„Avengers: Endgame“ – ein besseres Finale

Was könnte „Avengers: Endgame“ mit einem Endspiel im Fußball gemeinsam haben? Die Fußballexperten wissen es – meistens sind diese langweilig, wobei die Regel gilt, dass je bedeutender das Match, desto öder und trostloser wird auf dem Rasen gekickt, was nichts Gutes für uns Kinogänger verspricht, locken die „Avengers“ doch Millionen in die Theater. Nach den Maßstäben des Fußballs gehört der Film jedoch zu den besseren Finalen, was ihn aber nicht gleich zu einem Topfilm macht – während der fast 3 Stunden, die ich im Kino saß (sollten die Filme noch länger werden, wird es für Leute meines Alters Pflicht, Kompressionsstrümpfe zu tragen), hatte ich immer das Gefühl, etwas Bedeutendem beizuwohnen, sprich die sprichwörtliche Nonchalance, mit der unsere Freude die Dinge anzugehen pflegten, musste sich oft dem Ernst geschlagen geben. Vielleicht wäre der Abschied lockerer verlaufen, hätte die Filmcrew den „Avengers“ eine leichtere Aufgabe – sie sollen die Hälfte der Erdbevölkerung, die ein großer Mann mit einem beneidenswerten Gebiss, um das ich ihn beneide, sowie einem Superschwert wahllos getötet hat, wieder zum Leben zu erwecken – übertragen. Weniger wäre ihr wohl besser gewesen. Wer so viele Menschen retten muss, der verfällt schnell in Pathos, wie der Fall Brown, der als Premierminister im Unterhaus unbewusst eine Rede in der Zeit der großen Finanzkrise mit dem Satz „We not only saved the world…“ begonnen hatte, wofür er ein großes Gelächter erntete, das ihm bis zu seinem Lebensende verfolgen wird, gezeigt hat. Glücklicherweise gibt es noch genug Szenen, in denen die „Avengers“ ihre gewohnte Form und Leichtigkeit zeigen. Wer überlebt den letzten Kampf der Truppe? Dieser Block wird das natürlich nicht verraten. Nur so viel sei gesagt – der Alte Fritz, der seinen Soldaten, als sie auf dem Schlachtweg vor dem Gegner zurückwichen, zugerufen haben soll „Hunde, wollt ihr den ewig leben?“, wäre schwer enttäuscht. „Putain de technique“ hätte er laut gerufen, und das gleich mehrmals. Dank einer Zeitmaschine stirbt bis auf eine so richtig niemand. Jedenfalls nicht so, wie wir es gewohnt sind. Dafür gibt es eine tolle Beerdigung, die so herzzerreißend ist, dass eine Kinogängerin zu lachen anfing, angesichts der Totenstille, die im Saal herrschte, dann aber doch Angst vor der eigenen Courage bekommen hat. Kitschig, dennoch schön. Eines ist aber sicher – die „Avengers“ kommen noch einmal zurück.

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