Die Vernunft siegt doch!

So schnell kann es gehen – vor zwei Jahren brauchte Lady Gaga, um auf den Webseiten ganz oben zu laden, nur ihre Frisur bzw. Haarfarbe zu wechseln, heute ist die Meldung, dass sie sich verlobt habe, den Medien nicht einmal eine Schlagzeile wert. Da ich, als ich den Teaser las, den Eindruck hatte, seit 10 Jahre nichts mehr von ihr gehört zu haben, war ich mir unsicher, ob ich jemanden, den ich fast für tot gehalten habe (das ist ja eine ziemlich lange Zeit), zur Verlobung würde gratulieren können. Wegen des eklatanten Desinteresses der Internetpresse habe ich den Eindruck, dass diese Beziehung unter einem schlechten Stern steht. Mit den Glückwünschen werde ich warten, bis ich herausgefunden habe, ob mir mein Gehirn, das sich immerhin geweigert hat, mehrere Ohrwürmer abzuspeichern, einen Streich gespielt hat, sprich diese zurecht Platz für wichtigere Dinge machen mussten, worüber ich natürlich sehr froh wäre, weil ich ihr dann von ganzem Herzen gratulieren könnte. Im Sport ist es genau umgekehrt – je schlechter die Lieblingsmannschaft spielt, desto eher kommen dem Langzeitfan jene Spieler, mit denen das Team Erfolg gehabt hat, in Erinnerung. Meistens heißt es dann, dass er es besser gemacht hätte. Der traditionsbewusste Fan kann sogar Leuten aufzählen, die er nie hat spielen sehen. In meinem Lieblingsklub ist diese Tradition sehr lebendig. (Morgen geht höchstwahrscheinlich die längste Pause, die es im Fußball gibt, zu Ende – endlich geht für diesen Blog die Saison wieder los. Wenn das nicht eine Eintragung ins Guiness-Buch gibt?) Leute wie Kuzorra und Szepan, mit denen das Team in den 30ern 6 mal Meister wurde, sind noch bei vielen in bester Erinnerung. Was im Sport gilt, ist für auch die Medien gültig, ich daher nicht erstaunt gewesen wäre, hätte heute auf Phoenix Peter Scholl-Latour über die Lage in der Ukraine berichtet. Angesichts der verheerenden Berichterstattung vermisse ich seine fundierten Kommentare und Einschätzungen schon seit einer geraumer Zeit. Obwohl alles so, wie ich mir es vorgestellt habe, eingetreten ist, habe ich ihn in der Sendung um 17:30 Uhr sehr vermisst. Nur der Zeitpunkt kommt überraschend – ich habe gedacht, sie würden länger durchhalten. Wer aber in die Gesichter jener, die das Glück haben, bereits in Gefangenschaft geraten zu sein, schaut, wird schnell feststellen, dass die meisten heilfroh sind, glimpflich davongekommen zu sein. Das lässt darauf hoffen, dass nur wenige bereit sind, bis zum allerletzten kämpfen zu wollen. Wieder einmal hat sich herausgestellt, dass Soldaten vernünftiger als Politiker und Offiziere sind.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.