Wahl oder Impeachment – was ist besser?

und eine Wahl, wie nicht anders zu erwarten, der haushohe Gewinner ist, was jeder, der gestern die Debatte zwischen Johnson und Corbyn verfolgt hat, bestätigen wird, müssen sich die Demokraten fragen lassen, warum sie den großen Langweiler „Impeachment-Saga“ ins Fernsehen geholt haben. Zu allem Überfluss beschränkt sich eine Folge nicht auf anderthalb Stunden, sondern sie erstreckt sich über den ganzen Nachmittag und Abend. So löst man Trump nicht ab, zumal wenn der Normalbürger die Verfehlungen, die Trump begangen hat, als nicht schwerwiegend betrachtet, was sie im Vergleich zur „Watergate-Affäre“, die wesentlich spannender war (Einbrüche, Abhöraktionen Mitarbeit der Geheimdienste etc.), auch sind. Die Demokraten stützen sich auf ein Telefongespräch, bei dem der ukrainische Präsident den Fehler gemacht hat, Trumps Drohungen, die Militärhilfe einzustellen, wenn nicht gegen den Sohn seines potentiellen Herausforderers Biden ermittelt werden würden, zurückzuweisen – es ist höchst zweifelhaft, ob das die Menschen eines Landes, deren Politiker und Medien jeden Tag stolz verkünden, man könne sagen und tun, was man wolle, als Einschüchterung oder gar als Erpressung betrachten. Die Demokraten hätten besser daran getan, wenn sie sich auf die nächste Wahl konzentriert hätten. Spätestens beim direkten Vergleich der Kandidaten ist Schluss mit lustig für Donald. Für seinen Freund Boris ist der Spaß schon seit gestern Abend vorbei – während er für die Normalbürger im Fernsehduell mit Corbyn einen Sieg, der knapper nicht ausfallen kann, errungen hat, haben ihn die Twitterer zum haushohen Verlierer erklärt, was ihn besonders schmerzen sollte, da dieses Urteil die politisch Gebildeteren, die zudem oft an Stellen sitzen, wo Meinung gemacht wird, gefällt haben. Es wird eng für Boris, und ich würde mich nicht wundern, wenn auf den letzten Metern nicht nur einge-, sondern auch überholt werden würden – mit letzter Kraft auf allen Vieren kriechend, eine Hand schon über der Ziellinie wissend, überspringt ihn Corbyn locker und leicht. Wer gestern das Duell sah, fragt sich, wie es möglich sein kann, dass so viele Leute Boris‘ Litanei, dem Königreich würde schon längst besser gehen, wenn der Brexit vollzogen wäre, abnehmen. Sein Tenor ist, alles, was schief läuft, auf den noch nicht vollzogenen Brexit, den Labour zu verantworten hat, zu schieben. Das nervt. Und es ist noch eine Frage der Zeit, bis die Leute dieser Argumentation überdrüssig werden. Gestern wurde klar, dass Corbyns Entscheidung, einer vorgezogenen Wahl zuzustimmen, richtig war. Er hat die besseren Argumente. Er argumentiert nuancierter. Labour hat nun gute Chancen, Boris zu verhindern.

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