Kino – es geht auch ohne Blockbuster

Wer je am Mut des Blogs gezweifelt hat, wird jetzt nicht umhin können, zu bestätigen, dass er es mit jedem Filmheld aufnehmen kann – der Blog war im Kino, was in normalen Zeiten stinknormal wäre, jedoch heute an eine Heldentat grenzt, denn bei einer Befragung von Virologen, was sie bereits wieder zu tun pflegen, landete das Kino knapp vor dem Theater und Konzert auf dem vorletzten Platz – gerade einmal 3 von 17 bejahten, diese wieder zu besuchen. Die geringere Anzahl jener, die einen Besuch von einem Impfstoff abhängig machen, hat den Ausschlag für die bessere Platzierung gegeben. Aber wenigstens haben einige die Absicht, in den nächsten Monaten zu gehen. Es wird auch Zeit, denn auf dem Weg zum Saal war niemand zu sehen, so dass ich fast fürchtete, alleine den Film schauen zu müssen. Leser des Blogs wissen, dass ich dann immer Gewissensbisse bekomme, weil der Führer und Stalin die Filme ganz für sich alleine hatten. Richtig ernst wird es wohl erst, wenn sich das zur Phobie entwickeln würde, bspw. in der Art, während der Vorstellung informiert zu werden, dass die Russen durch die Front gebrochen sein. Da will ich natürlich bessere Antworten liefern als der Führer, für den es nur eine Erwiderung gab – die Stellungen müssen bis zum letzten Mann gehalten werden. (Noch schlimmer wäre es, sich davor zu fürchten, auf Russisch angesprochen zu werden. Da würde sich mich sofort in den Gulag schicken.) Zum Glück waren aber doch ein paar Leute im Saal. Und dann war ja noch der Film, der den beiden keine Chance gab, sich in mein Bewusstsein hineinzuschleichen. Höchstens jemand, der das Geräusch, das Hupfdohlen (Stepdancer) zu erzeugen pflegen, mit jenem im Verbindung bringt, das eine im Stechschritt marschierenden Kompanie macht, läuft Gefahr, während der Vorstellung durchzudrehen. Ja, ich war in einem Musical. Aber nicht in irgendeinem, sondern in „Singin‘ in the Rain“. Mein erstes Musical (abgesehen von einem in einer Nachmittagsvorstellung am Broadway, das mir nur in Erinnerung geblieben ist, weil es dort extrem voll war und ich zwischen lauter Frauen, die meine Vorstellung, dass Doris Day die typisch amerikanische Hausfrau sein müsse, arg ins Wanken brachten, saß), das ich von der ersten bis zur letzten Minute verfolgt habe. Und ich habe es nicht bereut, ja mich sogar recht gut unterhalten. Klassiker am Sonntag nennt sich die neue Reihe, die mein Kino nun anbietet. Ich kenne es aus England. Da die Betreiber von dort kommen, ist zu vermuten, dass sie es importiert haben. Diese Woche läuft „Dr. Schiwago“. Da bleibt mir nur, auf die übernächste Woche zu hoffen. Vielleicht kommt da Doris Day. Mit Niven als ihren Mann. Eines ihrer Kinder muss in einem vergitterten Bett schlafen. Das war noch Kino.

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