Schlange stehen wie in der DDR

Sollten die ostdeutschen Impfrebellen in den Bergregionen dass Ziel verfolgt haben, die verwöhnten Westler wissen zu lassen, wie Schlange stehen in der DDR gewesen ist, dann wäre ihnen ein großer Coup gelungen – es ist ein Sieg auf ganzer Linie, wenn sich ein ganzes Land, so wie erhofft, einreihen muss. Man würde den Impfverweigerern unrecht tun, sie als DDR-Nostalgiker zu bezeichnen. Das sind sie natürlich nicht. Und es ist auch nicht so, dass sie ihren Sieg voll auskosten können – werden die Regeln korrekt gehandhabt, gehören sie auch zu jenen, die Schlange stehen dürfen. Da Kinder am Ende der langen Reihe zur Teststation standen, dachte der Blog erst, die wollen sich für den Weihnachtsmarkt, der heute aufgemacht hat, testen. (Ein einmaliges Experiment – der Genuss alkoholischer Getränke unter strenger Aufsicht. Der Blog glaubt, dass das ein großer Erfolg wird. Man fühlt sich in die Kindheit versetzt. Wenn die Eltern gut drauf waren, ließen sie einen mal nippen, so dass meine Generation an den Ständen gut vertreten sein sollte. An den heutigen Kindern werden zukünftige Glühweinstandbetreiber keine Freude haben – deren Eltern machen den Eindruck, als seien sie die Abstinenzler.) Nach denen folgten fast nur noch Erwachsene, die sie testen lassen, um morgen nicht vom ihrem Vorgesetzten nach Hause geschickt zu werden. Ohne Test keine Arbeit – die Rache der Politik, die nun erbarmungslos zurückschlagt, was die anstehenden Leute locker weggesteckt haben. Wie lange noch? Sich nach Feierabend abends gegen 5 testen zu lassen wird bald kein Vergnügen mehr sein. Sonntags erst recht. Da tröstet es nicht, wenn man nicht zu fürchten braucht, wegen aufgebrauchter Tests zurückgeschickt zu werden. (Wer wirklich erleben will, wie es in der DDR war, muss sich boostern lassen.) Es sieht so aus, als habe sich die Politik eine wirksame Folter einfallen lassen. Den Ungeimpften kann der Blog nur den Rat geben, es mit Galilei, der gesagt hat, „und sie bewegt sich doch“, zu halten. Während der Impfrebellen abgestraft werden, darf die Politik uns weiter zuquatschen – im Augenblick tyrannisiert sie uns mit der Impfpflicht. Und das aus gutem Grund – die lässt sich wegen fehlender Impfkapazitäten im Augenblick gar nicht umsetzen, so dass man bedenkenlos darüber diskutieren kann. Beim eigentlichen Problem, nämlich die Erhöhung des Impftempos, hält man sich ziemlich bedeckt. Da ist immer nur von niedrigschwelligen Angeboten die Rede (Impfen in der Straßenbahn etc.). Halle hat sich nun wenigstens dazu durchgerungen, das Impfzentrum wieder aufzumachen. Wann es soweit ist, kann die Stadt aber noch nicht sagen.

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