Das Malleusfix bleibt da, wo es hingehört

Einem geschenkten Gaul soll man bekanntlich nicht ins Maul schauen, es sei denn, man ist Papst und wird von Evo Morales, dem Präsidenten Boliviens, beschenkt – statt eines Kruzifixes hat er Franziskus ein Malleusfix überreicht. Während das Bild, das der Guardian abgedruckt hat, den Eindruck vermittelt, Morales müssen, als er sich entschieden hat, diesen Kitsch als Gastgeschenk zu überreichen, alle guten Geister abhanden gekommen sein, wird aus dem Bild, das die SZ veröffentlicht, deutlich, dass es besser gewesen wäre, das Geschenk anzunehmen – man spürt sofort, dass derjenige, der das Kruzifix geschnitzt hat, womöglich selbst einige Zeit an einem Kreuz festgemacht war. Der Mann weiß, dass das Leben hart und ungerecht sein kann. Alles Leid, was ihm widerfahren ist bzw. ihn umgeben hat, scheint sich in dieser Schnitzerei zu bündeln. Wer Hammer und Sichel gutheißt, hat mit dem Schlimmsten zu rechnen. Wie recht die Person, die das schuf, hatte – Jesuitenpater Luis Espinal wurde 1980 ermordet.

Wer weiß, wo das Malleusfix gelandet wäre, wenn er es angenommen hätte. Vermutlich
irgendwie im Keller neben den Skizzen Michelangelos von der Sixtinischen Kapelle und Benedicts roten Schuhen, die der Vatikan nach dessen Tod bestimmt versteigern lässt. Von dem werden wir, so scheint es, erst erfahren, wenn dessen berühmten Slipper von irgendeinem Auktionsbüro zum Verkauf angeboten werden. Wie einsam müssen sich Rentner, die alleine leben, fühlen, wenn wir schon seit Monaten von Papst ade nichts mehr gehört haben? Und das waren wir angeblich mal alle. Kaum ist er weg, interessiert sich „wir sind Papst“ nicht mehr für ihn. Vielleicht ist es auch so, dass von den Prominenten, die ihn Rente gehen, die Päpste am schlechtesten dran sind – aus Angst, jüngere könnten auf die Idee kommen, wieder Gegenpäpsten zu wählen, wenn die abgetretenen sich allzu gesprächig dem Kirchenvolk und den Medien gegenüber zeigen, ist ihnen untersagt, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Selbst das Schreiben eines Buches scheint nicht erlaubt zu sein (ich kann mich dunkel daran erinnern, dass er eines veröffentlichen wollte).

Derartige Einschränkungen würde sich Varoufakis nicht auferlegen, geschweige denn sich bieten lassen – es sieht so aus, als ob er dank des Guardians einem breiten Publikum erhalten bleibt. Nach Greenwald, der die Zeitung ziemlich überraschend verlassen hat, um in der Versenkung zu verschwinden, hat das Blatt wieder einen Autor, der viele Klicks bringt und den Machern überproportionale Aufmerksamkeit beschert – 914 Antworten innerhalb von etwas mehr als 3 Stunden. Diesmal hat er sich Schäuble, dem er vorwirft, den Grexit zu nutzen, um Frankreich gefügig zu machen, vorgenommen. Eine sehr interessante These. Die Deutschen lassen sich ihr Hobby, andere zu schulmeistern, etwas kosten. Auch bei Ilner haben außer einer alle versucht, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass ohne den Rat und den Vorgaben der Deutschen die Griechen keine Chance haben, ihr Suchtproblem, das Schuldenmachen, in den Griff zu bekommen. Aber statt Schuldenschnitt sollen sie nun neue machen.

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