Man muss nicht jeden Film gucken

Große Sünden kann nur der liebe Gott verzeihen, kleine jedoch man sich selbst, und da schon zwei Frauen den Saal in einem Zustand, der ihnen erlaubte, eine Kritik über „Only God Forgives“ zu schreiben, verlassen haben, bin ich guter Hoffnung, auch einigermaßen unbeschadet das Kino verlassen zu können, ich mir aber nun die Frage stelle, ob ich mir selbst verzeihen könnte, wenn mir der Film, was mit Sicherheit zu erwarten ist, überhaupt nicht gefallen würde, die ganzen Strapazen ich also völlig umsonst auf mich genommen hätte. (Die Vertreter der Generation „Popcorn“ sind wesentlich besser dran. Nichts kann sie aus dem Essrhythmus bringen. Keinem von ihnen dreht sich der Magen um.) Die SZ zeigt in ihrer Videovorschau nur Szenen, in denen die Schauspieler so manieriert auftreten, dass es mir schwerfällt, mir vorzustellen, wie die gewalttätig und sadistisch werden können. Vielleicht schaffe ich es ja, darauf eine Antwort zu finden. Lang genug läuft er. Irgendwann sogar im Original.

Wenigstens quält ARTE die Zuschauer kommende Woche nicht, wobei jene, die Heinrich George kennen, den Film über ihn als Ausnahme von der Regel werten könnten. Dagegen hilft nur, die Erwartungen herunterzuschrauben. Niemand kann ihn nachmachen, auch sein Sohn wird das nicht schaffen. Da am Montag immer zwei, manchmal sogar drei Filme (wie am kommenden) laufen, hätte ich absolut nichts dagegen gehabt, wenn der Sender zum Entschluss gekommen wäre, auch einen Film mit ihm zu zeigen. Leider hat man sich dazu nicht durchringen können. Leute, die nichts mit ihm anzufangen wissen, werden es schwer haben, zu verstehen, warum George so wichtig für die Nazis war. Man muss ihn schon gesehen haben. Er hat einfach alle an die Wand gespielt. Dabei musste er sich nicht einmal groß anstrengen. Ihm muss alles zugeflogen sein. Das Spielen wurde ihm in die Wiege gelegt. Ein Schauspieler, der natürlich war. Jedem Charaktere verlieh er Wärme. Immer war er sympathisch, selbst als Schurke.

Ich bin erstaunt, nun vom Spiegel zu erfahren, wie eng George mit dem Nazis zusammenarbeitete. (Mir war das nicht bewusst, da, so meine ich zu wissen, in der DDR einige seiner Filme liefen. Schwabe hatte ihn bestimmt in seiner Rumpelkammer.) Mitte April 45 schrieb er sogar noch einen Durchhalteartikel für den den Völkischen Beobachter. Zu dieser befand er sich im sicheren Lüneburg. Wegen seiner Familie ging er nach Berlin zurück. Ein Fehler, wie sich später herausstellen sollte. Nichtsdestotrotz ist mir rätselhaft, warum die Rote Armee ihn nicht freigelassen hat. Eigentlich waren die Offiziere erpicht, Stars wie ihn im Ostteil zu halten. Überraschend für mich auch, dass sich keiner seiner Kollegen ihn einsetzte. Fast scheint es so, dass vielen gelegen war, ihn im Gefängnis zu sehen. Und dann frage ich mich, ob Brecht ihn da herausgeholt hätte.

PS: „Operation Blitzgewitter“ läuft planmäßig. Am Donnerstag wollen die Gegner mit Störfeuer antworten. Der Blog wird darüber berichten.

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