Passend zum Frauentag – „Captain Marvel“

Das hat Hollywood wieder glänzend hinbekommen – pünktlich zum Frauentag darf eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts eine Männerbastion erobern, und das auch noch mit Bravour, so dass ich das Kino mit dem Gefühl verließ, einen „Gründonnerstag“ erlebt zu haben – mir ist es wie den Jüngern, die mit Jesus das Abendmahl feierten, ergangen, ich wurde glänzend unterhalten. Das war fast schon wie zu DDR-Zeiten, als der Frauentag noch nicht dieses Karfreitags-Image hatte – statt auf die Straße zu gehen, um für die Gleichberechtigung zu demonstrieren, feierten damals die Frauen, wobei jene Männer, die an den üppigen Betriebsfeiern teilnehmen durften, die eigentlichen Nutznießer der Veranstaltungen waren. Mit „Captain Marvel“ ist die gewohnte Leichtigkeit, mit dem der Frauentag begangen wurde, wieder zurückgekehrt, was natürlich nicht den Blick auf die Ungerechtigkeiten, die es zwischen den Geschlechtern immer noch gibt, verstellen sollte. So würde es mich nicht wundern, wenn Brie Larson, die als „Captain“ es mit jedem Leinwand-Superhelden aufnehmen kann, sich für ihre Rolle mit einer weit geringeren Gage als ihre Star-Kollegen, die bei dem Betrag nur müde abwinken würden, hat zufrieden geben müssen. Aber da sind die Hollywood-Frauen, die als besonders tough gelten, dran, das zu ändern. Bei aller Euphorie – ein großer Teil des Erfolgs „Captain Marvels“ liegt auch darin, dass sie sie sehr männlich daherkommt. Wer fährt als Mädchen schon Co-Kart? Schon als Kind haben Blessuren wie eine blutige Lippe sie nicht davon abhalten können, mit dem Sport fortzufahren (ich glaub, es war Baseball). Daher ist der Film auch ein Statement, sich der Diktatur des Rosas, das ganze Mädchen-Generationen regelrecht verdorben hat, zu entziehen. (Mein Eindruck ist, dass die Jüngerinnen Heidi Klums besonders unter dem Terror, den diese Farbe ausstrahlt, zu leiden haben). Als „Captain“ muss sie dann noch viel mehr einstecken (bevor sie richtig austeilen kann). Insofern ist es ein Film, von dem am Frauentag die ganze Familie etwas hat. Und die nächste Folge steht schon parat. Ich bin gespannt, was Hollywood sich noch alles für weibliche Superhelden einfallen lassen wird. Was wird aber der nächste „Gründonnerstag“ vor einem Frauentag bringen? Eine Päpstin im Vatikan? Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen würde. Bei Päpstinnen fallen mir immer die Frauen ein, die im Radio Fußballspiele schildern – immer wenn ich die Konferenz höre, was in letzter Zeit sehr selten der Fall war, wünsche ich mir, dass sie kein Tor verkünden müssen. Das ist nur etwas für ganz nervenstarke Leute. (Bei einem Tor für Schalke, denen es im Augenblick ziemlich dreckig geht, würde ich eine Ausnahme machen.)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.