WM im Dezember hilft, Zeit zu sparen

Was ist eigentlich so schlecht daran, wenn in sieben Jahren einen Tag vor Heiligabend Franz Beckenbauer vor und nach dem Endspiel (vermutlich auch während des Spiels, da die Fernsehrechte für diese WM bestimmt ein Privatsender erwerben wird) „ja is‘ denn heut‘ scho‘ Weihnachten?“ verkündet? (Hoffentlich nicht vom Band, sondern live.) Dass E-Plus, für die er die Reklame gemacht hat, in der Lage ist, seine Kunden mehrmals im Jahr in Weihnachtsstimmung zu versetzen, bezweifele ich nicht im geringsten. Für die hiesigen Fußballer ist das aber ein ganz spezieller Tag – nie werden sie mehr die Chance haben, auf dem Spielfeld Christi Geburt so nah zu sein. Es sei denn, sie spielen in England, wo es Tradition ist, am Boxing Day, das ist der 2. Weihnachtsfeiertag, aufzulaufen. Und das, wenn mich nicht alles täuscht, in allen Ligen. Sollten die Engländer sich qualifizieren, gehören sie zu den Favoriten – nichts ist schöner, als drei Tage später sich wieder beweisen zu müssen. (Vorausgesetzt, der Verband kommt nicht auf die leistungshemmende Idee, den Boxing Day ausfallen zu lassen.) Während die Engländer wegen des engen Terminplans auf eine Fanmeile verzichten müssten (keine Chance, den Fans zu zeigen, in welcher Körperhaltung ihr Gegner sich jetzt gerade fortbewegt), könnten die Deutschen ihre Lieblinge spätestens am 1. Weihnachtsfeiertag oder gar am Heiligabend (Katar ist ja nicht so weit weg) bejubeln dürfen. Warum hat nur keiner Lust darauf? Ich weiß keine Antwort. Da zu Silvester zum Brandenburger Tor fast 1 Millionen Menschen strömen, kann es am Wetter nicht liegen. Angesichts der verheerenden Kritik, die auf die FIFA nach Bekanntwerden der Idee einprasselt, bin ich vermutlich der einzige, der sich auf die WM freut. Alleine schon der Gedanke, dass ich die Möglichkeit haben könnte, während eines Spiels Glühwein trinken zu können, löst bei mir Jubel aus. Katar hat mir erst bewusst gemacht, dass Weihnachtsmärkte nützlich sein können. Sicherlich werden wir 2022 die ersten Hightech-Märkte haben – jeder Glühweinstand hat einen Bildschirm (vermutlich gar mehrere), die alle mit Holz verkleidet sind. Das wird richtig weihnachtlich. Anheimelnder geht es wirklich nicht. Der eine oder andere könnte sogar auf die Idee kommen, sich auf eine bestimmte Klientel zu konzentrieren (wie es die hiesigen Pubs bereits zu tun pflegen). Oder es werden gar neue Sorten angeboten (Glühwein a la Copacabana, Krimskoye – nie war Wein alkoholischer). Mit letzterem könnten sowohl die Russen als auch die Ukrainer werben. Angesichts dieser Aussichten (sicherlich gibt es noch mehr Gründe, im Dezember zu spielen) sehe ich der Veranstaltung frohen Mutes entgegen. Am Ende werden alle fordern, immer um diese Zeit die WM auszutragen. Allen voran die Industrie, die darauf hofft, dank dieses Termins die WM-bedingten Ausfallzeiten reduzieren zu können. Mehr Freizeit im Sommer. Wer sagt da schon Nein?

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