Die neuen Bilderstürmer – Statuen statt Bilder

Sie sind wieder da, die Bilderstürmer, und das fast so spektakulär wie die alten – das kurze Video über den Fall Colstons gibt eine Vorstellung, was sich abgespielt haben muss, als die Reformatorischen (kurz Evangelisten) das oftmals einzig Schöne, zudem sie Zugang hatten, zerstörten. Gott sei Dank hat Bristol, wo dessen Statue stand, mehr zu bieten (Der Blog war dort. Leider ist diese Statue ihm nicht im Gedächtnis geblieben. Wenn doch, hätte er mit dieser Person nichts anzufangen gewusst. Dass Bristol seinen Reichtum dem Sklavenhandel verdankte, war ihm höchstens unterschwellig bewusst.) Aber sind das auch die Nachfolger der Bilderstürmer, die vor knapp 500 Jahren die Kirchen leergeräumt haben? Oder ähneln sie bspw. eher jenen, die kurz vor dem Einmarsch der Alliierten schnell die Hitler-Porträts von den Wänden genommen haben? Gerade noch rechtzeitig, um sich beim Eintreffen der Befreier an den Führer nicht mehr erinnern zu können. Aus den Augen, aus dem Sinn, das binnen Minuten. Während bei den Deutschen, wie die Nachkriegsgeschichte zeigt, wenig dafür spricht, die vielen Führer-Bilder wegen großer Gewissensbisse entsorgt zu haben, kann man den Statue-Entsorgern durchaus bescheinigen, es unerträglich empfunden zu haben, dass ihre Stadt mit einem Denkmal einen Sklavenhändler huldigt. Das Denkmal sollte schon lange weg. Die Proteste wegen des Todes Geoge Floyds ließen das Fass nur überlaufen. Aber wäre es nicht besser, mit einem schlechten Gewissen zu leben, wenn man an ihm vorbeigeht, als nun Genugtuung über dessen Demontage zu spüren? Erstaunlicherweise sind auf dem Video fast nur Weiße zu sehen. Dabei stände es doch den Schwarzen zu, ihn vom Sockel zu stürzen. Wie fühlt eigentlich ein Schwarzer? Macht es ihn stolz, es trotz Colstons geschafft zu haben? Oder gerade wegen ihm, als Ansporn, mehr zu sein als jemand, der Arbeiten ausführt, die kaum Anerkennung finden. Es bleibt der fade Beigeschmack, dass mal wieder ohne sie Geschichte gemacht wurde. Die Verlockung, ihn loszuwerden, war zu groß. Einmal Bilderstürmer sein. Und dafür nicht bestraft zu werden. Der Blog hätte sicherlich mitgemacht. Vielleicht lässt die Stadt die Statue bergen. Colston kommt wieder an seinen alten Platz, diesmal aber liegend.

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1 Antwort zu Die neuen Bilderstürmer – Statuen statt Bilder

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