Schade ums Geld!

In einer Woche ist es wieder soweit, dann nämlich steigt das nächste jener Projekte, an deren Ende Halle ein Stück bundesdeutscher sein wird, was nicht heißt, dass es diesmal der oft unberechtigt gescholtenen DDR-Architektur an den Kragen geht, sondern ein Platz, dem der technischen Fortschritt, in diesem Fall in erster Linie das Auto, nie etwas anhaben konnte, in zwei Jahren völlig anders aussehen wird. Ausgerechnet jetzt, wo immer mehr Menschen der Meinung sind, dass es sich auch ohne eigenen PKW gut leben lässt, wird das Steintor mitsamt dem gleichnamigen Varieté autogerecht, also langweilig – statt kniffliger Vorfahrtsregeln und einer schicken Kurve für Roundabout-Liebhaber (Kreisverkehr klingt schrecklich altmodisch), geht es bald schnurstracks geradeaus, gespickt, wie kann es auch anders sein, mit zig Ampeln, die bei jeder Begradigung, sorry, Neugestaltung obligatorisch sind. Nach der Umgestaltung können natürlich mehr Autos den Platz benutzen, um dann in einer der Straßen, die sich anschließen, festzusitzen, da diese die grö8ere Verkehrsmenge nicht aufnehmen können. Und da es in Mitteldeutschland nur so vor grünen Punkten, die darüber Auskunft geben, dass die Feinstaubbelastung gerade noch so unter dem von der WHO festgelegten Grenzwertes liegt, wimmelt, ist gut vorstellbar, dass mit der zu erwartenden Steigerung des Verkehrs, auch dank des neuen, leider aber missglückten Uni-Campus‘, der sich in unmittelbare Nähe befindet, die Werte ansteigen dürften. (Mich erstaunt, dass der Osten trotz des Bevölkerungsrückgangs mit dem Westen, was die Anzahl der Punkte betrifft, mithalten kann.) Zu allem Überfluss verliert die Stadt ihren Nimbus, zu jenen Orten zu gehören, die ortsunkundige und ängstliche Autofahrer unbedingt meiden sollten. Verloren hat sie den eigentlich schon mit dem neuen Riebeckplatz, den diese Kolumne gerne als Übungsgelände all jenen Kanonieren, die beim 200 jährigen Jubiläum der Völkerschlacht zu Leipzig mitgemacht haben, zur Verfügung gestellt hätte. (Wenn die Ukrainer richtig zielen könnten, hätte man sie schon längst einfliegen lassen.) Ein Gutes hat die Sache dennoch – die Stadt ist nun fit für Google-Autos, die ja bekanntermaßen ohne einen Fahrer auskommen. Da bald alle Hindernisse, die den Computer irritieren könnten, ausgeräumt sein werden, brauchen sich die Insassen keine Sorgen mehr zu machen, der Wagen könnte sie wegen seiner fehlenden Übersicht, die ihm abrupt abhanden gekommen ist, in Schwierigkeiten bringen. Auf dem heutigen Parcours könnte womöglich eine Computerstimme den Insassen verkünden, bitte selbst das Steuer zu übernehmen, da der Rechner sich in einer Situation – eingekeilt zwischen Autos füttern ihn diverse Kameras mit der Information, zwei Straßenbahnen würde sich nähern – nicht mehr zu helfen weiß.

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