Die trübste Woche des Jahres – selbst mit Broder hellt es nicht auf

Wer ist nur darauf gekommen, in der ohnehin schon traurigsten Woche des Jahres, das sind die sieben Tage zwischen Volkstrauertag und Totensonntag, den Zuschauern Sendungen, in denen der Tot bzw. das Leiden derer, die wissen, dass sie wahrscheinlich bald sterben werden, im Mittelpunkt steht, zu präsentieren? Über das Schicksal jener, die um ihr Leben kämpfen, ausgerechnet jetzt (lt. Protokoll sind die Toten zu ehren) zu berichten, finde ich höchst unpassend. Es ist nun nicht so, dass sich niemand mehr an diese Tradition halten würde – ganz im Gegenteil, der Friedhof, wo meine Großeltern liegen, war am Sonnabendvormittag rappelvoll. Die meisten Besucher waren damit beschäftigt, die Gräber für den Totensonntag einzudecken. Vermutlich ist man davon ausgegangen, dass die Menschen in dieser Woche eher bereit sind, sich diesem aufwühlenden Thema, das selbst Hartgesottene nicht unbeteiligt lässt, zu stellen. Da kommt schon der Verdacht auf, dass man absichtlich diesen Zeitpunkt gewählt hat, zumal die ARD sich mit dem Schicksal Todkranker nur eine Woche lang beschäftigt. Warum verteilt man die Sendungen nicht über einen Monat?

Die Themenwoche „Leben mit dem Tod“ macht selbst vor den Radiosendern nicht halt. In den „Zwischentönen“ interviewte Sabine Küchler, die immer sehr geheimnisvoll und wunderlich spricht (ziemlich nervend), dass ich eine Sendung mir ihr nur verfolge, wenn sie interessante Gäste hat, einen Pallativmediziner, der sicherlich Wissenswertes zu berichten wusste, jedoch die Aussicht, dass mich am Abend noch Sendungen, in denen es auch um das Sterben geht, erwarten könnten, hielt mich davon ab, den beiden zuzuhören. Figaro widmete sich zur gleichen Zeit auch mit dem Thema. Als Hörer hat das natürlich den Vorteil, dass man sich nicht groß umstellen muss. Fairerweise muss ich sagen, dass die Sendung wegen der (Trauer)Musik (viel Jazz) samt Erklärungen – bspw. warum in New Orleans nur bei den Beerdigungen große Anteilnahme herrscht, danach die Menschen schnell wieder ins normale Leben zurückfinden – wesentlich abwechslungsreicher war.

Wäre ich bei den „Zwischentönen“ und Frau Küchler geblieben, hätte mich „Entweder Broder“ spätabends sicherlich erheitert. Leider aber war ich in zu guter Stimmung, um mich über ihn amüsieren zu können – Broders (Bildschirm)Humor (seine Feinde meinen, er habe überhaupt keinen) ist für Leute, die so miesepeterig gelaunt sind, dass sie sich daran ergötzen, wenn er über jemanden herfällt bzw. ständig herummeckert (seine Texte sind wesentlich besser). Da es über Deutschland nichts mehr zu meckern gibt, ist er nun in Europa unterwegs. Am Sonntag ist er in Straßburg und Brüssel gewesen. Natürlich ging es um die EU und deren Repräsentanten. Jeder will von ihm interviewt werden. Keiner traut sich, auf Broders spitze Fragen spitz zu antworten. Ein Beispiel gefällig? Auf Broders Bemerkung, die EU würde auch ein bin Laden-Mausoleum mitfinanzieren (lt. Broder habe sie dies bei Arafat gemacht), folgte nicht, dass dies nicht möglich sei, da die Amerikaner die Leiche ins Meer geworfen hätten. Bisky ehrt, dass er versucht hat, sich aus dem Staub zu machen. Broder lässt aber niemanden entkommen.

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