Nur schnell raus aus den Gräben,

denn sitzt man zulange in ihnen fest, vernebeln die Gräben einem die Sinne, wie Mendes im Film „1917“ eindrucksvoll zeigt – nach Jahren des Stellungskriegs war den englischen Soldaten die Fähigkeit, einzuschätzen, ob von den Deutschen eine Gefahr ausgehen könnte, total abhanden gekommen. An das Leben in den Gräben waren sie so gewöhnt, dass sie aus ihnen gar nicht mehr herauswollten, es sei denn, ihnen wurde befohlen, anzugreifen. Vermutlich hätten die „Top Brass“ an der Frontlinie niemanden gefunden, der sich mit einer wichtigen Meldung durchs vermeintliche Niemandsland zu einem Truppenteil durchschlägt, wenn nicht ein Bruder der sich in Gefahr befindenden Einheit für die Mission zur Hand gewesen wäre. Dass er, wie schnell klar wird, gar nicht für die Aufgabe geeignet ist, spielt für die Offiziere keine Rolle (zum Glück sind sie aber zu zweit). Nichtsdestotrotz ist er wild darauf versessen, ihm zu helfen, so dass das Abenteuer für die beiden und den Kinobesucher ohne viel Vorgeplänkel losgehen kann. Dass ausgerechnet in der Woche des Kinostarts es jemand schafft, „Soldaten“ noch schneller aus den Gräben zu holen, kann man als Ironie der Geschichte bezeichnen – im Laufschritt und mit erhobenen Händen mussten Russlands Minister ihre Stellungen, aus denen sich mancher gar nicht mehr herausgewagt hatte, verlassen. An vorderster Front steht nun der Chef der Steuerbehörde, und das voraussichtlich für längere Zeit, da für dessen alten Posten schon jemand gefunden wurde (lt. Colonel Cassed soll der Neue verkündet haben, seine wichtigste Aufgabe sei die Begrenzung der Menge des elektronischen Geldes). Sollte Russlands neuer Ministerpräsident so wie der Muster-Steuerbeamter „Ekki“ aus der Wilsberg-Serie sein, stehen den Russen, besonders den reichen, schwere Zeiten bevor – seine Truppe wäre dank modernster Technik sofort in der Lage, loszustürmen. Es fehlt nur jemand, der sich traut, zum Sturmangriff zu pfeifen. Vermutlich soll er das tun. Angriffsziel kann es nur sein, jenen, die vom Wirtschaftssystem profitieren, mehr als nur die obligatorischen 13 Prozent Einkommenssteuer abzuverlangen. Angesichts des Baubooms in Moskau – gestern wurde Terminal C in Scheremetjewo nach dem Umbau wieder freigegeben (super schick, die Endkapazität soll bei 80 Millionen Passagieren liegen, das bei zwei weiteren Großflughäfen in der Umgebung) – muss reichlich es viel Geld geben, dass der Staat abschöpfen kann, um so Russlands sozialen Frieden retten zu können. (Bleibt alles beim Alten, startet die nächste Revolution wohl irgendwo in der Provinz.) Leider ist unser Ministerpräsident nicht so mutig – statt sich einen schnelleren Ausstieg aus der Kohle mit mehr Geld bezahlen zu lassen, hat er dafür gesorgt, dass Sachsen-Anhalt ziemlich spät von ihr lässt. Ein Fehler, denn niemand weiß, ob angesichts der Probleme, die der Klimawandel mit sich bringt, der Bund überhaupt noch in der Lage bzw. willens ist, in 10 Jahren die jetzt vereinbarten Hilfen zu zahlen. Da könnte es ganz anderen Prioritäten geben (Deichbau, Bekämpfung der Folgen der Dürren, Infrastruktur, Umbau der Wirtschaft etc.).

PS: Schlechte Nachrichten für alle, die gehofft hatten, ISIS sei besiegt – erst gestern wurde der dickste Mann, nach dem je gesucht wurde, festgenommen. Lt. RT ein Mufti, der beim Daesh war. Eigentlich müsste er überall auffallen. Es ist nicht falsch, zu vermuten, dass die ganz dünnen Dschihadisten für die Fahnder unsichtbar sind.

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