Mit grausamen Fußball kann man Titel gewinnen

Ein Triumph des Antifußballs, der, so wie der Sieg der Griechen bei der EM 2004, hoffentlich als Unfall bzw. Ausrutscher in die Geschichte dieses Sports eingehen wird – 105 Minuten haben sich die Portugiesen geschont, um im zweiten Teil der Verlängerung, als die Franzosen platt waren, aufzudrehen. Zwar Portugal kann sich nach zig Anläufen endlich Europameister nennen, jedoch hat den Titel ausgerechnet die Generation gewonnen, an deren Spielweise der Zuschauer überhaupt keine Freude hat. Die pure Langeweile, ihnen zuzuschauen. Selbst Luis Figo musste während des Spiels gähnen. Seine Landsleute haben den Zuschauern bis dahin, es war ungefähr in der Mitte der 2. Halbzeit, überhaupt nichts geboten. Der Mitleidsbonus, den jedes Team erhält, wenn ihr bester Spieler den Platz verlassen muss, war da längst eingelöst, ja die Mannschaft stand sogar im fetten Minus, als die Kamera auf die Tribüne schwenkte. Ronaldo musste nämlich raus, und dank Hajo Schumacher, der geschrieben hatte, Portugals Superstar sei ein alleinerziehender Vater ( 7 Jahre mache er das schon) und würde sich nicht tätowieren lassen, weil er Blutspender sei, hatte ich mir fest vorgenommen, diesen Superfußballer, aus dem ein Engel geworden wäre, wenn er nicht so gut mit dem Ball umgehen könnte, sympathisch zu finden. Was ich auch schaffte. Als Ronaldo sich dann unbedingt heraustragen lassen musste, kamen erste Zweifel an meinem Vorsatz auf. Kurz vor Beginn der Verlängerung kam er, den ich im Krankenhaus wähnte, wieder in den Innenraum, um seine Spieler anzufeuern. Später gab er dann noch den Trainer, indem er in der Coachingzone wild umhersprang. Mich würde es darum nicht wundern, wenn jemand auf die Idee käme, bei der UEFA den Antrag zu stellen, deswegen Portugal den Titel abzuerkennen. Er hat sich damit wenig Freunde gemacht. Den Franzosen ist es heute wie den Deutschen ergangen – sie konnten einfach ihre Chancen nicht nutzen. Selbst Griezmann, der jede sich bietende Chance verwertet, wollte kein Tor gelingen. Nach einer schönen Hereingabe Comans hätte er sich die Ecke sogar aussuchen können. Er köpfte bzw. streifte den Ball mit seinem Kopf neben das Tor. Kurz vor Schluss gab es noch einen Pfostenschuss. Anschließend war es um Frankreichs Dominanz geschehen – nach und nach übernahmen die Portugiesen das Kommando. Dass am Ende die Kräfte fehlten, liegt auch an deren Spielweise – Griezmann und Co. Rennen einfach zu viel. Alleine Sissoko legte vier oder fünf preisverdächtige Sololäufe hin. Alle umsonst. Die Mannschaft muss effektiver werden. Auf Deschamps wartet noch viel Arbeit.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.