War je eine Prognose mal richtig?

Wo war Merkel? Nicht dass ich wegen ihr geguckt habe, aber hätte sie die Kamera eingefangen, wäre mir heute erspart geblieben, ihr zu bescheinigen, dass sie eine Fußballexpertin ist, denn da sie wie so viele im Land mit einem Sieg der Deutschen rechnete, hatte sie bestimmt geplant, am Sonntag zum Endspiel zu kommen. Daraus wird nun nichts. Dafür ist sie, wie Millionen Menschen auch, nun Expertin für Fußballkunde (Fairerweise muss ich hinzufügen, dass vor ihrer Berufung sich bereit viele Millionen als Kenner betrachten konnten. Gestern sind noch einige Hunderttausende zugekommen.) Als Spezialist muss man ein Ergebnis nicht unbedingt korrekt vorherzusagen, sondern braucht nur nachzuweisen, dass anhand der Informationen, die einen zur Verfügung stehen richtig, nur nichts anderes herauskommen konnte. Da das Team bisher kaum Probleme hatte, ja sogar Italien besiegt wurde, so dass seit knapp einer Woche das Land zum ersten Mal in seiner Geschichte keinen Angstgegner mehr kennt, können jene, die auf Sieg gesetzt haben, mit Fug und Recht von sich behaupten, sich in diesem Metier auszukennen. Wenn heute die Zeitungen, allen vorn die Zeit, mit Löw (ein wenig) ins Gericht gehen, werden Millionen nicht automatisch zu Laien degradiert. Nichtsdestotrotz ist es schön, Löw in der Kritik zu sehen. Dass ich bereits meine Lieblingspassage, die mit Löw absolut nichts zu tun hat, ausgeguckt habe, liegt nicht unbedingt an meiner Herkunft, sondern weil ich mich in meiner Einschätzung (Stichwort Panzer) bestätigt sehe.
(„To an older generation their inability to produce those ragged, ugly, deeply West German kind of players who could rabbit-punch a game away in the clinches has been notable. Oh for a Rudi Völler-style striker here, able to niggle and burp and snatch a victory out of the air.“)
So sehr Merkel etwas vom Fußball verstehen mag, von der Politik hat sie, wenn man sie nach ihren Prognosen, die grundsätzlich nie Realität werden, beurteilt, keine Ahnung. Jüngstes Beispiel ist der Brexit, den sie immer als Gefahr für das Bestehen der EU hingestellt hat. Neueste Umfragen zeigen, dass die Gemeinschaft beliebt wie nie zuvor ist. Zudem sind auch noch die Rechten auf dem Rückzug (wie im Blog vorausgesagt). Gäbe es jetzt Referenden über den Ausstieg, blieben alle im Club. Die Briten haben sich von den Horrorszenarien blenden lassen und wirklich geglaubt, ihr Ausstieg würde den Anfang vom Ende der EU bedeuten. Weit gefehlt. Wenn es den Europäern nach dem Brexit weniger schlecht als den Briten ergeht, ist dies ein guter Grund, drin zu bleiben. Vermutlich ist das auch das Kalkül der hiesigen Politiker – ein Hinweis auf die Zustände auf der Insel könnte ihn Zukunft reichen, alle Kritik niederzuschmettern. Dann gibt es noch die Geschichte vom unterernährten Putin, der an Landhunger, den er im Westen Russlands zu stillen gedeckt, leidet. Da genau das Gegenteil der Fall ist – man zielt darauf ab, die Abhängigkeit des Landes vom Baltikum zu verringern (Stichwort neue Häfen vor den Toren Petersburgs) –, drängt sich der Verdacht auf, der Westen wolle den Kreml für seine Autarkiebestrebungen bestrafen. Schließlich haben wir ja die Globalisierung. Da die Russen nun das, nach dem sie streben könnten, selbst haben, ist es völlig ausgeschlossen, dass sie kommen. Merkel liegt wieder einmal falsch. Statt Politik zu machen, sollte sie lieber den Job Löws übernehmen. Mit ihr verteidigt Deutschland den Titel in Russland.

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