An der See – fast so wie in einem DDR-Sommer

Damals, also in DDR-Zeiten, fuhren wir in den Sommern noch regelmäßig an die See, was mir 30 Jahre lang entfallen war, aber dank einer Dame aus Gütersloh, die diese Woche Schlagzeilen machte, weil man sie aus dem vermeintlichen Paradies zurück in ihr verseuchtes Schlachthofrevier geschickt hat, ist mir es wieder bewusst geworden – damals hat kaum jemand seinen Urlaub an der Ostsee verbracht. Die meisten von uns waren an der See. Ein Psychologe würde urteilen, ich sei darauf gekommen, weil die Frau, die von Ostsee sprach, gar nicht den Menschen, mit denen ich an der See war bzw. denen ich da begegnet bin, entspricht. Daran mag etwas dran sein. Je kürzer der Name, desto näher fühlt man sich zu dieser Person oder diesem Ort hingezogen (die unzähligen „Mausis“ und „Hasis“ belegen diese Theorie eindrucksvoll). Während ich ehrlich gesagt überhaupt keine Lust auf die Ostsee habe, muss ich die See noch mögen, was sehr beruhigend ist, zumal die Rentnerin aus Gütersloh in einem Interview in der hiesigen Regionalzeitung den Eindruck vermittelt, es habe sich nicht viel verändert. Das ist vermutlich falsch. Vielmehr sieht es so aus, als sei wegen Corona die DDR für diesen Sommer an die See zurückgekommen – sie sprach davon, dass man sie in eine heruntergekommene Wohnung, die sie übers Telefon buchte, einquartiert habe. Das ist sehr DDR-verdächtig. Damals hätte sie sich die Wohnung nur mit ein oder zwei Familien teilen müssen (sofern es überhaupt Ferienwohnungen gab). Der FDGB, über den die Reisen liefen, mietete alles an, was ein Dach hatte. Wenn mich der Eindruck nicht trügt, was das das einzige Kriterium, das ein Vermieter erfüllen musste, um Gäste beherbergen zu können. Schön war es trotzdem, auch weil es nicht viel kostete, ja eigentlich der Urlaub geschenkt war. Und da man einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, ist über den schlechten Service großzügig hingesehen worden. Dieses Glück hat die Frau aus Gütersloh nicht. 600 € hat sie in den Sand Usedoms gesetzt. Wäre sie mal lieber 30 Jahre früher an die Ostsee bzw. See gekommen. Damals hätte sie sich über eine frühzeitige Abreise nicht zu ärgern brauchen. Vermutlich wäre die auch spannender verlaufen – Szenarien gibt es reichlich.
Am Rande – wie wäre es um die Deutschen bestellt, wenn ihre Vorfahren an einem Meer oder gar an einem Ozean gelebt hätten?

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1 Antwort zu An der See – fast so wie in einem DDR-Sommer

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