David Byrne – wie der Broadway unverhofft nach Berlin kam

Stell Dir vor, es ist Blogjubiläum und Du verpasst das beste Konzert Deines Lebens, obwohl Du den Ort gut kennst? Nicht gut genug, wie der Blog feststellen musste – es reicht nicht, zu wissen, wo man aussteigen muss, man sollte ungefähr auch eine Vorstellung haben, wie viele Stopps es bis dahin sind, wenn genauer dieser aus unerklärlichen Gründen im Bus nicht angezeigt wird. Wider des Klischees, das besagt, Berlin sei eine unfreundliche Stadt, hat der Blog doch noch rechtzeitig hingefunden. Und die Schuld bei sich gesucht, bis David Byrne Bilder, deren Motive so hässlich waren, dass der Blog sich nicht mehr an sie erinnern kann, sagte, das sei Berlin. Da war die Stimmung schon auf einem Level, dass das Publikum ihm nicht übel genommen hätte, wenn es übel von ihm beschimpft worden wäre. Byrne – ein Feingeist, den man angesichts der vielen Rüpel, die in Amerika zur Zeit das Sagen haben, eher in Europa als in der neuen Welt vermuten würde – macht das natürlich nicht. Das ist einfach nicht sein Niveau. Das passt nicht zu seinem Charakter, denn im Gegensatz zu den Videos, in denen fast ausschließlich er die Talking Heads präsentiert, ist er auf der Bühne ein Mann des Kollektivs, sprich er scheint es nicht zu mögen, an vorderster Front die Rampensau zu geben. Wenn der Blog den Musikfilm über die Talking Heads richtig in Erinnerung an, wimmelte es schon früher von Musikern auf der Bühne, wenn sie auftraten. Im Gegensatz zu damals sind sie heute zugleich Musiker und Tänzer, was von oben wegen der originellen Choreographie zu verfolgen höllischen Spaß macht, auch weil Byrne gar nicht erst den Versuch unternimmt, in puncto Beweglichkeit mit seinen jüngeren Kollegen mitzuhalten. (Der Blog wagt zu bezweifeln, ob man von den teuren Plätzen mitbekommt, was weiter hinten abgeht.) David Byrne hat für anderthalb Stunden ein Stück Broadway nach Berlin gebracht, dazu etliche Hits und unbekannte Stücke. Polemik gegen das trumpische Amerika ist auch Teil des Programms. In München haben die Demokraten auf der Sicherheitskonferenz die Kritik an Trump fortgesetzt – Europa solle sich ihm widersetzen. Zweifel sind angebracht, ob das geschehen wird. Die Sicherheitskonferenz ähnelt eher einer Klimakonferenz, bei der die teilnehmenden Wissenschaftler jedes Jahr erklären, dass sich die Situation wieder verschlechtert habe. Während man deren Einschätzungen und Prognosen vertrauen kann, sind die Schlüsse, die in München gezogen werden, höchst subjektiv. Wenn bzgl. der Sicherheit alle die gleiche Meinung vertreten, heißt das noch lange nicht, diese sei wissenschaftlich begründet.

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