Das Auto ist tot, hoch lebe das Auto

Das Auto, das hochleben soll, ist keinesfalls jenes, das Tesla beabsichtigt, in Grünheide – ein Name, der nur jemanden, der nicht weiß, dass die Mark eine Sandwüste ist, glauben machen kann, ein grünes Paradies vorzufinden – zu bauen (mit anderen Worten: der Ort passt zu Musk, der die Angewohnheit hat, stark zu übertreiben) – es geht um den Ford Mustang, dessen Kultstatus ich mir bis gestern nicht erklären konnte, so dass ich immer geneigt war, ihn mit dem Manta, einer dessen Klons, in Verbindung zu bringen. Dank „Le Mans 66“ weiß ich, dass das Auto Charakter und Geist hat, das es Carroll Shelby und Ken Miles – zwei Autofreaks, die verrückter nicht sein können – zu verdanken hat. Matt Damon spielt Carroll, der Südstaatler sein muss, da er fast immer mit einem Cowboy-Hut unterwegs ist. Christian Bale ist Ken, den man, wenn er nicht Englisch sprechen würde, nach Schwaben verorten könnte, was sie aber nicht verdient hätten, da er sogar nicht dem Klischee, das über die Süddeutschen kursiert, ähnelt. Als penibler Tüftler, der zudem noch begnadet Autofahren kann, ist er Nerd und kalkulierender Abenteurer in einer Person – hat es das schon einmal im Kino gegeben? Ich glaube nicht. Die beiden bilden ein Team, das sich daranmacht, ein Auto zu entwerfen, das den Ferraris nicht nur ebenbürtig, sondern sogar überlegen ist. Der Film gewährt uns einen Einblick in eine Zeit, in der niemand auf die Idee gekommen wäre, nach einem Unfall ein Rennen zu unterbrechen, um die Fahrbahn zu räumen. Es wurde munter weiter darauf losgefahren. Der Tod gehörte praktisch zum Spektakel. So wie in den Arenen im alten Rom. Wer den Film sieht, sollte sich im klaren sein, Gefahr zu laufen, keine Lust mehr auf Jagdszenen, die unsere heutigen Boliden liefern, zu haben. Armer James Bond. Hoffentlich fährt Bond im nächsten Film ein Auto ohne Elektronik mit einem riesigen Ganghebel, mit dem er ständig hantieren muss. Für Greta kommt „Le Mans“ leider zu spät – statt auf einem Motor- geht es wieder mit dem Segelschiff zurück nach Europa. Erst dachte ich, sie habe etwas gegen die multikulturelle Arbeiterklasse auf modernen Schiffen. Nun drängt sich der Eindruck auf, dass sie mit Motoren überhaupt nichts am Hut hat. Auf einer Frachtschiffreise hätten ihr die Besatzung zeigen können, dass Verbrennungsmotoren grundsätzlich nicht schlecht sind. Die Chance hat sie vertan. Beliebter wird sie dadurch nicht, denn unbedingt sauber sind die Youtuber, mit denen sie über den Atlantik segelt, nicht – das Streaming produziert mehr CO2 als das Fliegen. Geht es nach Labour, soll sogar noch mehr gestreamt werden, und das völlig kostenfrei für den Kunden. Breitband für alle. Boris hat dies als verrückten kommunistischen Plan abgetan. Aber kann etwas, das ermöglichen soll, Netflix zu sehen, wirklich kommunistisch sein?

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