Glück für die Saudis, Pech für die Welt

Was gestern für die Saudis noch als Supergau aussah, über den „Colonal Cassad“ schrieb, die Einschläge der Kamikaze-Drohnen (und Cruise Missiles?) seien so präzise, dass der Angriff der Houthis auf die größte Erdölraffinerie der Welt durch aus mit jenem der Japaner auf Pearl Harbor verglichen werden könne, ist heute zu einem Betriebsunfall herabgestuft worden, dessen Reparatur nur drei bis vier Wochen dauern werde. (Auf Hawaii war es ähnlich – nicht moderne Flugzeugträger wurden zerstört, sondern Schlachtkreuzer, die, wie sich später herausstellen sollte, nicht mehr zeitgemäß waren.) Die „petrolfinen“ Bürger dieser Welt können dank der Mitteilung der Saudis aufatmen. Sie werden sich fürs erste nicht einzuschränken brauchen. Und selbst wenn Aramco, der Konzern, der die Anlage betreibt, entschieden länger für die Reparatur benötigen sollte, dürfte der Preis wegen Fähigkeit des Marktes, den Angebotsverlust kompensieren zu können, nicht weiter steigen. Insofern war es ein kluger Schachzug, so zu tun, als ob man alles im Griff habe. Für den Klimaschutz ist das aber eine Katastrophe – der wichtigste Ölexporteur der Welt halbiert seine Produktion und der Verbraucher merkt es nicht. Zu allem Überfluss liefern klassische Ölländer wie Venezuela, Libyen und Iran aus verschiedensten Gründen nur ein Bruchteil dessen, was sie früher mal imstande waren, zu fördern. Macht es da überhaupt einen Sinn, den Bürger für den Fall, dass sie ein E-Auto kaufen, Kaufprämien und Vergünstigungen in Aussicht zu stellen? Wer in Norwegen ein E-Auto fahrt, dem erlässt der Staat praktisch alle Abgaben, während er von den Besitzern herkömmlicher Wagen diese schonungslos zu fordern gedenkt. 2 Milliarden Dollar kostet das dem Staat jährlich. Petrodollars, die der Staat in Form von Steuern von jedem Unternehmen einnimmt, das vor der Küste Öl und Gas fördert, machen die Zuschüsse möglich. Viele der Besitzer von E-Autos dürften vom Ölboom profitieren. Aber wäre es fürs Klima nicht besser, wenn der Staat es den Konzernen erschweren würde, neue Lagerstätten zu erschließen? Indem er es bspw. unterlässt, neue Konzessionen herauszugeben. Oder die Dividende von Ölkonzernen mit einer Ökoabgabe besteuert. Stattdessen kommt er mit einer CO2-Abgabe, der der Verbraucher zu tragen hat. Und natürlich werden E-Autos gefördert, während die Bahn und der öffentliche Nahverkehr auf der Strecke bleibt. Nichts anderes wird auf dem Klimagipfel übermorgen beschlossen werden. Wegen der geringen Schäden haben sich die Chancen für die Saudis, Aramco erfolgreich an die Börse zu bringen, erhöht (vermutlich auch mit dem Ersparten stolze E-Autobesitzer). Der Börsengang ermöglicht den Saudis, dank neuer Felder die Welt weiter mit Öl überschütten zu können.

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