„Propalästinensischer Aktivist“ – ein neues Schimpfwort?

Es wird ziemlich kostspielig, wenn man für den Frieden in Gaza auf die Straße gehen will – da praktisch jeder, der sich auf einer Kundgebung, die zum Ziel hat, das rabiate Vorgehen des israelischen Militärs an den Pranger zu stellen, blicken lässt, von den Medien als „propalästinensischer Aktivist“ – ein Wort, das von vielen als Schimpfwort angesehen wird – abgestempelt werden kann, empfiehlt der Blog, neben der palästinensischen auch die israelische Fahne zur Demo mitzubringen, beide am besten an einem Stiel, der sich gabelt. Und natürlich sollten die beiden Flaggen die gleiche Größe haben, so dass erst man erst gar nicht in Verdacht gerät, die Ereignisse in Gaza zum Anlass zu nehmen, unbeschwert seinen Antisemitismus ausleben zu können. Das ist mit viel Aufwand verbunden, aber im Augenblick die einzige Möglichkeit, nicht von den Medien gescholten zu werden. Der Abstammung wegen kann man als Deutscher kein palästinensischer Aktivist sein. Der Blog ist sich ziemlich sicher, dass die Deutschen nicht erfreut wären, wenn man morgen in den Zeitungen lesen könnte, wegen des überschwänglichen Feierns prodeutscher Aktivisten nach dem Sieg der Borussia sei es in Paris zu schweren Krawallen gekommen (gerade fiel das 0:1, das Weiterkommen ist nun zum Greifen nahe, hoffentlich ohne prodeutsche Randalierer). Alter schützt vor Torheit nicht, heißt es. Ein „propalästinensischer Aktivist“ möchte der Blog nicht mehr werden. Für die Uni ist er zu alt. Angesichts der sinnlosen Härte, mit der die Israelis in Gaza vorgehen, kann er das jedoch nicht ausschließen – wegen ein paar Hamas-Leuten, die, wenn sie clever sind, längst vom Untergrund aus agieren, wird die Bevölkerung von einer Ecke des Streifens in den anderen geschickt. Militärisch macht das überhaupt keinen Sinn. Die Leute, die man haben will, sind längst abgetaucht. Reine Schikane. Großmannssucht scheint auch im Spiel zu sein – man will der Welt zeigen, dass man sich alles leisten kann. Israel braucht keine Konsequenzen zu fürchten, andere aber schon. Das könnte schlimm enden.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert