Wenn es wenigstens helfen würde

Wird Schäubles Plan, die Griechen zum mit Abstand unbeliebtesten Volk Europas zu machen, aufgehen? 20 Mrd. € lässt er es sich kosten, den Hellenen die Liebe zum Euro auszutreiben – wenn bis jetzt die Menschen die Währung unbedingt behalten wollen, ist nun lt. diverser Ökonomen (Elliott, Münchau) zu befürchten, dass sie diese verfluchen werden, sobald die Stellvertreter (für alle, die nicht auf dem laufenden sind – das ist die gewählte Regierung) der Troika, die nun wieder als Troika bezeichnet werden darf (ich glaube, es ist sogar Pflicht) die Maßnahmen, die das Bailout-Programms vorsieht, umsetzt (wer weiterhin von den „Institutionen“ redet, outet sich als Varoufakis-Anhänger). Womit ich schon bei Versailles wäre – was nutzt aller Zorn, wenn mir die Mittel fehlen, die Situation zu ändern? Geschichtsinteressierte ahnen, worauf ich hinauswill – es geht nicht um die Wirtschaft, sondern die Reichswehr, die auch dank der Sowjetunion es hinbekommen hat, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Wenn eine Regierung, die streng kontrolliert wird, auf alles vorbereitet sein will (es ist ja zu befürchten, dass bald niemand mehr den Euro haben will), ist es heute nicht anders als früher (das wird wohl immer so sein) – sie muss mit Hilfe der Russen sich ein Know-how, das ihr ermöglicht, über Nacht eine neue Währung einzuführen, erarbeiten. Ob Tsipras sich das traut, wage ich zu bezweifeln. Alleine schon das neue Unwort „Vertrauen“, das die Politiker vorgeben, dank der Kontrollen, die sie natürlich in diesem Zusammenhang nicht erwähnen, wiederhergestellt zu haben (widersprüchlicher geht es wirklich nicht), verhindert, die Politik der Troika zu hinterfragen. Seit dem Referendum hat die Aussage, nicht mehr jemanden (Tsipras) zu vertrauen, eine neue Bedeutung bekommen – man drückt damit aus, dass man anderer Meinung ist. Indem sich Tsipras strikt an demokratischen Gepflogenheiten gehalten hat, konnte er einen wenigstens wichtigen Pluspunkt, der ihm half, als Verlierer einigermaßen unbeschadet vom Platz zu gehen, sammeln. Gegen die Raffinesse, die Kaltblütigkeit und den Machtinstinkt Merkles und Schäubles hatte er jedoch keine Chance. Deren Problem ist nun, dass sie alle verfügbaren Kanonenboote vor die Küste Griechenlands beordert haben. Bewegungen wie „Podemos“ müssen nun vermeintlichen Wählern nur noch klarmachen, wie sie sich verhalten hätten bzw. wie sie den Deutschen gegenübertreten wollen. Das wird ziemlich schwer, jedoch haben sie es einfacher als Syriza – sie wissen nun, was sie erwarten könnte. Syriza dagegen ist ziemlich unbeleckt losmarschiert. Und hat frei von der Leber weg seine Forderungen der Öffentlichkeit kundgetan. Dafür sind sie mit einem Deal, der, wenn er nicht eingehalten wird, die Griechen speziell bei den Nordeuropäern noch lange diskreditieren wird, bestraft worden. Mir fehlt es an Phantasie, mir vorzustellen, welches Wunder einen Stimmungsumschwung bewirken könnte. Nichts kann den Griechen helfen.

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