Ein weiteres Vermächtnis?

Waren Sie auch genervt vom Tode Bowies? Ich habe gestern am späten Nachmittag den Fehler gemacht, Figaro zu hören. Das ist der Kultursender des MDRs, von dem ich trotz des tägliches Hörens (ungefähr eine Stunde) nicht im entferntesten daran gedacht hätte, dass dieser jemals dessen Lieder ausstrahlen würde. Gestern war alles anders, da lief Bowie nicht nur Nonstop, sondern es wurde über ihn geredet, was das Zeug hielt. Jeder, der über ihn etwas wusste oder mit ihm irgendwann einmal etwas zu tun hatte, kam zu Wort. Ein wahrer Albtraum. Einen Tag später ist alles anders. Die Aufregung um ihn hat sich gelegt. Dafür gibt es interessante Artikel über dessen Ablegen im Netz. (Vermutlich hat es die gestern schon gegeben. Aber da bin der Lust des Lesens beraubt worden. Die Live-Berichterstattung des Guardians, in der, so vermute ich, nur Prominente zu Wort gekommen sind, zählt nicht zu Beiträgen, die ich misse.) Heute hat mich die Zeitung mit einem wunderbaren Artikel über die Art und Weise, wie die Babyboomer dem Tod begegnen, entschädigt. Dank der Autorin darf ich mich dieser Generation zugehörig fühlen (gerade so habe ich es geschafft). Das stärkt natürlich die Aufmerksamkeit, zumal wenn man gleich zu Beginn erfährt, man würde dazugehören. Deren These, dass meine Generation (irgendwann einmal werde ich der älteste sein, was mich wegen Neumanns Ansicht, unter allen Umständen am Leben zu bleiben sei nicht mehr so entscheidend, zur einer Ausnahme unter Babyboomern machen würde) auf ein paar Jahre verzichtet, um ja den bisherigen Rhythmus beibehalten zu können, finde ich sehr interessant. (Hoffentlich ist nicht zu befürchten, dass wegen unserer Haltung, auf eine Behandlung zu verzichten und sich mit Schmerztabletten zuzuschütten, die Lebenserwartung sinken könnte.) Ob aus einigen Einzelfällen – siehe Maranow – geschlossen werden kann, es müsse sich um einen Trend handeln oder sogar typisch sein, wage ich zu bezweifeln. Die meisten werden alles über sich ergehen lassen. Mich würde es nicht wundern, wenn in den nächsten Tagen eine Diskussion losginge, in der es darum geht, ob Bowies Weg nachahmenswert ist. Die Versuchung ist groß, es in einer Situation, die seiner ähnelt, genauso wie er zu machen. Das ist eines der Vermächtnisse, die er uns hinterlassen hat. Der Umstand, dass es geschafft hat, während seiner Krankheit eine gute Platte aufzunehmen, macht diese Wahl noch interessanter.

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