Maximal 5 Sterne für die neuen Impfstoffe

Warum soll ein Bewertungsmuster, das sich in der Kultur mit Ausnahme der Literatur, deren Kritiker wohl aus Respekt vor der Arbeit eines Schriftstellers darauf verzichten, Sterne zu verteilen, nicht auch für Impfstoffe gelten? (Mich würde auch nicht wundern, wenn sich die meisten Literaturkritiker für einen Reich-Ranicki halten sollten. Dessen Verrisse haben die Leute erst animiert, schlechte Bücher – „schlecht“ war, wenn ich mich recht erinnere, sein Lieblingswort – zu kaufen. ) Die NYT hat heute die erste Impfstoff-Kritik veröffentlicht. Und die betrifft ausgerechnet „Sputnik V“, ein Impfstoff, der bei dessen Ankündigung als solcher gar nicht angesehen wurde, so dass man den Eindruck haben konnte, Schamane aus dem hintersten Sibirien müssen den Stoff während einer wilden nächtlichen Austreibungszeremonie bei minus 40 Grad zusammengestellt haben. Nun haben die Russen nicht nur den ersten Impfstoff hergestellt, sondern auch noch die erste Kritik erheischt. Fehlt ihnen nur, bescheinigt zu bekommen, dass ihre Erfindung bestens funktioniert, wozu die NYT aber nicht in der Lage, da der Test in der Praxis fehlt – wenn man die wissenschaftliche Arbeit, die die Russen veröffentlicht haben, mit dem Kino vergleicht, dann haben sie einen vielversprechenden Trailer erstellt. Die werden ja auch bewertet, jedoch nicht von Leuten, die das hauptberuflich machen. Ein guter Trailer macht noch keinen guten Film. Aber es scheint ganz gut auszusehen, auch weil die Zahl der Antikörper recht hoch sein soll, so dass das Zeug aus Russland wie geschaffen für die Deutschen ist – wie beim Kauf ihrer Autos werden sie jene Impfstoffe mit den höchsten „PS“ wählen. Diese Angabe (vermutlich eine Zahl pro Liter) werden wir mit Sicherheit in den Impfstoff-Kritiken finden. Da werden sicherlich noch mehr hinzukommen. Und diverse Informationen, für wen der Stoff geeignet ist und für wen nicht. In Russland gehen die Politiker beim Impfen mit guten Beispiel voran – der Verteidigungsminister Schoigu hat sich publikumswirksam der Prozedur unterzogen. Die Bilder wecken Vertrauen. Und ist ein sehr mutiger Schritt, da nicht wenige starke Männer Angst vor der Spritze haben. Dass ich Frau Kramp-Karrenbauer würde dennoch abraten, ihm zu folgen, liegt nicht an meinem Lieblingswort „Misogynist“ (weil es so gut klingt) – nur Manfred Wörner, der vor mehr als 30 Jahren diesen Posten bekleidete, könnte da mithalten. Das heißt aber noch lange nicht, dass die deutschen Männer sich abducken, so dass alles wieder bei der Kanzlerin hängen bleibt. Ich finde, dass Deutschland Impfkandidaten, die mit den Russen oder gar Donald mithalten können, ins Rennen schicken kann – in denke da in erste Linie an Markus Söder und Bodo Ramelow.

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