Reisesucht – muss eine Nation auf die Couch?

Haben Sie auch das Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis ein Caravan aufkreuzte, wenn man im Auto an der Zufahrt zu einer Mülldeponie auf einen warten würde? Mit ein bisschen Glück dauert es nur ein oder zwei Stunden. Wer Pech hat, muss vielleicht ein oder zwei Tage da ausharren. Auf alle Fälle wird irgendwann einer kommen, was beweist, dass vor der Reisesucht der Deutschen nichts sicher ist, auch eine Mülldeponie nicht. Selbst in mein Viertel, das vor Corona von den Urlaubsstinkern gemieden wurde, wagen sie sich nun. Meistens fahren sie nur durch. Neulich hat mal einer in der Nähe einer Kreuzung geparkt. Vermutlich haben die Freizeittrucker drinnen darauf gehofft, Jugendliche mögen ihren Wagen richtig gut verbeulen, so dass dieser so mitgenommen wie jener Luxusschlitten in „Cosmopolis“ aussieht. Es soll ja jeder sehen, wie abenteuerlich eine Fahrt mit dem übergroßen Gefährt sein kann. Daraus ist leider nichts geworden. Vermutlich haben sie nicht mal ein abfällige Bemerkung über ihre CO2-Schleuder vernehmen können. Und niemand war neidisch, was besonders ärgerlich war. Den Leuten blieb nichts anderes übrig, als ihre Fahrt fortzusetzen. Irgendwann wird schon etwas Aufregendes passieren. Die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen immer zuletzt. Oder reisen die Deutschen etwa nur um des Reisens willen? So wie es unserer Bundeskanzlerin egal ist, welchen Weg die Träger ihres liebsten Transportgeräts, der Sänfte, nehmen, scheint der Deutsche es seinem Caravan zu überlassen, wohin die Reise geht. Hauptsache unterwegs. Reisesucht nennt man das. Dass die als Krankheit nicht anerkannt wird, liegt an Goethe, der gesagt haben soll, man reise nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass im nächsten Sommer, wenn alle geimpft sein werden, unsere Nachbarn die Caravan Karawanen ertragen müssen. In diesem Jahr fand bzw. findet nur der Probelauf statt. Und da in dieser Woche auch noch reihenweise die Becherbergungsverbote aufgehoben wurden, kann ich nicht umhin, festzustellen, dass aus der Neben- nun die Hauptsaison geworden ist. Wer ist schon im vorigen Jahr um diese Zeit an die See oder nach Hamburg gefahren? Ich war mal im November in London, jedoch würde ich nie auf die Idee kommen, im Herbst an die Alster zu fahren. London im Herbst fand ich toll. Hinsichtlich Hamburgs kann ich mir das nicht vorstellen. Ich müsste es mal ausprobieren.

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1 Antwort zu Reisesucht – muss eine Nation auf die Couch?

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