Bye, Bye, Mammut – das war es wohl für Dich

Und wenn entgegen aller Widrigkeiten und Rückschlagen Wissenschaftler doch noch in der Lage sein sollten, ein Mammut aus gefrorener DNA zu erschaffen, dann kommt es viel zu spät – genau jetzt hätten wir das Tier brauchen können, besser noch ein paar Dutzend, die samt ihres Nachwuchs in diesem Sommer in Sibirien grasen. Leider interessiert sich die Wissenschaft erst in jüngster Zeit für sie. Ein Fehler, denn nichts hätte die Menschen – und ganz besonders Kinder – glaubhafter klarmachen können, dass der Klimawandel eine ernsthafte Angelegenheit ist, als ein Mammut, das vor den Feuern, die in Tundra herrschen, wegrennt. Was bei den Dinosauriern noch ein Trick ist (um die in Bewegung zu setzen, lassen die Filmmacher einen Supervulkan ausbrechen oder einen Meteoriten auf die Erde treffen), wäre hier die Realität – ein Herde stampfender Mammuts, die im rasenden Tempo der Gefahr, die von der Brandwalze ausgeht, flieht. In einer Zeit, in der Dokus, anders als noch vor 60 Jahren, als Grzimek („Steinlaus“) mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ auf ein breites Echo stieß, nichts mehr zu bewirken scheinen, müssen dramatische Szenen, die die Leute aufrütteln, her. Wenigstens würden die Kinder dieser Welt ermutigt werden. Was braucht es mehr, etwas gegen den Klimawandel zu tun, als Mammuts, die um ihr Leben kämpfen (da wäre selbst Greta chancenlos)? Wie bspw. sich nicht mehr von Mutti im Chelsea Tractor zur Schule kutschieren zu lassen. Oder sich überhaupt zu weigern, in solch ein Ungetüm einzusteigen. Während die Eltern mit dem Tractor an die Ostsee fahren, reisen deren Kinder mit dem Zug an. (Schön wäre es, sein Gepäck bei sich zu haben. Aber das wäre wohl ein bisschen zu viel verlangt. Nicht alle sind wie Greta, unsere moderne Vorzeige-Heilige.) Da die Brände in Sibirien mangels wachrüttelnder Bilder nichts bewirken werden, bleibt uns nicht anderes übrig, als auf die Weisheit und die Durchsetzungsstärke unserer Politiker zu vertrauen. Wer im Fernsehen verfolgt hat, wie sich Merkel und von der Leyen diese Woche in Brüssel begrüßt haben, wird nicht umhin kommen, festzustellen, dass wir uns da keine Hoffnungen machen dürfen – es war, als ob sich zwei Frauen nach dem Lockdown erstmals wieder zum wöchentlichen Klatsch in der angesagtesten Konditorei der Stadt getroffen hätten. Da war wenig Schwung und Elan zu spüren, vom Willen, die Menschen mitzureißen, ganz zu schweigen. Oder wenigstens zu überzeugen. Die werden ja heutzutage auch mitgenommen. Aber wer würde schon bei Merkel und von der Leyen einsteigen wollen?

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