Wie schnell sich die Welt ändert

Wie schlimm muss es um die Welt bestellt sein, wenn ein Mann, dem nachgesagt wird, die Inkarnation des Chaos zu sein, dank einer Ankündigung auf einmal zum Fels, dem die Brandung überhaupt nichts anhaben kann, wird? Vor drei Monaten hätte sich niemand vorstellen können, dass der erfolgreichste Großpopulist unter den Großpopulisten – immerhin hat er es geschafft, seine Landsleute dazu zu bringen, die alte Welt aufzugeben, um eine neue, von der niemand weiß, wie sie aussehen wird, zu errichten – dank verschiedener Ereignisse schnell zum geringsten Übel degradiert werden könnte. Boris wird nämlich nicht nur Vater, nein, er geht sogar im Sommer in Elternzeit, was viele überrascht, da er ihnen in den letzten Wochen den Eindruck vermittelt hat, als würde er schon Urlaub machen. Selbst Überschwemmungen und der Coronavirus haben ihn nicht dazu bringen können, seine Downing Street zu verlassen. Und vom Brexit spricht eh keiner mehr. Es sieht so aus, als ob Boris alles dafür tut, dass dies solange wie möglich so bleibt. Angesichts der Untätigkeit der Politiker, mit Johnson als exemplarisches Beispiel, war es richtig schockierend, im Fernsehen sehen zu müssen, dass sich von der Leyen an der griechisch-türkischen Grenze, an der tausende Flüchtlinge die Stelle suchen, die ihnen erlaubt, nach Griechenland zu kommen, hat blicken lassen. (Byzanz hat eine Tür, die man vergessen hat, zu verriegeln, zu Fall gebracht.) Dies nach nur zwei oder drei Tagen. Die Frau weiß, wie man sich Sympathien verschafft, ja fast sieht es so aus, als habe man in Brüssel nur auf Leute, die die Grenze stürmen, gewartet. So kann man den EU-Bürgern zeigen, dass man bereit und in der Lage ist, Flüchtlingsströme nach Europa zu stoppen. Erdogan hat sich mal wieder verrechnet. Die Grenzöffnung ermöglicht der EU, Stärke zu zeigen. Ob EU und Erdogan wissen, dass sie gerade dabei sind, eine Bombe, die nur noch größer werden kann, zu schaffen, wage ich zu bezweifeln. Diese muss entschärft werden, was nicht so einfach wird. Da ist es nicht besonders hilfreich, wenn griechische Behörden jenen, die es auf ihr Gebiet geschafft haben, Handys und Geld wegnimmt. Das Coronavirus hatte es wesentlich einfacher, in die EU einzudringen. Die Barrieren für dessen Abwehr wurden erst errichtet, als es längst zu spät war. (Es sieht so aus, als habe die ganze Welt die Gefahr, die vom Virus ausgeht, unterschätzt.)

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