Wenn schon nicht Malle, dann die Antarktis bitte

Wenn in Malle der Ballermann nachts ein genauso trostloses, düsteres und unheimliches Leben wie Londons East End zu Zeiten Jack the Rippers fristen wird (im Gegensatz zu Soho wäre Jack auf Feiermeile der Deutschen im kommenden Herbst praktisch arbeitslos), dürfte über der Antarktis der Bär steppen, und das fast einen Tag, denn solange soll man von oben auf das Eismeer schauen können. Zum Preis eines Pauschalurlaubs gibt es einen Flug, von dem man nicht weiß, ob man am Fenster sitzen wird. Vermutlich muss man sich einen Ausguck mit jemanden teilen. Der Blog ist sich ziemlich sicher, dass das Wagnis des Veranstalters belohnt wird. Die Hoteliers auf Malle haben da weniger Glück – für die meisten von ihnen ist die Saison zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen hat. Und das nur, weil die magische Fünfzig, die seit Corona über Gut und Böse entscheidet, überschritten worden ist. Die macht für eine homogene Stadt, in der überall die gleichen Bedingungen herrschen, sicherlich Sinn. Urlauberorte sind jedoch anders gestrickt. In denen haben Einheimische und Touristen eigene Territorien, in denen sie z. T. fast ausschließlich unter sich sind. Bevor man eine Reisewarnung rausgibt, wäre es gut, zu schauen, wer sich angesteckt hat. Und wo die Leute leben. Lt. Mallorcamagazin sei das kein Problem, das herauszufinden. Womit der Blog beim Testen wäre. Wer zu spät käme, denn würde das Leben bestrafen, so hat es dank Gorbatschow bisher geheißen. Nun sieht es ganz danach aus, als würden auch jene bestraft, die viel Tests durchführen lassen. Eben wie Malle, das wohl dieses Wochenende von sonnenhungrigen Deutschen, die unbedingt erleben wollen, wie es ist, bei 40 Grad am Strand zu liegen, gestürmt worden wäre. Daraus wird nun nichts. Wer viel testet, der findet eben auch viel. Söder weiß davon ein Lied zu singen. Aber im Gegensatz zu den Behörden auf der Insel, die die Fälle nachverfolgen können, sind seine Gesundheitsämter nicht in der Lage, Leuten, die sie gar nicht hätten zu checken brauchen, zu sagen, dass sie sich angesteckt haben. Wer nichts tut, macht nichts falsch, und kann deshalb auch nicht kritisiert werden (wie Mutti). Wer freiwillig etwas tut und einen Fehler macht, der hat es schwerer, erst recht, wenn er beunruhigende Zahlen liefert. Spätestens jetzt weiß Deutschland, warum Donald nicht testen lassen will. Das bringt nur Unglück. Es verdirbt die gute Laune. Malle hätte zum Musterfall werden können. Austausch heißt wohl das Zauberwort. Leider haben die deutschen Behörden lieber alles dicht gemacht.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.