Solange die „Poseidon“ nicht durch Pipelines kommt

Sie soll schon getestet worden sein, die „Poseidon“, Putins neue Wunderwaffe, die im Gegensatz zu jener, die wir hatten, noch eingesetzt werden kann, wenn man den Krieg längst verloren bzw. sogar kapituliert hat, worüber der Führer, wäre er im Besitz dieser Waffe gewesen, vor lauter boshafter Freude ganz und gar vergessen hätte, sich umzubringen. Damit ja nicht erst der Verdacht aufkommt, Russland habe da etwas konstruiert, dass im Falle eines Krieges automatisch reagiert und nicht mehr gestoppt werden kann (wie bei „Dr. Strangelove“), hat Putin heute ein U-Boot, von dem die „Poseidon“-Drohnen gestartet werden, vom Stapel gelassen – vermutlich das erste und letzte dieser Art. Dafür spricht, dass die Russen sich nicht die Mühe gemacht haben, ein neues Boot zu konstruieren, sondern ein Unterseeboot, das mehr als 20 Jahre lang eingemottet war, umgebaut haben. Noch in diesem Jahr soll es getestet werden. Aber warum soll man die Drohnen von teuren U-Booten starten, wenn diese auch aus von Containern, der auf dem Meeresboden stehen, in Fahrt gesetzt werden können? Die nächste Generation braucht gar keine Behälter mehr – die lässt man in Friedenszeiten in der Nähe der Freiheitsstatue im Schlick versinken, um sie dann im Ernstfall in Höchstgeschwindigkeit auf Manhattan rasen zu lassen. Keine Interkontinentalrakete ist so schnell im Ziel wie diese „Poseidon“-Ungeheuer. (Ich wage mir nicht, auszumalen, was passiert, wenn so ein Ding im Einsatz bzw. Standby mal verrosten sollte.) Die Dinger haben noch den schönen Nebeneffekt, dass die„Nordatlantiker“ nun erst recht höhere Verteidigungsausgaben fordern werden – es gibt nichts Schöneres, als einen Rüstungswettlauf anzuzetteln, in dem man der Igel ist. Und da den Russen die Ideen nicht auszugehen scheinen, werden sie noch sehr lange diese Rolle spielen können. Wie es aussieht, haben die Sanktionen das Land darin bestärkt, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Das schreckt die hiesigen Politiker nicht davon ah, dieser weiterzuführen, selbst auf die Gefahr, vom Wähler abgestraft zu werden. Wer wird noch Weber, der sich ausgerechnet hat, Juncker zu beerben, wählen? Die Polen natürlich. Bei denen kommt seine Ansicht, die zweite Pipeline der Russen durch die Ostsee verhindern zu wollen, gut an. (Vielleicht hat er gehofft, es würde sich niemand für sein Interview, das er einer polnischen Zeitung gab, interessieren.) Sie werden es auch verschmerzen, dass Belorussen sie seit gestern nicht mehr beliefern (angeblich ist das Öl, das die Russen im Augenblick liefern, so schlecht, dass sie es für sich brauchen). Aber warum sollten wir darauf verzichten? Nichts spricht dagegen, solange die Russen keine Röhren-„Poseidon“ auf Lager haben.

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