Starke Bayern – armes Spanien

Wenn die Herren Fußballprofis Überstunden machen wollen, heißt das noch lange nicht, dass jeder, der über das Spiel berichtet, das Geschehen auf dem Platz weiter verfolgt – für diesen Blog jedenfalls ist nach 92 Minuten Schluss, was nicht nur daran liegt, dass ich keine Lust habe, länger mit dem Schreiben zu warten, sondern in erster Linie dem hervorragenden Spiel beider Mannschaften in der regulären Spielzeit geschuldet ist. Wäre ein Bayernspieler vom Platz geflogen und hätten die Münchener den Ausgleich gemacht, wäre es eine Kopie des gestrigen Spiel in Barcelona gewesen. Real ging zwar schneller in Führung als Barca, jedoch ließen die ersten Minuten schon klar erkennen, dass auch bei den Königlichen die Abwehr die Schwachstelle ist, wobei das noch freundlich umschrieben ist, denn diese hat des öfteren gar nicht existiert. Aus Sicht der Hauptkamera hätte Robben schon nach 2 Minuten Reals Führung, dank eine verwandelten Handelfmeters durch Ronaldo in der 5. Minute, ausgleichen müssen, spätere Einblendungen aber haben gezeigt, dass es recht schwierig gewesen war, die Kugel zu kontrollieren. Das zweite Tor hat Özil, der dank eines Kross‘ Abprallers den Ball vor die Füße bekommen hat, mit einem klugen Anspiel auf Ronalda eingeleitet. Dieser musste den Ball nur richtig treffen, jedoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass er 10 cm im Abseits stand. Glück hatten die Bayern, dass ihnen der Schiedsrichter bei einem Hechtflug-Zweikampf zwischen Gomez und Pepe auf Strafstoß für die Bayern entschieden hat. Und es schien, als ob die Götter den Bayern weiter Gutes tun wollten, denn Casillas wehrte den Ball an den Pfosten ab, von wo er dann ins Tor ging. Nach zwei Minuten wandten sie sich aber auch schon von den Bayern ab. Sie kamen auch nicht mehr zurück, mit der Folge, dass Gomez zwei todsicherer Chancen versiebte. Damit hatten die Bayern mehr Chancen als Real aufzuweisen, die überhaupt keine hundertprozentige hatten. So musste Neuer sich auch erst in der 55. Minute (vom Elfer mal abgesehen) richtig lang machen. Da schoss Benzema aus halbrechter Position gefährlich aufs Tor. In dieser Saison dürfte er der Torwart sein, der am wenigsten im Bernabéu-Stadion zu tun hatte, wofür es leider keine Auszeichnung gibt. In der zweiten Halbzeit ging es dann wesentlich geruhsamer zu. Und auch rabiater. Armes Spanien – wie und wann habt ihr nur verlernt, wie man richtig verteidigt. Aber während Barca noch behaupten kann, zweimal die bessere Mannschaft gewesen zu sein, kann Real sich nicht beschweren. Die älteren Realfans werden auf dem Nachhauseweg wehmütig an die Zeiten, in denen Camacho und Hierro hinten für Ordnung sorgten, gedacht haben. Ich bin gespannt, ob in der Nationalmannschaft auch der Wurm drin ist. Nun spielen Nordlichter gegeneinander, wobei die Roten eindeutig die Favoriten sind. Das Spiel zu verlieren, würde wohl die Enttäuschung des Jahrzehnts bedeuten.

PS: Spiegel-Online erklärt Neuer zum Helden. Aus Prinzip schaue ich nie Elfmeterschießen.

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