„Alvarez Kelly“ – über das Zurechtlegen im Krieg

Aus der Ferne ist es fast so wie in „Alvarez Kelly“, in dem Richard Widemark als Konföderierten-Colonel dank der Hilfe eines Viehhändlers eine Rinderherde spektakulär auf das Territorium der Nordstaaten treibt – die Russen stehen kurz davor, die ukrainischen Soldaten, die noch kämpfen, lt. den gestrigen Angaben 4k von ungefähr 20k, dazu zu bringen, sich in ein Stahlwerk zurückziehen. Sind alle drin, heißt es, schnell die Werkstore zu schließen und zu warten, wann jemand mit einer weißen Fahne vor einem der vermutlich vielen Tore erscheint. Noch ist es aber nicht soweit. So wie in Stalingrad haben die Russen es schon geschafft, aus einem Kessel zwei zu machen. Im Gegensatz zur Schlacht, die die Wende im 2. Weltkrieg bedeutete, stehen fast alle Gebäude noch. Den Bildern zu urteilen scheint kaum ein Gebäude entkernt worden zu sein. (Nach Luftangriffen bleiben oft nur die Außenmauern übrig.) Da die oberen Stockwerke alle verrußt sind, könnten die Ukrainer Opfer ihrer eigenen Taktik, die lautet, von oben den Gegner zu beschießen, geworden sein – sie haben nicht daran gedacht, die Wohnungen leerzuräumen, so dass die Etagen leicht in Brand gerieten. (Die Russen sagen, um Luftangriffe zu verhindern, hätten sich in der zweiten und dritten Etage Zivilisten befunden). Vielleicht wurden auch Flammenwerfer und Brandmunition eingesetzt. Wie dem auch sei – wegen des schnellen Erfolgs in Mariupol sowie der Ankündigung der russischen Armee, Truppen im Norden abziehen zu wollen, hat Selenskyj nun das Problem, darüber entscheiden zu müssen, ob er Soldaten in den Donbass schickt oder ob er in Kiew angreifen lässt. Die 20.000 Leute, die er in Mariupol sinnlos geopfert hat, fehlen ihm nun an allen Ecken und Enden. (Nicht zu vergessen die Zivilbevölkerung, die völlig unnötig leiden musste. Aber leider hört auf den Blog ja niemand.) Es macht eben nicht immer Sinn, jeden Ort zu verteidigen, zumal die Übergabe Mariupols mit einem Prestigegewinn verbunden gewesen wäre. Der Angriff auf Kiew war, wie der Blog vermutete, nur ein Bluff. Die Russen binden weiterhin Truppen dort. Sollte Selenskyj angreifen lassen, können sie es sich leisten, sich zurückzuziehen. Für die Russen geht es im „Alvarez Kelly“ Stil weiter – sie werden die Ukrainer im Süden dahin lotsen, wo sie die mit dem geringsten Aufwand besiegen können.

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