Liefern oder Nichtliefern – das ist hier die Frage,

und liefern muss, so will es die Ironie der Geschichte, nicht unbedingt der Mann, den dessen Parteimitglieder dazu auserkoren haben, das Land zu regieren, sondern der Oppositionsführer, der ab morgen beweisen muss, dass die höchstrichterlicher Entscheidung, ihn und seine Kollegen morgen wieder im Parlament arbeiten zu lassen, richtig ist. Nicht dass Corbyn zu faul und zu bequem wäre, seine Ziele durchzuboxen. Oder auszumachen ist, dass er keine Lust, sich mit der Regierung zu streiten. Der Mann diskutiert sehr lange. Sein Problem ist nur, dass er etwas liefern will, von dem er glaubt, das wird die Menschen in seinem Land versöhnlich stimmen, in Wirklichkeit jedoch sein Plan, es allen irgendwie recht zu machen, von den meisten abgelehnt wird. Wozu beim Brexit einen Kompromiss machen? Wer wie er für sein Königreich ein Status, wie Norwegen ihn hat, wünscht, der kann gleich in der EU bleiben. Damit nicht genug. Er muss erst einmal mit der EU darüber verhandeln. Und ganz im Gegensatz zu Boris, der in der Wählergunst nur vorne liegt, weil dessen Anhänger wissen, dass er überhaupt nicht daran interessiert ist, zu verhandeln, meint Corbyn es ernst damit. Polarisierer schwächt man nicht, indem man die Folgen deren unsinnigen Pläne abzumildern versucht. Nun ist Corbyn gezwungen, bis zum 31. 10. selbst etwas im Parlament auf die Beine zu stellen, sprich er muss (neudeutsch) liefern. Das wird schwer, ja das ist fast unmöglich. Niemand will ihn in eine Minderheitsregierung, die ihm erlauben könnte, seine Pläne mit Hilfe der EU durchzusetzen, hieven. Kommt es zu Neuwahlen, ist es angesichts der Zersplitterung der EU-freundlichen Parteien höchst wahrscheinlich, dass Boris durchregieren kann. Da war Greta wesentlich cleverer als Corbyn – die ließ gestern bei ihrem Auftritt vor der UN den Verdacht aufkommen, die viele Prominenz um sie herum könnte ihr Herz erweichen. Keine Kompromisse hieß ihre Devise. Da kann selbst Ulli Hoeneß noch etwas lernen. Sie hat sich sogar bei der UN über Deutschland beschwert hat, weil es nicht genug für die Umwelt tun würde. Gestern hieß es noch in der ARD, es sei eine Auszeichnung der UN, dass Merkel beim Klimagipfel als eine von vier reden durfte. Nur jene, die mit konkreten Maßnahmen den Klimawandel stoppten, hätten ran gedurft. So unrecht hat Greta mit ihrer Klage nicht – wäre sie gestern als Ehrengast nach Halle zur Eröffnung einer sanierten Straße eingeladen worden, hätte sie vermutlich den ganzen Abend im Hotel geheult (in Big Apple war es nur eine Träne). Gehwegsteine, soweit das Auge reicht, da in Halle das Umsteigen von der Bahn zum Bus sowie vom Bus in die Bahn neu erfunden wurde. Und ein überdimensionaler Kreisverkehr, den keiner braucht. Und Ampeln über Ampeln. Was hier geht, wäre in New York wegen Platzmangel unmöglich.

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