„Kopftuchmädchen“ schafft es ins Parlament

Das sind Wahlen, wie sie mir gefallen – während hierzulande die Weidel im Bundestag gegen „Kopftuchmädchen“ zu Felde zieht, wird in Amerika ein „Kopftuchmädchen“ ins Parlament, genauer in das Repräsentantenhaus, gewählt. Wie das möglich ist? Da es dem Blog leider nicht möglich war, den Wahlkampf in Minnesota, wo das „Kopftuchmädchen“ in ihrem Wahlkreis stolze 78,2 % erreicht hat, zu verfolgen, bleibt ihm nur übrig, zu mutmaßen, dass den Amerikanern eine „Kopftuchdebatte“, die hier seit mehr als 8 Jahre mal mehr, mal minder intensiv geführt wird (der Einfachheit halber habe ich die Suche auf das erste Ergebnis, das Google bei den Suchwörtern „Alice Schwarzer“ und „Kopftuch“ ausgespuckt hat, beschränkt), erspart geblieben ist. Wer nun glaubt, bei dem „Kopftuchmädchen“ müsse es sich um eine Republikanerin, die wegen Aussagen wie Frauen sollten zu Hause, um die Kinder großzuziehen, sowie die Wohnung nur in Begleitung ihrer Männer verlassen dürfen (ich gebe zu, dass das etwas zu übertrieben klingt), der irrt sich – Ilhan Omar, so heißt das „Kopftuchmädchen“, um das es geht, fordert u. a. einen Mindestlohn von 15 Dollar sowie freien Zugang zu den Unis für jene Studenten, deren Eltern weniger als 125.000 Dollar im Jahr verdienen (natürlich ist sie Demokratin). Sollten entgegen des Klischees, das besagt, „Kopftuchmädchen“ seien konservativer als katholische Hausfrauen, hier Kopftuchfrauen leben, die einen höheren Mindestlohn fordern und gegen Studiengebühren sind, sollten sich diese schleunigst bei den Linken, Grünen und der alten Tante SPD zu melden. (Ganz mutige Frauen können versuchen, in die AfD zu kommen, um so die Partei von innen völlig unauffällig zu zersetzen. Am besten im Wahlkreis Weidels.) Wider den Assimilationsdruck. So gut gemeint auch die Kampagne der Feministinnen, das Kopftuch als Symbol der Unterdrückung darzustellen, ist – sie hat nur dazu beigetragen, dass immer mehr Menschen glauben, Deutschland sei durch Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet. Lt. einer Untersuchung der Uni Leipzig sind 45 Prozent der Ost- und 33 Prozent der Westdeutschen dieser Meinung. Zählt man die Zahl derer, die teils-teils meinen, hinzu, ist man bei stolzen 73 bzw. 61 Prozent. Es wäre natürlich falsch, diese Werte, so reizvoll es auch ist, Alice Schwarzer und Co. in die Schuhe zu schieben. Aber irgendwie hat die unselige Debatte dazu beigetragen, dass das Land immer mehr nach rechts rutscht.

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