Die ewige Rache der Österreicher

Verzeihen die Österreicher uns nie Königgrätz? Es sieht ganz danach aus, aber bevor die Deutschen anfangen, zu jammern, sollten sie froh darüber sein, dass es ihnen seit der verheerenden Niederlage gegen die Preußen – für die meisten Deutschen tiefste Provinz seit der nicht enden wollenden Saga um den Flughafen – unmöglich ist, uns einen Krieg aufzuzwingen (dafür aber wir ihnen). Das hält sie jedoch nicht davon ab, sich an uns zu rächen. Es war wohl ein Trugschluss, zu glauben, die Österreicher besiegt zu haben. Die jüngste Erfahrung zeigt, dass sie sich nie geschlagen geben werden. Da ist zum einen Wirecard, das von zwei Männern aus dem kleineren Deutschland in die Insolvenz geführt wurde. Und da ist zum anderen Lisa Eckhart, die darin arbeitet, zu einer Persona non grata zu werden (dank der EU braucht muss man als unerwünschte Person nicht mehr ein Land zu verlassen). Während es bei den Zoten, die sie über ihre Landsleute reißt, keine Grenzen gibt – je bösartiger, gemeiner, verletzender etc., desto besser kommen sie beim Publikum an, ohne dass beide vom Feuilleton abgestraft werden –, steht sie wegen einiger über Juden so heftig in der Kritik, dass sie nun von einem Literaturwettbewerb, an dem sie teilnehmen sollte, ausgeschlossen wurde. Zu Glück macht Eckhart nicht auf Volkstheater, bei dem sich nach jedem Witz das Publikum auf die Schenkel klopft. Sie ist auf der Bühne vielmehr eine Dame von Welt, die Abgeschmacktes geschickt zu erzählen weiß. Alles macht Sinn, jede Bemerkung sitzt. Das Publikum des Kabaretts des 20er des vorigen Jahrhunderts hätte sie vergöttert – eine ihresgleichen, die sich genauso gibt wie sie. Damals war das Kabarett noch den Reichen vorbehalten. Heute ist das Kabarett auch für die Masse zugänglich. Heute vergöttert sie das Publikum, weil sie für viele unerreichbar ist – ihr Habitus, die Sprache, der Singsang der Stimme. Die Österreicher werden ihr jede Schmähung verzeihen, so lange sie den Deutschen zeigt, dass sie ihnen überlegen ist. Super Deutsch, perfekter Klang, keine nachteiligen Dialekt-Einfärbungen. Sie spricht eine Herrschaftssprache, die für die Deutschen unerreichbar ist. Wer sich von ihr schikanieren lässt, der bekommt wenigstens das Gefühl, auf würdevolle Art und Weise herumkommandiert zu werden. Eckart will nicht, dass man über sie laut lacht. Der Zuschauer soll sich amüsieren. Sich von ihrem Intellekt begeistern lassen. Selbst schuld, wer sich aufgrund ihrer Bemerkungen über Juden in seiner Meinung bestätigt fühlt. Das ist wohl ihr Credo. Sie liegt dabei richtig.

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1 Antwort zu Die ewige Rache der Österreicher

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