so viele Menschen retten muss, der verfällt schnell in Pathos, wie der Fall Brown, der als Premierminister im Unterhaus unbewusst eine Rede in der Zeit der großen Finanzkrise mit dem Satz „We not only saved the world…“ begonnen hatte, wofür er ein großes Gelächter erntete, das ihm bis zu seinem Lebensende verfolgen wird, gezeigt hat. Glücklicherweise gibt es noch genug Szenen, in denen die „Avengers“ ihre gewohnte Form und Leichtigkeit zeigen. Wer überlebt den letzten Kampf der Truppe? Dieser Block wird das natürlich nicht verraten. Nur so viel sei gesagt – der Alte Fritz, der seinen Soldaten, als sie auf dem Schlachtweg vor dem Gegner zurückwichen, zugerufen haben soll „Hunde, wollt ihr den ewig leben?“, wäre schwer enttäuscht. „Putain de technique“ hätte er laut gerufen, und das gleich mehrmals. Dank einer Zeitmaschine stirbt bis auf eine so richtig niemand. Jedenfalls nicht so, wie wir es gewohnt sind. Dafür gibt es eine tolle Beerdigung, die so herzzerreißend ist, dass eine Kinogängerin zu lachen anfing, angesichts der Totenstille, die im Saal herrschte, dann aber doch Angst vor der eigenen Courage bekommen hat. Kitschig, dennoch schön. Eines ist aber sicher – die „Avengers“ kommen noch einmal zurück.

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Solange die „Poseidon“ nicht durch Pipelines kommt

Sie soll schon getestet worden sein, die „Poseidon“, Putins neue Wunderwaffe, die im Gegensatz zu jener, die wir hatten, noch eingesetzt werden kann, wenn man den Krieg längst verloren bzw. sogar kapituliert hat, worüber der Führer, wäre er im Besitz dieser Waffe gewesen, vor lauter boshafter Freude ganz und gar vergessen hätte, sich umzubringen. Damit ja nicht erst der Verdacht aufkommt, Russland habe da etwas konstruiert, dass im Falle eines Krieges automatisch reagiert und nicht mehr gestoppt werden kann (wie bei „Dr. Strangelove“), hat Putin heute ein U-Boot, von dem die „Poseidon“-Drohnen gestartet werden, vom Stapel gelassen – vermutlich das erste und letzte dieser Art. Dafür spricht, dass die Russen sich nicht die Mühe gemacht haben, ein neues Boot zu konstruieren, sondern ein Unterseeboot, das mehr als 20 Jahre lang eingemottet war, umgebaut haben. Noch in diesem Jahr soll es getestet werden. Aber warum soll man die Drohnen von teuren U-Booten starten, wenn diese auch aus von Containern, der auf dem Meeresboden stehen, in Fahrt gesetzt werden können? Die nächste Generation braucht gar keine Behälter mehr – die lässt man in Friedenszeiten in der Nähe der Freiheitsstatue im Schlick versinken, um sie dann im Ernstfall in Höchstgeschwindigkeit auf Manhattan rasen zu lassen. Keine Interkontinentalrakete ist so schnell im Ziel wie diese „Poseidon“-Ungeheuer. (Ich wage mir nicht, auszumalen, was passiert, wenn so ein Ding im Einsatz bzw. Standby mal verrosten sollte.) Die Dinger haben noch den schönen Nebeneffekt, dass die„Nordatlantiker“ nun erst recht höhere Verteidigungsausgaben fordern werden – es gibt nichts Schöneres, als einen Rüstungswettlauf anzuzetteln, in dem man der Igel ist. Und da den Russen die Ideen nicht auszugehen scheinen, werden sie noch sehr lange diese Rolle spielen können. Wie es aussieht, haben die Sanktionen das Land darin bestärkt, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Das schreckt die hiesigen Politiker nicht davon ah, dieser weiterzuführen, selbst auf die Gefahr, vom Wähler abgestraft zu werden. Wer wird noch Weber, der sich ausgerechnet hat, Juncker zu beerben, wählen? Die Polen natürlich. Bei denen kommt seine Ansicht, die zweite Pipeline der Russen durch die Ostsee verhindern zu wollen, gut an. (Vielleicht hat er gehofft, es würde sich niemand für sein Interview, das er einer polnischen Zeitung gab, interessieren.) Sie werden es auch verschmerzen, dass Belorussen sie seit gestern nicht mehr beliefern (angeblich ist das Öl, das die Russen im Augenblick liefern, so schlecht, dass sie es für sich brauchen). Aber warum sollten wir darauf verzichten? Nichts spricht dagegen, solange die Russen keine Röhren-„Poseidon“ auf Lager haben.

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Wird Syrien zu einem zweiten Tschernobyl?

Da haben sich Putin, Erdogan und Assad für Syrien etwas ausgeheckt, von dem im Westen wohl nie jemand gedacht hätte, dass dies möglich sein könnte – entgegen der Regel, nach dem Ende eines Krieges das Land wieder aufzubauen, haben sie sich entschlossen, alles so zu belassen, wie es zur Zeit ist. Da mir nur zwei Länder bekannt sind, die sozialistisch bzw. kommunistisch sind, ist die Einschätzung nicht ganz korrekt – auch in Syrien regiert der Kapitalismus, der bekanntermaßen nur das produziert, was die Menschen nachfragen, worüber dieser ganz zu Recht sehr stolz ist. Die Ironie der Geschichte, die eigentlich eine Tragödie ist, besteht nun darin, dass das Land Baumaterial exportiert, und das ausgerechnet auf die Krim, die hofft, Marmor und Klinker preisgünstiger als vom Mutterland erwerben zu können. Nun bin ich kein Bauexperte. Aber immerhin weiß ich, dass ein Haus aus Marmor sich nur die wenigsten leisten können. Und mit Klinker scheinen keine Ziegelsteine gemeint zu sein, sondern ein Baumaterial, das zur Herstellung von Beton verwendet wird, von dem ich bis heute gedacht habe, er würde in Syrien gebraucht werden. Wer nun meint, in Deutschland habe man nach dem Krieg auch nicht gleich mit Beton und Klinker angefangen, sondern die Steine verwendet, die die „Trümmerfrauen“ auf den Schuttbergen geborgen und aufgearbeitet hatten, dem sei gesagt, dass es diese in Syrien nicht gibt (die Frauen). Und selbst wenn die Flüchtlinge wieder zurückkehren würden, wäre höchst zweifelhaft, ob Assad überhaupt in der Lage ist, diese ABM auch zu finanzieren. (Die Idee der Alliierten, Frauen dafür einzusetzen, war wohl die bisher erfolgreichste Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in der Geschichte. Selbst Hitlers Autobahnen kommen da nicht ran.) So gerecht es auch sein würde, wenn Dschihadistinnen samt ihrer Männer anpackten – es wird dazu nicht kommen. Das Land hätte schon die Probleme, sie zu ernähren, geschweige denn Frauen, die nicht zwangsverpflichtet sind, zu bezahlen. (Die Krim liefert übrigens Getreide.) Will der Westen Assad wirklich loswerden, müsste er für Anreize sorgen, die Flüchtlinge bewegen, wieder zurückzukehren. Entwicklungshilfe für jemanden, der wie kein zweiter geächtet wird. Dazu wird es nicht kommen. Isis braucht nur im Untergrund auf den richtigen Moment des Zuschlagens zu werden. Und da die Alliierten die Städte zerstört haben, sind Erinnerungen der Geflohenen an die Schikanen und Gräuel in den Jahren der Herrschaft Isis‘ schnell vergessen.

Arg gewöhnungsbedürftig, das Kanzlerduell auf ukrainisch. Hier stoppt keiner die Zeit. Und die Kandidaten kommen mit Gefolge, so dass es manchmal gar nicht so einfach ist, diese auf dem Bildschirm zu finden. Das könnte den hiesigen Kandidaten nicht passieren. Die Teilen das Bild nicht mit ihren Unterstützern. Die wollen ganz alleine im Fernsehen sein.

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Nostradamus hätte es wissen müssen

Wie konnte Nostradamus, der Hitler vorausgesagt hatte, sich so irren? 2019 ist zwar noch jung, aber selbst die Existenz eines Nebenpapstes, pensioniert, aber immer noch recht rüstig, macht dessen Prophezeiung, in diesem Jahr würde der Papst ermordet werden, nicht wahrscheinlicher. Und obwohl kaum einer Trump leiden kann, wünscht niemand, dass dessen Voraussage über ein Erdbeben in den USA Wirklichkeit wird. Hätten wir Nostradamus geglaubt, wenn er behauptet hätte, Notre Dame würde abbrennen? Natürlich nicht, wobei eine Wahrsagerin, ohne es zu wissen, schon eingeräumt hat, ihren Nostradamus nicht am Anfang des Jahres gelesen zu haben – sie behauptet nun, er habe den Brand vorhergesagt. (Das sollte eigentlich Pflichtlektüre sein. Die Kommunisten kennen ihren Marx da viel besser.) Als Seher muss man eben nicht nur in die Zukunft gucken, sondern auch stattgefundene Ereignisse richtig zu interpretieren wissen. Wenn schon die Hellseher versagen und sich damit zufriedengeben, im Nachhinein das architektonisch-kulturelle Inferno vorherzusagen, weiß Charlie Hebdo wenigstens, wer an diesem Desaster Schuld ist – der Teufel, dessen Reformen mit dem Dachstuhl beginnen. Frei interpretiert heißt das wohl, dass an allen Ecken und Enden gespart werden musste. Wiki schreibt, der Erzbischof habe alle möglichen Quellen anzapfen müssen, um den Erhalt seiner Kirche zu gewährleisten. (Es wird immer gesagt, man solle erst einmal die Untersuchungsergebnisse abwarten, bevor man ein Urteil fällt. Man kann sich ziemlich sicher sein, dass die Kommission herausfinden wird, dass der Brand hätte verhindert werden können. Und da für die Arbeiten Spezialisten eingesetzt wurden, ist es höchst unwahrscheinlich, dass diese fahrlässig gegen Vorschriften verstoßen haben.) Dafür fliest das Geld nach dem Brand umso reichlicher. War vor Katastrophe die Kirche, die am wenigstens von der Kathedrale profitierte, alleine verantwortlich, hat Macron den Wiederaufbau zu einem Staatsakt gemacht. Scheitert die Rekonstruktion, scheitert auch Frankreich. Die hiesiger Berichterstattung vermittelt den Eindruck, dass wenig Lust bestehe, die Sache aufzuklären. Die Franzosen sind nur traurig. Die Schuldfrage scheint im Augenblick niemanden zu interessieren. Außer Charlie Hebdo natürlich.

Notre Dame – Charlie Hebdo

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Wer kann Merz noch verhindern?

Es kommt mal wieder so, wie dieser Blog, der nach AKKs Abstimmungssieg über Merz der Meinung war, dass dieser viel zu knapp ausgefallen sei, um ihn für immer in die Etagen der Hochfinanz zu verbannen, vorausgesagt hat – er ist zurück, aber diesmal nicht als Konkurrent der Merkel-Vertrauten, sondern als deren Vertrauter bzw. loyal Untergebener, worüber sich besonders Altkanzler Schröder freuen dürfte, der meinte, mit Merz würde die Union wieder erz-konservativ, was seine Partei in die Lage versetzen würde, nach links zur rücken. So beachtlich es auch ist, mit 75 Jahren zu lernen, wie man einen Golfball trifft – wer Golf spielt, den bestraft das Leben, denn mit jedem geglückten Schlag scheint auch ein Stück politischen Instinkts mitsamt des Balls davon zu fliegen, um irgendwo im hohen Gras zu landen. (Um Anfängern nicht den Mut zu nehmen, wird dieses Areal in der Golfsprache „Rough“ genannt). Aber vielleicht ist es gar nicht sein sprichwörtlich berühmter Instinkt, der ihm da abhanden gekommen. Vielmehr scheint er noch zu glauben, dass seit seiner Wahl vor 20 Jahren Deutschland sich nicht verändert habe, demografisch jedenfalls. Damals waren der SPD die Jungwähler so gut wie sicher. Und dann schaffte er es, die über 35-Jährigen für sich zu gewinnen. Heute entscheiden aber Rentner Wahlen. Die haben keine keine Lust auf Experimente. Die meisten wollen, dass es so ist, wie es ist. Vermutlich ist das auch der Grund, warum seit geraumer Zeit linke Politiker sich hier so schwer tun, während sie bspw. in Amerika, das meines Wissens in seiner jüngsten Vergangenheit immer eine Geburtenüberschuss ausweisen konnte, atemberaubende Karrieren, die hierzulande völlig unmöglich sind, hinlegen. Selbst ein kühner „Green New Deal“, wie AOC in den Staaten umzusetzen gedenkt, würde Kühnert bzw. der SPD kaum mehr Stimmen bringen. Die Demografie spricht gegen linke Politik in den nächsten Jahren. Merz kann sich also darauf freuen, bald Finanzminister zu werden. Und das eine Weile lang bleiben. Erst wenn die Wähler der Grünen Rentner sind, muss er ans Aufhören denken. Und das kann noch dauern, wie das Beispiel der ewig in den Medien präsenten Claudia Roth zeigt.

PS: Halle ergeht es wie Schalke – namhafte Spieler, die nicht zu einander passen. Im Gegensatz zum Traditionsklub aus dem Westen ist die Stadt wissentlich in die Misere gerutscht. Statt jemanden zu holen, der sich nur mit Finanzen auskennt, verpflichtete Halle einen Kultur-Manager, der den Ruf hat, sich nicht aufs Finanzielle bei der Leitung von Opern- und Theaterhäusern zu beschränken. Das Chaos, was nun herrscht, beschreibt der MDR am besten (von Nacktbildern bis zu falschen Wiki-Einträgen ist alles dabei). Nach dem Intendanten der Oper könnte nun der des NTs gehen, der Gespräche über die Verlängerung seines Vertrags ausgesetzt hat. Für Theatergänger wäre das ein Verlust. Während er auf der Bühne immer den richtigen Ton zu treffen scheint, schießt er in seinen Briefen regelmäßig über das Ziel hinaus. Die Reaktion ist entsprechend. Von Wohlwollen kann keine Rede sein.

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