Absturz ist nicht gleich Absturz

Fast an jedem Tag ein Absturz – am Mittwoch die Wall Street, einen Tag später die Sojus, gestern die Saudis, heute die Linken (was hoffentlich niemand mitbekommt) und morgen, wenn die Wahlprognosen nicht täuschen, wird es die CSU erwischen. Verrückterweise fiel das Raumschiff, das immerhin schon 70 km zurückgelegt hatte, bevor es umkehren musste, nicht nur am weichsten, wegen seiner Bilderbuchlandung dürfte es auch alle, die in der Raumfahrtindustrie arbeiten, in eine gewisse Euphorie darüber, in Notlagen das Leben der Besatzung retten zu können, versetzt haben, denn schließlich liegen zwischen dem letzten erfolgreichen Abbruch vor 35 Jahren zwei Space Shuttle Unfälle, die katastrophal endeten. Die Nasa-Vertreter waren jedenfalls während der Pressekonferenz, die RT live übertrug, voll des Lobes über die Russen, die aus ihrer Sicht die Situation ausgezeichnet meisterten. Vermutlich dauert es aber noch eine Weile, bis die Raumfahrt so sicher wie ein Grand Prix der Formel 1 ist. Söder wäre bestimmt froh, könnte er morgen auch so einen schönen Absturz hinlegen – 38+, immerhin mehr als fünf Prozent weniger als bei der letzten Wahl, wären für ihn ein voller Erfolg. Zum Schaden für ihn und zur Schadenfreude aller, die der CSU nichts abgewinnen können, liegt seine Partei heute bei 32 Prozent, womit, sollte das Ergebnis wirklich eintreten, die im Juni geäußerte Prophezeiung des großen Vorsitzenden, der mich mich bat, diese auf meinem Blog auszurichten, sich fast schon erfüllt hätte – die CSU hat wirklich Harakiri begangen. Ob, wie vorhergesagt, Ilse Aigner ab Weihnachten auf dem Thron sitzt, ist angesichts der Macho-Kultur, die zunehmend auch gebürtige Bayern abschreckt, äußerst fraglich (dabei haben gute Katholiken doch die Angewohnheit, sich für ihre Fehler zu kasteien). Der nächste Absturz wäre vorprogrammiert, sollte Söder – wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, sein erster Posten in seinem Dasein als Chef war die des Schulhofbosses in der großen Pause – nach einer verheerenden Niederlage weitermachen dürfen. Das prognostizierte Abschneiden der CSU ist jedoch nichts gegen den Absturz, den die Saudis, die einen kritischen Journalisten in ihrem Konsulat in Istanbul ermordet und anschließend die Leiche zersägt haben, um sie besser abtransportieren zu können, hingelegt haben. Tiefer kann man nicht fallen. Sie müssen sich ziemlich sicher gewesen sein, dass Erdogan ihre Aktion dulden wird. Hat er aber nicht, und das nicht nur, weil er die Tat verabscheut, sondern er und seine Berater zum Schluss gekommen sind, dass eine schonungslose Aufklärung ihrem Land weitaus mehr als ein Schweigegeld in Petrodollars bringen würde. Womöglich fällt den Türken es nun leichter, saudischen Dschihadisten, die partout keinen Waffenstillstand mit Assad wollen, aus dem Verkehr zu ziehen. Von zwei Übeln als das wesentlich Geringere angesehen zu werden ist auch schon ein Wert für sich. Erdogan hat Trump, der das saudische Königshaus verehrt, und den obskuren neuen Chef der Saudis, der von der halben Welt, selbst Time, voreilig als großer Erneuerer gefeiert wurde, in eine schwierige Situation manövriert – seit gestern stehen sie für das absolut Böse. Vermutlich kommt es ihm ganz gelegen, wenn er sich mit den Saudis, die sich natürlich auf irgendeine Art rächen werden, verfeinden könnte. Das lenkt von den innenpolitischen Problemen ab. Putin ist das beste Beispiel, dass das Motto viel Feind, viel Ehr durchaus Sinn machen kann. Und dann gibt es ja noch den Absturz der Linken, deren Vertreter einfach nicht von der Tradition, nicht miteinander zu können, lassen wollen. Seit Weimar geht das nun schon so. Immerhin ist es schon ein Fortschritt, wenn Vertreter „Aufstehens“ „inkognito“ an der Demonstration, die von „unteilbar“ organisiert wird, teilnehmen.

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