Stop Making Sense macht doch Sinn

Der Blog würde sich wundern, wenn Deutschland sich um 180 Grad gedreht hätte – nach der Katastrophe in Tschernobyl war die Panik in der Bevölkerung so groß, dass Leute bei der Strahlenschutzkommission anfragten, ob nahe Verwandte, die lange im Regen saßen, nicht den Friedhof verstrahlen würden, wenn sie plötzlich stürben. Ob von dem Frachter, der seit knapp einem Monat mit angereichertem Uran an Bord in Rostock liegt, für eine ähnlich große Gefahr ausgeht, kann der Blog nicht sagen. Die Ladung ist für die Staaten bestimmt. Wegen eines Ruderschadens lief es den Hafen an. Der deutsche Zoll lässt es nun nicht mehr hinaus. Da heute erst die Zeitungen darüber schreiben, ist nicht ausgeschlossen, dass sich noch eine Bürgerinitiative, die das Auslaufen des Schiffes fordert, bildet. In Abwandlung des Konzertfilms der Talking Heads (Stop Making Sense – läuft gerade frisch aufbereitet im Kino) könnte deren Motto Stop to make sense lauten. Natürlich macht die Gruppe genau das Gegenteil von dem, was der Titel vermuten lassen könnte – ein genau durchgeplantes Konzert, was im Gegensatz zu einem normalen sich dadurch unterscheidet, dass während der Vorstellung die Bühne aufgebaut wird, was keinen Sinn zu machen scheint. Das mag stimmen. Da alles aber perfekt zusammen passt, macht Stop Making Sense eben doch Sinn. Ein Zeit-Puzzle, jeder Stein muss zur rechten Zeit am richtigen Ort sein. Anspruchsvoller und komplizierter geht es wirklich nicht. Kein Wunder, dass die Gruppe später keine Lust mehr hatte, Konzerte zu geben. Das war denen einfach zu langweilig (vor allem Byrne hatte keine Lust mehr). Aber zurück zu den Deutschen, die alles, was sie irgendwie verstrahlen könnte, entschieden ablehnen. Bis jetzt war es jedenfalls so. Hat der Krieg sie toleranter und risikofreudiger gemacht? Haben sie die Angst vor den Folgen abgelegt? Die nächsten Tagen werden zeigen, ob sich die Deutschen geändert haben. Sollte sich nichts tun, sprich niemand protestieren, wäre es zu früh, daraus zu schlussfolgern, der Deutsche fürchte auch die Atombombe nicht mehr. Zur Kriegstüchtigkeit würde es vermutlich aber immer noch nicht reichen. Ukrainische Frauen erweisen sich als kriegstüchtig (obwohl der Blog das eher für einen Aprilscherz hält) – weil Ehefrauen es satt hatten, zu sehen, wie sich ihre Männer vor dem Krieg drückten, meldeten sie die beim Wehrkreiskommando, wofür sie eine Auszeichnung erhalten haben.

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