Schisma – wo man nur hinschaut

Was ist schon das Schisma, das Luther mit dem Anschlag seiner Thesen vor knapp 501 Jahren ausgelöst hat, gegen das, was wir in kürze Kürze erleben dürfen – da der „Außenminister“ des Moskauer Patriarchats seine Ankündigung, alle Beziehungen mit Konstantinopel abzubrechen, sollte das Oberhaupt der Orthodoxen die Anerkennung einer unabhängigen ukrainischen Kirche aufrechterhalten, wahrgemacht hat (der Blog berichtete), haben nun die Ukrainer freie Hand, die Kirchen und Gemeinden unter ihre Obhut zu stellen. Mit dem Schisma hat Moskau nun keine Möglichkeit mehr, sich gegen deren Einverleibung zu wehren. Zwar soll Putin den Sicherheitsrat einberufen haben, um dort mögliche Folgen zu diskutieren. Eingreifen werden die Russen aber nicht, denn wegen des Verhaltens des Westens, der die Ukrainer nach der „Maidan-Revolution“ hängen gelassen hat, kommen nun gut ausgebildete Fachkräfte nach Russland. So soll der Niedergang des ukrainischen Schiffbaus den Russen ermöglicht haben, zwei Atom-U-Boote, die ohne die Hilfe der Spezialisten aus der ehemaligen Unionsrepublik nicht hätten gebauten werden können, in Dienst zu stellen. Die Abwanderung scheint den Russen auch zu helfen, die Sanktionen des Westens durch eigene Produkte kompensieren zu können, jedoch hat das „Schisma“, mit dem die Nationalukrainer jene, die sich Russland nahe fühlen, kujonieren (bspw. ist Russisch ab der 5. Klasse nur noch Fremdsprache), sie nicht davon abgehalten, im Land zu investieren – Russland ist bei Weitem immer noch der größte Investor im Land. Aufgrund der Erfahrungen, die die Ukrainer mit ihrem „Schisma“ gemacht haben, ist zu vermuten, dass das britische „Schisma“ genauso verheerend ausfallen wird. Vom Einwanderungs- und Auswanderungsland – gut möglich, wenn das Königreich die EU ohne Vertrag verlässt. Aber soweit ist es ja noch nicht. Am Sonnabend gibt es erst einmal eine Demonstration, von der ich hoffe, dass sie in Nichts jener, die Blair wegen seiner Teilnahme am Krieg gegen den Irak ausgelöst hat, nachsteht – mehr als 500.000 sollten es schon sein, die gegen den Brexit protestieren. „Teflon-Tony“ hat sich davon nicht beeindrucken lassen. „Bloody Theresa“ wird die Aktion auch ignorieren. Aber im Gegensatz zu ihm muss sie fürchten, aus dem Amt zu fliegen, sobald sie über den Brexit abstimmen bzw. in Brüssel ihre Vertreter etwas unterschreiben lässt. Während viele glauben, unter einem harten Brexit würden auch die Kontintaleuropäer leiden, bin ich wesentlich optimistischer – die Chancen stehen nicht schlecht, dass dann an den Schulen die Unterrichtsausfälle rapide sinken, und das nicht nur in Englisch. Der Brite ist der geborene Pädagoge. Ihm steckt das Unterrichten praktisch im Blut. So widersprüchlich es auch klingen mag – die typisch britischen Charaktereigenschaften lassen sich am besten in der EU bewahren. Ohne Empire, wie es auch geartet sei, können die Briten gar nicht existieren. Höchste Zeit, das Streben nach dem perfekten „Schisma“ aufzugeben.

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