Machiavelli wäre stolz auf heutige Politiker,

aber auf wen wäre Machiavelli am stolzesten? Angesichts vieler Kandidaten, die sich nur um Nuancen bei wichtigen Merkmalen, die einen Machiavelli ausmachen, unterscheiden (wie bspw. Machtbewusstsein oder die Wahl der Mittel), kann man bei der Wahl nicht viel falsch machen, vorausgesetzt man weiß, in welchem Kreis sie zu suchen sind. Natürlich fällt nicht Merkel darunter. May sicherlich schon eher. Dafür bestehen bei Boris nun gar keine Zweifel, ja er hat sogar beste Chancen hat, den Meister der Macht zu überbieten. Er muss nur den Brexit liefern, wobei ich ihm durchaus zutraue, selbst bei einer Volksabstimmung, die mit „Remain“ ausgeht, sich noch im Amt halten zu können. Der Mann ist eben flexibel. Das zeichnet einen guten Machiavelli aus. Am Ende wird er einen Vertrag, der sich nicht wesentlich von dem Mays unterscheidet, vorlegen. Und viele werden diesen aus Furcht, nicht am Chaos und der Not schuld zu sein, die ein Austritt ohne Vertrag zur Folge hätte, zustimmen. Ich glaube nicht, dass Boris als moderner Don Quichotte, der wild gegen die EU-Mühlen in Brüssel anrennt, in die Geschichte eingehen will. Je schlimmer und verheerender die Prognosen über einen ungeordneten Austritt, desto größer sind die Chancen, dass das Parlament seinen Vertrag durchwinkt. Einem echten Machiavelli wie ihm ist es egal, wer dafür stimmt. Für ihn ist nur wichtig, an der Macht zu bleiben. Eine machiavellische Leistung anderer Art vollbringen Putin und Erdogan zur Zeit in Syrien – so recht kann im Augenblick niemand sagen, ob sie noch Freunde oder schon Feinde sind. Vor einem Monat, als die Russen ihren ersten S-400 an die Türkei lieferten, wähnten die hiesigen Medien Erdogan schon in Putins neuem Warschauer Pakt. Nun drängen russische Jets türkische, die die eigene Verbände sowie Dschihadisten schützen wollten, aus den umkämpften Gebieten ab. Alles nur Show, den lt. Colonel Cassad sollen beide einen Vertrag, der dem Hitler-Stalin-Pakt, was die Aufteilung eines Territoriums betrifft (Polen), recht nahe kommt, unterzeichnet haben. Assad bekommt Idlib zurück. Dafür dürfen die Assad-Gegner die Gebiete der Kurden erobern, was die Ausrufung eines eigenen Staates noch unwahrscheinlicher macht. Ungewöhnlich ist auch, dass die Russen diesmal auch am Boden stark vertreten sind. Ohne deren Einsatz wäre der Angriff angeblich gar nicht erst zustande gekommen. Vielleicht ist die Zahl der militanter Dschihadisten zu hoch, um sie unbehelligt in Norden Syriens wursteln zu lassen. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich der Westen über Putins verstärktes Engagement empören wird (schon aus Angst, die Offensive könnte eine neue Flüchtlingswelle auslösen). Noch würde Trump, auch ein Machiavelli, die Russen gerne wieder unter den G7 sehen. Wie lange noch?

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