Kommt Röttgen 57 Jahre zu spät?

Hat Röttgen Sie überrascht? Nicht wirklich, denn er hat immer den Eindruck vermittelt, dass er sich von seiner Partei, der CDU, für die Abende, an denen die Politiktalkshows laufen, zum Bereitschaftsdienst hat einteilen lassen – wenn es in seiner Partei kriselte, war Röttgen zur Stelle, um den Zuschauern zu erklären, dass es nicht so schlimm sei. Bei internationalen Krisen ist er eh gebucht. Auf seine außenpolitische Expertise möchte kein Showmaster verzichten. Das macht ihn zu einem legitimen Nachfolger des Alten, der einige Jahre das Außenministerium als Zweitjob geleitet hat, was angesichts des Freund-Feind-Denkens in den 50ern nicht allzu schwer war. Für Röttgen steht die Bündnistreue auch über allem. Und da er in den 60en wegen seines Aussehens und Auftretens als deutscher Kennedy – smart, eloquent und elegant – umjubelt worden wäre, stellt sich schon die Frage, ob seine Kandidatur nicht 57 Jahre zu spät kommt. Damals hätte er locker dessen Nachfolgeschaft antreten können. Heute ist dieser Typ mega-out, wie das Beispiel Macron zeigt. Typen wie Boris und Farage, die es schaffen, vielen Wählern glauben zu lassen, sie würden sich von Normalbürgern nicht sonderlich unterscheiden, sind gefragt. Bei Röttgen fällt es schwer, sich das vorzustellen zu können. Er hat etwas Snobistisches an sich. Früher kam das gut an. Heute tun sich viele schwer damit. Gut möglich, dass sich der Blog irrt. Vielleicht schafft er es wirklich bis ganz nach oben. Merkel wird dessen Kandidatur freuen. Denn nun spricht vieles dafür, dass es doch wesentlich länger dauern wird, einen Nachfolger AKKs zu finden. Und sollte er wirklich ins Bundeskanzleramt einziehen – angesichts des CO2 Abdrucks, den ein Außenminister hinterlässt, hätte niemand etwas dagegen, wenn Röttgen dieses Amt auch ausüben würde (wenigstens auf den Flugreisen) –, dann erwartet ihn womöglich eine Welt, die er sich jetzt noch gar nicht vorstellen kann, denn lt. Magnier schwindet der Einfluss des Westens nach dem Tod Soleimanis schneller als unter ihm selbst. Die „Achse des Widerstands“ marschiert. Und es ist nicht auszuschließen, dass die Türkei und Saudi-Arabien in einer schweren Krise stecken, wenn Merkel geht. Das sind aber Röttgens geringsten Probleme. Er muss erst einmal darauf hoffen, dass niemand weiß, dass er mal Umweltminister gewesen ist. Wenn er es schafft, dass sich niemand erinnert, hat er die Kandidatur als Kanzlerkandidat so gut wie sicher.

PS: Mach‘s noch einmal, Bodo – wir brauchen wieder eine Abstimmung. Diesmal sollte es ein Misstrauensvotum gegen Kemmerich sein. Alle wollen sehen, wie CDU, FDP und AfD diesen gemeinsam abwehren.

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