Die Trumps sind eben Entertainer

Da hat Böhmermann aber noch einmal Glück gehabt – Erdogan kommt nicht, denn entgegen der vom Militär verbreiteten Meldung, er sei im Ausland, hat er in der Türkei Urlaub gemacht. Vermutlich als einziger hatte ich ihn in der Nacht zum Sonnabend bereits in Köln gesehen. Erstaunlicherweise hat Erdogan, der nur knapp dem Tod entging, es in nur vier Tagen geschafft, die Zahl derer, die glauben, außerhalb der Türkei könne er für seine Landsleute mehr bewegen, zu vertausendfachen (vielleicht sind sogar schon Hunderttausende dieser Meinung). Weit davon entfernt, den Beliebtheitsgrad der Nelkenrevolutionäre zu knacken, haben es die Putschisten wenigstens geschafft, niemanden in Europa dazu zu bewegen, für ihn auf die Straße zu gehen. Nur einige aus der türkischen Diaspora haben ihn in dieser denkwürdigen Nacht unterstützt. Aber wer nach der Zerschlagung des Aufstandes meint, sich als Iwan, der Schreckliche aufführen zu müssen, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihn nur die Türken mögen. Der Mann ist gerade dabei, sein Land in einen islam-faschistischen Staat zu verwandeln. Der „Führerdusel“, ohne den ein solches Gebilde nicht entstehen kann, scheint ihm hold zu sein – zum einen kamen die Fallschirmjäger, die ihn in seinem Hotel ausschalten sollten, 15 bis 30 Minuten zu spät, zum anderen teilte der Pilot, der ihn nach Istanbul flog, jenem im Abfangjäger, die sein Flugzeug abschießen sollte, mit, es würde sich um einen regulären Flug Turkish Airlines‘ handeln. So viel Glück hatte nicht einmal der richtige Führer. Jedenfalls nicht so geballt. Dank dessen Repressalien, über die ausführlichst berichtet wurde, kommt der nächste Putsch bestimmt. Da er weiß, dass er sich seiner Armee nicht sicher sein kann, ist mit allen zu rechnen. Sogar ein Austritt aus der NATO ist vorstellbar. Schließlich haben ausgerechnet Teile der Luftwaffe, deren Offiziere aufgrund ihrer Ausbildung als pro-amerikanisch einzustufen sind, den Aufstand erst möglich gemacht.

Hat Clinton einen Spion bei Trump eingeschmuggelt? Gut möglich. Aber wenn diese Person gedacht haben sollte, wenn sie Melanie Trump nachplappern ließe, was Michelle Obama bereits 2008 vorgetragen hat, würde das Locke schweren Schaden zufügen, hat sie sich gründlich geirrt – die Trumps haben es wieder geschafft, die Zuschauer bestens zu unterhalten. Selbst wenn sie wie Cicero gesprochen hätte, würde niemand jetzt über sie sprechen. So ist aber ihre Rede in aller Munde. Hätte niemand es bemerkt, würde der Kongress in den Nachrichten unter ferner liefen Erwähnung finden. Und je länger die Diskussion dauert, desto weniger Leute stoßen sich daran. In einer Woche lacht niemand mehr darüber. Dann ist das die normalste Sache der Welt. Und da Obama die Rede nicht selbst geschrieben hat, sehen viele nichts Schlimmes darin. Und da Trump versichert hat, den Text selbst verfasst zu haben, kann sich der Sympathien vieler Amerikaner sicher sein, auch wenn vieles abgekupfert ist. Die Trumps wollen als normale Leute wahrgenommen werden. Elitär ist Clinton, der ein solcher Fauxpas nicht passieren würde. Vermutlich schafft die Familie es mit dieser Strategie bis ins Weiße Haus. Zur Amtseinweihung kann Trump ja die Antrittsrede Obamas aus dem Jahr 2009 halten.

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