Eine Pause täte nicht nur den Politikern gut

Die unfreiwillige Pause hat doch ein wenig länger als gehofft gedauert, aber nicht, wie der eine oder andere vermuten könnte, weil Moskau im Schnee versank, so dass ich nach meiner Impfung mit Sputnik V, der so schnell zum Superimpfstoff mutierte wie der Covid zum Supervirus, dort noch einige Tage verbringen musste, sondern weil wegen Corona die Firmen, die Computerhardware produzieren, sich mit den Lieferungen schwergetan hat. Da sich während dieser Zeit überhaupt nichts tat, scheint es mir, als ob eine fremde Macht der Welt auferlegt hat, wegen mir eine Zwangspause einzulegen. Anders ist es nicht zu erklären, dass unser Oberbürgermeister noch im Amt ist – eine höhere Gewalt wünscht, dass ich über dessen Abwahl berichte. Ihm und damit auch mir hat ein Gericht eine Pause bis nach Ostern gegönnt. Unser Oberbürgermeister hat auch schon einen Plan, wie er seinem Rausschmiss entgehen könnte – Offenhalten unter allen Umständen lautet seine neue Devise. Der R-Wert ist ihm egal, solange freie Betten auf den Intensivstationen zur Verfügung stehen. Für alle über fünfzig, die mit mit einem Ruck völlig unverhofft die Stelle der Achtzigjährigen, die nun alle geschützt sind, eingenommen haben, heißt ab sofort nun die Parole, sich ab- und wegzuducken. Und das gilt nicht nur in Halle, sondern dank der Warnung Drostens überall in der Republik. Mit anderen Worten – die Politik hat uns zur Kreuzigung freigegeben. Im Gegensatz zu dem jungen Mann (weit unter fünfzig), dem die Menschen das Osterfest verdanken, haben wir aber die Chance, dem Kreuz zu entgehen. Oder auch nicht. Wenigstens sind wir gewarnt worden, wenn auch nicht von Politikern, die dazu verpflichtet wären. Diese Berufsgruppe hat während der Krise das Kunststück fertiggebracht, die Ansprüche, die ich an sie habe, immer weiter runterzuschrauben. Im Augenblick wäre ich ihnen dankbar, wenn sie über Ostern kürzer treten könnte (als „Pause von ihrem Geschwätz“ könnte sie Geschichte schreiben). Es ist klar, dass angesichts der Knappheit der Impfdosen die Bekanntgabe deren Verteilung zu einem medialen Großereignis wird. Dies ist das einzig Konkrete, was die Politiker im Augenblick anbieten können. Da ihnen das nicht genug ist, überschütten sie uns mit Vorschlägen und Forderungen, die meist alle unerfüllbar sind. Jüngstes Beispiel ist Sputnik V, der nun so schnell wie möglich her soll. Selbst Spahn, wohl wissend, dass er absolut nichts dafür getan hat, um den Stoff nach dessen Zulassung, die ewig zu dauern scheint, in ausreichenden Mengen anbieten zu können, will ihn einsetzen. Wie man die EMA anspornt, Impfstoffe zuzulassen, hat das Vereinigte Königreich gezeigt, das Biontech rasch freigab, so dass der Agentur nichts anderes übrig blieb, als nachzuziehen. Leider hat Spahn nichts Vergleichbares, wie z. B. ein Werk, das sofort mit der Produktion loslegen kann, zu bieten. So Sputnik V bleibt eine Schimäre. Da selbst Experten Probleme mit dem Namen haben, braucht sich niemand darüber zu wundern – V steht nicht für V wie Vergeltung (Bilder rappelvoller Imfpzentren sind das heutige Äquivalent zu den V1 und V2 Raketen, die die Kinobesucher in der Wochenschau gezeigt bekamen), sondern für 5 (der Blog berichtete).

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