Vor Rezo braucht man keine Angst zu haben

Nach 55 Minuten Hochkultur mit Rezo, in denen – da bin ich mir trotz meines nur 2-minütigegn Zappens durch das Video sicher – das Wort „Arschloch“, mit dem für meine Generation der Protest erst richtig anfängt, überhaupt nicht gefallen sein dürfte, ist mir nun klar, warum AKK sich so aufregt – der Mann ist einfach zu gut. Jedenfalls beleidigt Rezo keine Politiker beleidigt, was diese nicht gerne sehen, denn mit einer Beleidigung hätte er sich in den Augen der Mehrheit selbst disqualifiziert, so dass sie den Leuten nicht zu erklären brauchen, warum er völlig falsch liege. (Leider weiß ich nicht, welche Schimpfwörter im Saarland angesagt sind. Daher muss ich welche erfinden. „Enkelin Honeckers“ fällt mir spontan ein, worüber sich AKK, so hoffe ich, sehr gerne dürfte, gehört der Erich doch zu den Leuten, mit denen ein CDUler überhaupt nichts zu tun haben möchte.) Jeder verbale Entgleisung bringt mehr Zeit für den Politiker. Und es macht ihn vor allem sicherer und glaubwürdiger, denn angesichts der mageren Bilanz der Leute in der Politik gerät man schnell in Gefahr, die Errungenschaften lustlos aufzusagen, was dazu führen könnte, dass die Leute zur Meinung kommen, dieser Mensch würde der eigenen Erfolgsgeschichte keinen Glauben schenken. Da sich nichts finden ließ, haben sich alle an dem Titel seiner Session („Die Zerstörung der CDU.“) hochgezogen. Da in unserer heutigen Zeit jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, muss sie nun darum kämpfen, dass ihr die Medien nicht Kanzlerfähigkeit aberkennen. Das geht schneller als man denkt. Rezo hätte ich einen formidableren Gegner gewünscht. Bspw. Kohl, der so getan hätte, als würde er den wackeren und beredten Youtuber überhaupt nicht kennen. (Und wir dachten damals, der Fischer würde schon schnell sprechen. Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, hätte wohl nur Kelly mit dessen Wortschwall konkurrieren können.) Oder gar erst Strauß.

Wie weit die Bahn von ihren Glanzzeiten, in denen praktisch jeder Ort einen Halt hatte, entfernt ist, durfte ich gestern erleben. Während der mehr als 8 Stunden, in denen Halles Hauptbahnhof geschlossen war, hat sie es nicht geschafft, einen Zug am diesem vorbei zu einem der Nebenhalte zu manövrieren. In den 30ern wäre dies noch die normalste Sache der Welt gewesen. Stattdessen mussten wir auf Busse, die nicht kamen, weil sie im Superstau um Halle festsaßen, warten. Leider kann ich nicht sagen, ob es fehlenden Weichen oder der Organisation gelegen hat. Erstere kann man noch einbauen, während man für Letzteres wohl Notfallpläne braucht. Da wartet viel Arbeit auf die Bahn.

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