Frau Muhamed Ali – wie die Zeiten sich ändern

So ändern sich die Zeiten – wäre Frau Muhamed Ali vor mehr als 40 Jahren zu einer Fraktionsvorsitzenden, egal welcher Partei, gewählt worden, hätten alle gedacht, wie verrückt und verzweifelt müssen die Politiker sein, dass sie nun einen Boxer in ein so wichtiges Amt hieven. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass es sich um eine Frau handeln könnte. Umso größer dann das Erstaunen, wenn Frau Muhamed Ali dann in der Tagesschau gleich am Anfang präsentiert worden wäre. Dass heute ihre Wahl kaum aufsehen erregt, liegt nicht daran, dass kaum noch jemand Muhammad Ali kennt, sondern weil wiir uns an fremdländische Namen schon gewohnt haben. (Nichtsdestotrotz muss ich zugegeben, dass ohne die Artikel über sie ich im Internet hätte nachschlagen müssen, ob Muhamed ein weiblicher oder männlicher Vorname ist.) Nicht Muhammad Ali zu sein sollte sie nicht daran hindern, in der Politik genauso leichtfüßig und locker wie ihr berühmter Namensvetter aufzutreten – der gab im Ring regelrechte Tanzeinlagen, an denen seine Gegner verzweifelten, ja er sie damit in den Wahnsinn trieb. Sollte Frau Muhamed Ali in der Lage sein, im Hohen Haus so geschmeidig, flink und schlagkräftig wie Ali es zu tun pflegte auftreten können, wäre für beste Unterhaltung gesorgt. (Am liebsten wäre mir, wenn sie als ersten den Riexinger k.o. schicken könnte. Es macht sich immer gut, zuerst einen Mann aus der eigenen Partei auf die Bretter zu schicken.) Ihre wichtigste Aufgabe wird sein, dafür zu sorgen, die Menschen wissen, für welches Kernthema der Partei sie steht, wenn von ihr die Rede ist. Mit dem Verbraucherschutz, für das sie bisher bei den Linken verantwortlich war, wird sie nicht weit kommen. Zum Glück bleibt Sahra Wagenknecht der Partei erhalten, so dass es eigentlich nur besser für Partei werden kann. Hat Eva Morales geschafft, Janukowitsch den Titel als schnellster Exilant unter den Präsidenten/Regierungschefs streitig zu machen? Es sieht ganz danach aus. Von ihm hätten wohl die wenigsten erwartet, dass er das Land verlässt. Aber es war das Beste, war er tun konnte, selbst wenn sich herausstellen sollte, dass seine Leute das Wahlergebnis zu seinen Gunsten manipulierten. Sobald die Bolivier die Ruhe, die nun einzukehren scheint, als normal betrachten, müssen seine Nachfolger beweisen, dass sie auch regieren können. Das wird für sie nicht so einfach, wie die Beispiele aus den Nachbarländern zeigen. Zu einer wirklichen Alternative gegen den Linken haben sich die Rechtsparteien nicht entwickeln können. Darum scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Morales auf dem Flughafen in La Paz begeistert von seinen Anhängern gefeiert wird. Und während die hiesigen Medien die Meinung vertreten, die Ablösung Evas sei rechtens gewissen, weiß „Colonel Cassad“ über einen faschistoiden Millionär, der die Umtriebe unterstützt haben soll, zu berichten. Mich würde nicht wundern, wenn der Colonel Recht hätte.

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