Revolution von oben à la Habeck

Wenn alles zu vergehen scheint (Stichwort Wirtschaftswunder) und nur das Losglück, das der deutschen Fußballnationalmannschaft regelmäßig widerfährt, wenn sie bei einer WM antreten muss, bleibt, dann kann noch nicht aller Tage Abend sein, denn eine Revolution hält es wie der Fußball, in dem bekanntermaßen gilt, dass nach dem Spiel vor dem Spiel ist. Zum Glück für uns kommt nach einer nicht gleich die nächste. Nach der Revolution ist vor der Revolution heißt, dass nach geraumer Zeit sich eine Nostalgiewelle auftürmt, die auch mal dazu führen kann, dass die neue Ordnung kippt. Die Folgen haben das alte System wieder attraktiv für vieler jener, die es stützten, gemacht. Keine konnte dieser Phase bisher entkommen. Selbst die berühmteste französische Revolution blieb davon nicht verschont – war nicht Napoleon, der sich zum Kaiser krönen ließ, Ausdruck der Sehnsucht nach einer Epoche, in der das gemacht wurde, was einer vorgegeben hat? Je chaotischer die Lage, desto größer die Sehnsucht und der Wille, die Vergangenheit wieder herstellen zu wollen. Angesichts dieser Gesetzmäßigkeit wäre der Blog hoch erstaunt, sollten in zwei oder drei Jahren die Leute begeistern sein, wenn sie den Namen Habeck, der sich anschickt, eine „Revolution von oben“ zu starten, hören. Bismarck hat den Siegestaumel des Kriegs 1871 genutzt, um Deutschland zu einem Staat und später diesen etwas gerechter zu machen. Die Ziele unseres Bismarcks sind weitaus bescheidener, jedoch nicht weniger ambitioniert – hat Habeck erst vorgehabt, uns von fossilen Brennstoffen zu befreien, steht nun für Gas, Öl und Kohle ein Tausch des Hauptlieferanten an, so dass die Energiewende erst einmal warten muss (Gas und Öl kann man leider nicht in Containern transportieren). Diversifikation nennt man das. Angeblich sei Russland unzuverlässig, was natürlich nicht stimmt – die Russen liefern immer, jedoch wollen unsere Politiker deren Rohstoffe nicht mehr haben. Dass der Kreml trotz der Sanktionen, die der Westen auferlegt hat, sowie der Absicht der Politik, so schnell wie möglich alle Lieferungen zu kappen, weiter bereit ist, uns zu versorgen, hängt wohl auch mit der Geschichte des Landes zusammen – seit 1918 hat praktisch jeder Machtwechsel eine kleine Revolution ausgelöst. Sie wissen, dass die Euphorie schnell von der Realität überholt wird. Spätestens beim ersten Erdgas-Fracking-Care-Paket (Schleich) beginnt die Nostalgiewelle, versprochen, jedoch hat der Blog die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass unsere Politiker erkennen, dass es wegen der hohen Kosten absolut keinen Sinn macht, den Lieferanten zu wechseln (Recep lässt grüßen). Apropos Sanktionen – die scheinen den Effekt zu haben, dass sie den Krieg eher verlängern, als ihn zu beenden. Ohne die wäre ein „Regime Change“, von dem hier viele träumen, ein weitaus realistischeres Szenario. Mit denen hat sich der Westen jedweder Einflussnahme auf Russland beraubt.

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