Dresden – nun wird es gemein

Üben Sie, wenn Sie die die neueste Kolumne Dietz‚ gelesen haben, Nachsicht. Zugegebenermaßen ist es nicht leicht, dessen Behauptung, Dresden würde am Anfang des deutschen Jammerkults stehen, wegzustecken. Hinzu kommt, dass er es unterlassen hat, uns darauf hinzuweisen, wer die letzten Plätze dieses Kultes innehat. Wie muss man jammern, um am Ende zu landen? Vielleicht kann Dresden ja noch etwas lernen. Zu klagen, ohne dass jemand es mitbekommt bzw. spezielle Techniken, die sich meiner Vorstellung entziehen, notwendig sind, die Klagen wahrzunehmen. Je länger ich darüber denke, was ihn veranlasst haben könnte, diesen Satz zu formulieren, desto abstruser werden meine Ideen, letztendlich sich jedoch eine als fulminant herausstellt – ich habe das Gefühl, dass Dietz den Ostdeutschen neiden könnte (die DDR hat ihren Bürgern das Gefühl gegeben, mit der Feier in Dresden würde stellvertretend allen Opfern der Bombenangriffe gedacht), etwas zu gedenken, was in der Bundesrepublik undenkbar gewesen wäre, da es sich niemand mit den Besatzern verscherzen wollte. Natürlich haben sich im Westen die Leute auch „bemitleidet“. Nur eben nicht so stil- und würdevoll wie in Dresden. Die Opfer spielten da keine so große Rolle (ich korrigiere mich gerne, wenn mich jemand vom Gegenteil überzeugt). Man hat eher einem Lebensgefühl, von dem man glaubte, dass es so, wie man sich zu geben pflegte, vorhanden war, gehuldigt. In Tracht ging es zu den Treffen der Landsmannschaften. Und das heute noch. Dass die Neonazis den 13. Februar nutzen konnten, um auf sich aufmerksam zu machen, lag auch mit an diesen Organisatoren – sie waren es, die die Ostpolitik Brandts boykottierten. Dass Bürger und das Establishment den Tag nutzen, um an den Angriff zu erinnern, ist ihm aber auch nicht recht. Er will, dass wir den 13. vergessen. Sich niemand mehr an ihn erinnern soll. Eine kurzgehaltener Hinweis in der Regionalzeitung reicht völlig aus.

Traurig, aber wahr – erst beim Lesen des Namens der Band wurde mir bewusst, dass der Interpret eines meiner Lieblingslieder verstorben ist. Das hat er wahrlich nicht verdient. Die meisten Zeitungen haben darum auch gleich den Bandnamen im Titel aufgeführt. Nur der Guardian, der glaubt, seine Leser wüssten Bescheid, hat darauf verzichtet. Steve Strange ist leider gestern dahingeschieden. Fade to Grey hat ihn berühmt gemacht. Ich kenne ihn nur aus dem fast noch berühmteren Video. Dankenswerter Weise hat der Guardian ein altes Interview hervorkramen können. Sein Nachruf ist auch schon geschrieben.

Werden die Tage bis zum Inkrafttreten die blutigsten, die der Donbass bisher während des Konflikts erlebt hat? Vieles spricht dafür. Ein reines Gemetzel. Kiew versucht mit allen Mitteln, sich einen Zugang, der ihnen ermöglicht, Debaltseve zu halten, zu erkämpfen. Ohne den müssen sie die Stadt aufgeben. Und das alles nur, um zu verhindern, dass zwischen Lugansk und Donetzk Züge fahren können. Verluste spielen, wie es scheint, dabei keine Rolle. Der Westen macht diesen Irrsinn auch noch mit. Hauptsache, Putin bekommt kräftig auf die Fresse.

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