Es wird nicht einfach, die „Sprache der Macht“ zu lernen

„Europa muss lernen, die Sprache der Macht zu sprechen.“ – wie man die „Sprache der Macht“ nutzt, hat heute der Supreme Court mit seinem Urteil, einen großen Teil der Zölle, die Trump Handelspartnern unterschiedlicher Couleur aufgebrummt hat, für nichtig zu erklären, gezeigt. (Die 25 Prozent, die auf indische Ware wegen des Imports russischen Öls erhoben werden, stehen bei russischen Bloggern ganz oben auf der Liste der Zölle, die das Gericht kappte.) Die Reaktion kam prompt und harsch, was darauf schließen lässt, dass man sich im Weißen Haus sicher war, Amerika, von ein paar Leuten, deren Job es ist, jeden Abend Krawall zu machen, abgesehen, sicher im Griff zu haben. Nun steht Trump auf einmal als inkompetent da. Und sich noch inkompetenter mit seiner Reaktion, einen neuen Zoll zu erheben, gemacht. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis man seine Amtserhebung fordert. Bis dahin wird es mit Sicherheit noch schlimmer – da Trump einen Erfolg braucht, wird der Iran das Schlamassel, in dem er steckt, ausbaden dürfen. Ist das die „Sprache der Macht“, die Merz uns beibringen will? Gegenüber den USA hapert es mit der neuen Sprache selbst bei ihm gehörig (bis jetzt ist das nicht einmal A1-Niveau) – die drei Bundeswehrsoldaten, deren mutmaßliche Aufgabe daran bestanden haben soll, herauszufinden, was die Europäer tun könnten, wenn Trump Grönland zur Normandie macht, reisten nach einem Tag wieder ab. Statt vor den Amis schützen die Europäer die Insel nun vor den Russen und Chinesen, so wie Trump es gefordert hat. Die Briten haben gar einen Flugzeugträger in den Norden geschickt. Sollte er die Sprache, die er für die Russen verwendet, meinen, muss man ihm schon jetzt das Prädikat C1 zugestehen. Sollte er ein noch höheres Level anstreben, wäre er nicht, wie man annehmen könnte, auf dem Level eines Dolmetscher, sondern am Rande eines Kriegs mit dem Kreml, bestimmt gar schon mittendrin, da alle gewaltlosen Maßnahmen so gut wie ausgeschöpft sind. Es bleibt nur, deren Schiffe zu kapern, so wie die Briten es zu Zeiten Drakes vorgemacht haben. London will nun dafür Drohnen einsetzen. Um zu üben, wie man sich verteidigt, haben die Chinesen ein Handelsschiff mit Luftabwehrraketen ausgestattet. Solange dem Bund Soldaten fehlen, die im Baltikum Dienst schieben, ist Merz Rhetorik mehr Schein als Sein (auch wenn kein Frieden in Sicht ist). Sollten sie gezwungen, angehende Rentner zu nehmen, würde sich der Blog melden – am Wochenende geht es dann in die Oper nach Petersburg. Den Spielplan des Mariinsky Theaters gibt es sogar auf Englisch.

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