Die Stealth-Partei

Würden Sie, wenn Ihre Lieblings-Admiralin Miss Marple (Margeret Rutherford) wäre, nicht auch gleich nach der letzten Sendung Illners googeln, wenn Sie erführen, diese habe sich „als Hommage an die metaphorisch maritime Herkunft der jungen Partei in eine Art graues Admiralsjäckchen geworfen“? Als ich sie dann sah, war ich froh, meine Meinung nicht ändern zu müssen. Margeret bleibt die Nummer Eins. Zugegebenermaßen ist es auch recht schwer, sich vorzustellen, dass sie ein „Admiralsjäckchen“ tragen könnte, wenn nur die farblich abgesetzten Ärmelenden darauf schließen lassen, was immerhin ein Merkmal ist, die Jacke damit genau ein Charakteristika mehr als jene Partie aufweist, über die gestern diskutiert wurde. Anders noch als bei den Grünen, die sich schon rein äußerlich von den etablierten Parteien, es waren derer 4, unterschieden (Stichwort Turnschuhe und strickende Parteitagsmütter), ist es recht schwierig, rein vom Äußeren einer Person herzuleiten, ober diese ein Vertreter der Piraten sein könnte. Darum ist es auch kein Wunder, dass deren Gründer einen Namen, der Abenteuer verspricht, ausgewählt haben. Das ist allemal besser als den Eindruck zu erwecken, dass Mitglieder und Sympathisanten einer Subkultur angehören müssen. In diesem Falle hätten es die alteingesessenen Parteien, die Grünen eingeschlossen, viel einfacher, sie zu attackieren. Und wenn man dann noch Forderungen, die vernünftig klingen, im Parteiprogramm hat, wird es schwer, sie zu stellen, geschweige denn sie zu packen. Genau das haben die Piraten gemacht, mit dem schönen Effekt, dass sie im Augenblick eine Stealth-Partei sind, was für die Gegner bedeutet, erst nach einer Wahl feststellen zu können, welchen Schaden ihnen diese Partei zugefügt hat. Im Gegensatz zum Militär, das viel Geld ausgeben muss, um sich dieser Technologie zu bedienen, kostet das Politik-Stealth fast nichts – sie müssen nur präsent sein, sprich Kandidaten für die Wahlen finden. Und es bedarf nicht einmal mehr rhetorischer Gefechte, um Erfolg zu haben. Junge Leute mögen das gut finden, ich aber vermisse den Streit, muss jedoch einräumen, dass die anderen Parteien keine große Lust haben, sich mit den Seeräubern zu streiten. Sie glauben, die würden sich irgendwann selbst entzaubern. Wenn sie sich da mal nicht täuschen. Dass die Political Correctness groteske Züge annehmen kann, zeigt die Suspendierung eines Schöffen wegen einer Bemerkung, die er einen Tag nach Breiviks Tat auf Facebook veröffentlichte – er schrieb, für ihn könne es nur die Todesstrafe geben. Als das zu Prozessbeginn bekannt wurde, hat man ihn gleich gegen jemand anderen ausgetauscht. Ich halte die Reaktion für völlig überzogen, und das nicht, weil ihm das Gesetz eh verboten hätte, dieses Strafmaß zu fordern, sondern seine Reaktion angesichts des Leids, das Breivik angerichtet hat, verständlich ist. Wenigstens hätte man ihn befragen sollen, ob er weiterhin diese Meinung vertritt (meines Wissens ist das nicht geschehen). Ich weiß nicht, ob es wirklich gut für die Seele eines Volkes ist, jemanden, der die Absicht hatte, eine Staatskrise auszulösen, übertrieben korrekt zu behandeln. Warum buht niemand, wenn er seinen Gruß, einen amerikanisierten Hitlergruß, mit dem er sich selbst hochleben lässt (Heil Breivik), zelebriert? Auf Bitten der Familien der Hinterbliebenen verzichtet er nun auf den Gruß.

PS: Deren Diskussion, wie mit rechtsradikalen Mitgliedern umgegangen werden soll, ist mir glatt entgangen. Peymann hat mich dazu gebracht, mich kundig zu machen.

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