Kurdistan – wie May es beschrieben hat

Das haben sich Putin und Erdogan in Kurdistan ganz anders vorgestellt – statt mit Maschinengewehrfeuer wurden die Patrouille fahrenden Russen und Türken mit Steinen begrüßt, was für die Soldaten, die auserkoren worden sind, das „wilde“ Kurdistan zu zähmen, von den schlechten Empfängen der beste war, die beiden Politiker jedoch fürchten müssen, eine Art Widerstand niederringen zu müssen, gegen den sie nur schlecht aussehen können. Ziviler Ungehorsam ist die Form des Protests, den die Kurden gewählt haben. Wer versucht, ihn mit Panzern und schwerbewaffneten Soldaten niederzuringen, der landet fast immer auf der falsche Seite der Geschichte. Will Erdogan als Schlächter der Kurden in die Annalen eingehen? Wohl kaum. Ein Völkermord sollte den Türken reichen. Erdogan sitzt aber zu tief in der Falle, um einen einen „Blutsonntag“ ausschließen zu können. Die Bilder schaden seinem Image gewaltig. Und je länger sie zu sehen sind, desto lauter werden die Forderungen, sich das nicht bieten zu lassen. Wie Erdogan da wieder herauskommen will, bleibt sein Geheimnis. Es sieht ganz danach aus, als ob er sich den Tisch hat ziehen lassen. Die Patrouillen im Niemandsland bringen ihm jedenfalls nichts. Ihm helfen nur Gebiete, die die Kurden bereits verlassen haben, so dass er die syrischen Flüchtlinge dort ansiedeln kann. Ein lebendes Bollwerk, das Türken und Kurden voneinander trennt. Die Russen werden alles tun, dass dies nicht passiert. Und da seit den gemeinsamen Ausflügen durch Kurdistan nicht mehr über Angriffe der Russen auf Idlib berichtet wird, liegt die Vermutung nahe, dass Putin auf die Eroberung der letzten Dschihadisten-Hochburg verzichtet hat, was ein ausgesprochener kluger Schachzug des Kremls wäre – die Kurden hätten wegen der Schwäche Assads quasi ihre Autonomie und die Flüchtlinge könnten in Idlib bleiben. Und da Einsatz gegen al-Bagdhadi hat gezeigt, wie leicht sich Terroristen ausschalten lassen, ist es besser, sie alle auf einen Haufen als weit verstreut zu wissen. Die Russen sind sich ihrer Sache so sicher, dass sie nun eine zweite Luftwaffenbasis in Syrien eröffnen wollen. Angeblich könne man von dort Raketenangriffe auf Russland besser unterbinden. Dass die Russen beabsichtigen, sich für lange Zeit in Syrien festzusetzen, zeigt auch das erste Manöver der See- und Luftreitkräfte Russlands im Mittelmeer. Für die Kurden sieht es so schlecht gar nicht aus.

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