Es schaut nach Personenkult

Mögen die Franzosen besonders Bilder, die zeigen, wie die Welt aussieht, wenn man auf einem Motorrad hinten sitzt? Falls ja, gibt es meines Erachtens dafür nur eine Erklärung – die Tour de France. Während viele nur wegen der tollen Landschaftsaufnahmen, die vom Hubschrauber gemacht werden, schauen, soll es auch Menschen geben, die dankbar dafür sind, aus der Perspektive eines stehenden Motorradkameramanns verfolgen zu können, wie Radfahrer auf der nicht enden wollenden Rampe zum Mont Ventoux eine Schneise durch die frenetischen Massen schlagen. Und abwärts erst, wenn das Bike sich an Fahrer, die einen Alpen- oder Pyrenäenpass runter preschen, dranhängt. Gegebenenfalls die Rennradler noch überholt. Solche halsbrecherischen Abfahrten können süchtig machen. Zuletzt war vor einem dreiviertel Jahr derart Aufregendes zu sehen, daher fand ich auch den Entschluss des französischen Fernsehens, zu zeigen, wie Sarkozys Auto sich seinen Weg durch Paris bahnt, recht originell, versprach die Fahrt durch nächtliche Paris recht spannend zu werden. Und ganz so nebenbei, so dachte, würde auch die eine ohne andere Sehenswürdigkeit zu sehen sein. Dass nach einer gefühlten Minute mir der Gedanke kam, ob auf der Rubljovka immer noch alle Autos rechts halten müssen, wenn Putin in den Kreml zur Arbeit fährt (selbst die Oligarchen dürfen nicht weiterfahren), lag einzig und allein am Sender, der ausschließlich die Seite des Wagens, in der man den Präsidenten vermutete, im Bild hatte, im Hintergrund aber immer wieder zu sehen war, dass die Fahrzeuge nicht zu stoppen brauchten. Da sich im Auto weiterhin nichts regte (die Queen hätte bestimmt die Scheibe heruntergekurbeln und gewinkt), fragte ich mich, wie es möglich sein könne, etwas Belangloses so aufzubauschen. Die Suche brachte mich dann auf die Idee, dass die Franzosen zu viele Revolutionen gemacht haben könnten. Spontan fielen mir drei ein, nach etwas Überlegung auch noch eine vierte hinzu. Auf welche sie hätten verzichten sollen, habe ich bis jetzt noch herausfinden können. Wie ich darauf komme? Ich finde, dass sich daraus (die Fernsehmacher wissen, was Quote bringt) eine Autoritätsgläubigkeit, die in diesem Umfang ich den streitlustigen Franzosen gar nicht zugetraut hätte, ableiten lässt. Diese müsse, so meine Vermutung, wohl noch aus den Zeiten, als es im Land drunter und drüber ging (meistens nach Revolten), her. Darum haben sie dem Präsidenten Befugnisse, für deren Ausübung er sich alle 5 Jahre rechtfertigen muss (das geht nur zwei Mal), zugestanden. Dieser Monarch mit begrenzter Amtszeit passt überhaupt nicht mehr in unsere Zeit. Und meistens erweist sich erst im Amt, ob er der richtige ist. Hat man Glück, wird es einer wie de Gaulle. Interessant wäre, zu wissen, wie sich die Redakteure verhalten hätten, wenn Sarkozy nur die prognostizierten 23 Prozent erhalten hätte. Womit ich schon bei Frankreichs Wahlforschern wäre. Kann man deren Prognosen überhaupt vertrauen? Einzig Hollandes Wert hat sich bestätigt. Wäre ich ein Wetter, tippte ich erst, wenn einer von den beiden 10 Prozent vorne liegen würde.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.