Arthur Fleck als Joker wider Willen

Arthur Fleck als Joker wider Willen – ein Schicksal, von dem man sich wünscht, es möge nicht einem selbst widerfahren, selbst wenn die halbe Welt erfährt, was man angerichtet hat. In gewisser Weise könnte man sagen, der Joker ist da in etwas hineingerutscht, für das er nichts kann – zum einen, weil die Geschehnisse ihm keine andere Wahl ließen, als so zu reagieren, wie er es getan hat, zum anderen, weil er geistig und charakterlich nicht in der Lage war, die richtige Schlüsse zu ziehen. Der eine oder andere Mord war darum sicherlich überflüssig, aus dessen Sicht und der Dramaturgie jedoch folgerichtig. Das entspricht so gar nicht dem Klischee, das besagt, wer hart kämpft, könne in den USA alles erreichen, was er sich vorgenommen hat. Aber wenn ausgerechnet ein Präsident, der ganz und gar nicht verdächtigt wird, ein Kapitalismuskritiker zu sein, Maßnahmen (auch wenn dessen Zollkrieg gegen die Welt von vielen als unsinnig eingestuft) ergreift, die darauf hindeuten, dass die Vorstellung, die Millionen dazu gebracht hat, in die Staaten auszuwandern, nicht mehr so recht der Wahrheit entsprechen will, dann muss der Film ein Lebensgefühl, das nicht unbedingt in denen Gegenden, die boomen, anzutreffen ist, widerspiegeln, auch wenn die Story in den 80ern, als es in NY alias Gotham City ziemlich drunter und drüber ging, spielt. Joaquin Phoenix muss einen Joker verkörpern, der, so will es Regisseur Todd Phillips, den Zuschauer, egal was dieser auch tut, nie anekeln darf – eine Traumrolle für jeden Schauspieler. Phoenix schafft dies glänzend (fast so wie Lawrence Olivier als Richard III.). Im Gegensatz zur Olivier, dessen Spiel und Schurkereien begeistern, erlaubt Phillips seinem Joker nicht, die Linie zwischen Verständnis und Begeisterung zu überschritten. Diese Gratwanderung gelingt ihm außerordentlich gut. Wegen ihm gerät die Stadt zwar in eine Lage, die jener in „Cosmopolis“, von dem ich glaube, dass er in einigen Jahren als Meisterwerk eingeschätzt werden wird, ähnelt. Das jedoch ohne dessen Absicht. Der nächste Joker wird vermutlich ganz anders. Richard gemäßer.

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Verglühen wegen den Rechten – nein danke

Die Rechten zerstören die Welt und niemand hindert sie daran – wer schon lange diese Meinung vertritt, dass dem so ist, der darf sich heute in seiner Überzeugung bestätigt fühlen, Leute, die noch zweifeln, dürften nun noch mehr zu dieser Ansicht neigen. Während die Rechten einen richtigen Krieg gegen die Welt führen, haben die Politiker der Mitte sich entschlossen, gegen sie einen Sitzkrieg zu führen. Clausewitzs Ansicht, die sagt, der Angriff sei die beste Verteidigung, gilt für sie nicht mehr – man wartet lieber ab, was der Gegner macht. So wie Merkel, die ihre angebliche Bemerkung, Irland müsse wenigstens das Recht haben, mit einem Veto den Austritt Nordirlands zu verhindern, unkommentiert ließ. Eine Quelle aus der Downing Street hat den Journalisten dies und noch mehr den Journalisten gesteckt. Angesichts Boris‘ Strategie, möglichst keine Rechenschaft über den Stand der Verhandlungen abzugeben – darum sollen die Abgeordneten noch einmal in eine Zwangspause geschickt werden –, wäre sie gut damit beraten, genau das Gegenteil zu machen, sprich sie sollte das Gespräch ins Netz stellen, so dass jeder nachlesen kann, über was die beiden gesprochen haben. Selbst wenn sie etwas gesagt haben sollte, was die EU nicht teilt (wie eben das Vetorecht Irlands), wäre eine Veröffentlichung des Gesprächs dem Schweigen vorzuziehen, was dem dem Clan um Boris nun erlaubt, den Briten zu erzählen, dass der Brexit nicht zu verhindern sei. Europa macht lieber auf vornehm. So soll ja bekanntlich auch die Welt zugrunde gehen, was sich durchaus bewahrheiten könnte. Vornehme Zurückhaltung ist angesichts hinterwäldlerischer Rechter, die es schaffen, hinterwäldlerische Wähler zu überreden, mit ihnen ins letzte Gefecht zu ziehen (wer glaubt da noch an Marx‘ letztes Gefecht), nicht sehr hilfreich. (Noch) sind wir aber nicht auf der Titanic. Noch ist Zeit, die Kollision mit dem Eisberg zu vermeiden, denn wer glaubt, der Brexit würde aus Britannien einen Ökostaat machen, der irrt sich gewaltig. Das Land, das den Kapitalismus erfunden hat, wird zu dessen Ursprüngen zurückkehren müssen, will es eine Chance haben, seinen Stand in der Welt zu halten. Wenn Labour genauso linkisch wie Demokraten vorgeht, dann wird der Albtraum so schnell kein Ende nehmen. So schön es auch ist, Trump zu impeachen – Sinn macht es nur, wenn die eigene Partei keinen Schaden nimmt. Und da Biden scheinbar gar nicht daran denkt, sich aus dem Präsidentschaftskandidatenrennen zu verabschieden, könnte die Kampagne der Partei sehr schaden. Wird Biden nicht der Kandidat der Demokraten, kann Trump behaupten, die trauen ihm wegen der Affäre seines Sohnes nicht mehr. Schafft er es, ist er für viele wegen der Privilegien, die seinem Sohn ermöglichten, in der Ukraine viel Geld zu verdienen, unwählbar. Besser kann es für die Rechten nicht laufen. Nicht auszudenken, wen das Öl, das die Strände Brasiliens verunreinigt, tatsächlich aus Venezuela stammen. Dann kann der der Amazonas Brandroder Bolsonaro als Umweltheld feiern lassen. Einziger Trost – der ehemalige Fallschirmjäger Bolsonara springt über Caracas ab. Und das am besten alleine.

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Tag der Einheit – erstmals ohne Ossis

Es ist geschafft, der Tag der Einheit ist vorbei, was nicht heißt, dass ich diesem Gedenktag nicht nicht viel abgewinnen kann – natürlich mag ich ihn, denn schließlich ist das ein arbeitsfreier Tag, der sich von den anderen nur dadurch unterscheidet, dass an den Vortagen und am Ehrentag selbst viel öfter als sonst über die Ostdeutschen berichtet wird. Die Sicht auf die Wende und die Einheit hat sich natürlich im Laufe der Zeit geändert. In diesem Jahr fiel oft das Wort „Kolonie“, die völlig vom Westen kontrolliert werde, da dieser, anders als die Briten, die sich bspw. in Britisch-Indien gerne Einheimischer bedienten, was wesentlich kostengünstiger war (sie haben sozusagen die Buschzulage gespart), beim Aufbau und der damit verbundenen Rekultivierung des Ostens auf Leute mit westdeutschen Stallgeruch gesetzt hat. (Vermutlich wäre die Wiedervereinigung ganz anders verlaufen, wenn Stalin der Gründung der DDR nur unter der Bedingung, dass dessen Bewohner ab sofort nur noch Russisch sprechen dürfen, zugestimmt hätte. Da die Kommunisten glaubten, dass der Sieg des Sozialismus ein Naturgesetz sei, ist niemand auf den Gedanken gekommen, es einer eventuellen Reconquista des Klassenfeindes so schwer wie möglich zu machen.) Leider kommt die Erkenntnis von der Kolonialisierung am jüngsten Tag der Einheit 15 oder gar 20 Jahre zu spät. Damals fühlten sich die Ostdeutschen, sehr zum Missfallen der etablierten Parteien, die mehr Dankbarkeit angesichts der Milliarden von Deutschmark und Euros, die ins Land gepumpt wurden, erwartet hatten, noch als Ossis. Und „Die Linke“ bzw. die PDS war die Partei, von der viele glaubten, sie würde ihre Interesse gut vertreten. Vielleicht hat der eine oder andere Journalisten, der in den letzten Tagen kritisch über die Einheit berichtet hat, beim Schreiben wehmütig an diese Zeiten bzw. die verpasste Chance, reinen Tisch zu machen, gedacht. Denn aus den Ossis sind dank der AfD nun Deutsche geworden. (Marx würde dies als Metamorphose zum Kleinbürger, der versucht, sich von Leuten und Gruppierungen, von denen er glaubt,, er müsse sich von ihnen abgrenzen, bezeichnen,) Seine materielle Situation hat sich zwar nicht sonderlich gebessert, dank der AfD fühlt er sich aber besser als früher – zwar immer noch Bürger zweiter Klasse, jedoch als echter Deutsche hat er nun einen Anspruch auf eine besseres Leben. Dieser Tag der Einheit war also etwas Besonderes – nie war in den Medien die Erkenntnis, dass vieles im Vereinigungsprozess falsch lief, größer. Den Ossi hätte das noch interessiert. Dem Deutschen à la AfD ist, da er sich im Kreis aufgenommen sieht, das ziemlich egal.

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Die Welt braucht viele Doppelgänger

Können Doppelgänger die Menschheit vor ihrem Untergang bewahren? Als ich gestern las, eine Firma aus Perm würde mit der Massenproduktion menschenähnlicher Roboter beginnen, dachte ich erst an einen, der mir nicht nur ähnelt, sonder der mich auch auf Arbeit vertritt. Ich bräuchte dann den Tag nicht mehr im Büro zu verbringen, was sicherlich im Interesse meines Arbeitgebers wäre, würde meine Vertretung doch rund um die Uhr arbeiten. Nur während des Aufladens seiner Batterien müsste er pausieren. Aufgrund seiner hohen Produktivität würde er da bald alleine sitzen und mir ermöglichen, das Gehalt von mehreren Angestellten zu beziehen. Was früher die Streikbrecher waren, das sind morgen die Doppelgänger-Besitzer. Aber vermutlich würde es bis dahin erst gar nicht kommen. Mit einem Eimer Wasser lässt die ultra-dominante Konkurrenz schnell ausschalten. Aber selbst der größte Egoist stellt seine Begehren zurück, wenn er merkt, deren Erfüllung nicht mehr richtig genießen zu können, was vor allem an unserer Politikern liegt, die jeden umweltbewussten Ich-Menschen in einen Altruisten verwandeln, der sein letztes Hemd hergibt, um viele berühmte Doppelgänger mit dem Ziel zu kaufen, dass diese in spektakulären Reden die Politik jener, nach denen sie geformt wurden, völlig auf den Kopf stellen. Vorbild ist natürlich der Film „Der große Diktatur“, in dem am Ende ein jüdischer Friseur auf einen Parteitag die Politik Hynkels, in dessen Rolle er geschlüpft war, konterkariert. Ein Boris-Imitat, der auf dem Parteitag der Tories verkündet, erst die EU verlassen zu wollen, wenn alle wichtigen Punkte zwischen beiden geklärt seien, wäre, anders als Chaplin nach seiner Rede in Osterlitsch (in einer Atmosphäre wie auf Reichsparteitagsgelände), wohl von den Delegierten gelyncht worden, was nicht unbedingt schlecht für alle jene, die einen sanfteren Kurs befürworten, gewesen wäre – das Entblöden jener, die hinterwäldlerische Ideen vertreten, kann mitunter für eine Sache gar von Vorteil sein. Bemisst man die Politiker nach ihren Taten bzgl. der Eindämmung der Erderwärmung, dann kann man nicht umhin, festzustellen, dass nur eine großer Einsatz prominenter Roboter-Doppelgänger die Welt noch retten kann. Sogar Putin, der mit seiner Bemerkung, Grete habe nicht verstanden, dass die moderne Welt komplex und unterschiedlich sei, zum Ausdruck gebracht hat, dass er den Wissenschaftlern nicht so recht glauben schenkt, müsste durch sein künstliches Ebenbild ersetzt werden. Hilfreich wäre ein künstlicher Putin, der im Fernsehen verkündet, darauf zu verzichten, neue fossile Lagerstätten zu erschließen. Ferner würden alle Kohlekraftwerke geschlossen sowie die Windenergie gefördert werden. Derartige Roboten bedarf es viele. Selbst für Merkel müsste einer her.

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Impeachment für Trump und Biden

Wenn schon Impeachment, dann bitte auch eines für Joe Biden, das, da Parteiintern, zwar ein paar Nummern kleine ausfallen würde als jenes, das Trump höchstwahrscheinlich bevorsteht, dafür jedoch der Welt signalisieren würde, dass die Demokraten bereit sind, Amerikas imperialistische Allüren beenden zu wollen – ein Wahlkampf zwischen zwei Imperialisten ist das Letzte, was die Welt braucht, wenn Greta wieder zur Schule gehen muss. Wir können von ihr nicht verlangen, aufs Abi zu verzichten, um uns zu retten. Da müssen wir schon selbst ran. In Amerika sind es die Demokraten, die mit einem kleinen Impeachment (dem Ausschluss Bidens von den Primaries) ein Zeichen setzen könnten, von alten Gewohnheiten Abschied nehmen zu wollen, denn im Grunde genommen hat Trump nur etwas versucht, was Biden erfolgreich vorgemacht hat, nämlich einer missliebige Person zu schaden bzw. diese loszuwerden. Der einzige Unterschied ist nur, dass Trump Krieg gegen einen Landsmann führt, während Biden einen ukrainischen Staatsanwalt, der angeblich nichts gegen die Korruption unternommen habe, mit der Drohung, dem Land einen Milliardenkredit zurückzuhalten, praktisch aus seinem Amt geboxt hat. Dumm nur, dass die Ausnahme von der Regel ausgerechnet jene Firma war, für die sein Sohn gearbeitet hat. Da hat Trump, dessen Nase den Schmutz anderer besser als jeder Beagle zu riechen vermag, sofort Lunte gerochen. Leider war Wikileaks diesmal nicht zur Hand, so dass er gezwungen war, selbst zum Telefonhörer zu greifen, um auf seine unnachahmliche Art den neuen ukrainischen Präsidenten aufzufordern, etwas zu finden, das Bidens Sohn belasten könnte. Diesmal war es kein Milliardenkredit, der verweigert werden würde, sondern Militärhilfe. Pech ist nur, das Trump nicht jemanden aus seinem Clan die Sache hat regeln lassen. Vielleicht haben die aufgrund der Erfahrungen, die viele, die ihm halfen, machen mussten, alle dankend abgelehnt. Da jemand das Gespräch, da es nicht ganz koscher war, an eine Stelle, die den Inhalt einzuordnen weiß, weitergeleitet hat, droht ihm nun ein Impeachment, was nicht unbedingt schlecht für den nächsten Wahlkampf sein muss, zumal wenn sein Gegner Biden hieße. Was bei Clinton gut funktioniert hat, sollte auch beim Alt-Vizepräsidenten klappen. Um den Eindruck entgegenzutreten, Amerikas Politiker würden die Welt als ihren Vorhof, in dem sie tun und lassen können, was sie wollen, betrachten, wären die Demokraten gut beraten, sich von Biden zu trennen. Wenn die USA weiter so macht wie bisher, muss sie fürchten, dass das Ausland bei den nächsten Fakenewskampagnen einer fremden Macht mit einen „Na und.“ antwortet. Dagegen hilft nur ein Impeachment für beide.

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Liefern oder Nichtliefern – das ist hier die Frage,

und liefern muss, so will es die Ironie der Geschichte, nicht unbedingt der Mann, den dessen Parteimitglieder dazu auserkoren haben, das Land zu regieren, sondern der Oppositionsführer, der ab morgen beweisen muss, dass die höchstrichterlicher Entscheidung, ihn und seine Kollegen morgen wieder im Parlament arbeiten zu lassen, richtig ist. Nicht dass Corbyn zu faul und zu bequem wäre, seine Ziele durchzuboxen. Oder auszumachen ist, dass er keine Lust, sich mit der Regierung zu streiten. Der Mann diskutiert sehr lange. Sein Problem ist nur, dass er etwas liefern will, von dem er glaubt, das wird die Menschen in seinem Land versöhnlich stimmen, in Wirklichkeit jedoch sein Plan, es allen irgendwie recht zu machen, von den meisten abgelehnt wird. Wozu beim Brexit einen Kompromiss machen? Wer wie er für sein Königreich ein Status, wie Norwegen ihn hat, wünscht, der kann gleich in der EU bleiben. Damit nicht genug. Er muss erst einmal mit der EU darüber verhandeln. Und ganz im Gegensatz zu Boris, der in der Wählergunst nur vorne liegt, weil dessen Anhänger wissen, dass er überhaupt nicht daran interessiert ist, zu verhandeln, meint Corbyn es ernst damit. Polarisierer schwächt man nicht, indem man die Folgen deren unsinnigen Pläne abzumildern versucht. Nun ist Corbyn gezwungen, bis zum 31. 10. selbst etwas im Parlament auf die Beine zu stellen, sprich er muss (neudeutsch) liefern. Das wird schwer, ja das ist fast unmöglich. Niemand will ihn in eine Minderheitsregierung, die ihm erlauben könnte, seine Pläne mit Hilfe der EU durchzusetzen, hieven. Kommt es zu Neuwahlen, ist es angesichts der Zersplitterung der EU-freundlichen Parteien höchst wahrscheinlich, dass Boris durchregieren kann. Da war Greta wesentlich cleverer als Corbyn – die ließ gestern bei ihrem Auftritt vor der UN den Verdacht aufkommen, die viele Prominenz um sie herum könnte ihr Herz erweichen. Keine Kompromisse hieß ihre Devise. Da kann selbst Ulli Hoeneß noch etwas lernen. Sie hat sich sogar bei der UN über Deutschland beschwert hat, weil es nicht genug für die Umwelt tun würde. Gestern hieß es noch in der ARD, es sei eine Auszeichnung der UN, dass Merkel beim Klimagipfel als eine von vier reden durfte. Nur jene, die mit konkreten Maßnahmen den Klimawandel stoppten, hätten ran gedurft. So unrecht hat Greta mit ihrer Klage nicht – wäre sie gestern als Ehrengast nach Halle zur Eröffnung einer sanierten Straße eingeladen worden, hätte sie vermutlich den ganzen Abend im Hotel geheult (in Big Apple war es nur eine Träne). Gehwegsteine, soweit das Auge reicht, da in Halle das Umsteigen von der Bahn zum Bus sowie vom Bus in die Bahn neu erfunden wurde. Und ein überdimensionaler Kreisverkehr, den keiner braucht. Und Ampeln über Ampeln. Was hier geht, wäre in New York wegen Platzmangel unmöglich.

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Ist Brad Pitt der neue Gary Cooper?

Den ersten Schritt hat Brad Pitt getan – nach dem Trip zum Neptun, den er zwar ohne Frauen an seiner Seite durchstehen muss, er dafür aber in einer Rolle brillieren darf, die ihn um mindestens 10 Jahre jünger macht als er in Wirklichkeit ist, spricht vieles dafür, dass weitere dieser Art, die sicherlich nicht von ihm so viel abverlangen werden wie die Reise zum Ende unseres Sonnensystem, folgen dürften. Ganz freiwillig hat er sich nicht auf die Odyssee begeben. „Wegen der Sünden der Väter, die auf den Söhnen laste“, was vieles über seine Erziehung sagt, hat er sich auf die Tour eingelassen – sein Vater, der sich vor 25 Jahren aufgemacht hat, im All nach Aliens zu suchen, gilt seit 16 Jahren als verschollen. Da aus dem All Stromstöße, die enorme Schäden auf der Erde und deren Kolonien verursachen, genau aus der Richtung, wo sein Vater „gestrandet“ sein könnte, kommen, wird dieser dafür verantwortlich gemacht. Solche Väter wünscht man nicht einmal seinem größten Feind. Aber Brad Pitt ist nicht jemand, der sich darüber beklagt, seine Ehre und die seines Vater retten zu müssen. Stoisch hält er durch. Je länger die Reise in „Ad Astra“ dauert, desto klarer wird sein Blick, wer sein Vater eigentlich war. Seine Katharsis im Weltraum ist schön anzuschauen – ganz im Gegensatz zum Zeitgeist, der dem lautesten die größte Aufmerksamkeit widmet, bleibt er immer still. Wutanfälle kennt er nicht. So wie wir die Helden aus den Glanzzeiten Hollywoods kennen. Da heult man nur, wenn man andere in die Irre führen will, wie es Robert Mitchum in „Die Nacht des Jägers“ eindrucksvoll vorgeführt hat. Und die Rollen könnten, da Greta nun auch Amerika erobert hat, jener, die Cooper und Co. verkörperten, sehr ähneln – Brad Pitt als Rancher, der sich partout weigert, eine Firma auf seinem Acker Fracking betreiben zu lassen, zu verkaufen. Oder jemand, der geächtet wird, weil er gleich hinter dem Dorf eine Windfarm errichten will. Stoff gibt es genügend. Pitt als der Mann, der stets das Gute und Fortschrittliche verkörpert. Hollywod mag es, das Klischee vom einsamen Mann, der allein die Welt rettet, zu nähren. Die Frage ist nur, wie lange das noch funktioniert, denn„Fridays for Future“ scheint ein reiner Mädchenladen, zu dem Jungs keinen Zutritt haben, zu sein. Die Schulschwänzer zum Wohle der Menschheit scheinen im Fernsehen ausschließlich Mädchen zu vertreten, was einer einer Polwanderung gleichkommt, da in meiner Schulzeit Politik die Mädchen überhaupt nicht interessierte. Damals galt nicht einmal die Ausnahme als die Regel. Nun werden wir von einer Spätzünderin regiert, die dafür angegriffen wird, niemanden wehtun zu wollen (Überschrift Podcast SZ), was impliziert, dass gute Politik nur möglich ist, wenn die Leute unter ihr leiden. Wegen vieler potentiellen Messiasinnen und Jeanne d‘Arcs, die es unter den Protestlern zu geben scheint, kann es nur besser werden. Vermutlich ohne Jungs. Dafür haben wir Brad Pitt, der uns in seinen Filmen für zwei Stunden die Herrschaft des Matriarchats vergessen lässt.

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Glück für die Saudis, Pech für die Welt

Was gestern für die Saudis noch als Supergau aussah, über den „Colonal Cassad“ schrieb, die Einschläge der Kamikaze-Drohnen (und Cruise Missiles?) seien so präzise, dass der Angriff der Houthis auf die größte Erdölraffinerie der Welt durch aus mit jenem der Japaner auf Pearl Harbor verglichen werden könne, ist heute zu einem Betriebsunfall herabgestuft worden, dessen Reparatur nur drei bis vier Wochen dauern werde. (Auf Hawaii war es ähnlich – nicht moderne Flugzeugträger wurden zerstört, sondern Schlachtkreuzer, die, wie sich später herausstellen sollte, nicht mehr zeitgemäß waren.) Die „petrolfinen“ Bürger dieser Welt können dank der Mitteilung der Saudis aufatmen. Sie werden sich fürs erste nicht einzuschränken brauchen. Und selbst wenn Aramco, der Konzern, der die Anlage betreibt, entschieden länger für die Reparatur benötigen sollte, dürfte der Preis wegen Fähigkeit des Marktes, den Angebotsverlust kompensieren zu können, nicht weiter steigen. Insofern war es ein kluger Schachzug, so zu tun, als ob man alles im Griff habe. Für den Klimaschutz ist das aber eine Katastrophe – der wichtigste Ölexporteur der Welt halbiert seine Produktion und der Verbraucher merkt es nicht. Zu allem Überfluss liefern klassische Ölländer wie Venezuela, Libyen und Iran aus verschiedensten Gründen nur ein Bruchteil dessen, was sie früher mal imstande waren, zu fördern. Macht es da überhaupt einen Sinn, den Bürger für den Fall, dass sie ein E-Auto kaufen, Kaufprämien und Vergünstigungen in Aussicht zu stellen? Wer in Norwegen ein E-Auto fahrt, dem erlässt der Staat praktisch alle Abgaben, während er von den Besitzern herkömmlicher Wagen diese schonungslos zu fordern gedenkt. 2 Milliarden Dollar kostet das dem Staat jährlich. Petrodollars, die der Staat in Form von Steuern von jedem Unternehmen einnimmt, das vor der Küste Öl und Gas fördert, machen die Zuschüsse möglich. Viele der Besitzer von E-Autos dürften vom Ölboom profitieren. Aber wäre es fürs Klima nicht besser, wenn der Staat es den Konzernen erschweren würde, neue Lagerstätten zu erschließen? Indem er es bspw. unterlässt, neue Konzessionen herauszugeben. Oder die Dividende von Ölkonzernen mit einer Ökoabgabe besteuert. Stattdessen kommt er mit einer CO2-Abgabe, der der Verbraucher zu tragen hat. Und natürlich werden E-Autos gefördert, während die Bahn und der öffentliche Nahverkehr auf der Strecke bleibt. Nichts anderes wird auf dem Klimagipfel übermorgen beschlossen werden. Wegen der geringen Schäden haben sich die Chancen für die Saudis, Aramco erfolgreich an die Börse zu bringen, erhöht (vermutlich auch mit dem Ersparten stolze E-Autobesitzer). Der Börsengang ermöglicht den Saudis, dank neuer Felder die Welt weiter mit Öl überschütten zu können.

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Apple bietet jetzt auch Fernsehen an

Wenn Apple ankündigt, ab dem 1. November Fernsehen machen zu wollen, dann stellt sich angesichts der Summen, die der Konzern bereit ist, in neue Projekte zu investieren, sofort die Frage, ob der Bond-Film, der im Augenblick gedreht wird, der letzte ist, den die Fans der Serie im Kino erleben dürfen. 3 Milliarden Dollar soll der neue futuristisch-extravagante Firmensitz gekostet haben. Fürs eigene Fernsehen hat Apple nun noch einmal 3 Milliarden Dollar draufgelegt. Und da die Cook lange nicht alles, was in der Portokasse liegt, ausgegeben haben dürften, hat der Blog die dunkle Ahnung, dass es nicht darum geht, wie viele Bond Filme die Kalifornier finanzieren könnten, sondern nur noch darum, wann sie es tun, was für eingefleischte Kinogänger der absolute Supergau wäre. Am Ende dieser Entwicklung kauft keiner mehr ein iphone wegen dessen technischer Überlegenheit und einfacheren Handhabbarkeit. Einzig und allein die Dienste, die das Handy bietet (für eine bestimmte Zeit auch kostenlos), lassen die Kunden dann noch vor den Stores Schlange stehen. Apple wird dann dafür sorgen, dass das iphone alle relevanten Daten spätestens dann, wenn man seine Wohnung betreten hat, lädt (Verbindung zum Kühlschrank, zur Gesundheitskamera im Bad, dem Regler für die Temperatur etc.). Fürs Erste muss sich der Käufer eines Apple Produkts damit begnügen, nach dem Auspacken sich erst einmal nur Filme anschauen zu können. (Leser eines Apple Gerätes mögen mir meine völlige Unkenntnis über die Apps, die vorinstalliert sind, verzeihen.) Lt. Werbung soll es nur Eigenproduktionen geben (sie nennen das Originals), die nur auf dem Apple Fernseher laufen. Ausschließlichkeit bedeutet zwar nicht gleich Topqualität. Um auf Dauer jedoch attraktiv zu sein, muss Apple eben solche Filme anbieten. („Hala“ bekommt 86% bei Rotten Tomatoes.) Liegt es da nicht auf der Hand, sich die Rechte für Blockbusters zu sichern? Wie es aussieht, produziert Apple keine Movies selbst, sondern erwirbt die Rechte an jenen, von denen es glaubt, sie könnten ins Sendeschema passen. Die Firma war schon immer cleverer als die anderen – während diese die Neuheiten entwickelt haben, hat Apple sie dann eingesetzt, wenn sie ausgereift waren. Mit den Filmen scheint es ähnlich zu laufen – dessen Finanzierung überlässt sie anderen (aber ohne dem „stupid German money“). Das heißt, dass mit dem neuen Kanal nicht gleich mehr Filme produziert werden, so dass Hollywood weiterhin ein Paradies für einige wenige bleiben wird. Der Kinobesucher wird auf einige Filme verzichten müssen. Und wer Apple kennt, der weiß, dass sie sich nur mit dem Besten zufrieden geben.

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Trump, der ewige Ruhm und Drewermann

Armer Trump, denn wenn er schon einmal im Amt ist, dann will er nicht nur als Präsident, der sich von seinen Vorgängern kaum abhebt, in die Geschichte eingehen, sonders als einer, der sich mit den großen Führern seinen Landes messen kann. An Lincoln möchte er schon herankommen. Besser noch, in einem Atemzug mit Roosevelt genannt zu werden, was natürlich ungeheuer schwer, auch weil nach der Vielzahl der Kriege, die dessen Vorgänger mit mäßigen Erfolg führten, die Schlacht als Mittel für ein Rendezvous mit dem Ruhm kaum mehr taugt. Das war unter Friedrich noch ganz anders. Der hatte das Glück, einen Vater zu haben, der zwar als „Soldatenkönig“ in die Geschichte einging, es jedoch tunlichst unterließ, seine langen Kerls in einen Krieg zu schicken. Wäre er seinem Vater gefolgt, hätte ihn die Welt schon längst vergessen. Das konnte Trump, als er Bolton, den Mann mit den Krallen unter dem Bart, vor anderthalb Jahren anheuerte, nicht wissen. Oder er wollte es nicht. Gut möglich, dass Trump damals am Ruhm noch nicht so sehr interessiert war. Das muss sich geändert haben, denn im Laufe der 15 Monate hat sich Bolton immer mehr als „Ruhm-Verhinderer“ entpuppt – alle Auseinandersetzungen, die Trump auf dessen Geheiß angefangen hat, haben seinem Image schwer geschadet. Als nun noch die Verhandlungen mit den Taliban scheiterten, muss es Donald gereicht haben – Bolton musste weg. Und da Netanjahu im Glauben, Wähler gewinnen zu können, heute verkündet hat, weite Teil des Jordantals zu annektieren, sind Trumps Chancen, als Präsident, der der Welt den Frieden gebracht hat, in die Geschichte einzugehen, gegen Null gesunken. Noch ist es nicht zu spät, zu versuchen, als Friedenspräsident im Gedächtnis der Menschen zu bleiben. Er muss sich nur für den richtigen Mann entscheiden, was angesichts der vielen Berater, die ihm unaufhörlich einreden, die bisherige Politik fortzuführen, leichter gesagt als getan ist. Ich kenne nur einen, der Trump helfen kann, und das ist Drewermann. Ob Nichtangriffspakt mit Kim, Friedensvertrag mit dem Iran, der Versöhnung mit Putins Russland oder der Anerkennung Kubas – der Mann aus Paderborn würde es hinbekommen. Will Trump wirklich Geschichte schreiben, muss er einen wie Drewermann holen. Aber selbst wenn es, was ich arg bezweifle, Leute wie ihn in den Staaten geben sollte, hätte er keine Chance, zu ihm vorzudringen.

PS: Ich muss mein Urteil über Die Linken ein wenig revidieren – heute hat deren Oberbürgermeisterkandidat kurz nach 6:00 Uhr kleine Esspakete am Bahnhof verteilt. Volksnaher geht es nun wirklich nicht. Als Eigenversorger habe ich natürlich keines annehmen können.

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